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B978-3-437-42501-1.50076-4

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978-3-437-42501-1

Kopfschmerzen

H.-J. Welkoborsky

Definition

Kopfschmerzen können bei einer Vielzahl von Erkrankungen auftreten. Sie gehören zusammen mit Schwindel, Rückenschmerzen und Infekten zu den häufigsten Beschwerden in allgemeinmedizinischen Praxen.

Anamnese

Die Anamnese bringt in vielen Fällen bereits entscheidende Hinweise auf die Genese. Erfragt wird: wann die Kopfschmerzen erstmals auftraten und in welcher Intensität sie auftreten, ob vegetative Begleiterscheinungen (z. B. Vomitus) oder ein Zusammenhang mit Änderungen der Kopf- oder Körperposition bzw. psychischer Belastung (Stress) bestehen. Weitere Fragen beziehen sich auf zuvor erlittene Unfälle oder Begleitsymptome (Sehstörungen etc.). Charakter (dumpf, stechend, bohrend), Dauer (anhaltend, anfallsartig etc.) und Lokalisation des Schmerzes sind weitere wichtige Aspekte. Eventuell berichtet der Patient von einer Aura oder anderen Symptomen wie Na-ckensteifigkeit, Bewegungsstörungen.
Weiterhin interessieren mögliche schmerzauslösende Mechanismen (Trigger) sowie bekannte Erkrankungen (entzündlich, kardiovaskulär, vaskulär, neurologisch) oder die Einnahme von Medikamenten.

Untersuchungen

Da vielfältige Ursachen zugrunde liegen können, erstreckt sich die Diagnostik auf unterschiedliche Fachgebiete. Hierbei sind Anamnese und Symptomeinordnung – besonders wichtig. Im Einzelfall werden folgende Untersuchungen erforderlich :
  • neurologische, internistische (Blutdruck!), HNO-ärztliche und/oder ophthalmologische Untersuchung

  • CT bzw. MRT des Gehirns, der Nasennebenhöhlen und der Schädelbasis zum Ausschluss einer Raumforderung bzw. einer vaskulären Malformation

  • funktioneile Untersuchung der Halswirbelsäule

  • orientierende Untersuchung des Gebisses und der Kiefergelenke.

Ggf. sind noch zusätzliche Untersuchungen notwendig , z. B. Lumbalpunktion (Subarachnoidalblutung, Meningitis), Doppler-Sonographie, Angiographie (Aneurysmen), EEG, SNP (sensorisch evozierte Potenziale), ENG und/oder Labordiagnostik (BSG, Blutzucker, Blutfette, Schilddrüsenhormone oder Borre-liose-Serologie) sowie mitunter eine psychologische Untersuchung.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Kopfschmerzen

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
wiederholt anfallsartig
Migräne Anamnese, klinischer Befund, neurologische Untersuchung, EEG, MRT
Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Syndrom) Anamnese; klinische Symptomatik; neurologischer, HNO-ärztlicher und ophthalmologischer Befund, MRT unauffällig
Trigeminusneuralgie Anamnese; klinische Symptomatik; evtl. pathologische Trigemi-nus-SEP, MRT, neurologische Untersuchung
schlagartig auftretend
Subarachnoidal-, intrazerebrale Blutung Anamnese, klinischer Befund, Liguorpunktion, MRT, Angiographie; umgehende neuroradio-logische oder -chirurgische Intervention
Meningitis Anamnese, klinischer Befund, neurologische Untersuchung, Lumbalpunktion, CT NNH bzw. Mastoide zum Ausschluss Ausgangsherd bzw. Eintrittspforte
chronisch, meist diffus
Spannungskopfschmerz Anamnese, klinischer Befund, internistische Untersuchung zum Ausschluss z. B. einer arteriellen Hypertonie, neurologischer Befund, EEG, MRT
posttraumatisch Anamnese (Z. n. Schädeltrauma oder SHT), neurologische Untersuchung, MRT, Hörprüfungen, ENG
postpunktionell Anamnese (meist Z. n. Lumbalpunktion), neurologische Untersuchung
zerebrale Tumoren Anamnese, neurologische und ophthalmologische Untersuchung (Stauungspapille?), MRT
arterielle Hypertonie Anamnese, klinischer Befund, Blutdruck, Ausschluss Phäochro-mozytom, Augenhintergrund (Fundus hypertonicus?)
chronisch lokalisiert
zervikogen Anamnese, neurologische, orthopädische Untersuchung der HWS, Audiogramm, ENG, Röntgen, eventuell CT bzw. MRT
Arteriitistemporalis Anamnese, klinische Untersuchung, BSG, Probeexzision der Arteria temporalis mit histolo-gischer Untersuchung
akut, nichtneurologiscl le Ursachen
sinugen Anamnese, HNO-ärztliche Untersuchung mit Nasenendoskopie, Röntgen bzw. CT der Nasennebenhöhlen
otogen Anamnese, HNO-ärztliche Untersuchung mit mikroskopischer Beurteilung der Trommelfelle, Audiogramm
akuter Glaukomanfall Anamnese, klinischer Befund, ophthalmologische Untersuchung mit Messung des Augeninnen-drucks

Subarachnoidalblutung. Native CT-Aufnahme: hyperdenses Blut in den basalen Zisternen mit Betonung im frontalen Interhemisphären-spalt (Pfeil). [Kauffmann/Moser/Sauer]

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