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B978-3-437-42501-1.50195-2

10.1016/B978-3-437-42501-1.50195-2

978-3-437-42501-1

Metabolisches Syndrom

K. Parhofer

Zur Orientierung

Unter dem metabolischen Syndrom versteht man das überzufällig häufig gemeinsame Auftreten von mehreren kardiovaskulären Risikofaktoren, die arteriosklerotische Gefäßveränderungen und deren Folgeerkrankungen (z. B. Myokard-infarkt, Apoplex) nach sich ziehen können. Für die Diagnose gibt es eine Reihe von unterschiedlichen Definitionen, wobei die ATP-III-Definition am weitesten verbreitet ist. Die pathogenetische Grundlage des metabolischen Syndroms ist die abdominelle Adipositas mit daraus resultierender Insulinresistenz (möglicherweise auf dem Boden einer Low-grade-Entzündung). Die Prävalenz des metabolischen Syndroms beträgt in der deutschen Erwachsenenbevölkerung ungefähr 25. Aufgrund der Zunahme von Adipositas steigt auch die Prävalenz des metabolischen Syndroms ständig an. Zunehmend sind mehr Jugendliche und junge Erwachsene betroffen.

Formen

Der Übergang vom Gesunden zum metabolischen Syndrom ist fließend. Beim Vorliegen eines Risikofaktors bzw. eines Diagnosekriteriums sollte auch nach den anderen Faktoren gefahndet werden (also Glukosestoffwechselstörung, Fettstoffwechselstörung, Hypertonus). Bei vielen Patienten stellt das metabolische Syndrom ein Vorstadium des Typ-2-Diabetes dar. Genetische Faktoren bedingen, warum bei manchen Patienten die Fettstoffwechselstörung, bei anderen die Glukosestoffwechselstörung und bei wieder anderen der Hypertonus im Vordergrund steht.

Therapie

Entsprechend der zugrunde liegenden Pathophysiologie ist es entscheidend, über eine Veränderung des Lebensstils (Gewichtsreduktion und Steigerung der körperlichen Aktivität) das abdominelle Fett zu reduzieren . Der entscheidende Punkt scheint hierbei die Gewichtsreduktion zu sein. Allerdings können durch eine Steigerung der körperlichen Aktivität auch bei fehlender Gewichtsreduktion deutliche Verbesserungen erreicht werden.
Sind die Lebensstilmaßnahmen nicht ausreichend um die Risikofaktoren (insbesondere Dyslipoproteinämie, Hypertonus, Glukosestoffwechselstörung) zu behandeln, müssen spezifische Therapieansätze gewählt werden (Lipidsenker, Antihypertensiva und Antidiabetika, s. entsprechende Kapitel).
Bei Patienten mit nachgewiesener Atherosklerose oder sehr hohem Risiko hierfür, sollte eine Therapie der Risikofaktoren zeitgleich mit den Lebensstilmaßnahmen begonnen werden. Präventive Maßnahmen, insbesondere mit dem Ziel, das Auftreten von Übergewicht und Adipositas zu verhindern, sind von entscheidender Bedeutung, um langfristig die Zunahme der Prävalenz des metabolischen Syndroms zu stoppen.

Komplikationen

Bei Patienten mit metabolischem Syndrom besteht ein hohes Risiko für den Übergang in den Typ-2-Diabetes (ca. 5–10 jährlich). Die Patienten sollten deshalb bezüglich des Blutzuckers regelmäßig untersucht werden.
Daneben vermittelt das metabolische Syndrom ein hohes Risiko für Gefäßerkrankungen. Neuere Daten weisen darauf hin, dass auch die beim Diabetiker beobachtete erhöhte Athero-skleroserate weniger auf die Hyperglykämie, als vielmehr auf die anderen Komponenten des metabolischen Syndroms zurückzuführen ist. Wegen des hohen Risikos für Atherosklerose-Erkrankungen (ca. aller Patienten mit Atherosklerose weisen ein metabolisches Syndrom auf), sollten die Patienten regelmäßig auf Gefäßkomplikationen untersucht werden . Hierzu kommen am ehesten nichtinvasive Verfahren wie Ultraschalluntersuchungen, Ergometrie, Echokardiographie, in Zukunft evtl. auch MRT-Angiographie sowie klinische Untersuchungen (z. B. Knöchel-Arm-Index) in Betracht. Beim Nachweis von Atherosklerose in einem Gefäßsystem (z. B. KHK) sollte auch nach Atherosklerose in anderen Gefäßbetten (z. B. Karotiden und periphere Gefäße) gesucht werden.

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