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B978-3-437-42501-1.50066-1

10.1016/B978-3-437-42501-1.50066-1

978-3-437-42501-1

Hyponatriämie

M. Nebel

Definition

Eine Hyponatriämie liegt bei einer Serum-Natriumkonzentration < 135 mmol/l vor und ist die häufigste Elektrolytstörung bei Intensivpatienten. Sie kann zu gravierenden neurologischen Symptomen fuhren und ist mit hoher Morbidität sowie Mortalität verbunden.

Anamnese

Hyponatriämie bedeutet bei fast allen Patienten die Retention von Wasser, ausgelöst durch eine Imbalance zwischen Wasseraufnahme und -ausscheidung, die unterschiedliche Osmolari-tät ermöglicht die weitere Differenzierung. Eine hypoosmo-lare (hypotone) Hyponatriämie kann als Folge vielfacher Erkrankungen auftreten und findet sich bei 15–20 der hospitalisierten Patienten. Dem aktuellen Flüssigkeitsstatus entsprechend wird hierbei zwischen hypo-, hyper- und euvolämi-scher Form unterschieden. Eine hypovolämische Hyponatriämie mit der Folge eines verminderten Extrazellulärvolumens findet sich bei Erbrechen, Durchfall, starkem Schwitzen, Verbrennungen, Pankreatitis und renalem Flüssigkeitsverlust sowie unter Diuretikatherapie. Die euvolämische Hyponatriämie tritt auf bei endokrinen und zerebralen Krankheitsbildern, unter Thiazidmedikation, bei Schwartz-Bartter-Syndrom (SIADH = Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion), nach operativen Eingriffen, unter bestimmten Medikamenten und bei Wasserintoxikation. Die hypervolämische Hyponatriämie ist die häufigste Form und wird bei Herzinsuffizienz, Leberzirrhose, Niereninsuffizienz oder nephrotischem Syndrom gesehen.
Zur hyperosmolaren (hypertonen) Hyponatriämie kommt es bei Hyperglykämie oder Infusion hypertoner Lösungen. Eine normosmolare Hyponatriämie kann bei Patienten nach Prostataresektion auftreten, die normosmolare, aber natriumfreie Sorbitol-Spüllösung erhalten haben. Die Pseudohyponatriämie (normosmolar) ist ein Laborartefakt bei Hyperlipidämie und Hyperproteinämie, wenn die Natriummessung mit einem Flammenphotometer statt mit einer ionenselektiven Sonde erfolgt.

Untersuchungen

Bei der körperlichen Untersuchung finden sich neben Zeichen der jeweiligen Grunderkrankung bei Hypovolämie eine Exsikkose mit reduziertem Hautturgor und reduzierter Füllung der Jugularvenen oder bei Hypervolämie periphere Ödeme, Aszites und Pleuraerguss. Man unterscheidet zwischen akuter und chronischer (< bzw. > 48 h bestehender) Hyponatriämie. Symptome sind durch das hypoosmolar ausgelöste Hirnödem bedingter Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Kollaps, Lethargie, Muskelkrämpfe, Anorexie, Unruhe und Desorientiertheit.
Eine schwere, akute Hyponatriämie bei Serum-Natrium < 120 mmol/l kann zu Atemstillstand, Krampfanfall, Temperaturregulationsstörungen, Koma und letztendlich zum Tod führen.
Grundlegende Labordiagnostik ist die Bestimmung von Elektrolyten (Na, K, Ca, Cl) im Serum, Harnstoff, Kreatinin und Glukose zum Nachweis einer Hypovolämie, Hyperglykämie oder Niereninsuffizienz. Die weitere Differenzierung erfolgt durch eine Blutgasanalyse sowie die Elektrolytmessung (Na, K, Cl) im Urin sowie die Bestimmung der Plasma- und Urin-Osmolarität. Die Plasma-Osmolarität ist meist reduziert, die Urin-Osmolarität hilft bei der Differenzierung zwischen erhöhter ADH-Sekretion (> 100 mosmol/l) und Polydipsie oder Malnutrition (< 100 mosmol/l). Zur weiteren Differenzialdiagnose sind die Bestimmung der Schilddrüsenfunktion sowie die Analyse von Harnsäure, Lipiden, Gesamtprotein und Kortisol erforderlich . Nierensonographie und Echokardiographie sowie EKG ermöglichen die weitere Differenzialdiagnose renaler oder kardialer Erkrankungen .

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Hyponatriämie

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Thiazidtherapie Medikamentenanamnese
Niereninsuffizienz BGA, Retentionswerte
postoperativer Zustand Flüssigkeitsbilanzierung, ZVD-Mes-sung, Elektrolytstatus
SIADH Medikamentenanamnese, Mali-gnomausschluss, Abklärung neurologischer/psychiatrischer Erkrankungen
Polydipsie psychiatrisches Konsil
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