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B978-3-437-42501-1.50226-X

10.1016/B978-3-437-42501-1.50226-X

978-3-437-42501-1

Keratoderma blennorrhagicum. Typische psoriasiforme Hautveränderungen bei Patienten mit Reiter-Syndrom, die oft an den Fußsohlen zu finden sind

Reaktive Arthritis und Reiter-Syndrom

J. Strunk

Zur Orientierung

Bei der reaktiven Arthritis handelt es sich um eine entzündliche Gelenkerkrankung, welche wenige Tage bis Wochen nach Infekten im Urogenital- (z. B. Chlamydien), Intestinal- (z. B. Yersinien, Salmonellen) oder Respirationstrakt (z. B. Streptokokken) auftritt. Der Häufigkeitsgipfel der Erkrankung liegt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, bei ca. 65 der betroffenen Patienten findet sich ein positives HLA-B27.

Als Leitsymptom steht eine asymmetrische Mon- oder Oligoarthritis mit Betonung der unteren Extremität im Vordergrund, wobei grundsätzlich jedes Gelenk inkl. der Wirbelsäule betroffen sein kann. Extraartikuläre Manifestationen können beobachtet werden. Das Reiter-Syndrom ist eine klassische postinfektiöse reaktive Arthritis, welche durch die typische Symptomenkonstellation Arthritis, Urethritis (Prostatitis, Zervizitis) und Konjunktivitis (Iritis) charakterisiert ist.

Für die Diagnosestellung der reaktiven Arthritis ist der anamnestische Hinweis auf einen vorangegangenen Infekt richtungweisend und wird in den meisten Fällen von einer laborchemisch messbaren entzündlichen Aktivität (BSG, CRP) unterstützt.

Extraartikuläre Manifestationen bei reaktiver Arthritis

Auge Konjunktivitis (häufig), Iritis
Haut, Schleimhaut Keratoderma blennorrhagicum (Abb. 1), Balanitis circinata
Herz- und Blutgefäßveränderungen Myo-, Endo- oder Perikarditis
Allgemeinsymptome Einschränkung des Allgemeinbefindens, Fieber

Therapie

Da die reaktive Arthritis oft sehr schmerzhaft ist, stellt die Gabe eines nichtsteroidalen Antirheumatikums (NSAR) die grundlegende therapeutische Maßnahme dar. Hierbei müssen neben der Anpassung der adäquaten Tagesdosis des jeweiligen Präparates auch mögliche Komorbiditäten (z. B. Ulkuskrankheit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen) berücksichtigt werden. Bei noch aktuell nachgewiesenem Infekt sollte eine gemäß Antibiogramm gezielte Antibiose durchgeführt werden (z. B. Streptokokken – Penicillin; Chlamydien – Tetracyclin, Yersi-nien – Ciprofloxacin).
Schon bei initialer differenzialdiagnostischer Unsicherheit im Hinblick auf die Genese der Mon- oder Oligoarthritis muss eine Gelenkpunktion mit anschließender Synovialanalyse durchgeführt werden. Kann hierbei eine infektiös-septische Arthritis ausgeschlossen werden, so ist eine unmittelbare intraartikuläre Glukokortikoidgabe (z. B. Triamcinolon-Kristallsuspension) eine sehr wirksame Maßnahme, welche die Arthritis im betroffenen Gelenk meist dauerhaft zur Ruhe bringt. Auch bei Versagen der NSAR-Therapie ist an eine Glu-kokortikoidinjektion in das Gelenk zu denken.
Bei hochaktiven Fällen mit Beteiligung vieler Gelenke (mehr als 5 Gelenke = Polyarthritis) ist grundsätzlich der Einsatz systemischer Glukokortikoide möglich. Jedoch zeigt dies meist nicht die erwartete Wirksamkeit, sodass diese Vorgehensweise mit Zurückhaltung nur in Einzelfällen zu empfehlen ist. Bei fehlender Wirkung kann eine lokale Therapie mit Glukokortikoiden für die am stärksten betroffenen Gelenke versucht werden.
Sollte eine reaktive Arthritis einen chronischen Verlauf nehmen, so ist im ersten Schritt eine Überprüfung der Diagnose erforderlich. Hierbei muss geklärt werden, ob sich nicht eine andere seronegative Spondyloarthritis, wie z. B. eine ankylosie-rende Spondylitis oder eine Psoriasisarthritis, mit initialer Mon- oder Oligoarthritis manifestiert. Da eine Therapie mit Sulfasalazin bei den meisten Spondyloarthritiden wirksam ist, sollte dies als Mittel der ersten Wahl bei chronischen Verläufen zur Anwendung kommen.

Häufige Fehler und Irrtümer

Der alleinige serologische Nachweis eines Antikörpers gegen einen potenziellen Erreger, der eine reaktive Arthritis induzieren kann (wie z. B. Chlamydien oder Streptokokken), reicht zur Diagnosestellung nicht aus, da die Durchseuchung in der Bevölkerung für diese Keime hoch ist.

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