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B978-3-437-42501-1.50078-8

10.1016/B978-3-437-42501-1.50078-8

978-3-437-42501-1

Leibesumfangszunahme

R. Wiest

Definition

Eine Leibesumfangszunahme entsteht durch eine pathologisch vermehrte Einlagerung von Gas oder Flüssigkeit bzw. eine solide Gewebsvermehrung im Abdominalbereich.

Anamnese

Zunächst muss gezielt nach Symptomen und möglichen Auslösern der nachfolgenden Differenzialdiagnosen gefragt werden. Im Fokus stehen dabei vor allem: Essverhalten (Adipositas) bzw. -probleme (z. B. Obstruktionssymptomatik), B-Symptomatik (maligne Grunderkrankung), aber auch jegliche Voroperationen, -therapien (z. B. Chemotherapie, Radiatio) oder Traumata (Risikokonstellation für Ileus, Kompartmentsyndrom) bzw. die komplette Medikamentenanamnese (und damit assoziiertes Nebenwirkungsprofil). Ferner können Infekt- und Blutungszeichen sowie Stuhl-, Urin-, Sozial-, Berufsanamnese und Auslandsaufenthalte wertvolle Hinweise liefern. Bei Frauen sollte außerdem eine orientierende gynäkologische Anamnese (Schwangerschaft, Ovarialtumor, -zyste etc.) erfolgen.

Untersuchungen

Bei der kompletten körperlichen Untersuchung sind besonders Inspektion, Perkussion, Palpation und Auskultation des Abdomens entscheidend. Ein tympanitis eher Klopfschall weist z. B. auf einen vermehrten abdominalen Gasgehalt hin, während ein verminderter durch eine Flüssigkeits- oder Gewebsvermehrung zustande kommt.
Die Sonographie zeigt bei dem häufigsten Grund für eine Leibesumfangszunahme, dem Meteorismus, nur eine unspezifische Darmgasansammlung. Ggf. können hier Laboruntersuchungen und gastroenterologische Funktions- und Atemtests mögliche Ursachen wie eine Maldigestion bzw. eine Malabsorption nachweisen. Dagegen ist die Sonographie der Goldstandard zur Detektion freier Flüssigkeit in der Peri-tonealhöhle (Aszites ) und liefert auch den eindeutigen Nachweis einer Adipositas, einer pathologischen Wassereinlagerung in der Bauchwand (Ödem ) bzw. einer Organvergrößerung . Letztere kann sich als Hepato-, Splenomegalie oder auch Magenektasie darstellen. Ferner können eine Koprostase bzw. Ileus (Obstruktion ) sowie ein solider oder zystischer Tumor bzw. ein Lymphom sonographisch erfasst werden. Schließlich lässt sich auch eine Hernie sonographisch feststellen.
Ist eine Leibesumfangszunahme durch o. g. Diagnostik nicht eindeutig zu klären, sollte, ggf. nach Ausschluss einer Schwangerschaft(als physiologische Form der Leibesumfangszunahme), eine weitere radiologische Diagnostik mittels Röntgen-Abdomenübersicht und/oder Schnittbildverfahren (z. B. CT) erfolgen. Zeigt sich hierbei ein pathologischer jedoch in Dignität und/oder Entität unklarer Befund, ist die Durchführung einer Punktion zu diskutieren. Lässt sich trotz radiologischer Abklärung weiterhin keine eindeutige Ursache finden, kann eine Laparoskopiedurchgeführt werden. Bei unklarer Genese sollte zur Komplettierung der Diagnostik und Ausschluss von seltenen Ursachen Folgendes erfolgen: gynäkologisches Konsil; Schilddrüsen-Status (Myxödem); Chlamy-dien-Testung (Pelvic Inflammatory Disease); Stuhlkultur (intestinale Parasitose). Bei Verdacht auf ein Lymphödem kann, eine Lymphangiographie bzw. -szintigraphie, zum Ziel führen. Zudem sollte ein abdominales Kompartmentsyndrom nicht übersehen werden und daher bei jeglichem klinischen Verdacht unmittelbar eine intraabdominale Druckmessung erfolgen (> 12 mmHg: intraabdominale Hypertonie; > 20 mmHg: Kompartmentsyndrom). Es gilt zu betonen, dass auch mehrere Ursachen gleichzeitig bestehen können, z. B. ein Lymphom mit Lymphabflussstörung und -ödem, Leberinfiltration (Hepatomegalie) und Aszites.

Differenzialdiagnosen

Ursachen einer Leibesumfangszunahme

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Meteorismus klinische Untersuchung, Sonographie
Adipositas
Aszites
Organomegalie
Hernie
gynäkologische Ursache klinische Untersuchung, Sonographie, klinische Chemie
maligne Erkrankung klinische Untersuchung, Sonographie, radiologische Bildgebung
Kompartmentsyndrom intraabdominale Druckmessung

Aszites. Zentrale Flüssigkeitsansammlung mit daraus resultierender suprainguinaler Furche. Gynäkomastie und dila-tierte Venen bei Leberzirrhose. [Mir]

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