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B978-3-437-42501-1.50104-6

10.1016/B978-3-437-42501-1.50104-6

978-3-437-42501-1

Mehrsegmentale Lumbalstenose (Pfeile).

Intraspinaler Tumor auf Konushöhe (Pfeil)

Rückenschmerzen

P. Brunotte

Definition

Rückenschmerzen sind mehr oder minder starke spontane oder belastungs- bzw. bewegungsabhängige Schmerzen unterschiedlicher Ursachen im HWS-, BWS-, LWS- und Kreuzbeinbereich. Innerhalb eines Jahres leiden etwa 70 der Bevölkerung mindestens einmal unter Rückenschmerzen.

Anamnese

Richtungweisend für die Ursachenklärung ist die Anamnese , wobei ganz besonders nach Lokalisation, auslösenden Faktoren (z. B. Verhebetrauma) und weiteren Symptomen zu fahnden ist. Die Schmerzanamnese fragt gezielt nach Schmerzbeginn (akut, schleichend), Schmerzausdehnung (punktförmig, diffus, flächenhaft), Schmerzcharakter (dumpf, stechend, krampfartig), Schmerzrhythmus (Nachtschmerz, Morgensteifigkeit) und Schmerzdauer. Zu erfragen sind eine nicht der-matombezogene Schmerzausstrahlung (pseudoradikulärer Schmerz), während sich der radikuläre Schmerz entlang eines Dermatoms im Bereich des Rumpfs, Arms oder Beins ausbreitet, was bereits eine erhebliche pathogenetische und auch lokalisatorische Eingrenzung bedeutet.

Untersuchungen

Im Rahmen der klinischen Untersuchung erfolgt die Inspektion (z. B. Bläschen), es werden die Körperhaltung (Schiefhals, Skoliose) und Haltungsinsuffizienz sowie Klopf-, Druckschmerzhaftigkeit und Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule beurteilt. Radikuläre Zeichen sind neben der segmentalen Schmerzausstrahlung eine Sensibilitätsstörung mit Hypalgesie und Hypästhesie im zugehörigen Dermatom, motorische Ausfälle und Reflexstörungen im Bereich der betroffenen Wurzel. Provokationsmanöver wie Armzug, HWS-Reklination und ipsilaterale HWS-Rotation, Lasgue-Manöver und der Langsitz (Beine liegen lang gestreckt am Boden) komplettieren die Diagnose des Wurzelsyndroms.
Bei der Mehrzahl der Patienten limitieren sich die Beschwerden von selbst, sodass keine weitere Diagnostik oder nur eine Basisdiagnostik mit Röntgen der betroffenen Region, Blutbild, CRP und BSG erforderlich ist. Die verbliebenen verte-bragenen Erkrankungen mit Beschwerdepersistenz, neurologischen Reiz- oder Ausfallerscheinungen und das Vorliegen von Risikokonstellationen lassen sich mehrheitlich durch CT und MRT sowie erweiterte Labordiagnostik und Skelettszintigraphie erfassen .
Risikokonstellation bei Rückenschmerzen:
  • erstmalig auftretend und persistierend oder zunehmend, bei > 65- und < 18-Jährigen

  • auslösendes Trauma, auch Bagatelltrauma bei Älteren

  • bekannte Osteoporose

  • schwere und/oder fortschreitende neurologische Ausfälle

  • allgemeines Krankheitsgefühl, Gewichtsverlust, Fieber

  • Blutbildveränderungen, BSG , CRP

  • Vorgeschichte einer Tumorerkrankung

  • jeder chronische Schmerz ( 3 Monate Dauer), besonders vom entzündlichen Typ (langsamer Beginn, Morgensteifigkeit, Besserung durch Bewegung, Alter 40 Jahre)

  • abgelaufene bakterielle Infektion

  • Drogenabhängigkeit

  • Immunsuppression.

Differenzialdiagnosen

Die meisten Rückenschmerzen (85) sind unkompliziert. Sie beruhen auf degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule in Kombination mit mangelndem Trainingszustand der paravertebralen Muskulatur und einer Fehlhaltung, sie haben eine gute Besserungstendenz . Davon abzugrenzen sind der radikuläre und der sich meist aus den Risikokonstellationen ableitende komplizierte Rückenschmerz. War die bisherige Diagnostik noch nicht zielführend, ist auch an eine extravertebrale Ursache zu denken, wobei es durch Krankheiten innerer Organe (z. B. von Beckenorganen und Retroperitoneum) zu projizierten Schmerzen (referred pain) kommt.

Ursachen von Rückenschmerzen

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Spondylose, Spondyl-arthrose CT, MRT
Bandscheibenvorfall CT, MRT
Spinalkanalstenose (Abb. 1) CT, MRT (Myelographie)
Diszitis, Spondylodiszitis CT, MRT, BB, BSG, CRP, Biopsie
intraspinaler Prozess (Abb. 2) CT, MRT
Tumor, Metastasen CT, MRT, Biopsie, BB, BSG
Osteoporose konventionelles Röntgen, Densito-metrie
Radikulitis (VZV, Borrelien, Sarkoidose) () MRT, Liquor
Aortendissektion CT-/MRT-Angiographie (TEE)
retroperitoneales Hämatom CT, MRT

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