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B978-3-437-42501-1.50101-0

10.1016/B978-3-437-42501-1.50101-0

978-3-437-42501-1

Durstversuch, schematische Darstellung. Abgebildet sind die Ergebnisse für Diabetes insipidus, psychogene Polydipsie und den Normalzustand.

Polydipsie

U. Woenckhaus

Definition

Polydipsie ist ein pathologisch gesteigertes Durstgefühl mit übermäiger Flüssigkeitszufuhr, die in der Regel auch mit einer Polyurie einhergeht.

Die Polydipsie entsteht entweder primär (ohne vorausgehenden Anstieg der Plasmaosmolalität) oder sekundär als Folge einer erhöhten Plasmaosmolalität.

Anamnese

Zunächst gilt es, die Flüssigkeitszufuhr (normal 1,5 – 2,5 l/d) und die Diurese (normal < 3 l/d) quantitativ zu erfassen . Das Symptom einer Nykturie muss dezidiert hinterfragt werden. Groe extrarenale Flüssigkeitsverluste (Erbrechen, Diarrhö, Verbrennungen) sind durch Polydipsie ohne Polyurie gekennzeichnet . Begleiterkrankungen insbesondere neurologische oder psychiatrische sind differenzialdiagnostisch wegweisend (primäre Polydipsie bei Psychosen, zentraler Diabetes insipidus nach Schädel-Operation etc.) Medikamente, die Mundtrockenheit verursachen (Anticholinergika), verstärken das Durstgefühl ebenso wie Medikamente, die einen renalen Diabetes insipidus verursachen (Lithium) oder das Durstzentrum direkt stimulieren (ACE-Hemmer) . Eine positive Familienanamnese liegt insbesondere bei renalem Diabetes insipidus häufig vor . Auch der zeitliche Verlauf der Erkrankung (plötzlicher oder allmählicher Beginn) gibt differenzialdiagnostische Hinweise (zentraler Diabetes insipidus akut, primäre Polydipsie allmählich) .

Untersuchungen

In der klinischen Untersuchung ist vor allem die Erfassung des Volumenstatus (Hautturgor, Blutdruck, Herzfrequenz, Ödeme) bedeutsam .
Laborchemisch müssen zunächst eine Hyperglykämie als Ursache für eine osmotische Diurese (Urinosmolalität > 300 mosmol/kg) sowie eine Hyperkalzämie und eine Hypokaliämie als Ursachen für einen erworbenen renalen Diabetes insipidus mit sekundärer Polydipsie ausgeschlossen werden.
Bei der nichtosmotischen Wasserdiurese liegt die Urinosmolalität < 250–300 mosmol/kg. Die Differenzialdiagnostik erfolgt nach Bestimmung von Natrium und Osmolalität i.S. (bei primärer Polydipsie eher niedrignormal, bei Diabetes insipidus hochnormal oder erhöht) über den Durstversuch (in der Regel mit Desmopressingabe nach 10 h) (Abb. 1) . Während bei den renalen Formen die Urinosmolalität hier < 300 mosmol/kg bleibt , steigt sie bei zentralem Diabetes insipidus meist auf einen Wert kleiner 500 mosmol/kg an und lässt sich durch Gabe von Desmopressin (Minirin) stark weiter erhöhen . Bei uneindeutigen Befunden (Anstieg der Urinosmolalität auf 500 – 800 mosmol/kg) kann zur Unterscheidung primäre Polydipsie vs. partieller Diabetes insipidus centralis ein Kochsalzinfusionstest (deutlicher ADH-Anstieg bei primärer Polydipsie) weiterhelfen .
Zur weiteren Abklärung bei zerebraler (nicht psychotischer) Ursache der Polydipsie ist eine MRT des Schädels indiziert.

Differenzialdiaqnose

Ursachen für eine Polydipsie

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
primäre Polydipsie Anamnese, Osmolalität im Serum und Urin, Natrium i.S., Durstversuch, ev. Kochsalzinfusionstest
zentraler Diabetes insipidus Osmolalität im Serum und Urin, Durstversuch, ev. Kochsalzinfusionstest, Schädel-MRT
renaler Diabetes insipidus () Osmolalität im Serum und Urin, Durstversuch
Hyperglykämie/Diabetes mellitus Glukose i.S., HbA1c
Hyperkalzämie Kalzium i.S., PTH, Tumorscreening
extrarenale Flüssigkeitsverluste (Erbrechen, Diarrhö, Verbrennung) Anamnese
medikamentenbedingte Polydipsie Anamnese, ggf. Auslassversuch
polyurische Nierenerkrankung Urindiagnostik, Nierensonographie, ggf. Nierenbiopsie

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