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B978-3-437-42501-1.50183-6

10.1016/B978-3-437-42501-1.50183-6

978-3-437-42501-1

Interstitielle Nephritis mit dichten Leukozyteninfiltraten im Tubulointerstitium (HE-Färbung, 100-fache Vergrößerung) [6]

Interstitielle Nephritis

G.A. Müller

O. Gross

Zur Orientierung

Die interstitielle Nephritis ist eine Entzündung des Nieren-interstitiums, die sich zumeist als akutes Nierenversagen präsentiert. Häufigste Ursache sind Medikamente, die systemische Allergiezeichen wie periphere Eosinophilie und Eosinophilurie hervorrufen. Seltenere Ursachen sind bakterielle Infektionen wie Legionellose, Leptospirose und Streptokokkeninfekte, aber auch Autoimmunerkrankungen wie Sarkoidose.

Daran denken ist das Wichtigste! Typische anamnesti-sche Hinweise sind systemische Allergiezeichen einschließlich Fieber, Urtikaria und (Arzneimittel-)Exanthem. Im Differenzialblutbild findet sich eine Eosinophilie, ebenso im Urin eine Eosinophilurie. Das akute Nierenversagen lässt sich durch die Bestimmung von Serum-Harnstoff und Kreatinin () nachweisen. In Zweifelsfällen erfolgt die Diagnosesicherung durch Nierenbiopsie (Abb. 1).

Ursachen der interstitiellen Nephritis

  • Medikamente (70): 30 Antibiotika (z. B. Penicilline, Cephalosporine, Rifampin), NSAR, COX-2-lnhibitoren, Furosemid, Thiazide, Cimetidin (Ranitidin), Allopurinol, PPI (Omeprazol), Indinavir, 5-Aminosalizylate .

  • Infektionen (15): Legionellen, Leptospiren, CMV, Streptokokken .

  • idiopathisch (10)

  • tubulointerstitielles Nephritis- und Uveitis-Syndrom (5), TINU-Syndrom .

  • Sarkoidose (< 5)

Verlauf

Bei Erstexposition dauert die T-Zell-vermittelte allergische Reaktion (Medikamenten-Haptene) in Form der interstitiellen Nephritis in der Regel Wochen, kann aber auch wenige Tage (Rifampicin) bis viele Monate (NSAR) betragen. Da diese allergische Reaktion meist erst Tage bis Monate nach Ansetzen eines neues Medikamentes auftritt, ist entscheidend, dass der betreuende Arzt bei systemischen Allergiezeichen wie Hautausschlag, Fieber und Eosinophilie überhaupt an die Möglichkeit einer interstitiellen Nephritis denkt und die oben beschriebenen Diagnosemaßnahmen sofort einleitet.

Therapie

Die beschriebenen Befunde sind so typisch, dass bereits bei Verdacht auf eine interstitielle Nephritis als wichtigste therapeutische Maßnahme das potenziell auslösende Agens sofort abgesetzt werden muss, um die Nierenfunktion zu retten!
Die Therapie ist abhängig von der Ursache der interstitiellen Nephritis. Sarkoidose und bakterielle Infektionen müssen ausgeschlossen werden. Zunächst muss das auslösende Agens abgesetzt werden. In schweren Fällen erfolgt in der Regel zusätzlich eine Kortisontherapie (1 mg/kg KG) für mindestens 1 Woche (Therapiedauer 3–6 Wochen). Die Therapie spricht meist innerhalb von 1–2 Wochen an. Die interstitielle Nephritis schreitet in den meisten Fällen so langsam voran, dass eine frühe, schnelle Diagnosestellung und Therapie die Nierenfunktion zumindest teilweise retten kann.

Komplikationen

Die wichtigsten Komplikationen sind:
  • Akutes Nierenversagen mit der Notwendigkeit der Dialyse. Die Nierenfunktion erholt sich bei der Mehrzahl der Patienten nach 1–2 Wochen unter Kortisontherapie .

  • Chronisches bis terminales Nierenversagen bei längerer Allergenexposition und histologisch nachgewiesenem chronisch interstitiellen Nierenschaden bei bis zu 40 der Patienten .

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