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B978-3-437-42501-1.50203-9

10.1016/B978-3-437-42501-1.50203-9

978-3-437-42501-1

EKG Brustwand (a) und Extremitäten (b). Erhöhter ST-Streckenab-gang aus dem aufsteigenden Schenkel des S im Rahmen einer Perimyo-karditis

Kardio-MRT: Nachweis von myokardialen Fibrösen (typische intramurale und oder epikar-dial betonte Lokalisation, Pfeile).

Kardio-MRT: Nachweis eines myokardialen Ödems (Pfeil).

Kardio-MRT: Aufnahme einer T1 -gewichteten Sequenz des Myo-kards.

  • a)

    Vor Kontrastmittelgabe.

  • b)

    Nach Kontrastmittelgabe mit fleckförmiger Mehranreicherung (Pfeile).

Myokarditis und Perikarditis

Ch. Tillmanns

D.C. Gulba

Zur Orientierung

Die Myokarditis ist eine Entzündung des Herzmuskels, die meist eine infektiöse Genese hat. Seltener wird die Myokarditis durch kardiotoxische Substanzen/Medikamente, Bestrahlung, Systemerkrankungen sowie Überempfindlichkeitsreaktionen auf bestimmte Substanzen verursacht. Nicht selten besteht eine Mitbeteiligung des Perikards im Sinne einer Pe-rimyokarditis.

Der akute Verlauf reicht von häufig subklinischen Verläufen bis hin zu einer raschen kardialen Dekompensation und Tod. Meist heilt die Myokarditis folgenlos aus. Ein Teil der Myokarditiden entwickelt das Bild einer dilatativen Kardiomyopathie mit persistierend reduzierter Ventrikelfunktion.

Sehr häufig ist ein diagnostisches Verfahren allein nicht richtungweisend. Die Zusammenschau mehrerer Verfahren ist zur Diagnosestellung notwendig: Anamnese (Infekt, Noxen), Klinik (Thoraxschmerz, Dyspnoe, Fieber, Myalgie, Pal-pitationen), EKG (unspezifische T- und ST-Streckenverän-derungen, Arrhythmien), Labor (Entzündungsparameter , Troponin , CK ), Echokardiographie (evtl. reduzierte vent-rikuläre Pumpfunktion, Perikarderguss), Kardio-MRT, Herzkatheter und Biopsie (Abb. 1–4) .

Formen und Stadien

Klinisch-pathologische Einteilung nach Liebermann, Hutchins und Herskowitz.

Klinisch-pathologische Einteilung der Myokarditis

fulminante Myokarditis
  • rasanter Krankheitsbeginn, schwere kardiovaskuläre Kompromittierung

  • Histologie: multiple entzündliche Foci

  • rasche Besserung oder aber rasche Verschlechterung der LV-Funktion

akute
  • weniger rasanter Krankheitsbeginn

Myokarditis
  • evtl. Entwicklung einer dilatativen Kardiomyopathie

chronischaktive Myokarditis
  • häufig klinisch und histologisch entzündliche Rezidive

  • evtl. Entwicklung einer LV-Dysfunktion mit Nachweis chronisch-entzündlicher Veründerungen

chronisch-persistierende Myokarditis
  • histologischer Nachweis persistierender entzündlicher Infiltrate, häufig mit Nachweis von myokardialen Fibrösen

  • häufig typische Symptome ohne Nachweis einer LV-Dysfunktion

Therapie

Die wichtigste Therapie der Myokarditis ist die körperliche Schonung und ggf. zu Beginn auch Bettruhe . Im Verlauf kann eine langsame symptomorientierte Steigerung erfolgen, möglichst rhythmusüberwacht und unter Kontrolle der ventri-kulären Pumpfunktion. Positive Effekte sind auch durch Alkoholkarenz und das Meiden anderer kardialer Noxen belegt; Digitalis- und NSAR-Präparate sollten nicht zum Einsatz kommen.
Bei Vorliegen von Rhythmusstörungen und linksventriku-lären Funktionseinschränkungen sind je nach Schweregrad eine Monitorüberwachung oder eine intensivmedizinische Überwachung notwendig. Frühzeitig sollten ACE-Hemmer und -Blocker zum Einsatz kommen. Je nach klinischem Bild ist der Einsatz von Aldosteronantagonisten und Diuretika sinnvoll .
Bei progredienter Verschlechterung trotz Therapie sollten eine Verlegung in ein spezialisiertes Zentrum und eine Biopsie erwogen werden. Auch der frühe Einsatz von Herzunterstützungssystemen, sog. kardialen Assist-Systemen (z. B. intraaortale Ballonpumpe) , führt häufig zu einer guten Verbesserung der klinischen Situation. Bei Nachweis einer Vi-ruspersistenz oder einer persistierenden Entzündung kann eine antivirale oder immunsuppressive Therapie versucht werden .
Bei Hinweisen auf eine Grunderkrankung (z. B. Neoplasie, Kollagenose, Speicherkrankheit), die sekundär zu einer Myokarditis führte, sollte möglichst die Diagnose mittels Biopsie gesichert werden, um dann eine gezielte Therapie zu initiieren .
Ultima Ratio ist die Herztransplantation .
In Abhängigkeit von der Ausprägung des Krankheitsbildes sollten Verlaufskontrollen von Klinik, EKG, Herzrhythmus, Echokardiographie und ggf. MRT nach 1,3, 6, 9 und 12 Monaten durchgeführt werden.
Tabelle zu diagnostischen Verfahren bei Myokarditis

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