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B978-3-437-42501-1.50067-3

10.1016/B978-3-437-42501-1.50067-3

978-3-437-42501-1

Orthostatische Hypotonie (Abfall des systolischen und diastolischen Drucks) bei autonomer Neuropathie

Schellong-Test zum Nachweis einer hypotonen Regulationsstörung: Blutdruck und Pulsverhalten im zeitlichen Verlauf nach dem Wechsel aus liegender in die stehende Position. S = Sofortwert, syst. = systolisch, diast. = diastolisch [Roche]

Hypotonie

R. Brunkhorst

Definition

Die arterielle Hypotonie ist definiert als systolischer Blutdruck unter 100–105 mmHg, Krankheitsbedeutung hat sie aber nur, wenn sie mit Symptomen einhergeht.

Bei einer orthostatischen Hypotonie (auch posturale Hypotonie) handelt es sich um einen symptomatischen Blutdruckabfall durch Umverteilung des Blutes in stehender Position.

Der Krankheitswert einer Hypotonie kann sehr gering sein (z. B. orthostatische Hypotonie bei jungen Frauen), sie kann aber auch Anzeichen einer lebensgefährlichen Erkrankung (z. B. Sepsis) sein. Am häufigsten ist die orthostatische Hypotonie in idiopathischer Form. Man kann zwischen der orthostatischen Hypotonie und einer Hypotonie, die klinische Symptome auch im Liegen verursacht, unterscheiden, gelegentlich ist die orthostatische Hypotonie jedoch erstes Zeichen einer Hypotonie, die später auch im Liegen Symptome machen kann.

Anamnese

Die Anamneseerhebung sollte vor allem die Medikation berücksichtigen. Sie kann weitere zugrunde liegende Faktoren wie Diabetes mellitus, Parkinson-Syndrom oder andere ursächliche Mechanismen wie Herzinsuffizienz oder Hypovolämie aufzeigen. Eine Assoziation der Beschwerden zur Nahrungsaufnahme (Umverteilung des Bluts in die Splachnicus-Gefäße), Aufstehen aus dem Liegen am Morgen (Hypovolämie), Erhöhung der Umgebungstemperatur (Vasodilatation) oder körperliche Tätigkeiten sollten berücksichtigt werden. Symptome der Orthostasereaktionen können Benommenheit (Schwindel), Erschöpfung oder Müdigkeit, Störung des Denkprozesses, der Konzentration, Verschwommensehen, Zittrigkeit, Blässe, Angst und Palpitationen in absteigender Häufigkeit sein.

Untersuchungen

Bei der körperlichen Untersuchung muss nach klinischen Zeichen einer Varikose oder einer Herzinsuffizienz sowie auskultatorischen Zeichen einer Aortenstenose geforscht werden. Ein ausführlicher neurologischer Status gibt insbesondere Hinweise auf eine Polyneuropathie (abgeschwächtes Vibrationsempfinden, periphere, symmetrische Sensibilitätsstörung). Klinische Zeichen einer Hypovolämie oder Exsikkose (stehende Hautfalten, fehlende Halsvenenfüllung), Hinweise auf kardiovaskuläre Erkrankung (Ödeme, Pulsunregelmäßigkeiten), Infektionserkrankungen und endokrine Erkrankungen, gilt es zu beachten.
Zu den Basisuntersuchungen zählen z. B. Laboranalysen, Sono- oder Echokardiographie . Unter dem Schellong-Test (Abb. 2) versteht man wiederholte Blutdruck- und Pulsmessung für 10 Minuten im Liegen, dann direkt nach dem Aufstehen für weitere 10 Minuten . Fällt der systolische Blutdruck um mehr als 20 mmHg im Stehen ab, werden drei Formen der Hypotonie unterschieden:
Die sympathikotone Reaktion findet sich als harmlose Variante bei z. B. jungen Frauen und asthenisch leptosomem Körperbau, Immobilisation und Infekte wirken begünstigend. Weiter wird sie z. B. im Alter besonders häufig beobachtet.
Die hyposympathikotone Form kann ein Übergangsstadium zur asympathikotonen Hypotonie (Abb. 1) darstellen. Bei letzterer sind weitergehende spezielle neurologische Methoden indiziert, z. B. die Herzfrequenzvariabilität oder die pharmakologische Barorezeptorensensitivitätsprüfung .

Differenzialdiagnosen

Ursachen für eine Hypotonie

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Hypovolämie Anamnese, Labor, Sonographie
Medikamentennebenwirkung Anamnese, ggf. Labor, ggf. Schellong-Test
kardiovaskulär Anamnese, Labor, Sonographie, Echokardiographie
endokrin Anamnese, Labor, Sonographie, Echokardiographie
Infektion, Sepsis Anamnese, Labor, mikrobiologische Untersuchung
schwere venöse Insuffizienz Anamnese, Schellong-Test, venöser Fluss
Erkrankungen des autonomen Nervensystems () Anamnese, Schellong-Test, spezifische Funktionsuntersuchungen

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