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B978-3-437-42501-1.50085-5

10.1016/B978-3-437-42501-1.50085-5

978-3-437-42501-1

Metabolische Alkalose

M. Haag-Weber

Definition

Die metabolische Alkalose ist eine primäre Störung im Säure-Basen-Haushalt, die nur durch Verlust von Säuren oder durch Alkali-Zufuhr zustande kommen kann. Die Bikarbonat (HCO3)-Konzentration im Plasma ist > 25 mmol/l, der pH-Wert > 7,4 und die H-Ionen-Konzentration < 40 nmol/l.

Anamnese

Störungen des Säure-Basen-Haushalts sind häufig, werden aber oft übersehen, da ihre Erfassung nicht routinemäßig erfolgt und in der Regel fast keine klinischen Symptome vorliegen. Magen-Darm-Erkrankungen als Ursache sind anamnestisch leicht zu erfassen. Es sollte ferner nach Diuretika, Lakritzen-einnahme sowie Zufuhr von Milch und Karbonat gefragt werden . Auch nach Symptomen einer Hypokaliämie sollte gesucht werden.

Untersuchungen – Differenzial-diagnosen

Entscheidend bei der Beurteilung des Säure-Basen-Haushalts ist die Bestimmung von pH, Bikarbonat, pCO2 sowie Kalium, Chlorid im Serum und im Urin. Eine metabolische Alkalose liegt vor bei einem erhöhten Bikarbonat und erhöhtem pH. Sie stellt keine eigenständige Erkrankung dar. Differenzial-diagnostisch wegweisend ist die Beurteilung des Volumenstatus (Extrazellulärvolumen = EZV) und des Blutdrucks.

Erniedrigtes EZV und Hypotonie

Hierbei wird unterschieden, ob die Alkalose salzsensitiv ist oder nicht. Salzsensitivität ist bei niedriger Chloridausscheidung im Urin (< 20 mmol/l) gegeben . Ursachen dafür sind Erbrechen, Diarrhö oder Laxanzienabusus. Häufig besteht eine Bulimie. Eine Chloriddiarrhö ist eher selten.
Bei diuretikainduzierter metabolischer Alkalose ist die Chloridausscheidung im Urin > 20 mmol/l .
Keine Symptome oder nur hin und wieder Muskelkrämpfe findet man bei Magnesiummangel und/oder Bartter-Syndrom. Das Serum-Magnesium ist erniedrigt und die Urinausscheidung von Chlorid liegt über > 20 mmol/l .
Beseitigt man rasch eine respiratorische Insuffizienz kann es zur Posthyperkapniealkalose kommen, da die renale Korrektur der Säure-Basen-Störung langsamer erfolgt als die respiratorische Korrektur .
Exogene Zufuhr von Milch zusammen mit Kalziumkarbonat kann zum sogenannten Milch-Alkali-Syndrom führen .

Normales oder erhöhtes EZV und Hypertonie

Bei Vorliegen einer Hypertonie und Alkalose müssen Parameter des Angiotensin-Renin-Systems sowie Aldosteron bestimmt werden. Hinweis für Conn-Syndrom ist das Vorliegen einer Hypertonie, Hypokaliämie und Alkalose bei erniedrigtem Renin (< 1 ng/l in Ruhe), erhöhtem Aldosteron (> 150 ng/l in Ruhe) sowie erhöhtem Aldosteron-Renin-Quotienten (> 50) .
Hypertonie und cushingoides Aussehen bei gleichzeitig erniedrigtem Renin und Aldosteron spricht für ein Cushing-Syndrom. Dieses wird weiter gesichert durch erhöhte Kortisol-werte im Serum. Lakritzkonsum führt zu einer metabolischen Alkalose durch erhöhte Mineralokortikoidwirkung. Vermehrte Mineralokortikoidproduktion hat auch eine Hypokaliämie zur Folge.
Bei erhöhtem Renin und Aldosteron muss an eine Nierenarterienstenose gedacht werden. Hier sollte eine Nieren-Du-plexuntersuchung durchgeführt werden.

Differenzialdiagnosen

Ursachen der metabolischen Alkalose

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Magen-, Darmerkrankung Urin-Chlorid < 20 mmol/l, Anamnese hinsichtlich Bulimie, Laxanzienabusus; Endoskopie
Diuretika Urin-Chlorid > 20 mmol/l, Serum-Chlorid eher erniedrigt
Bartter-Syndrom autosomal rezessiv, Kalium, Chlorid, Magnesium, Renin
Pseudohyperkapnie-alkalose nach Einleitung der Beatmung bei respiratorischer Insuffizienz
Conn-Syndrom Hypertonie, Renin , Aldosteron , Hypokaliämie, Urin-Kalium > 30 mmol/Tag trotz Hypokaliämie, Sonographie, CT, MRT zum Nachweis eines Nebennierenadenoms
Cushing-Syndrom Hypertonie, Renin, Aldosteron , Kortisol-Tagesprofil (zirkadianer Rhythmus gestört, Kortisol ), Urin-Kortisolwerte , keine Suppression nach 2 mg Dexamethason
Nierenarterienstenose Nieren-Duplex, Captopril-Szinti-graphie, MR-Angiographie, DSA

Morbus Cushing. Gerötetes Vollmondgesicht und Hirsutismus. [Forbes/Jackson]

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