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B978-3-437-42501-1.50083-1

10.1016/B978-3-437-42501-1.50083-1

978-3-437-42501-1

Lymphknotenschwellung

R. Naumann

Definition

Bei einer Lymphknotenschwellung (Lymphknotenvergrößerung, Lymphadenopathie, Lymphom) handelt es sich um eine Vergrößerung eines oder mehrerer Lymphknoten.

Anamnese

Notwendig sind Fragen nach Beginn, Dauer, Wachstumsgeschwindigkeit, Schmerzhaftigkeit des Lymphknotens, vorangegangenen Infektionen, Verletzungen, Unfällen oder Operationen sowie weiteren Beschwerden wie Infektsymptome, Leistungsknick oder B-Symptomen ( Kap. Hodgkin-Lymphom). Medikamenten-, Drogen- und Reiseanamnese werden erhoben sowie Sexualgewohnheiten (HIV) bzw. Tierkontakte erfragt . Grundsätzlich differenziert man zwischen akutem und schleichendem Erkrankungsbeginn.

Untersuchungen

Bei der körperlichen Untersuchung steht vor allem die Palpation des Lymphoms sowie der übrigen Lymphknotenstationen im Vordergrund . Akut auftretende druckschmerzhafte weiche Lymphome sprechen eher für eine entzündliche Genese, schleichend entstehende schmerzlose harte eher für ein Malignom.
Zervikale Lymphknoten kommen akut bei Infektionen der oberen Atemwege vor. Bei Symptompersistenz oder -zunähme ist eine HNO-ärztliche Untersuchung (akute Tonsillitis, Otitis, Abszess) sinnvoll. Asymmetrische oder indolente Lymphome können auf ein Non-Hodgkin- (NHL), Hodgkin-Lymphom (HL) oder eine Metastase hinweisen, eine isolierte supraklavi-kuläre oder axillare Lokalisation auf eine Lymphknotenmetastase eines soliden Tumors.
Inguinale Lymphome können bei verschiedenen venerischen Infektionen auftreten.
Generalisierte Lymphome (entzündlich) sind verdächtig auf Infektionen. Nichtentzündliche Ursachen sind in erster Linie maligne lymphatische Systemerkrankungen sowie Karzinom- oder Sarkommetastasen.
Das diagnostische Basisprogramm schließt Sonographie, Röntgen-Thorax und Laboruntersuchungen ein. Das Differenzialblutbild gibt Hinweise auf Infekte oder eine akute Leukämie (Blastennachweis). Eine erhöhte LDH kann auf eine lymphatische Systemerkrankung (z. B. HL, NHL, Leukämie) hinweisen. Weitere Untersuchungen richten sich nach der Verdachtsdiagnose .
Abbildung Mediastinaltumor

Differenzialdiagnosen

Mögliche Ursachen einer Lymphknotenschwellung

Ursache Häufigkeit Diagnostische Hinweise
bakterielle Infektionen: schmerzhafte, meist lokalisierte Lymphome
• z. B. Streptokokken, Staphylokokken • Lokalbefund, Entzündungszeichen
• Tuberkulose • schmerzlose oft verbackene Halslymphknoten, Abwehrschwäche
• Diphtherie • Schluckbeschwerden, Halslymphome, Fieber, Allgemeinsymptome
• Syphilis • indolente inguinale Lymphome im Rahmen eines Primäraffektes
• Morbus Whipple • Lymphome als extraintestinales Symptom, Duodenalbiopsie
• Brucellose • Tierkontakt (z. B. Rind, Hund, Schaf, Schwein) oder nicht pasteurisierte Milch, Hepatosplenomegalie
• Katzenkratzkrankheit • Katzenkontakt
• Tularämie • Tierkontakt (Nagetiere, Hasenpest), plötzlicher Fieberbeginn, Geschwüre an der Eintrittsstelle mit regionaler, oft eitriger, Entzündung der Lymphknoten
Virusinfektionen:
• EBV-Infektion • schmerzhafte meist lokalisierte Lymphome, Allgemeinsymptome
• CMV-Infektion • Lymphozytose mit atypischen Lymphozyten, Splenomegalie, Hepatomegalie, Begleithepatitis
• HIV-Infektion/AIDS • HIV-Risikokonstellation
• Röteln • zervikale/retroaurikuläre Lymphome
Parasitosen:
• Toxoplasmose • Katzenkontakt, Immunschwäche
• Leishmaniose (viszerale Form: Kala Azar) • Tropenanamnese, Fieber, Splenomegalie, Panzytopenie (Nachweis im Knochenmarkausstrich)
• lymphatische Filariose (Nematoden: Fadenwürmer) • Fieber, Eosinophilie, Mikrofilarien im peripheren Blut
Autoimmunerkrankungen:
• Lupus erythematodes • ANA, Anti-dsDNA
• Sarkoidose • bihiläre mediastinale Lymphome, Fieber
Metastasen indolente Lymphome, Tumoranamnese, Allgemeinsymptome
maligne Lymphome indolente Lymphome, B-Symptome, Bildgebung
Leukämien indolente Lymphome, Blutbildveränderungen, Knochenmarkpunktion
Morbus Castleman (angiofollikuläre Lymphknotenhyperpiasie) mediastinale Lymphome, lokalisiert oder multizentrisch, bioptische Sicherung
Langerhans-Zell-Histiozytose mono- oder multisystemische Erkrankung, bioptische Sicherung
Speicherkrankheiten z. B. Morbus Gaucher, Niemann-Pick

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