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B978-3-437-42501-1.50240-4

10.1016/B978-3-437-42501-1.50240-4

978-3-437-42501-1

Einteilung der Stammvarikose der Vena saphena magna in 4 Stadien (nach Hach). Proximaler Insuffizienzpunkt (Pl) bei defekter Mündungsklappe in der Leiste und distaler Insuffizienzpunkt (DI) in Leiste (Stadium I), oberhalb (II) bzw. unterhalb (III) des Kniegelenks und am Innenknöchel (IV). [Renz-Polster]

Kompensierter Rezirkulationskreis bei Stammvarikose der Vena saphena magna (nach Hach). Reflux des Blutes aus der V. femoralis in die Vena saphena magna über eine defekte Mündungsklappe in der Leiste (1. Abschnitt) und dann über eine konjugierende Seitenastvarize (2. Abschnitt) und eine Perforansvene (3. Abschnitt) in das tiefe Venensystem (4. Abschnitt). Pl = proximaler Insuffizienzpunkt, DI = distaler Insuffizienzpunkt. [Renz-Polster]

Varikose

V. Hach-Wunderle

Zur Orientierung

Bei der Variköse liegt eine variköse Degeneration einer oberflächlichen, d.h. extrafaszial gelegenen Vene mit konsekutiver Venenklappeninsuffizienz vor.

Die primäre Varikose (> 90) tritt gehäuft im 3. Lebensjahrzehnt bei familiärer Disposition auf. Begünstigend wirken u. a. hormoneile Einflüsse wie Gravidität, Adipositas und stehende Berufsausübung. Die sekundäre Variköse (< 10) entsteht als Spätfolge einer venösen Abflussbehinderung im tiefen Venensystem, meistens beim postthrombotischen Syndrom.

Der Nachweis einer Venenklappeninsuffizienz erfolgt mit der Duplexsonographie unter Anwendung von Provokationstests (Valsalva-Presstest, Wadendekompressionstest), bei unklaren oder komplizierten Befunden zusätzlich mit der aszendierenden Pressphlebographie .

Formen und Stadien

Bei der primären Variköse sind pathophysiologisch zu unterscheiden:
  • Ohne transfasziale Kommunikation (ehergeringer Krankheitswert) : Seitenastvarikose (bestimmte Formen), retikuläre Variköse, Besenreiser

  • Mit transfaszialer Kommunikation (eher hoher Krankheitswert) : Stammvarikose, Perforansvarikose, Seitenastvarikose (bestimmte Formen).

Varizen mit direkter Verbindung zum tiefen Venensystem (= transfasziale Kommunikation) haben eine höhere Komplikationsrate. Das trifft v. a. auf die Stammvarikose zu. In Abhängigkeit von der distalen Ausdehnung der Venenklappeninsuffizienz werden bei der Stammvarikose der Vena saphena magna 4 und bei der Vena saphena parva 3 Krankheitsstadien differenziert (Abb. 1 und 2). Je schwerer das Krankheitsstadium umso größer ist das über die tiefen Venen zum Herzen rezirkulierende Blutvolumen. Ein kompensierter Rezirkulationskreis verursacht keine oder kaum Beschwerden ( Abb. 3). Nach Jahren kann infolge der Überlastung tiefer Venen ein dekompensierter Rezirkulationskreis auftreten, erkennbar an einer zunehmenden Beinschwellung.

Therapie

Zu den Allgemeinmaßnahmen bei einer Variköse gehören die Normalisierung des Körpergewichts und die regelmäßige sportliche Aktivität (Gehen, Schwimmen, Radfahren) .
Die speziellen therapeutischen Maßnahmen hängen v. a. ab von: Art der Variköse, Lebensalter des Patienten, Beschwerden, Begleiterkrankungen und lokalen Komplikationen.
Bei einer Variköse ohne transfasziale Kommunikation und Beschwerdefreiheit kommt ggf. eine Behandlung aus ästhetischen Gründen in Betracht . Wenn die Varizen lokale Schmerzen oder ein Stauungsgefühl verursachen, stehen die Sklerosierung mit Polidocanol, bei Seitenastvarizen alternativ auch die minimal-invasive operative Extraktion und bei Besenreisern ggf. die Laserkoagulation zur Verfügung .
Bei einer Varikose mit transfaszialer Kommunikation ist die individuelle Situation zu berücksichtigen. Bei fehlenden Komplikationen und fortgeschrittenem Lebensalter, darf unter jährlicher Befundkontrolle abgewartet werden . Je schwerer das Krankheitsstadium und je jünger der Patient , umso eher sollte die Varikose auch bei Beschwerdefreiheit beseitigt werden, um späteren Komplikationen vorzubeugen. Bei lokaler Schwellungsneigung und Schmerzen oder bei Komplikationen wie Phlebitis, Ulkus und CVI ist eine rasche Sanierung erforderlich. Bei einer Stammvarikose erfolgt bevorzugt die Operation mit Strippingmanöver des defekten Anteils der Vene; suffiziente Venensegmente bleiben erhalten (ggf. für Venenbypässe). In leichten Krankheitsfällen kann anstelle der Operation die endoluminale Obliteration der Stammvene durch Laserkoagulation oder Radiofrequenzablation und bei älteren Patienten eine Schaumsklerosierung vorgenommen werden. Die Seitenastvarikose und die Perforansvarikose werden vorzugsweise chirurgisch ausgeschaltet. Die Kompressionstherapie erfolgt nach einer Sklerosierung für wenige Tage und nach Operation/endoluminaler Obliteration für ca. 4 Wochen (meist Kompressionsstrumpf, in komplizierten Krankheitsfällen zusätzlicher Kompressionsverband am Unterschenkel).

Komplikationen

Bei ausgeprägten Formen der Stammvarikose sowie der Perforansvarikose können folgende Komplikationen auftreten:
  • Varikophlebitis (=Thrombosierung der Varize) mit Gefahr des Einwachsens in das tiefe Venensystem und konsekutiver Lungenembolie.

  • sekundäre Leitveneninsuffizienz (= Überlastung der tiefen Venen durch großes rezirkulierendes Blutvolumen)

  • chronische venöse Insuffizienz (CVI, s. dort)

  • arthrogenes Stauungssyndrom (= eingeschränkte/aufgehobene Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks durch lokale Entzündungsreaktion).

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