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B978-3-437-42501-1.50190-3

10.1016/B978-3-437-42501-1.50190-3

978-3-437-42501-1

Lyme-Borreliose Stadium I: Erythema migrans.

Lyme-Borreliose Stadium II: multiple Erytheme.

Lyme-Borreliose Stadium III: Acrodermatitis chronica atrophicans.

Lyme-Borreliose

G. Birkenfeld

Zur Orientierung

Die Lyme-Borreliose ist eine durch das Spirochätenbakteri-um Borrelia burgdorferi ausgelöste Infektionskrankheit, die durch die Zeckenart Ixodes ricinus übertragen wird. Das klinische Bild ist gekennzeichnet durch kutane, neurologische, kardiale, okuläre und rheumatische Symptome. Die Diagnose erfolgt durch das klinische Bild und durch den Nachweis von Borrelien-Antikörpern in Serum, Liquor, Synovialflüs-sigkeit und Hautbiopsat.

Stadien

Die Erkrankung verläuft in drei Stadien.

Stadien der Lyme-Borreliose

Stadium I 1 – 4 Wochen nach Zeckenstich
  • zentrifugales Erythema migrans (80 d. F.), (Abb. 1)

  • Bei Kindern: häufig Ausbildung eines sog. Lymphozytoms mit Rötung und Induration (u.a. am Ohrläppchen und im Gesicht)

  • Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Lymphadenopathie

  • (alle Symptome sistieren auch ohne Therapie nach ca. 4 Wochen)

Stadium II Wochen bis Monate nach Zeckenstich
  • multiple Erytheme (Abb. 2)

  • neurologische Symptome wie Meningoradikulitis, Bannwarth-Syndrom (= lymphozytäre Liquorpleo-zytose, periphere Paresen, v.a. der Hirnnerven VI und VII, kraniale Neuralgie), zerebelläre Ataxie, asymmetrische radikuläre Neuropathie, v.a. bei Kindern Mononeuritis n. optici

  • wandernde muskuloskelettale Schmerzen, Oligoarthritiden der großen Gelenke

  • kardiale Reizleitungsstörungen (5), Perimyokarditis, dilatative Kardiomyopathie

  • okuläre Symptome (Konjunktivitis, Iritis und Panophthalmitis)

Stadium III Monate bis Jahre nach Zeckenstich
  • Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA): rötlich livide, sklerosierend atrophische Hautläsion (Abb. 3)

  • distale Polyneuropathie oder radikuläre Neuritis, selten manifestiert sich eine chronische Enzephalomyelitis

  • Arthritiden v.a. der großen Gelenke

Bei Verdacht auf eine Lyme-Borreliose (z. B. nach Zeckenstich, gefolgt vom Auftreten eines Erythema migrans) sollte eine Serologie veranlasst werden . Lassen sich im Suchtest (ELISA) Antikörper nachweisen, so ist – wegen kreuzreagierender Spirochäten (z. B. Treponemen) – ein Westernblot obligat. Die Serokonversion ist unabhängig von einer empirisch begonnenen antibiotischen Therapie.
Ein positiver IgM-Anstieg (mit positivem Westernblot) ist im Stadium I ca. 3 Wochen, der beweisende positive IgG-Titer ca. 6 Wochen nach Borreliendissemination zu erwarten. Bleibt IgG aus, so ist nicht von einer Lyme-Erkrankung, sondern von einer polyklonalen Immunglobulin-Stimulation auszugehen, wie dies z. B. bei einer EBV- oder rheumatologischen Erkrankung möglich ist.
Während im Stadium II IgM oft noch erhöht und IgG zumeist nachweisbar ist, findet man in Stadium III stets positive Serum-IgG Weitere wegweisende Untersuchungen und Befunde sind:
  • Stadium II:

    • Akute Neuroborreliose: Lumbalpunktion mit Nachweis von lymphozytärer Pleozytose und intrathekalen Borrelien-IgM und/oder -IgG sowie positivem Liquor/Serum-AK-Quotienten (in bis zu 90 positiv)

    • Arthritis: Borreliennachweis in der Synovialflüssigkeit (PCR) in 70 positiv

  • Stadium III:

    • Chronische Neuroborreliose:

      Mit Meningoenzephalopathie: Liquor/Serum-AK-Titer stets positiv

      Mit isolierter peripherer Polyneuropathie: intrathekale AK stets negativ

    • Acrodermatitis chronica atrophicans: hohes Serum-IgG, Borreliennachweis im Hautbiopsat (PCR, Kultur).

Therapie

Die AK-Bildung im Stadium I ist träge, daher rechtfertigt die Anamnese mit entsprechenden Hautveränderungen wie Erythema migrans oder Lymphozytom die sofortige Therapie ; durch die frühzeitige Therapie im Stadium I werden Spätmanifestationen in bis zu 97 verhindert. Spätestens 6 Wochen nach Borrelienaussaat ist die Serologie beweisend positiv geworden (IgM, IgG und Westernblot). Nach erfolgreicher Therapie persistieren IgM und auch IgG Monate bis Jahre, sie rechtfertigen daher keine Therapiewiederholung.
20–50 der Seropositiven entwickeln nie Symptome der Lyme-Erkrankung, sodass im Stadium II und III nur die Kombination aus klinischem Bild und positiver Serologie die Behandlungsbedürftigkeit sichert .
Die Therapie der Borreliose erfolgt im Stadium I mit oralen Antibiotika über 14 – 21 Tage (z. B. Doxycyclin, Cephalosporin, Amoxicillin, Makrolid) , in den Stadien II und III über 14–28 Tage intravenös (Cephtriaxon, Penicillin G; bei Allergie: Doxycyclin) .
Abb. Zeckenweibchen, Borrelien im Blutausstrich

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