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B978-3-437-42501-1.50098-3

10.1016/B978-3-437-42501-1.50098-3

978-3-437-42501-1

Parästhesien

E. Stark

Definition

Der Begriff Parästhesie (griech. Fehlwahrnehmung) ist nicht eindeutig definiert. Im engeren Sinne versteht man darunter nur spontan auftretende, kribbelnde, prickelnde, vibrierende, nadelstichartige Missempfindungen. Bei erweiterter Anwendung wird er als Oberbegriff für alle sensiblen Plussymptome verwendet wie beispielsweise Dysästhesien (Symptome wie oben, aber bei Berührung auftretend) und Hyperpathie (Schmerzempfindung bei leichten Reizen). Parästhesien treten häufig in Kombination mit Sensibilitätsstörungen auf. Sie entstehen durch spontane Impulsgeneration in Axonen.

Anamnese

Entscheidende Fragen beziehen sich auf Dauer, Lokalisation und Situation des Auftretens von Parästhesien Dauerhaftes oder fluktuierendes Auftreten spricht für eine anhaltende Störung neuraler Strukturen, passagere Parästhesien kommen bei vorübergehenden Störungen neuraler Strukturen vor, auch Elektrolyt- oder Durchblutungsstörungen können Ursachen hiervon sein. Das Verteilungsmuster kann distal an den Extremitäten betont sein, bei nichtnervaler Ursache dabei auch perioral. Parästhesien bei Schädigung im Bereich des peripheren Nervensystems sind häufig von Schmerzen begleitet, bei Schädigung im Bereich von Nervenwurzeln sind schmerzlose Parästhesien sehr selten. Bei innerhalb von Tagen progredienten Parästhesien, vor allem bei Ausbreitung nach proximal, besteht der Verdacht auf bedrohliche neurologische Erkrankungen wie das Guillain-Barre-Syndrom (GBS) oder eine beginnende Rückenmarkschädigung.
Unspezifische Auslöser bedeuten aber auch, dass beim Auftreten von Parästhesien ein breites differenzialdiagnostisches Spektrum in Betracht kommt. Die weitere Diagnostik ist deshalb ganz wesentlich davon abhängig, ob und welche zusätzliche Symptomatik vorliegt.

Untersuchungen

Bei der körperlichen Untersuchung ist vor allem auf begleitende Sensibilitätsstörungen zu achten, daneben können weitere neurologische Defizite (Reflexausfälle, Paresen, zerebrale Symptome) wegweisend sein. Karpopedalspasmen sind kaum zu übersehen .
Auf Grund der Häufigkeit und Vielgestaltigkeit von Parästhesien ist die weitere Abklärung von der vermuteten Ursache abhängig. Alltägliche Beschwerden in Folge kurzer Nervenirritationen (Arm/Bein eingeschlafen) bedürfen im Regelfall keiner weiteren Abklärung. Sind Parästhesien ständig oder fluktuierend vorhanden, ist von einer strukturellen Schädigung nervaler Strukturen auszugehen.
Abhängig von Lokalisation und Dauer der Parästhesien ist weitere Diagnostik sinnvoll. Bei dauerhaften oder rezidivierenden scheinbar im Versorgungsgebiet peripherer Nerven und Wurzeln liegender Parästhesien sind, auch wenn weitere neurologische Defizite fehlen, differenzialdiagnostisch auch zerebrale Ischämien und/oder multiple Sklerose (MS) in Betracht zu ziehen. Das häufige stereotype Auftreten von Parästhesien ohne Entwicklung persistierender Ausfälle legt den Verdacht fokaler epileptischer Anfälle nahe .
Bei bilateralen Parästhesien sind neben Polyneuropathien differenzialdiagnostisch Elektrolytstörungen in Betracht zu ziehen.
Bei progredienten, aufsteigenden Parästhesien ist neben Liquordiagnostik, elektrophysiologischer Diagnostik und spinaler MRT eine engmaschige Verlaufsbeobachtung unter stationären Bedingungen bis zur Klärung oder Besserung unbedingt erforderlich.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Parästhesien

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
flüchtige Nervendruck-läsion keine
Hyperventilationssyndrom meist nicht notwendig, ggf. Ausschluss Tetanie
Tetanie Ca2, Mg2-Stoffwechsel, Vitamin D
transitorisch ischämische Attacke (TIA) MRT, Duplex-Sonographie der Hirngefäße
fokale epileptische Anfälle MRT, EEG
Polyneuropathie NLG, EMG, Labordiagnostik
multiple Sklerose MRT, Liquor, evozierte Potenziale (EP)
Bandscheibenvorfall CT
Guillain-Barr-Syndrom () NLG, EMG, Liguor

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