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B978-3-437-42501-1.50094-6

10.1016/B978-3-437-42501-1.50094-6

978-3-437-42501-1

Nystagmus

B. Wiechens

Definition

Unter Nystagmus (Augenzittern) versteht man unwillkürliche ruckartige rhythmische oder unregelmäßige Bewegungen eines oder meist beider Augen. Die rasche Phase der Bewegung gibt die Richtung des Nystagmus an. Von einem Nystagmus müssen die sakkadischen Oszillationen und die periodischen horizontalen Deviationen bei bewusstlosen Patienten unterschieden werden. Neben einem physiologischen gibt es einen pathologischen Nystagmus, der sich in viele Unterformen aufteilt.

Anamnese

Zunächst ist auszuschlieen, dass es sich um einen angeborenen Nystagmus handelt. Diese Form ist in den meisten Fällen durch eine angeborene Augenerkrankung verursacht. Eine Vorstellung bei einem Augenarzt ist erforderlich. Dies gilt auch für einseitige erworbene Nystagmusformen .
Hiervon abzugrenzen ist ein binokularer Nystagmus. Liegt eine erworbene Form vor, muss die Einnahme zentral wirksamer Medikamente (z. B. Antiepileptika, Beruhigungsmittel etc.) geprüft werden, da diese als Nebenwirkung einen Nystagmus auslösen können. Klagt der Patient über Schwindel, liegt meist eine periphere Ursache des Nystagmus vor. In der Allgemeinanamnese sind vor allem neurologische Erkrankungen (z. B. MS oder Myasthenia gravis) sowie kürzlich zurückliegende Schädel-Hirn-Traumata richtungweisend. Der Patient klagt nur dann über Doppelbilder, wenn gleichzeitig eine Blickparese vorliegt.

Untersuchungen

Insgesamt ist ein Nystagmus durch folgende Merkmale charakterisiert: Amplitude, Frequenz, Intensität, Symmetrie, Kongruenz, Blickrichtungsabhängigkeit und Spontaneität. In der klinischen Untersuchung (Geradeausblick und Blickbewegungen in alle Richtungen) unterscheidet man einen Pendel-, einen Ruck- und einen rotatorischen Nystagmus . Die kongenitalen Nystagmusformen sind meist pendelnd, bei den erworbenen liegt dagegen oft ein Rucknystagmus vor.
Beim Vorliegen eines kongenitalen Nystagmus muss eine gründliche augenärztliche Untersuchung klären, ob dem Nystagmus eine Augenerkrankung zugrunde liegt (okulärer Nystagmus) oder ein idiopathischer Nystagmus (Ausschlussdiagnose) vorhanden ist. Beim erworbenen Nystagmus sollte zunächst festgestellt werden, ob es sich um einen ein- oder beidseitigen Nystagmus handelt. Weiter muss die Richtung (horizontal oder vertikal, rechts oder links) und die Art des Nystagmus (Ruck-, Pendel-, oder rotatorischer Nystagmus) festgelegt werden . Die Blickrichtungs- und Lageabhängigkeit müssen geprüft und eine Blickparese ausgeschlossen werden.
Eine gründliche neuroophthalmologische, strabologische, neurologische und bildgebende Diagnostik ist zwingend erforderlich, um den zugrunde liegenden Defekt zu lokalisieren.

Differenzialdiagnosen

Verschiedene Formen des Nystagmus

Nystagmusform (Untergruppe) Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Spontannystagmus kongenital:
okulär (in 80 der Fälle angeborene Augenerkrankung) • augenärztliche Untersuchung
idiopathisch • augenärztliche Untersuchung (Ausschlussdiagnose)
Spasmus nutans (feinschlägig, hoch-freguent, keine Ursache bekannt) Spontanremission nach einigen Jahren
Spontannystagmus erworben:
peripher (Innenohr/N. vestibularis) (starker Schwindel) • Schwindeldiagnostik (HNO)
zentral (Hirnstamm/Kleinhirn) (kein Schwindel) • MS-Diagnostik
Blickrichtungsnystagmus:
physiologisch Endstellungsnystag-mus (erschöpflich)
pathologisch (seitendifferent und unerschöpflich) • Ausschluss Hirnstamm-läsion, Medikamentenanamnese
Lagerungsnystagmus (peripher): benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel nach stumpfem SHT Anamnese SHT
Lagenystagmus (zentral, kaum Schwindel):
• bei Seitlagerung im Liegen (ohne Latenz, unerschöpflich) • Tumoren der hinteren Schädelgrube, Kleinhirn, Intoxikationen
• Down- und Up-Beat-Nystagmus (bei Kopfhängelage) • Läsion in Medulla oblongata/Kleinhirn
blickparetischer Nystagmus: dissoziierter Nystagmus (einseitig), z. B. internukleäre Ophthalmoplegie Ausschluss Blickparese
optokinetischer Nystagmus (physiologisch)

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