© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-42501-1.50210-6

10.1016/B978-3-437-42501-1.50210-6

978-3-437-42501-1

Ösophaguskarzinom. Endoskopisches Bild eines polypoiden, z. T. ulzerierenden Plattenepithelkarzinoms des mittleren Ösophagus,

Ösophaguskarzinom

E. Endlicher

Zur Orientierung

Das Ösophaguskarzinom gehört mit einer Inzidenz von ca. 2,5-8/100000 zu den selteneren Tumorarten. Prädisponierende Faktoren des Plattenepithelkarzinoms sind Rauchen und Alkoholabusus, darüber hinaus Laugenverätzungen, Achalasie und Tylose. Beim Adenokarzinom besteht dagegen ein Zusammenhang mit dem Barrettösophagus (Umwandlung des Plattenepithels in Zylinderepithel = intestinale Metaplasie), der mit einer langjährigen gastroösophagealen Refluxerkrankung assoziiert ist.

Leitsymptom ist die Dysphagie ( Kap. Schluckstörung).

Bei V. a. Ösophaguskarzinom werden zur Sicherung der Diagnose eine ÖGD mit Biopsie (Abb. 1) und bei endoskopisch nicht passierbarem Tumor ein Röntgenbreischluck (Beurteilung der Ausdehnung) durchgeführt. Bei nachgewiesenem Tumor können je nach Lokalisation und Stadium verschiedene Staging-Untersuchungen sinnvoll sein (verschiedene bildgebende Verfahren wie Röntgenthorax, Abdomensonographie, Endosonographie, Thorax-/Abdomen-CT).

Klassifikationen und Stadieneinteilung

Histologisch findet man am häufigsten Plattenepithelkarzinome (> 90) und Adenokarzinome, wobei für Adenokarzinome in den letzten Jahren ein deutlicher Anstieg verzeichnet wurde. Sehr seltene Tumoren sind u. a. anaplastische Karzinome, Leiomyosarkome, Lymphome, Sarkome, gastrointestinale Stromatumoren.

TNM-Klassifikation des Ösophaguskarzinoms

T- Primärtumor
T0 kein Anhalt für Primärtumor
Tis nichtinvasives Karzinom
T1 Infiltration von Lamina propria (T1m) und/oder Submukosa (T1sm)
T2 Infiltration der Muscularis propria
T3 Infiltration der Adventitia
T4 Infiltration von Nachbarstrukturen
Nregionäre Lymphknotenmetastasen
N0 keine regionären LK-Metastasen
N1 regionäre LK-Metastasen
MFernmetastasen
M0 keine Fernmetastasen
M1 zöliakale LK-Metastasen (M1a) andere Fernmetastasen (M1b)

Stadieneinteilung des Ösophaguskarzinoms

Stadium Primärtumor Lymphknotenmetastasen Fernmetastasen
0 Tis N0 M0
I T1 N0 M0
IIa T2-3 N0 M0
IIb T1-2 N1 M0
III T3 N1 M0
T4 jedes N M0
IV jedes T jedes N M1
IVa jedes T jedes N M1a
IVb jedes T jedes N M1b
Unter therapeutischen Gesichtspunkten unterscheidet man je nach Tumorlokalisation zervikale (20 ), supra- (50 ) und infrabifurkale (30 ) Ösophaguskarzinome.
Für das therapeutische Vorgehen sind die TNM-Klassifikation und die Stadieneinteilung nach UICC wichtig.

Therapie

Die Therapie des Ösophaguskarzinoms erfolgt stadienadaptiert nach folgenden Therapieempfehlungen (kein standardisiertes Vorgehen):
Bei Fehlen von Fernmetastasen (M0) ist die Differenzierung zervikal und supra- bzw. infrabifurkal wichtig . Zervikale Ösophaguskarzinome haben meist eine schlechte Prognose, häufig sind nur palliative Maßnahmen möglich .
Im Frühstadium (Tis, T1m, NO) zeigt inzwischen die endoskopische Mukosaresektion an erfahrenen Zentren vergleichbare Ergebnisse mit der Operation bei jedoch deutlich niedrigerer Morbidität und Mortalität .
Eine chirurgische radikale Tumorentfernung ist meist nur bei Tl – 3 N0 und Tl2 Nl möglich. Alternativ kommt in diesem Stadium auch eine neoadjuvante/primäre Radiochemotherapie infrage .
Bei lokal fortgeschrittenen Tumoren (T3 –4, N01) kann beim Plattenepithelkarzinom ebenso entweder eine neoadjuvante Radiochemotherapie mit anschließender Operation oder auch eine definitive Radiochemotherapie durchgeführt werden ; beim Adenokarzinom ist in diesem Stadium eine neoadjuvante Chemotherapie sinnvoll .
Bei Vorliegen von Fernmetastasen (Ml) ist ein individuelles Behandlungsregime angezeigt . Neben Radiochemotherapie oder alleiniger Chemotherapie sind Verfahren zur Wiederherstellung der Nahrungspassage, (par-)enterale Ernährung und Schmerztherapie bedeutsam.

Komplikationen

Die wichtigsten Komplikationen sind:
  • Ösophagusobstruktion ( mechanischer Dilatation, Einlage von Endoprothesen und Brachytherapie, ggf. Anlage einer perkutanen endoskopischen Gastrostomie [PEG])

  • Rekurrensparese

  • Tumorblutungen ( thermische Laserkoagulation oder Argonplasmakoagulation)

  • ösophagotracheale Fistel ( Deckung durch Endoprothesen).

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen