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B978-3-437-42501-1.50129-0

10.1016/B978-3-437-42501-1.50129-0

978-3-437-42501-1

Visusverlust

B. Wiechens

Definition

Die akute oder langsam zunehmende Minderung der Sehschärfe eines oder beider Augen bis hin zur vollständigen Erblindung wird als Visusverlust bzw. -minderung bezeichnet. Dies kann Folge eines Traumas oder von Erkrankungen aus dem neurologischen, internistischen oder rein ophthalmolo-gischen Formenkreis sein. Selten sind angeborene Krankheiten oder medikamentöse Nebenwirkungen die Ursache.

Anamnese

Zunächst wird gezielt erfragt, ob die Sehstörungen ein- oder beidseitig und ob diese akut oder langsam zunehmend aufgetreten sind und wie lange sie schon bestehen: dauerhaft oder transient . Begleitsymptome wie neurologische Symptome, Kopfschmerzen (Migräne, Sinusitis) oder Kauschmerzen sind zu erheben. Daneben werden ophthalmologische Symptome , die für differenzialdiagnostische Überlegungen wichtig sind, wie Photopsien (Wahrnehmen von Lichtblitzen), Mouches volantes (bewegliche Glaskörpertrübungen z. B. bei Netzhautablösungen), vermindertes Farbsehen (z. B. bei Neuritis nervi optici), Metamorphopsien (Verzerrtsehen), Doppelbilder, Gesichtsfeldeinschränkungen ebenfalls erfasst. Letztere können die Patienten als plötzliche Verdunklung eines Bereichs im Gesichtsfeld (GF) beschreiben (z. B. bei Netzhautablösungen oder Gefäßverschlüssen) oder als konzentrische Einschränkung (z. B. im Endstadium eines Glaukoms). Ist der Punkt des schärfsten Sehens ein- oder beidseitig mit betroffen, kann eine erhebliche Sehminderung angegeben werden.
Außerdem müssen immer bereits bekannte Allgemeinerkrankungen erfragt werden. Des Weiteren ist die Medikamentenanamnese u.U. zielführend, wenn keine Ursache für die Sehminderung oder den Visusverlust gefunden werden kann, und um eine mögliche berufsbedingte Exposition mit Gefahrenstoffen auszuschließen.

Untersuchungen

Wichtigste ophthalmologische Untersuchungen bei der Erstvorstellung sind die Visuserhebung, die Tensiomessung, die Gesichtsfelduntersuchung und die Funduskopie. Spezielle Untersuchungen wie z. B. Elektrophysiologie, Fluoreszenzangi-ographie (FAG), bildgebende Diagnostik etc. sollten erst in der weiterführenden Diagnostik durchgeführt werden. Bei der Erstvorstellung kann u. U. das Hinzuziehen der entsprechenden Fachdisziplinen (Ophthalmologie, HNO, Neurolgie etc.) hilfreich sein. ( Ophthalmologische Befunde – Abbildungen).
Zu den Befunden, die auch ein Nichtophthalmologe mit einer einfachen Untersuchungslampe erheben kann, gehören z. B. Hornhauttrübungen (HH-Trübung), Rötung des Auges, Bewegungseinschränkungen, Exophthalmus, Veränderung des Pupillarreflexes, einfache Gesichtsfeldausfälle (Fingerperimetrie) und ggf. Papillenödem (direkter Augenspiegel ohne Weitstellung der Pupille möglich).

Differenzialdiagnosen

Grundsätzlich muss ein akuter bzw. zunehmender permanenter Visusverlust von einer Amaurosis fugax (Sehverschlechterung für wenige Sekunden bis Minuten) unterschieden werden. Die folgende Aufstellung gibt nur die wichtigsten Differenzialdiagnosen an.
Fast alle der genannten Differenzialdiagnosen bedürfen weiterführender spezieller augenärztlicher Untersuchungsverfahren, wie z. B. Ultraschall, Angiographie, optische Kohärenztomographie (Schnittbilduntersuchung der Netzhaut mittels konfokalen Lichts) etc.

Ursachen eines Visusverlusts

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
retinale Gefäßverschlüsse (z. B. Arteriitis temporalis) Funduskopie, GF, FAG, rheolo-gische Risikofaktoren (rhRF)
juvenile Neuropathien (z. B. Leber'sche hereditäre Optikusneuropathie) VEP, humangenetische Untersuchung
ischämische Optikusneuropathie (z. B. Arteriitis temporalis) Funduskopie, GF, rhRF
Neuritis nervi optici/Papillitis Funduskopie, GF, Farbsehen, VEP
Glaskörperblutung (GK-Blutung) Funduskopie, Ultraschall, ggf. FAG
Makulopathien (z. B. AMD, DMP) Funduskopie, optische Kohärenztomographie, FAG
Orbitaphlegmone GF, Ultraschall, HNO-Konsil, MRT/CT
Katarakt Funduskopie, Retinometervisus
intraokulare Entzündungen Funduskopie, Keimnachweis (Vorderkammer- oder Glaskörperpunktat), Ausschluss Sarkoidose und rheumatische Erkrankungen
zerebrale Erkrankungen neurologisches Konsil, ggf. MRT/CT
Keratitis/Ulcus corneae Keimnachweis
akutes Glaukom Tensio, Glaukomdiagnostik

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