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B978-3-437-42501-1.50095-8

10.1016/B978-3-437-42501-1.50095-8

978-3-437-42501-1

Sigmakarzinom als Ursache einer neu aufgetretenen Obstipation

Obstipation

G. Lock

Definition

Chronische Obstipation bedeutet im Allgemeinen weniger als 3 Stuhlgänge pro Woche. Diese Definition geht auf eine britische Feldstudie zurück, in der 99 der Bevölkerung eine Stuhlgangsfrequenz zwischen 3 pro Tag und 3 pro Woche angaben. Allerdings empfinden viele Patienten oft auch den sehr harten, nur unter verstärktem Druck zu entleerenden Stuhl, das Gefühl der inkompletten Entleerung, einen unproduktiven Stuhldrang oder zu gering erscheinende Stuhlmengen als Verstopfung. In den USA schätzt man, dass ca. 15 der Bevölkerung an einer chronischen Obstipation leiden. Häufiger betroffen sein sollen Frauen, über 60-Jährige und Menschen mit geringer körperlicher Aktivität, geringem Einkommen oder niedrigem Bildungsniveau.

Der chronischen Obstipation liegen meist zwei unterschiedliche Störungsmechanismen der kolorektalen Motilität zugrunde: zum einen die sogenannte slow transit constipation als Manifestation seltenerer oder ineffektiver propulsiver Kolonbewegungen, zum anderen die Beckenbodendysfunktion als Ursache einer Auslassobstruktion. Kombinationen aus beiden Formen sind häufig.

Sekundäre Obstipationen entstehen dagegen aufgrund anderer Leiden, z. B, strukturelle Erkrankungen des Kolorektums (Tumoren, Strikturen, Analfissuren), metabolische (Hypothyreose, Diabetes mellitus) und neurologische (M. Parkinson) Erkrankungen oder durch motilitätsbeeinflussende Medikamente (Kalziumantagonisten, Opiate).

Anamnese

Zunächst sollte festgestellt werden, ob überhaupt eine Obstipation vorliegt und welches Problem für den Patienten im Vordergrund steht . Eine neu aufgetretene Obstipation (Kolonkarzinom? Abb. 1) hat für die weitere Abklärung selbstverständlich einen ganz anderen Stellenwert als eine seit Langem bestehende Verstopfung mit Neigung zu Meteorismus und durch die Stuhlentleerung sich bessernde Bauchschmerzen (Reizdarmsyndrom?). Erschwerte Entleerungen auch von weichem Stuhl oder Notwendigkeit eines Drucks auf das Perineum oder gar einer digitalen Evakuation sprechen für eine Beckenbodendysfunktion.

Untersuchungen

Bei der körperlichen Untersuchung sollte primär auf das Vorliegen zugrunde liegender Systemerkrankungen geachtet werden Die anale Inspektion kann Hinweise auf eine Analfissur geben. Bei Beobachtung einer simulierten Defäkation in Linksseitenlage tritt physiologischerweise das Perineum beim Pressen tiefer und beim Kneifversuch höher. Die digitale Palpation gibt orientierende Hinweise auf Sphinktertonus, Kneifdruck und Explosionsfähigkeit (Drücken Sie bitte meinen Finger heraus.) .
Weiterführende technische Untersuchungen umfassen die Koloskopie (zwingend bei auch nur geringem Verdacht auf ein Kolonkarzinom, bei über 50-Jährigen auch aus Vorsorgegründen indiziert), die röntgenologische Bestimmung der Kolontransitzeit mit röntgendichten Markern (Hinton-Test) und als Funktionsuntersuchungen den Ballonexpulsionstest, die anorektale Manometrie und die Barium-Defäko-graphie sowie in spezialisierten Zentren die Kernspin-defäkographie. Bei entsprechenden anamnestischen Hinweisen können auch einfache Laboruntersuchungen (Hypothyreose? Diabetes?) diagnoseweisend sein .

Differenzialdiagnosen

Ursachen der Obstipation

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
kolorektale Motilitäts-störung vom Typ des langsamen Transits Hinton-Test
Reizdarmsyndrom vom Obstipationstyp Anamnese
Kolonkarzinom Koloskopie
Medikamente gezielte Anamnese
Beckenbodendysfunktion Inspektion/Palpation , anorektale Manometrie , Defäkogra-phie , Ballonexpulsion , Hinton-Test
endokrine und Stoffwechselerkrankungen TSH, Blutzucker, Kalzium
neurologische Erkrankungen neurologische Untersuchung
Analfissuren rektale Inspektion
Kolonstrikturen selten anamnestische Hinweise (Operation, Ischämie) , Koloskopie
Morbus Hirschsprung sehr selten anorektale Manometrie (fehlender rektoanalinhibitorischer Reflex) , tiefe Biopsie

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