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B978-3-437-42501-1.50124-1

10.1016/B978-3-437-42501-1.50124-1

978-3-437-42501-1

Tremor (Zittern)

E. Stark

Definition

Tremor ist die regelmäßige, rhythmische Bewegung eines Körperteils durch gleichzeitige oder abwechselnde Kontraktion antagonistischer Muskeln. Oft werden pseudorhythmische Bewegungen fälschlicherweise als Tremor bezeichnet (z. B. Asterixis als flapping tremor).

Eine Einteilung erfolgt nach der Frequenz (hoch-, mittel-, niederfrequent), nach der Amplitude (fein-, grobschlägig) und nach der Art der Auslösung (Ruhe-, Halte-, Intentionstremor) sowie nach dem Innervationsmuster (synergistisch/antagonistisch).

Anamnese

Fragen nach dem Beginn, der Progression des Symptoms sowie Fragen zur Erfassung von Grundkrankheiten (z. B. Hyperthyreose) sind für die Klassifikation von Bedeutung.
Für einige Tremorformen spielt die genetische Disposition eine wichtige Rolle, sodass eine detaillierte Familienanamnese entscheidende Hinweise liefert. Da die Tremorform speziell bei älteren Verwandten oft nicht oder nicht richtig diagnostiziert wurde, ist durch gezielte Fragen die Art des Tremors insbesondere bei den Eltern und Geschwistern zu erfassen.
Bei der Medikamentenanamnese liegt ein besonderes Augenmerk auf ß-Mimetika, Theophyllin und Neuroleptika. Einige Neuroleptika (vor allem Sulpirid und Thiaprid) sind für Indikationen zugelassen (Vertigo, Bewegungsstörungen), die die Substanzklasse des Medikaments nicht sofort erkennen lassen.

Untersuchungen

Neben der Klassifikation des Tremors dient die körperliche Untersuchung dazu, weitere Symptome einer Grunderkrankung zu finden. Hierbei stehen vor allem Symptome hormo-neller Funktionsstörungen, insbesondere Zeichen der Schilddrüsen- und Nebennierenüberfunktion, im Vordergrund.
Bei der neurologischen Untersuchung ist auf Symptome eines Parkinson-Syndroms (Hypokinese, Hypomimie, Rigor), auf zerebelläre Funktionsstörungen, Zeichen einer Polyneuropathie und auf dystone Symptome zu achten.
Liegt ein mittel- bis hochfrequenter Halte- und Intentionstremor vor, kann bei einem normalen körperlichen Befund ein essenzieller Tremor bestehen. Ein niederfrequenter Ruhetremor weist auf ein Parkinson-Syndrom hin, besonders wenn entsprechende Symptome vorliegen. Hinter einem niederfrequenten Intentionstremor kann sich eine zerebelläre Läsion verbergen.
Laboruntersuchungen erfolgen, um neben den bereits erwähnten endokrinen Störungen Elektrolytstörungen und Lebererkrankungen einschließlich Kupferstoffwechselstörungen zu erfassen. Auch Schwermetallvergiftungen können einen Tremor verursachen.
Zur funktioneilen Analyse des Tremors kommen elektrische (Mehrkanal-EMG) und elektromechanische (Positions- oder Beschleunigungssensoren) Untersuchungen zur Anwendung. Ausgewertet werden Frequenz, Amplitude und Innervationsmuster (synergistisch vs. antagonistisch). Bei klinischen Hinweisen auf eine Polyneuropathie erfolgen motorische und sensible Neurographien.
Bildgebende Verfahren sind bei den meisten Tremorformen ohne Bedeutung, bei rubralem Tremor kann der MRT-Nachweis einer Mittelhirnläsion stützend sein, in seltenen Fällen kann ein Parkinson-Syndrom durch spezielle nuklearmedizinische Verfahren gesichert werden (FP-CIT-SPECT, Fluoro-DOPA-PET).
Eine probatorische Therapie entsprechend der vermuteten Tremorform hat bei der Differenzialdiagnose einiger Tremorformen große Bedeutung.

Differenzialdiagnosen

Ursachen von Tremor

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
physiologischer Tremor keine
gesteigerter physiologischer Tremor Labordiagnostik, auslösende Medikamente absetzen
essenzieller Tremor Besserung auf Alkohol, Proprano-lol, Primidon; im Zweifel Tremoranalyse
Parkinsontremor bei weiteren Symptomen probatorische Therapie
psychogener Tremor Hinweise für weitere Somatisie-rungsstörungen, Tremoranalyse
zerebellärer Tremor Suche nach Kleinhirnläsion in der MRT

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