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B978-3-437-42501-1.50122-8

10.1016/B978-3-437-42501-1.50122-8

978-3-437-42501-1

Ohrmikroskopie: normaler Trommelfellbefund.

Tinnitus

H.-J. Welkoborsky

Definition

Dem Tinnitus (Ohrgeräusche) können unterschiedliche Störungen des Hörorgans und der zentralen Hörbahn zugrunde liegen. Man unterscheidet zwischen einem subjektiven, bei dem nur der Patient das Geräusch wahrnimmt, und einem objektiven Tinnitus, den Patient und Untersucher wahrnehmen. Hierzu gehören auch der vaskuläre und der muskuläre Tinnitus. Zusätzlich wird zwischen akutem (< 3 Monate), subakutem (> 3 Monate und < 1 Jahr) und chronischem Tinnitus (> 1 Jahr) differenziert.

Anamnese

Der Patient wird genau befragt , wann das Geräusch erstmals aufgetreten ist und wann es in welcher Intensität auftritt, seit wann das Geräusch und ob zusätzlich eine Hörminderung besteht, ob das Ohrgeräusch zusammen mit der Hörminderung aufgetreten ist, ob zusätzliche Krankheiten oder Risikofaktoren vorliegen (z. B. Herz-Kreislauf-, neurologische oder Stoffwechselerkrankungen, HWS-Schäden) oder ob Medikamente eingenommen werden. Sehr wichtig ist, inwieweit der Patient das Ohrgeräusch als belastend oder quälend empfindet, ob Konzentrations- oder Schlafstörungen dadurch bestehen und ob die Lebensqualität beeinflusst wird.
Entstand das Ohrgeräusch in Verbindung mit einer Hörstörung, interessiert besonders die Entstehung der Hörstörung (plötzlich langsam fortschreitend, einseitig beidseitig, auslösende Faktoren wie Unfälle). Weiterhin wird nach Hörstörungen in der Familie, entzündlichen Erkrankungen sowie anderen Symptomen (z. B. Schmerzen, Schwindel und Druckgefühl) gefragt.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Tinnitus

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
subjektiv (idiopathisch) Anamnese, klinischer Befund, Audiometrie, OAE, AEP, Vestibularisprüfung und ENG, ggf. kieferorthopädische, HWS-, internistische Untersuchung, Labor (Borrelien-, HIV-, Lues-Serologie, Glukose, Blutfette, Schilddrüsenhormone etc.)
Paukenhöhlenerguss Anamnese, ohrmikroskopischer Befund, Tonschwellenaudiometrie, Tympanogramm
Hörsturz Anamnese, ohrmikroskopischer Befund (unauffälliges Trommelfell Abb. 1), Tonschwellenaudiometrie
Morbus Menire Anamnese, klinischer Befund, Tonschwellenaudiometrie, Elektrocochleographie, pathologischer Glyceroltest. Elektro-nystagmographie
Otosklerose Anamnese, ohrmikroskopischer Befund (Schwarz'sches Zeichen), Tonschwellenaudiometrie, Tympanogramm
objektiv Anamnese, Tinnituscharakter, Unfallfolge, ohrmikroskopischer Befund, Auskultation des Gehörgangs, Tonschwellenaudiometrie, Tympanogramm, CT der Felsenbeine oder MRT, transkraniale Doppler-Sonographie, evtl. Angiographie (vaskulärer Tinnitus?)
ototoxischer Hörverlust Anamnese (Zytostatika oder Aminoglykosidantibiotika), oft langsam progredienter Hörverlust, ohrmikroskopischer Befund, Tonschwellenaudiometrie, OAE, positives Recruitment
Cerumen obturans ohrmikroskopische Untersuchung, Entfernung des Ceruminalpfropfes, Audiometrie
akutes bzw. chronisches Lärmtrauma Anamnese, ohrmikroskopischer Befund unauffällig, Tonschwellenaudiometrie, positives Recruitment
Hirnstamm- oder Kleinhirninfarkt Anamnese, Tonschwellenaudiometrie, Frenzelbrille, kraniale CT/MRT
Ruptur der runden Fenstermembran () Anamnese, Ohrmikroskopie unauffällig, Spontannystagmus in das betroffene Ohr (Reiznystagmus) oder in das gesunde Gegenohr (Ausfallnystagmus), Tonschwellenaudiometrie, MRT (tumoröse oder ischämische Läsionen?), bei unauffälliger MRT Tympanoskopie
Akustikusneurinom () Anamnese unspezifisch, Tonschwellenaudiometrie, Sprachaudiogramm, negatives Recruitment, AEP, Elektronystagmographie, MRT mit Kontrastmittel

Untersuchungen

Neben der Anamnese, die bereits Hinweise daraufgibt, ob ein subjektiver oder ein objektiver Tinnitus vorliegt, gelten z. B. die komplette HNO-ärztliche Untersuchung, die Auskultation der A. carotis, Hörprüfungen sowie spezifische Maßnahmen wie Tympanometrie, transitorisch evozierte OAE, AEP oder Untersuchungen des Gleichgewichtssystems, der HWS oder des Gebisses und der Kiefergelenke als diagnostisch notwendige Untersuchungen .
Ggf. werden weitere Untersuchungen erforderlich, wie u. a. MRT, CT, Doppler-Sonographie, gnathologische Untersuchung des Kauapparats, Labordiagnostik, eine internistische oder eine psychologische Untersuchung .

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