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B978-3-437-42501-1.50127-7

10.1016/B978-3-437-42501-1.50127-7

978-3-437-42501-1

EKG mit spitzzeltförmigen Veränderungen bei Hyperkaliämie.

Ultraschallbild einer fortgeschrittenen Nierenparen-chymschädigung durch polyzystische Nierendegeneration

Urämie

R. Brunkhorst

Definition

Die Urämie ist ein Symptomenkomplex, der in den Stadien 4 und 5 (GFR 15–29 bzw. < 15 ml/min) der Niereninsuffizienz ( Kap. Niereninsuffizienz) beobachtet wird. Ohne Besserung der Nierenfunktion oder Intervention mittels Dialyse führt die Urämie zum Tod.

Anamnese

Im Stadium 4 können Symptome der Anämie ein erstes Zeichen der Urämie sein, Pruritus, Foetor uraemicus und/oder morgendliche Übelkeit und Erbrechen kommen meist später hinzu. Im weiteren Verlauf kann es ohne Einleitung einer Dialyse (Stadium 5) zu Durchfällen, Luftnot, Krampfanfällen, Somnolenz und Koma kommen. Die Symptome der Urämie sollten vollständig erfragt werden, da sie Hinweise auf sich manifestierende urämische Organschäden (z. B. Gastroenteritis oder Lungenödem) liefern können .
Zur Klärung der Ursache einer Urämie müssen gezielte Fragen nach bekannten Nierenerkrankungen, erblichen Erkrankungen (familiäre polyzystische Nierenerkrankung, Al-port-Syndrom), akuten Vorerkrankungen (fieberhafter Infekt, Diarrhö, anhaltendes Erbrechen), länger bekannten chronischen Erkrankungen (evtl. auch Leberzirrhose) und Medikamenten gestellt werden. Anamnestische Hinweise auf Tumoroder Systemerkrankungen, eine Prostatahypertrophie oder Urolithiasis müssen Beachtung finden ( Kap. Niereninsuffizienz) und .

Untersuchungen

Körperliche Untersuchung: Der Blutdruck ist meist erhöht. Besonderes Augenmerk sollte weiter auf die Herz- und Lungenauskultation (urämische Perikarditis, Lungenödem), Beinödeme, Anasarka sowie den Augenhintergrund (hypertensive oder diabetische Retinopathie) gelegt werden. Bei der neurologischen Untersuchung ist auf eine periphere Neuropathie zu achten, die urologische Untersuchung gilt der Prostata und die abdominale Palpation kann Hinweise auf Zystennieren erbringen. Die gynäkologische Untersuchung wird zum Ausschluss von potenziellen Tumormassen im kleinen Becken vorgenommen .
Laboranalysen : Neben der erniedrigten GFR und den entsprechend erhöhten Serumkreatinin- und Harnstoffwerten sind der erniedrigte Hämoglobinwert und das erhöhte Serumphosphat (bei länger bestehender Niereninsuffizienz) auffällig. Eine Hyperkaliämie kann zu charakteristischen EKG-Veränderungen führen (Abb. 1). Das Serumkalzium kann erniedrigt sein bei erhöhtem Parathormonspiegel. Auf eine Osteopathie weist eine erhöhte alkalische Phosphatase hin, aber auch auf eine Knochenmetastasierung oder ein Plasmozytom. Hinzu kommt eine metabolische Azidose.
Allgemeine Inflammationsparameter (BSG, CRP, ggf. Prokalzitonin) dienen bereits der Suche nach der Ursache der Urämie. Wenn diese nicht anhand der Anamnese und der körperlichen Untersuchung auf der Hand liegt, sind immunologische Untersuchungen zum Ausschluss oder Bestätigung einer Systemerkrankung oder Vaskulitis angezeigt .
Die Urinanalyse kann Hinweise auf die Aktivität der Erkrankung (nephritisches Sediment Kap. Hämaturie) geben und eine Proteinurie im 24-h-Sammelurin quantifizieren ( nephrotisches Syndrom) und .
Die wichtigste bildgebende Untersuchung ist die Sonographie , die mittels Bestimmung der Nierengröße ein chronisches von einem akuten Geschehen unterscheiden kann; Nierentumoren, Zystennieren (Abb. 2) und obstruktive Nierenerkrankungen werden ausgeschlossen und . Eine Nierenbiopsie sollte bei allen letztlich unklaren Nierenerkrankungen zur Prognoseeinschätzung und ggf. Therapiefestlegung unter Berücksichtigung des Risikos (Nierengröße!) durchgeführt werden .

Differenzialdiagnosen

Ursachen von chronischen Nierenerkrankungen

Diagnose Relative Häufigkeit Diagnostische Hinweise
diabetische Nephropathie sonographisch normal große Nieren, diabetische Retinopathie, Proteinurie, ggf. Nierenbiopsie
hypertensive Nephrosklerose Fundus hypertonicus, Echokardiographie
Glomerulonephritis (GN) Sediment, Proteinurie, Nierenbiopsie
chronische Pyelonephritis, obstruktive Nephropathie Urinsediment, Sonographie
polyzystische Nierenerkrankung Familienanamnese, Sonographie
Nierenbeteiligung bei Systemerkrankung nephritisches Sediment, Nierenbiopsie, immunologische Parameter
Nierenschädigung durch Medikamente Anamnese, ggf. Sonographie
Alport-Syndrom () Familienanamnese, Schwerhörigkeit
Tabelle einschließlich Klinik

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