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B978-3-437-42501-1.50075-2

10.1016/B978-3-437-42501-1.50075-2

978-3-437-42501-1

Koma

S. Hörnschemeyer-Decker

Definition

Das Koma ist ein Zustand tiefster, durch äußere Reize nicht zu unterbrechende Bewusstseinsstörung, die lang andauernd ist. Es zeigt stets einen Ausfall der kortikalen Hemisphärenfunktion an, bedingt durch:

  • ausgedehnte morphologische Schädigungen

  • Schädigung der neuronalen Funktion auf subzellulärem oder molekularem Niveau

  • Läsionen im retikulären Aktivierungssystem des Mittelhirns und des Dienzephalons

  • einen Zusammenbruch der kortikalen Signalverarbeitung. Ursache ist entweder eine Stoffwechselstörung, eine Intoxikation oder eine zerebrale Läsion.

Die Graduierung der Komatiefe erfolgt anhand der Glas-gow-Coma-Scale.

Anamnese

Wichtig ist die Erhebung einer Fremdanamnese, die klären sollte, unter welchen Umständen das Koma auftrat (spontan/Trauma), wie schnell es sich entwickelt hat und welche zusätzlichen Symptome vor und währenddessen aufgetreten sind.
Gezielte Fragen werden nach Begleiterkrankungen, wie Stoffwechselstörungen, nach Medikamenten-, Alkohol- und Drogeneinnahme gestellt. Weitere Fragen sind z. B.: Gab es besondere Hinweise beim Auffinden des Patienten (Spritzen, Tabletten)? Bestanden Fieber, eine Verschlechterung des Allgemeinbefindens, Kopfschmerzen?

Untersuchungen

Zusätzlich zur internistischen Untersuchung erfordert der komatöse Patient eine komprimierte neurologische Untersuchung. Äußere Traumafolgen, Foetor, Herz-Kreislauf-Situation und das Atemmuster können Hinweise auf die Ursache des Komas geben.
Motorische Phänomene , Meningismus und Pupillenreaktionsanomalien weisen auf eine zerebrale Ursache hin. Beim einfachen Koma treten primär keine zusätzlichen Herdsymptome auf.
Das Koma kann metabolisch verursacht sein: Störung des Glukosestoffwechsels, hepatisches, urämisches, Nebennieren-, hypophysäres, thyreotoxisches oder Myxödemkoma, Koma bei Hyperviskositätssyndrom, Koma bei schweren Allgemeinveränderungen, Koma bei Störung des Wasser-Elektrolyt- und des Säure-Basen-Haushalts, hypoxisches Koma (z. B. nach Reanimation). Die Diagnose erfolgt vor allem durch die Bestimmung von: Glukose, Elektrolyten, Kreatinin, Harnstoff, Kalzium, Phosphat, TSH, Serumosmolarität und/oder Parathormon.
Intoxikationen mit Psychopharmaka, Sedativa und Hypno-tika, Analgetika und Antipyretika, Alkohol, Opiaten, Kohlenmonoxid, Lösungsmittel, Zyankali sowie Atropin lassen sich durch ein Medikamenten- und Drogenscreening bzw. Bestimmung des Blutalkoholgehalts erkennen .
Besteht der Verdacht auf zerebrale Affektionen wie intrazerebrale Blutung, Hirninfarkte (einschließlich Basilaristhrombose), Subarachnoidalblutung (SAB), sub-/epidurales Hämatom, Sinusvenenthrombose, Hirntumor, Hirnabszess, Meningitis/Enzephalitis, Contusio cerebri oder Status nonconvulsivus, ist zunächst eine CT/MRT mit ggf. arterieller und/oder venöser Darstellung erforderlich . Bei fehlendem Nachweis eines Infarkts oder einer Blutung muss unverzüglich die Lumbaipunktion erfolgen. EEG und digitale Subtraktions-angiographie (DSA) sind weitere diagnostische Maßnahmen.

Differenzialdiagnosen

Mögliche Ursachen eines Komas

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Intoxikation Drogenscreening, Blutalkohol
zerebrovaskuläre Störungen CT/MRT ggf. mit arterieller/venöser Darstellung, DSA
intrazerebrale Blutungen CT
diabetische Störungen Glukosebestimmung, Laktat
Meningitis/Enzephalitis CT/MRT, Lumbaipunktion
Epilepsie EEG
urämische Störung Kreatinin, Harnstoff
hepatische Störung Ammoniak
Status nonconvulsivus EEG

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