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B978-3-437-42501-1.50106-X

10.1016/B978-3-437-42501-1.50106-X

978-3-437-42501-1

Schluckauf

H.D. Allescher

Definition

Der Schluckauf (lat. Singultus) entsteht durch eine reflektorische Bewegungsabfolge, die aus einer ruckartigen Einatmungsbewegung (Kontraktion) des Zwerchfells und der Atemhilfsmuskulatur, unterbrochen von einem plötzlichen Stimmlippenverschluss, besteht.

Anamnese

Der transiente Schluckauf (maximal 48 h) ist oft nur eine harmlose Störung, die durch eine Reizung des N. phrenicus oder des N. vagus zustande kommt. Diese wird meist durch vorübergehende Reizungen des Zwerchfells oder des Magens, z. B. durch Magenfüllung (hastiges Essen), ausgelöst. Auch unter Aufregung oder Anspannung kann der Schluckauf vermehrt auftreten. Diese kurzen Episoden bedürfen keiner weiteren Abklärung.
Chronischer Schluckauf ( 4 Wochen) kann jedoch zu erheblichen Nebenerscheinungen wie Malnutrition, Gewichtsverlust, Ermüdung, Dehydratation, Schlafstörungen oder bei postoperativen Zuständen zur Wunddehiszenz führen.

Untersuchungen

Die Diagnose ergibt sich aus dem charakteristischen Bewegungsmuster und dem typischen Hickslaut. Im Unterschied zu dem meist kurzzeitigen Symptom bei Magendehnung/-reizung oder Aufregung ist persistierender (> 48 h, aber < 4 Wochen) oder chronischer Schluckauf oft Ausdruck einer organischen Erkrankung. Frequenzen von 4 bis 60 pro Minute sind möglich.
Länger dauernder Schluckauf hat verschiedene Auslöser: peripher durch Phrenikus- oder Vagusreizung oder zentralnervöse bzw. psychische Erkrankungen . Mögliche Ursachen sind entzündliche Veränderungen am Zwerchfell (Pleuritis, Pankreatitis etc.), im Hals- oder Mediastinalbereich (Laryngitis, Struma etc.) oder tumoröse Prozesse. Auch Fremdkörper im äußeren Gehörgang können eine chronische Vagusreizung verursachen.
Die häufigsten Ursachen sind jedoch eine Refluxösophagitis oder eine axiale Hiatushernie , die mit einer ÖGD diagnostiziert werden können. Lässt sich keine erosive Refluxkrankheit (ERD) nachweisen, ist eine 24-Stunden-pH-Metrie oder eine Impedanzmessung zur Diagnostik der Refluxerkrankung notwendig , um eine nichterosive Refluxkrankheit (NERD) festzustellen. Alternativ kann ein Therapieversuch mit einem Pro-tonenpumpeninhibitor (PPI) erfolgen .
Des Weiteren sind Laboruntersuchungen (CRP, Kreatinin etc.) , Oberbauchsonographie sowie eine Röntgenuntersu-chung des Thorax sinnvoll .
Um ZNS-Ursachen festzustellen, sind eine eingehende neurologische Evaluation, Bildgebung (cCT, MRT), ggf. Liquorpunktion oder Blutuntersuchungen (Herpes simplex, Varizella Zoster etc.) zur weiteren Diagnostik notwendig. Ebenso können Erkrankungen, die mit einer Polyneuropathie einhergehen, zu chronischem Schluckauf führen .
Auch psychogene (Angst, Stress) und psychiatrische Erkrankungen können einen chronischen Schluckauf bedingen.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Schluckauf

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Magenüberdehnung nicht erforderlich, sistiert spontan
Alkohol, scharfe Speisen nicht erforderlich, sistiert spontan
psychogen, Stress, Aufregung, Kälte nicht erforderlich
Ösophaguserkrankungen, Divertikel, Reflux, Hiatushernie Anamnese, ÖGD, pH-Metrie, PPI-Test
Magenaffektion, Ulkus Anamnese, ÖGD
Struma, Halszysten Anamnese, Palpation, Ultraschall, Röntgen Thorax, CT
mediastinale Prozesse (bzw. HNO-Bereich) Anamnese, klinische Untersuchung, Sonographie, HNO-Untersuchung
Affektionen im Ohrbereich Inspektion des Gehörgangs
pulmonale Prozesse (Pneumonie, Pleuritis, Tumoren) Anamnese, Auskultation, Röntgen Thorax, Bronchoskopie
Perikarditis, Hinterwandinfarkt Anamnese, Labor, EKG, Herzecho
intraabdominale Prozesse, Peritonitis, Meteorismus Anamnese (Operation), Sonographie, CT
Lebererkrankungen, Metastasen, Hepatitis, Cholestase Labor, Sonographie, CT
Diabetes HbA1c, autonome Testung
Medikamente (Benzodiaze-pine, Barbiturate, Kortiko-steroide), Hyponatriämie, Hypokalzämie Anamnese, Labor
Pankreatitis Anamnese, Labor, Sonographie, CT
ZNS-Affektionen, SAB, Enzephalitis, Hirn-, Kleinhirn- und Tumoren im Bereich der Medulla oder des Halsmarks neurologische Untersuchung, cCT, Liquorpunktion, MRT
Urämie, Niereninsuffizienz Anamnese, Laborkontrolle (Kreatinin)
idiopathischer Schluckauf Ausschlussdiagnose

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