© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-42501-1.50235-0

10.1016/B978-3-437-42501-1.50235-0

978-3-437-42501-1

Sonomorphologisch frische Thrombose der Vena femoralis communis links.

Duplexsonographisches Bild beidseitiger Thrombosen der Venae iliacae communes.

Tiefe Venenthrombose

H.-P. Lorenzen

Zur Orientierung

Bei der akuten tiefen Venenthrombose (TVT) handelt es sich um eine partielle oder vollständige Verlegung der Leit- und Muskelvenen durch Blutgerinnsel, die zum appositionellen Wachstum und zur Embolisation in die Lunge neigen.

Symptome wie Ödem, Schmerz, Spannungsgefühl, Zyano-se, verstärkte Venenzeichnung sowie Druck- und Dehnungsschmerz der Wade (Homans- und Payr-Zeichen) gelten als typisch. Diese können zwar eine TVT weder definitiv nachweisen noch ausschließen, sollten aber eine weitere Diagnostik nach sich ziehen. Bei Patienten mit niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit einer TVT empfiehlt sich die Bestimmung der D-Dimere im Blut (hohe negative Aussagekraft). Bei erhöhtem Score oder positiven D-Dimeren sollte eine Bildgebung erfolgen (Abb. 1 und 2), Methode der 1. Wahl ist die Kompressionssonographie . Bei unklarem Befund sollte eine Phlebographie, im Beckenbereich ein Phlebo-CT zur definitiven Klärung erfolgen . Als Differen-zialdiagnosen sind Hämatome, eine rupturierte Bakerzyste, Muskelfaserriss, Bänderzerrung, Lymphödem sowie kardiale oder nephrogene Ödeme in Betracht zu ziehen.

Einschätzung der klinischen Wahrscheinlichkeit einer tiefen Venenthrombose

Klinische Parameter Punkte
aktive Krebserkrankung 1
Lähmung oder kürzliche Immobilisation der Beine 1
Bettruhe ( 3 Tage), große Chirurgie (< 12 Wochen) 1
Schmerz/Verhärtung entlang der tiefen Venen 1
Schwellung des ganzen Beins 1
Schwellung des Unterschenkels > 3 cm gegenüber der Gegenseite 1
eindrückbares Ödem am symptomatischen Bein 1
Kollateralvenen 1
frühere dokumentierte TVT 1
alternative Diagnose mindestens ebenso wahrscheinlich wie TVT -2
Auswertung: > 3 hohe Wahrscheinlichkeit; 1 –2 mittlere Wahrscheinlich keit; < 1 geringe Wahrscheinlichkeit

Therapie

Ziele der Therapie sind ein weiteres Thrombuswachstum zu verhindern, die Entwicklung einer Lungenembolie zu vermeiden sowie den ursprünglichen Blutfluss möglichst schnell wiederherzustellen.
Bei gesicherter TVT ist daher eine sofortige effektive Antikoagulation erforderlich. Die initiale Behandlung erfolgt üblicherweise mit niedermolekularem Heparin (NMH) in körpergewichtsadaptierter Dosierung. NMH führen wesentlich seltener zu einer heparininduzierten Thrombozytopenie (HIT) Typ II als unfraktioniertes Heparin. Für Patienten mit bekannter HIT Typ II sind Danaparoid, Lepirudin und Argatroban zugelassen .
Eine Immobilisation ist nicht indiziert. Anfänglich sollte eine Kompression mit elastischen Kurzzugbinden erfolgen, nach Abschwellung werden Kompressionsstrümpfe angepasst .
Die Umstellung der Antikoagulation auf oral applizierbare Vitamin-K-Antagonisten kann bereits am Tag der Diagnosestellung bzw. dem nachfolgenden Tag begonnen werden. Die Heparintherapie wird überlappend bis zum Erreichen des INR-Zielwertes 2,0–3,0 fortgeführt. Die Dauer der Rezidivprophylaxe ist insbesondere von der Genese der TVT, persistierenden Risikofaktoren und der Anzahl abgelaufener Thrombosen abhängig.
  • Erste Thromboembolie:

    • Bei transientem Risikofaktor (TVT proximal und distal, Lungenembolie): 3–6 Monate

    • Bei idiopathischer Genese oder Thrombophilie: 6–12 Monate

    • Bei kombinierter Thrombophilie oder Antiphospholipid-AK-Syndrom: 12 Monate

  • Rezidivierende Thromboembolie oder aktive Krebserkrankung: zeitlich unbegrenzt.

Bei Kontraindikationen gegen eine orale Antikoagulation, insbesondere bei hohem Blutungsrisiko, zwischenzeitlich aufgetretenen Gegenanzeigen (z. B. gastrointestinales Ulkus) oder schweren Blutungskomplikationen kann eine längerfristige NMH-Therapie erwogen werden.

Komplikationen

Die am meisten gefürchtete akute Komplikation der tiefen Venenthrombose ist die Lungenarterienembolie. Langfristig kann sich im Rahmen eines postthrombotischen Syndroms eine sekundäre chronische venöse Insuffizienz mit Stauungsbeschwerden und ein Ulcus cruris venosum entwickeln ( Kap. chronische venöse Insuffizienz).

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen