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B978-3-437-42501-1.50073-9

10.1016/B978-3-437-42501-1.50073-9

978-3-437-42501-1

Röntgenaufnahme der Wirbelsäule eines 68-jährigen Mannes bei primärer Osteoporose. Im Bereich der Brustwirbelsäule Keilwirbel mit ventraler Höhenminderung; thorakale Kyphose. Im Bereich der Lendenwirbelsäule Kompressionsfrakturen der Grund- und Deckplatten, sodass die Wirbel ein sanduhrför-miges Aussehen annehmen (Fischwirbel). [Rössler/Rüther]

Knochenschwund

C. Bollheimer

Definition

Eine in der Knochendichtemessung (s.u.) festgestellte Kalksalzminderung des Knochens ist definiert durch einen T-Score-Wert < 1,0 SD (= sog. Osteopenie) bzw. < 2,5 SD (= messtechnische Osteoporose) und Zeichen eines generalisierten Knochenschwunds.

Anamnese

Bei der Anamnese sollte gezielt nach möglichen Ursachen einer sekundären Osteoporose geforscht werden. Hierzu gehören Malabsorptionssyndrome, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sowie diverse cholestatische Lebererkrankungen. Weiterhin ist nach Hinweisen für endokrinologische Erkrankungen zu fahnden. Bei den hämatoonkologischen Grunderkrankungen (GE) sind neben therapiebedingten hor-monablativen Maßnahmen ein Plasmozytom und eine Mastozytose zu bedenken. Unbedingt zu eruieren sind ferner eine chronische Niereninsuffizienz (renale Osteopathie), das Vorliegen rheumatologischer Grunderkrankungen sowie eine Organtransplantation. In der Medikamentenanamnese sollte außer nach längerfristiger Kortikosteroideinnahme auch nach Anwendung von Heparin, Antiepileptika und Levothyroxin (in thyreosuppressiver Dosierung) gefragt werden .
Bei der Erhebung der Risikofaktoren sind neben Alter bzw. Menopauseneintritt gezielte Fragen zum Lebensstil (Inak-tivität, Sturzneigung, Depression, Nikotin- und Alkoholabusus) und zur Familienanamnese (Schenkelhalsfraktur der Mutter?) wichtig. Ein BMI < 19 kg/m2 ist ein weiterer Risikofaktor.

Untersuchungen

Die Untersuchung der Wirbelsäule (Körperhöhenbestimmung im Verlauf, Tannenbaumphänomen, Witwenbuckel, Osteoporose-Bäuchlein) gibt Hinweise auf einen manifesten Knochenschwund mit vertebragenen Frakturen. Konventionelle Röntgenaufnahmen (Abb. 1) der BWK und LWK zeigen typischerweise Kompressionsfrakturen mit Keil-, Plattoder Fischwirbelbildung . Ein Knochenschwund lässt sich in der konventionellen Röntgenaufnahme erst bei einem Substanzverlust von mehr als 40 nachweisen.
Die Knochendichtemessung mit der DXA-Methode sollte Messpunkte an verschiedenen LWK und Regionen des Schenkelhalses beinhalten Streng genommen gilt nur für dieses Verfahren die Definition des T-Werts als Abweichung vom Mittelwert der Knochenmasse junger gesunder Erwachsener. Der T-Wert wird dabei unter Annahme einer Normalverteilung als Standardabweichung ausgedrückt.
Um eine primäre Osteoporose von anderen Skeletterkrankungen abzugrenzen, ist neben der Anamnese ein laborchemisches Screeningprogramm sinnvoll .

Differenzialdiagnosen

Ursachen eines Knochenschwunds

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
primäre Osteoporose Ausschlussdiagnose; einzige Positivkriterien: postmeno-pausaler Status bzw. Alter > 60 Jahre
idiopathische Osteoporose Ausschlussdiagnose für prä-menopausale Patientinnen bzw. Patienten < 60 Jahre
sekundäre Osteoporosen:
bei gastroenterologischen und hepatologischen Grunderkrankungen u.a. gastroenterologische Abklärung mit endoskopischer, Antikörper- oder Funktionsdiagnostik
bei endokrinologischen Grunderkrankungen, z. B.:
  • Cushing-Syndrom

• Medikamentenanamnese, ggf. 1-mg-Dexamethason-hemmtest, Mitternachtskor-tisol und/oder 24-Stunden-Sammelurin auf Kortisol
Hypogonadismus Hypogonadismus und Zyklusstörungen
Typ-1 -Diabetes-mellitus / • Anamnese
Hyper- und Hypothyreose / • TSH-Wert-Bestimmung
bei rheumatologischen Grunderkrankungen, z. B.: rheumatoide Arthritis ARA-Klassifikationskriterien, Autoantikörper
bei Z. n. Organtransplantation Anamnese
vom (unscharf definierten) Überbegriff der sekundären Osteoporosen abzugrenzende Erkrankungen mit Knochenschwund:
primärer Hyperparathyreoidismus zusätzlich zu Kalzium im Urin erhöht, Sonographie, optional: MRT, Nebenschilddrü-senszintigraphie
Plasmozytom zusätzlich zu Serumeiweiß-Elektrophorese, Bence-Jones-Proteine im Urin, Knochenmarkpunktion

Fortsetzung

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
renale Osteopathie zusätzlich zu Differenzierung Low-versus High-turn-over-Osteopathie
kalzipenische Osteomalazie synonym: sekundärer Hyperparathyreoidismus zusätzlich zu achten auf diffuse Knochen- (Leiste!) und Muskelschmerzen, O-Beine, fehlende UV-Bestrahlung?, Hinweise auf Nahrungsdefizit und/oder Malassimilation, auch Frage nach Barbiturat-einnahme
Ausfürliche Tabelle mit Differenzialdiagnosen

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