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B978-3-437-42501-1.50080-6

10.1016/B978-3-437-42501-1.50080-6

978-3-437-42501-1

Nachweis einer typischen Gaucher-Zelle (Pfeil) im Knochenmarkausstrich.

Leukopenie

P. Staib

Definition

Unter Leukopenie versteht man eine Verminderung der Gesamtzahl der Leukozyten im peripheren Blut unter 3500/l Hierbei ist insbesondere eine Verminderung der neutrophilen Granulozyten (Neutropenie) unter 2500/l relevant. Bei weitgehendem oder komplettem Mangel an neutrophilen Granulozyten spricht man auch von Agranulozytose.

Anamnese

Neben Fragen nach Allgemeinsymptomen (Fieber, Leistungsschwäche, Gewichtsverlust) zielt die spezielle Anamnese auf die Eruierung einer Exposition gegenüber knochenmarktoxischen Einflüssen ab. Dies beinhaltet Fragen nach der Medikamenteneinnahme (z. B. Metamizol), auch länger zurückliegend, sowie nach chemisch-industriellen Noxen in der Berufs- und Freizeitanamnese. Die klinische Relevanz der Leukopenie ergibt sich aus Angaben zu Schwere, Häufigkeit und Art von ggf. rezidivierenden Infektionen .

Untersuchungen

Im Ganzkörperstatus ist insbesondere auf Lymphknotenvergrößerungen, Blässe der Haut, Organvergrößerungen (z. B. Leber, Milz) und Blutungszeichen als mögliche Hinweise auf eine hämatologische Systemerkrankung wie z. B. ein malignes Lymphom oder eine Leukämie zu achten.
Bei klinischer Relevanz ist zur weiteren Klärung eine Knochenmarkpunktion mit Zytologie und Histologie erforderlich . Hierdurch lassen sich sämtliche Störungen auf der Ebene der Hämatopoese entschlüsseln. Bei reduzierter bis aplastischer Granulopoese bzw. Hämatopoese kommen eine Agranulozytose, ein toxischer Markschaden, eine aplastische Anämie, eine paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH), eine Osteomyelofibrose oder ein hypoplastisches myelodysplastisches Syndrom (MDS) in Frage. Aufgrund einer Markinfiltration kommt es zur Verdrängung der Hämatopoese mit nachfolgender Zytopenie ggf. aller drei Reihen (Anämie, Thrombopenie, Leukopenie) durch akute oder chronische Leukämien, maligne Lymphome einschließlich eines Plasmozytoms, durch eine Knochenmarkkarzinose oder ein hyperplastisches myelodysplastisches Syndrom. Im Falle einer Speicherkrankheit finden sich typische Zellen (z. B. Gaucher-Zellen, Abb. 1) bei gleichzeitig nachweisbarer Hepatosplenomegalie. Eine megaloblastär veränderte Hämatopoese richtet das Augenmerk auf einen Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure, deren Spiegel im Serum überprüft werden sollten.
Eine normale bis gesteigerte Granulopoese im Knochenmark deutet einen peripheren Verbrauch der Leukozyten an, der verursacht sein kann durch eine Splenomegalie (Hypersplenismus), eine Immunleukopenie im Rahmen eines Lupus erythematodes bzw. einer Autoimmunneutropenie durch akute Infekte oder durch hereditäre Zustände wie die familiäre benigne oder die zyklische Neutropenie. Letztere ergeben sich aus einer engmaschigen Kontrolle des Blutbildes.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Leukopenie

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
akute Infekte Anamnese
Knochenmarkinfiltration (Leukämien, Lymphom, Knochenmarkkarzinose, MDS) Zytogenetik, Durchflusszytometrie
megaloblastäre Störung der Hämatopoese (Vitamin-B12-, Folsäuremangel) Vitamin-B12- und Folsäurespiegel
Hypersplenismus Klärung Splenomegalie (z. B. Lebererkrankung)
hypoplastische Hämatopoese (Agranulozytose, toxischer Markschaden, aplastische Anämie, MDS, Osteomyelofibrose, PNH) Medikamentenanamnese, Zytogenetik, Durchflusszytometrie,
Immunleukopenie (SLE, Immunneutropenie) Autoantikörper
hereditäre Leukopenie (benigne familiäre Neutropenie, zyklische Neutropenie) () Blutbild-Verlauf; ggf. molekularbiologische Untersuchungen
Speicherkrankheiten () Enzymdefekte

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