© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-42501-1.50055-7

10.1016/B978-3-437-42501-1.50055-7

978-3-437-42501-1

Tonschwellenaudiogramm bei Hörsturz des linken Ohrs. Die Hörkurven weisen einen panfrequenten Hörverlust von 60 dB auf

Hörsturz

H.-J. Welkoborsky

Definition

Der Hörsturz ist eine ohne erkennbare Ursache plötzlich auftretende Schallempfindungsschwerhörigkeit cochleärer Genese. In der Regel tritt er einseitig mit unterschiedlichem Schweregrad bis hin zur akuten Ertaubung auf. Ein synchrones beidseitiges Auftreten ist möglich, jedoch selten.

Anamnese

Meist ist die Anamnese kurz. Die Hörstörung erfolgt akut und ohne erkennbare Ursachen. Oft wird die Hörstörung in Ruhe bemerkt (z. B. beim Fernsehen oder nach dem Aufstehen).
Häufig treten Begleitsymptome auf: Tinnitus (= Ohrgeräusche), Druckgefühl im Ohr, subjektiver Schwindel. Einige Patienten berichten auch über eine Hyper- oder Diplakusis (Doppelhören) oder über ein pelziges Gefühl im und um das Ohr.
Weitere wesentliche Aspekte sind Hörstörungen in der Vergangenheit oder in der Familie, Unfälle, Medikamenteneinnahme und Allgemeinerkrankungen insbesondere mit kardiovaskulären Risikofaktoren (z. B. Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen). Wichtig ist auch die Frage nach Lebensgewohnheiten (z. B. Nikotinkonsum).

Untersuchungen

Zu einer HNO-ärztlichen Untersuchung gehört eine komplette endoskopische und Spiegeluntersuchung des Kopf-Hals-Bereichs mit Ohrmikroskopie. Weitere wichtige Untersuchungen sind z.B. Stimmgabelprüfungen, Tonschwellenaudiogramm (Abb. 1), Tympanogramm, transitorisch evozierte otoakustische Emissionen (OAE) oder die Vestibularisprüfung mit Elektronystagmographie. Daneben erfolgt eine Messung des Blutdrucks, an Laboruntersuchungen sind das kleine Blutbild und der Hämatokrit wichtig.
Je nach Ausfall der genannten Diagnostik können weitere Untersuchungen nützlich sein, z.B. Elektrocochleographie (ECoch), aber auch die Bestimmung von CRP, Differenzialblutbild, Kreatinin, Fibrinogenspiegel, LDL, HDL und Cholesterin, serologische Untersuchungen auf Borrelien, Lues, Herpes-Virus Typ I, Varicella-Zoster-Virus, HIV sowie die funktioneile Untersuchung der Halswirbelsäule. Die MRT kann zum Ausschluss eines Kleinhirnbrückenwinkeltumors oder anderer Pathologien im Bereich des Hirnstammes herangezogen werden, die CT zum Ausschluss eines Infarktgeschehens z. B. im Bereich des Kleinhirns.
Neben den genannten ohrspezifischen Untersuchungen ist eine aufwändige Differenzialdiagnostik notwendig, die eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit der Fachdisziplinen HNO, Innere Medizin, Neurologie, Orthopädie und ggf. Humangenetik erfordert .

Differenzialdiagnose

Mögliche Ursachen eines akuten Hörverlustes

Mögliche Erkrankung Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
M. Meniere Anamnese (fluktuierendes Hörvermögen, Schwindel, Tinnitus); Tonaudiogramm; ECoch
akutes Schalltrauma Anamnese; Tonaudiogramm
Barotrauma Anamnese; Trommelfellbefund; Tonaudiogramm
Otosklerose Anamnese (familiäre Häufung); Tonaudiogramm
virale Infektion Adenoviren; Zoster; Mumps; HIV; Anamnese; Trommelfellbefund; Tonaudiogramm
toxischer Innenohrschaden Anamnese (Einnahme ototoxischer Medikamente); Tonaudiogramm; OAE
Meningitis klinischer Befund; Anamnese; Trommelfellbefund
Perilymphfistel () Anamnese (häufig nach starker körperlicher Belastung); fluktuierendes Hörvermögen bis Surditas; Tonaudiogramm
Akustikusneurinom () Anamnese; MRT
Autoimmunvaskulitis () Anamnese; Tonaudiogramm; spezifische serologische Untersuchungen
bakterielle Labyrinthitis () Anamnese (Otitis media; Borreliose; Lues); Trommelfellbefund
hereditäre Schwerhörigkeit () Anamnese; Tonaudiogramm
genetisch bedingte Syndrome () Anamnese; klinische Befunde; genetische Untersuchungen
Liguorverlustsyndrom () Anamnese (Lumbaipunktion, Trauma); klinischer Befund; Tonaudiogramm
hämatologische Erkrankungen (z. B. Polyglobulie, Leukämie) () Anamnese, Labor
Erkrankungen bzw. Funktionsstörungen der Halswirbelsäule Anamnese, funktionelle Untersuchungen, Röntgen
kardiovaskuläre Erkrankungen (z. B. Hypotonie) Anamnese, weitere Untersuchungen
dialysepflichtige Niereninsuffizienz () Anamnese, Labor
Hörsturz unklarer Ätiologie Anamnese, Ausschlussdiagnostik

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen