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B978-3-437-42501-1.50092-2

10.1016/B978-3-437-42501-1.50092-2

978-3-437-42501-1

Sonographisches Bild bei Harnstauungsniere.

Niereninsuffizienz

R. Brunkhorst

Definition

Eine Niereninsuffizienz ist definiert als die reduzierte Ausscheidung harnpflichtiger Stoffe, (mit Anstieg der sog. Retentionswerte Serumkreatinin und -harnstoff). Exakter ist die Messung der glomerulären Filtrationsrate (GFR). Die Nierenfunktion wird in 5 Stadien eingeteilt: Stadium 1 normale GFR, Stadium 2 GFR 60 – 90, Stadium 3 GFR 30 – 59 ml/min sowie die Stadien 4 und 5 (GFR zwischen 29 und 15 bzw. < 15 ml/min, Kap. Urämie).

Anamnese

Erst in den Stadien 4 und 5 treten Urämiesymptome auf ( Kap. Urämie). Zur Klärung der Ursache müssen gezielte Fragen nach bekannten Nierenerkrankungen, erblichen Erkrankungen (z. B. familiäre polyzystische Nierenerkrankung, Alport-Syndrom), akuten Vorerkrankungen (fieberhafter Infekt, Diarrhö, anhaltendes Erbrechen), chronischen Erkrankungen (vor allem Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie, Leberzirrhose, Herzinsuffizienz) und Medikamenten (nichtste-roidale Antiphlogistika, Kontrastmittel, ACE-Hemmer u. a.) gestellt werden. Anamnestische Hinweise auf Tumor- oder Systemerkrankungen, Prostatahypertrophie oder Urolithiasis müssen Beachtung finden, ebenso wie die Symptome einer Harnwegsinfektion oder eines sonstigen Infekts.

Untersuchungen

Wichtig sind Hinweise auf eine Exsikkose wie stehende Hautfalten und trockene Schleimhäute bei eher niedrigem Blutdruck . Der Blutdruck kann bereits in frühen Stadien erhöht sein ( Kap. Hämaturie, nephritisches Syndrom). Wegweisend ist der Nachweis eines Fundus hypertonicus bzw. diabeticus. Auf Zeichen von Systemerkrankungen (Gelenkschmerzen, Schwellungen, Gichttophi, Hautveränderungen, Lymphknotenschwellungen oder entzündliche Augenveränderungen) muss geachtet werden. Bei Pyelonephritiden finden sich regelhaft Fieber und ein klopfschmerzhaftes Nierenlager.

Laboruntersuchungen

Urinstatus und -sediment sind unerlässlich bei der Differenzierung der Ursachen einer Niereninsuffizienz Bei Akan-thozythen (5) und oder Erythrozytenzylindern im Urin ( Kap. Hämaturie) ist mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Glomerulonephritis auszugehen. Zusätzliche klinische oder Laborhinweise (z. B. ANAs, ANCAs) können eine Nierenbeteiligung bei Systemerkrankung wahrscheinlich machen. Eine groe Proteinurie (>3g/24h) ( Kap. nephrotisches Syndrom) kommt bei Glomerulonephritiden, aber auch bei Glomerulopathien wie diabetischer und hypertensiver Nephrosklerose, Plasmozytom und Amyloidose vor . Bei V. a. Paraproteinämie sollte ein Serum- und Urinimmunfixationstest veranlasst werden Leukozyturie und Leukozytenzylinder sind Hinweise auf einen Harnwegsinfekt bzw. eine Pyelonephritis .

Apparative Untersuchungen

Die Bestimmung der Nierengröe durch Sonographie (Abb. 1 u. 2) dient der Unterscheidung zwischen chronischem und akutem Geschehen (bei Diabetes mellitus, Plasmozytom, Amyloidose allerdings bleiben die Nieren lange gro), Nierentumoren, Zystennieren und obstruktive Nierenerkrankungen und kalzifizierenden Papillennekrosen (Analgetikanephropathie, Diabetes) werden ausgeschlossen. Eine CT bzw. MRT wird zur weiteren Abklärung bei V. a. Nierentumoren oder Steine veranlasst. Eine Nierenbiopsie sollte bei allen letztlich unklaren Nierenerkrankungen zur Prognoseeinschätzung und ggf. Therapiefestlegung durchgeführt werden, nur bei eindeutigen Befunden (langjähriger Diabetes oder Hypertonus mit Fundusveränderungen) oder bei hohem Risiko (Blutungsgefahr, kleine Einzelniere etc.) kann darauf verzichtet werden .

Ursachen einer Niereninsuffizienz

Diagnose Häufigkeit Diagnostische Hinweise
diabetische Nephropathie sonographisch normal groe Nieren, diabetische Retinopathie, Proteinurie, ggf. Nierenbiopsie
hypertensive Nephrosklerose Fundus hypertonicus, Echokardiographie
Exsikkose trockene Haut und Schleimhaut
Glomerulonephritis Sediment, Proteinurie, Nierenbiopsie
chronische Pyelonephritis, obstruktive Nephropathie Anamnese, Urinsediment, Sonographie
polyzystische Nierenerkrankung Sonographie
Nierenbeteiligung bei Systemerkrankung nephritisches Sediment, Anamnese, Nierenbiopsie, immunologische Parameter
Nierenschädigung durch Medikamente ggf. Sonographie
Alport-Syndrom () Schwerhörigkeit

Sonographisches Bild bei Analgetikanephropathie mit fortgeschrittener Parenchymschädigung

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