© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-42501-1.50234-9

10.1016/B978-3-437-42501-1.50234-9

978-3-437-42501-1

Thyreoiditis mit inhomogenem Muster und Hyperperfusion in der Duplexsonographie.

Thyreoiditis

U. Woenckhaus

Zur Orientierung

Thyreoiditiden sind Schilddrüsenentzündungen von ganz unterschiedlicher Pathogenese, die akut, subakut oder chronisch verlaufen. Klinisch machen sie sich entweder durch entzündliche Symptomatik (Schmerzen, Lokalbefund) oder Zeichen der Schilddrüsenfehlfunktion bemerkbar. Die Thyreoiditis kann aber auch asymptomatisch bleiben (Zufallsbefund).

Die Diagnose wird primär klinisch gestellt und in der Regel sonographisch untermauert (Abb. 1). Nur in seltenen Fällen ist eine ergänzende Schilddrüsen-(SD-)Szintigraphie oder SD-Punktion erforderlich.

Formen und Stadienverlauf

Die Einteilung der Thyreoiditiden erfolgt entweder nach der Ätiologie (infektiös, parainfektiös, autoimmun), nach der Pathologie (eiterig, lymphozytär, granulomatös) oder nach dem klinischen Verlauf und Schweregrad (akut, subakut, chronisch).
Unter Kombination mehrerer Gesichtspunkte lassen sich folgende Hauptformen unterscheiden:
  • akute bakterielle Thyreoiditis

  • subakute Thyreoiditis de Quervain (granulomatöse Form)

  • subakute lymphozytäre Thyreoiditis (Untergruppen postpartale und silent Thyreoiditis)

  • chronische Autoimmunthyreoiditis (hypertrophische Form = klassische Hashimoto-Thyreoiditis, atrophische Form = häufigere Form)

  • Thyreoiditis durch exogene Faktoren:

    • Strahlenthyreoiditis

    • traumatische Thyreoiditis

    • medikamenteninduzierte Thyreoiditis (Amiodaron, Lithium, Interferon); histologisch und klinisch häufig der silent Thyreoiditis entsprechend.

Die Schilddrüsenfunktion verläuft bei den Thyreoiditiden klassischerweise in drei Stadien:
  • 1. initiale Hyperthyreose durch Zerstörung der Follikelepithelzellen und Proteolyse von Thyreoglobulin

  • 2. Hypothyreose nach Aufbrauchen der SD-Hormonspeicher

  • 3. Restitutio mit Euthyreose.

Je nach Schweregrad des entzündlichen Prozesses werden die einzelnen Phasen in unterschiedlicher Ausprägung und in variabler Länge durchlaufen. In Einzelfällen kommt es nicht zur Resitutio, weshalb die Hypothyreose persistiert ( Kap. Hypothyreose).

Therapie

Die Therapie der Thyreoiditiden richtet sich nach der führenden Symptomatik.
So reichen zur Behandlung der schmerzhaften traumatischen oder radiogenen Thyreoiditis NSAR und lokale Maßnahmen (Kühlung) aus. Liegen diese exogenen Faktoren anamnestisch nicht vor, so ist zwischen der seltenen akuten bakteriellen Thyreoiditis und der häufigeren Thyreoiditis de Quervain zu unterscheiden. Sonographisch lässt sich ein Abszess bei entsprechender Klinik in der Regel sicher diagnostizieren und drainieren . Gleichzeitig wird eine systemische Antibiose eingeleitet. Nur in seltenen Fällen ist bei Therapieversagen eine chirurgische Intervention nötig.
Zeigt sich bei einer schmerzhaften Thyreoiditis (nach anamnestischem Virusinfekt) sonographisch ein fleckförmig echoarmes Muster , so ist bei charakteristischen Laborveränderungen (massive BSG-Beschleunigung ohne signifikante Leukozytose) die Diagnose einer Thyreoiditis de Quervain zu stellen. Therapeutisch reichen hier NSAR meist nicht aus. Das schnelle Ansprechen auf Glukokortikoide kann als zusätzlicher Diagnosebeweis gewertet werden. In unklaren Fällen ist vor Therapieeinleitung eine SD-Punktion mit zusätzlicher mikrobiologischer Untersuchung erforderlich.
Symptomatik und Verlauf der schmerzlosen Thyreoiditiden sind in aller Regel so blande, dass nach anamnestischer Differenzierung zwischen den Untergruppen (medikamenteninduzierte Form, postpartale Form nach Entbindung innerhalb des vorangegangenen Jahres bzw. silent Thyreoiditis), der Spontanverlauf abgewartet werden kann. In eher seltenen Fällen werden -Blocker zur Symptomlinderung eingesetzt (Kontraindikation: Stillen).
Die chronische lymphozytäre Thyreoiditis manifestiert sich klinisch in aller Regel durch langsam progrediente Hypothyreosesymptomatik ( Kap. Hypothyreose). Nur in Ausnahmefällen besteht initial eine transiente Hyperthyreose (in schwererer Ausprägung Hashitoxikose genannt).

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen