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B978-3-437-42501-1.50188-5

10.1016/B978-3-437-42501-1.50188-5

978-3-437-42501-1

Ösophagusvarizen.

Ösophagusvarizenligatur.

Leberzirrhose

H. Tilg

Zur Orientierung

Bei der Leberzirrhose kommt es als Folge verschiedenster chronischer Schädigungen zum bindegewebigen Umbau des Organs.

Ätiologisch kommen verschiedenste chronische Noxen wie Virushepatitis B und C, immun-mediierte Lebererkrankungen, alkoholtoxische und nichtalkoholische Lebererkrankung, Hämochromatose u. a. in Frage.

Oft liegen unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Leistungsknick und Inappetenz vor. Spezifischere Symptome stellen Meläna, Ikterus, Gynäkomastie oder Juckreiz dar.

Bei der Diagnosestellung spielen neben Laboranalyse, Ultraschalluntersuchung die Anamnese und v. a. die klinische Untersuchung eine hervorragende Rolle (oft liegen zahlreiche Leberhautzeichen vor), ggf. kann auch eine Leberbiopsie notwendig werden.

Klassifikation und Stadieneinteilung

Die Stadieneinteilung erfolgt nach der Child-Pugh-Klassifikation:

Child-Pugh-Klassifikation

Befund1 Paunkt2 Punkte3 Punkte
Quick () bzw. INR>7040–70<40
<1,71,7–2,3>2,3
Albumin (g/dl)>3,53,5–2,8<2,8
Bilirubin (mg/dl)<22–3>3
Aszitesnicht, geringmäßigmassiv
Enzephalopathie (Grad)0l–lllll–IV
  • Stadium Child A ( 7 Punkte): kompensierte Zirrhose (1-JÜR fast 100)

  • Stadium Child B (8-10 Punkte): eingeschränkte Syntheseleistung (1-JÜR 85)

  • Stadium Child C (> 10 Punkte): dekompensierte Zirrhose (1-JÜR 35)

Therapie und Komplikationen

Eine kausale Therapie steht nicht zur Verfügung. Letztlich ist nur die Lebertransplantation bei passender Indikationsstellung ein kurativer Therapieansatz.

Allgemeinmaßnahmen und Therapie der Grunderkrankung

Nach Diagnosestellung ist es entscheidend eine Progression der Grunderkrankung möglichst zu verhindern. Bei verschiedenen chronischen Lebererkrankungen wie autoimmune Lebererkrankung wirkt sich eine effiziente Therapie z. B. mit Steroiden Azathioprin auch noch im Zirrhosestadium sehr günstig auf die Lebenserwartung aus. Alkoholkonsum sollte bei alkoholtoxischer Zirrhose gemieden werden. Eine chronische Hepatitis B oder C im Zirrhosestadium wird mit Interferon Riba-virin oder Nucleosidanaloga behandelt. Weiterhin sollte die Leber unbedingt vor weiteren Schädigungen geschützt werden (Impfung gegen Hepatitis A und B, Meiden hoher Dosen von Paracetamol).

Diagnostik und Therapie der Komplikationen

Die Patienten sollten bezüglich eventueller Komplikationen untersucht und dann therapiert werden.
  • Aszites: Bedeutet Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle und stellt die häufigste Komplikation dar (bei 60 innerhalb von 10 Jahren). Bei faktisch allen Patienten geht eine portale Hypertension voraus. Therapie mit Spironolacton, Diuretika (Schleifendiuretika) .

  • Spontanbakterielle Peritonitis: Diese Patienten präsentieren sich mit Fieber, Bauchschmerzen und oft mit einer Verschlechterung der zerebralen Funktionen. Diagnosestellung erfolgt über eine diagnostische Aszitespunktion (Leukozytenzahl > 500/mm3). Therapie mit Cephalosporinen der 3. Generation und Albumin .

  • Varizenblutung: Dramatischste aller Komplikationen, die sich bei 30–40 aller Leberzirrhotiker ereignet. Hohe Mortalität trotz modernster Medizin. Screening mittels Gastroskopie (ÖGD); Therapie durch Betablocker und Varizenbanding (Abb. 1 und 2) .

  • Hepatorenales Syndrom: Dabei kommt es bei Patienten mit fortgeschrittener Lebererkrankung zum akuten Nierenversagen (oft getriggert durch Infektionen). Therapie mit Octreotid, Vasopressinanaloga, Albumin .

  • Hepatische Enzephalopathie: Neuropsychiatrische Symptome bei Leberzirrhose, die oft durch Infektionen oder eine Varizenblutung ausgelöst werden. Das Endstadium (Stadium IV) stellt das Leberkoma dar. Therapie durch Laktulose und nichtresorbierbare Antibiotika .

  • Hepatozelluläres Karzinom (HCC): Das HCC entsteht bei ca. 3 aller Patienten mit kompensierter Leberzirrhose. Meist zeigen sich keine Symptome. Screening mittels Sonographie und Messen von Alpha-1-Fetoprotein (AFP) alle 6 Monate (normales AFP schließt ein HCC nicht aus; Kap. Hepatozelluläres Karzinom).

Die wichtigste ärztliche Maßnahme ist, bei allen fortgeschrittenen Lebererkrankungen an eine eventuelle Lebertransplantation zu denken.

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