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B978-3-437-42501-1.50180-0

10.1016/B978-3-437-42501-1.50180-0

978-3-437-42501-1

Entzündlicher Gelenkerguss. Während bei nichtinfektiöser Genese der Erguss eine gelbe Färbung und leichte Trübung aufweist (a), zeigt sich bei infektiöser Genese ein septisch-purulenter Erguss, der aufgrund der hohen Zellzahl sehr trübe und grau-weißlich ist (b)

Infektiöse Arthritis

J. Strunk

Zur Orientierung

Bei der infektösen (septischen) Arthritis handelt es sich um eine direkte Infektion eines Gelenks (Monarthritis) und des periartikulären Gewebes durch Mikroorganismen. Klinisch imponiert diese Form der Arthritis oft mit deutlicher Schwellung, Überwärmung und Rötung des betroffenen Gelenks. An der Wirbelsäule finden sich infektiöse Spondylitiden, welche sekundär auf die kleinen Wirbelgelenke und Bandscheiben übergreifen können. Die Erregerinvasion findet meist hämatogen oder auf direktem Weg im Rahmen einer Punktion oder Operation statt. Die häufigsten Erreger sind Staphylokokken, Streptokokken/Gonokokken, gramnegative Bakterien (Pseudomonas, Proteus, E. coli, Salmonellen) und Haemophilus (häufigbei Kindern). Eine eindeutige diagnostische Zuordnung ist ausschließlich durch eine Gelenkpunktion und anschließender Synoviaanalyse möglich. Das purulente Punktat kann in vielen Fällen schon an dem sehr trüben, grau-gelben makroskopischen Aspekt erkannt werden (Abb. 1).

Therapie

Die wichtigste Maßnahme vor Einleitung einer Therapie stellt die diagnostische Punktion des betroffenen Gelenks dar, um die auslösenden Erreger bestimmen zu können . Bei dringendem klinischen Verdacht, dem makroskopischen Aspekt eines purulenten Gelenkergusses und einer entsprechend hohen Zellzahl muss unmittelbar nach Durchführung der Punktion eine initial breite parenterale antibiotische Behandlung eingeleitet werden . Da als häufigste Erreger einer Gelenkinfektion Staphylokokken oder Streptokokken zu finden sind, stellt die Wahl eines Aminopenicillins mit Betalaktamase-hemmstoff (z. B. Ampicillin/Sulbactam) eine wirksame Initialtherapie dar. Bei hoher systemischer Krankheitsaktivität mit drohender spetischer Aussaat kann auch eine Kombinationsbehandlung z. B. durch Gabe eines Cephalosporins (z. B. Cefota-xim-Gruppe) und eines Aminoglykosids (z. B. Gentamicin) durchgeführt werden. Bei Hinweisen auf eine bestehende Infektion mit gramnegativen Erregern kann auch ein Gyrasehem-mer mit guter Gewebepenetration (z. B. Ciprofloxacin) gewählt werden.
In enger Abstimmung mit einem Orthopäden oder Chirurgen muss frühzeitig die Vorgehensweise bezüglich einer notwendigen Gelenkdrainage mit Eiterentleerung festgelegt werden. Neben der arthroskopischen Spülung des Gelenks mit anschließender Spül-/Saugdrainage kann auch eine offene Revision je nach befallenem Gelenk und Ausdehnung des Befundes erforderlich sein.
Nach Erhalt der bakteriologischen Untersuchungsergebnisse sollte die Antibiose gemäß Resistenzlage der gefundenen Mikroorganismen (Antibiogramm) angepasst werden und über einen ausreichend langen Zeitraum von mindestens 2–4 Wochen in parenteraler Applikationsform verabreicht werden.

Komplikationen

Grundsätzlich besteht insbesondere bei immuninkompetenten Patienten das Risiko einer septischen Aussaat der Erreger. Bei der Entwicklung des Vollbildes einer Sepsis mit entsprechender Allgemeinsymptomatik und Kreislaufinstabilität müssen die Patienten intensivmedizinisch betreut und behandelt werden .
Bei fehlender oder unzureichender Therapie kann es zu einer rasch eintretenden Gelenkzerstörung kommen, die eine Gelenkersatzoperation mit Implantation einer Totalendoprothese erfordert . Hierbei ist darauf zu achten, dass eine solche Operation erst nach kompletter Erregersanierung stattfindet, um eine Protheseninfektion zu verhindern.

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