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B978-3-437-42501-1.50061-2

10.1016/B978-3-437-42501-1.50061-2

978-3-437-42501-1

a, b Gichttophi. [Mir]

Nephrolithiasis (Ultraschalluntersuchung). [Bates]

Hyperurikämie

K.G. Parhofer

Definition

Unter einer Hyperurikämie versteht man eine Erhöhung des Harnsäurewertes über den Normbereich (Männer 3,5 -7,0 mg/dl, Frauen 2,5-5,7 mg/dl). Ab einer Konzentration von 7,0 mg/dl ist das Serum normalerweise mit Harnsäure gesättigt, sodass höhere Konzentrationen zu einer Urafkris-tallablagerung führen.

Eine Hyperurikämie ist ein sehr häufiger Befund, welcher entweder durch eine exzessive Uratproduktion oder eine verminderte renale Ausscheidung bedingt ist. Prinzipiell müssen primäre von sekundären Hyperurikämien unterschieden werden.

Anamnese

Obwohl der Harnsäurespiegel bei primärer Hyperurikämie bereits nach der Pubertät (insbesondere bei Männern) ansteigt, lassen sich Gichtanfälle meist erst in der 4. und 5. Lebensdekade nachweisen. Bei Frauen ist der Anstieg des Harnsäurespiegels und auch die Gichtanfälle wesentlich seltener und meist auf den postmenopausalen Zeitraum begrenzt (Östrogene steigern die Harnsäureausscheidung).
Wichtig ist es, nach Begleiterkrankungen oder Einnahme von Medikamenten zu fragen, die die Harnsäureproduktion beeinflussen können. Die Hyperurikämie ist auch mit Adipositas, Hypertonus, Diabetes mellitus und KHK assoziiert. Allerdings stellt insbesondere Letzteres vermutlich keine kausale Beziehung dar.

Untersuchungen

Bei der körperlichen Untersuchung sollte vor allem auf das Vorliegen einer abdominellen Adipositas, von Gichttophi (Abb. 1) sowie von Gelenkveränderungen geachtet werden. Mögliche Ursachen einer sekundären Hyperurikämie müssen ausgeschlossen werden.
Diagnostisch kommen bei primärer Hyperurikämie (an bildgebenden Verfahren v. a. Ultraschalluntersuchungen (Abb. 2) zum Einsatz (Ausschluss Nierensteine) sowie Urin-(Nephropathie, Kristalle) und Blutuntersuchungen (Fettstoffwechselstörung, Diabetes) . Die Uratablagerung kann zu drei wesentlichen Krankheitsbildern führen: Gicht, Nephrolithiasis und Uratnephropathie . Allerdings entwickelt nur ein geringer Anteil der Patienten mit Hyperurikämie diese Krankheitsbilder.

Differenzialdiagnosen

Ursachen für sekundäre Hyperurikämie

Erkrankung Kommentar
Enzymdefekte, z. B. Hypoxanthin-Guanin-Phosphoribosyltransferase-Mangel, Phosphoribosyl-Pyrophosphat-Synthase-Überaktivität seltene angeborene Stoffwechselerkrankungen, im Kindesalter diagnostiziert, Hyperurikämie meist nur Begleitphänomen
Glykogenspeicherkrankheiten (Glykoge-nose I, III, V, VII) seltene Stoffwechselerkrankungen, denen Enzymdefekte zugrunde liegen, im Kindesalter diagnostiziert; je nach Art der Glykogenspeicherkrankheit Hypoglyk-ämien und/oder neurologische Symptome im Vordergrund; Hyperurikämie meist nur Begleitphänomen
myelo-/lymphoproliferative, hämatolo-gische Systemerkrankungen, Tumoren durch erhöhten Zellumsatz Anstieg der Harnsäure; klinisch relevant vor allem bei Erkrankungen mit sehr hohem Zellumsatz (Leukämien) sowie bei deren Therapie (plötzlicher massiver Zellverfall); ausgeprägte Hyperurikämie Teil des Tumorlysesyndroms
Psoriasis Psoriasis mit Übergewicht, Diabetes, Hypertonie und Dyslipidämie (metabolisches Syndrom) assoziiert, damit auch Assoziation mit der Hyperurikämie; zugrunde liegender Pathomechanismus nicht geklärt
Medikamente (verminderte Harnsäureausscheidung) Thiazid-, Schleifendiuretika; Cyclosporin; Tacrolimus; Aspirin; Ethambutol; Pyrazinamid; Levodopa; Laxanzien
Medikamente (vermehrte Uratproduktion) Nikotinsäure, Zytostatika, Marcumar
Ernährungsfaktoren Alkohol, exzessive Purinzufuhr, Vitamin-B12-Mangel-ernährung, Bleiintoxikation, jede Form von Ernährung, die zum Übergewicht führt
endokrinologische Erkrankungen eine Reihe endokrinologischer Erkrankungen, wie Hyperparathyreoidismus und Hypothyreose, sind mit Hyperurikämie assoziiert, ohne dass der zugrunde liegende Mechanismus bekannt wäre
Niereninsuffizienz jede Form der eingeschränkten Nierenfunktion kann über eine verminderte Ausscheidung von Harnsäure zu einer Hyperurikämie führen
Ketoazidose bzw. Laktatazidose durch Verschiebung des Säuren-Basen-Gleichgewichts verminderte Ausscheidung von Harnsäure

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