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B978-3-437-42501-1.50103-4

10.1016/B978-3-437-42501-1.50103-4

978-3-437-42501-1

Zusammenhang zwischen Ausmaß der Proteinurie und der Überlebenswahrscheinlichkeit bei Typ-1-Diabetikern mit oder ohne PDR (proliferative diabetische Retinopathie)

(modifiziert nach [Granselund]).

Proteinurie

R. Brunkhorst

Definition

Eine Proteinurie liegt bei einer Eiweißausscheidung über 300 mg/d vor. Über 3,5 g/d spricht man von einer großen Proteinurie. Eine Proteinurie unter 300 mg/d wird auch als Mikroalbuminurie bezeichnet. Eine selektive Proteinurie (überwiegende Albuminurie) wird unterschieden von der unselektiv glomerulären Proteinurie, wobei praktisch alle hochmolekularen Eiweiße im Harn erscheinen . Eine tubu-läre Proteinurie ist gleichbedeutend mit einer verminderten tubulären Reabsorption glomerulär filtrierter kleinmolekularer Proteine wie 1 oder 2-Mikroglobulin.

Anamnese

Bei über 3,5 g/d Protein können Ödeme und gelegentlich auch ein Schäumen des Urins auftreten.
Es muss auf Symptome von Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie, monoklonale Gammopathie, maligne Tumoren, Systemerkrankungen, Hepatitis, Harnwegsinfekte und Medikamenteneinnahme geachtet werden .
Bei kleiner Proteinurie sollte nach physiologischen, die Eiweißausscheidung erhöhenden Faktoren wie z. B. körperliche Belastung oder Fieberepisoden gefragt werden .

Untersuchungen

Erst bei großer Proteinurie kommt es zur Ödembildung (Beinödeme, Lidödeme, Anasarka). Bei fortgeschrittenen protein-urischen Nierenerkrankungen können urämische Symptome vorliegen, häufiger kann parallel ein Bluthochdruck auftreten. Hinweise auf Grunderkrankungen, die eine Begleitnierenerkrankung verursachen, sind wiederum wichtig (u. a. Diabetes, Hypertonus, Infekte, Malignome, Systemerkrankung) . Bei großer Proteinurie kann das Vollbild des > nephrotischen Syndroms beobachtet werden .

Laboruntersuchungen

Bei Nachweis einer Proteinurie muss eine Hämaturie ausgeschlossen und ggf. ein Urinsediment veranlasst werden. Bei nephritischem Sediment liegt meist eine Glomerulonephritis (GN) vor, die durch Nierenbiopsie weiter differenziert werden sollte. Bei intakten oder fehlenden Erythrozyten im Urin handelt es sich um eine Proteinurie nichtglomerulären Ursprungs ( Kap. Hämaturie).
Die Proteinausscheidung kann quantitativ (24-h-Sammel-urin) oder qualitativ (Stix) bestimmt werden. Zur weiteren Differenzierung eignen sich Immunelektrophorese und -fixation (monoklonale - oder -Leichtketten bei Paraprotein-ämie) sowie die SDS-Polyacrylamidgradienten-Gel-Elek-trophorese (Differenzierung tubuläres oder glomeruläres Proteinmuster). Bei Diabetes oder Hypertonie wird im Frühstadium einer Nierenschädigung eine Mikroalbuminurie beobachtet, die man nur mit speziellen Testverfahren nachweisen kann und einen Hinweis auf die Prognose der Erkrankung liefert (Abb. 1).

Apparative Untersuchungen

Eine Ultraschalluntersuchung kann auf eine schwere Pyelonephritis, obstruktive Probleme an den Harnwegen, Tumoren der Harnwege oder eine interstitielle Nephritis bei Analgetikanephropathie hinweisen. CT und MRT können im Einzelfall den Befund genauer beschreiben.
In den meisten Fällen einer unklaren Proteinausscheidung mit Erythrozyturie und/oder Nierenfunktionseinschränkung ist die Nierenbiopsie indiziert.

Differenzialdiagnose der Proteinurie

Diagnose Relative Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
diabetische Nephropathie Fundus diabeticus, Nierenbiopsie
Myelomniere, Amyloidose Leichtkettennephropathie Immunelektrophorese, Immun-fixation im Serum und im Urin, Amyloidnachweis in der Rektumbiopsie, Nierenbiopsie
hypertensive Nephrosklerose Fundus hypertonicus, Zeichen der Linksherzbelastung in der Echokardiographie, 24-h-RR
membranöse GN Nierenbiopsie, Tumorausschluss
Minimal-change-GN und FSGS (fokalsegmentale Glomerulosklerose) Nierenbiopsie, Tumorausschluss
IgA-GN, mesangioproliferative GN Ausschluss einer Lebererkrankung, Nierenbiopsie
postinfektiöse GN Nierenbiopsie
rapid progrediente GN (RPGN) ANAs, ANCAs etc., Nierenbiopsie
membranoproliferative GN () Nierenbiopsie, Hepatitisserologie
physiologische Proteinurie Fieber, körperliche Belastung
Harnwegsinfekt, Pyelonephritis Fieber, systemische Infektzeichen, pathologisches Urinsediment, Bakteriurie
interstitielle Nephritis Medikamentenanamnese, Infekt etc.

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