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B978-3-437-42501-1.50223-4

10.1016/B978-3-437-42501-1.50223-4

978-3-437-42501-1

Prolaktinom

K. Parhofer

Zur Orientierung

Das Prolaktinom ist ein Prolaktin produzierendes Hypophysenadenom und mit 40–45 der häufigste Hypophysentumor. Die vermehrte Prolaktinfreisetzung (Hyperprolaktin-ämie) führt bei beiden Geschlechtern zu einem hypogon-adotropen Hypogonadismus. Während sich bei der Frau Oligo-/Amenorrhö, Infertilität und Galaktorrhö entwickeln, führt die Hyperprolaktinämie beim Mann zu Libidoverlust, Impotenz und Infertilität. Durch den Druck auf den Sehnerv können bei größeren Adenomen Gesichtsfeldausfälle auftreten.

Die Diagnose wird durch die Bestimmung des Prolaktinspiegels im Blut und durch bildgebende Verfahren (MRT) gesichert.

Differenzialdiagnose der Hyperprolaktinämie

  • physiologisch (Schwangerschaft, Stillzeit, Stress, Stimulation Brustwarzen)

  • hypophysär (Akromegalie, Läsionen des Hypophysenstils)

  • hypothalamisch (Tumoren)

  • systemische Erkrankungen (Hypothyreose, Leberzirrhose, Niereninsuffizienz)

  • Medikamente (Neuroleptika, Antidepressiva, Metoclopramid, Methyldopa, Reserpin, Verapamil, Opiate etc.)

  • Labor (Stresshormon, Makroprolaktinämie)

Formen

Je nach Tumorgröße (MRT) und Höhe des Prolaktinspiegels unterscheidet man:
  • Mikroprolaktinome: Größe < 1 cm, Prolaktinspiegel 20–200ng/ml .

  • Makroprolaktinome: Größe > 1 cm, Prolaktinspiegel > 200 ng/ml .

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Größe des Tumors und dem Kinderwunsch der Patientin.
  • Therapie des Mikroprolaktinoms: Bei Galaktorrhö oder Kinderwunsch wird eine Therapie mit Dopaminagonisten durchgeführt ; zur alleinigen Therapie des Hypogonadismus erfolgt meist die Substitution mit Sexualhormonen . Alternativ können auch in dieser Situation Dopaminagonisten eingesetzt werden. Mit Cabergolin kann in etwa 90 , mit Bromocriptin in etwa 60 der Fälle eine Normalisierung des Serumprolaktins erreicht werden.

  • Therapie des Makroprolaktinoms: Therapie der Wahl ist die medikamentöse Therapie mit Dopaminagonisten . Häufig (80) findet sich darunter eine Tumorregression und Normalisierung des Gesichtsfeldes.

Bei der medikamentösen Therapie nutzt man die hemmende Wirkung von Dopaminagonisten auf die Prolaktinsynthese und -Sekretion aus. Cabergolin und Quinagolid weisen gegenüber Bromocriptin eine bessere Effektivität und Verträglichkeit auf. Häufige Nebenwirkungen aller Dopaminagonisten sind Übelkeit, Erbrechen und orthostatische Hypotension. Zur Reduktion dieser Nebenwirkungen wird einschleichend dosiert. Die Therapie sollte sowohl bei Mikro- als auch Makroadenomen dauerhaft (mind. 2 Jahre) durchgeführt werden. Nach Absetzen kommt es häufig zu erneutem Prolaktinanstieg und Tumorwachstum.
Eine Operation (transphenoidale Resektion) ist indiziert, wenn trotz Dopaminagonisten ein Makroprolaktinom nicht kleiner wird und nach mehrmonatiger Therapie keine befriedigende Prolaktinsenkung erreichbar ist . Eine Strahlentherapie kann bei großen Prolaktinomen mit Dopaminagonisten-resistenz und bei Kontraindikationen zur Operation eingesetzt werden.

Komplikationen

Beim Makroprolaktinom kommt es in erster Linie durch den Druck auf Nachbarstrukturen zu Komplikationen (Chiasma-syndrom, andere neurologische Symptomatik, Einschränkung der anderen Hypophysenachsen mit entsprechenden Mangelzuständen).
Während einer Schwangerschaft ist bei 1–5 der Mikro-adenome eine Größenzunahme zu beobachten. Prolaktinbe-stimmungen sind allerdings in der Schwangerschaft nicht sinnvoll, als Monitoring können lediglich die Klinik und die Perimetrie dienen. Bei Makroprolaktinomen besteht in der Schwangerschaft ein hohes Risiko der Entwicklung von neurologischen Symptomen (15–35). Daher sollte bei Kinderwunsch eine Vorbehandlung zur Tumorverkleinerung mit Dopaminagonisten unter Kontrazeption erfolgen; ggf. kann Bromocriptin während der gesamten Schwangerschaft gegeben werden. In ausgewählten Fällen kann auch eine chirurgische Entfernung des Prolaktinoms vor der geplanten Konzeption erfolgen.

Hypophysenadenom. Koronale T1-gewichtete MR-Aufnahme nach Kontrastmittelgabe. [Kauffmann/Moser/Sauer]

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