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B978-3-437-42501-1.50068-5

10.1016/B978-3-437-42501-1.50068-5

978-3-437-42501-1

Deutliche gelbe Verfärbung der Skleren. [Mir]

Ikterus

P. Fickert

M. Trauner

Definition

Als Ikterus wird die Gelbfärbung von Skleren (Abb. 1) und Haut durch vermehrte Bildung oder verminderte hepatische Ausscheidung von Bilirubin bezeichnet.

Anamnese

Fragen nach durchgemachter Virushepatitis, Alkoholkonsum, Drogenabusus, Familienanamnese hinsichtlich Lebererkrankungen wie Hämochromatose oder Morbus Wilson zielen darauf ab, eine chronische Lebererkrankung so weit wie möglich auszuschließen bzw. zu erkennen. Im Speziellen ist die Anamnese hinsichtlich Gallensteinleiden, operativem Eingriff im Bereich der Gallenwege, früherer Ikterusepisoden, Kolitisanamnese (Diarrhö), Reisen, Risikoverhalten für Übertragung einer Virushepatitis, kardialen Vorerkrankungen (Synkopen, Herzinsuffizienz) und Medikamenteneinnahme zu erweitern. Außerdem müssen abdominale Schmerzen (Schmerzcharakter und Lokalisation), Gallekoliken, Fieber, Schüttelfrost, acho-lische Stühle und Juckreiz abgefragt werden.

Untersuchungen

Primär erfolgt die Suche nach Zeichen einer chronischen Lebererkrankung . Leber- und Milzgröße werden bestimmt. Positive Befunde legen eine bereits bestehende chronische Lebererkrankung nahe. Dunkler Harn bei Ikterus kann durch die Bilirubinurie bei Cholestase oder Hämoglobinurie bei massiver Hämolyse bedingt sein. Im Speziellen ist auf eine druckschmerzhafte Gallenblase oder Leber, Resistenzen im Oberbauch, extrahepatische Infektionen, Hämatome, Zeichen der Herzinsuffizienz (Beinödeme, Dys-, und Tachypnoe), Exantheme und schmerzhaft vergrößerte Lymphknoten zu achten.
Labor:
  • Basis: ALAT, ASAT, -GT, Bilirubin konjugiert und unkon-jugiert, alkalische Phosphatase, LDH

  • erweitert: Hepatitismarker (HBsAG, HCV-RNS), immunpathologisches Serumprofil (AMA, ANA, LKM, SMA) und Hämolysemarker (Haptoglobin, Hämopexin)

  • Harnanalyse: konjugiertes Bilirubin, Hämoglobin, Hämosi-derin.

Differenzialdiagnostisch wegweisend ist die Unterteilung in isolierte Hyperbilirubinämien (Bilirubin erhöht, ALAT und -GT normal), primär cholestatische Zustände (-GT, konjugiertes Bilirubin, AP > ALAT) und hepatitische Zustands-bilder mit cholestatischer Komponente (ALAT > AP, y-GT, Bilirubin).
Durch Ultraschalluntersuchung von Leber und ableitenden Gallenwegen erfolgt der Ausschluss einer Pfortader-, oder Lebervenenthrombose (Budd-Chiari-Syndrom) und der Ausschluss bzw. die Bestätigung einer mechanischen Cholestase. Bei möglicher inflammatorischer Cholestase sollte ein Thorax-Röntgen (Pneumonie?) und eine Harnuntersuchung (Harnwegsinfekt?) durchgeführt werden. Weiterführend ist gelegentlich die Computertomographie des Abdomens notwendig (z. B. Nachweis einer Divertikulitis).

Differenzialdiagnosen

Ursachen für einen Ikterus

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
mechanische Cholestase durch Stein oder Tumor Sonographie, Computertomographie, EUS, MRCP, ERCP
sepsisinduzierte Cholestase CRP, Prokalzitonin, Blutkulturen, CT Thorax und Abdomen
medikamentös induzierte Cholestase Anamnese (Antibiotika, NSAR, Paracetamol, Antiarrhythmika, Anabolika), Ausschlussdiagnose (d.h. normal weite Gallenwege in der Sonographie)
akute Hepatitis Hepatitisserologie (A, B, C, D, E), HCV-PCR, EBV- und CMV-Serolo-gie, immunpathologisches Serumprofil (ANA, LKM, SMA), kardiale Anamnese wie Synkope oder Blutdruckabfall?
akut-auf -chronisches Leberversagen Infektsuche (spontan bakterielle Peritonitis, Pneumonie, Harnwegsinfekt), Sonographie zum Ausschluss einer Pfortaderthrombose
postoperativer Ikterus Ausschlussdiagnose, Transfusionsanamnese, Art des Eingriffs wegweisend in der Differenzialdiagnose (Z. n. Laparotomie – biliäres Problem; Z.n. kardialem Eingriff – ischämische Hepatitis)

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