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B978-3-437-42501-1.50243-X

10.1016/B978-3-437-42501-1.50243-X

978-3-437-42501-1

Klinisch beidseitiges Wurzelkompressionssyndrom (L4/L5) bei kernspintomographisch median gelegenem Bandscheibenvorfall

Wurzelkompressionssyndrom

R. Dinser

Zur Orientierung

Als Wurzelkompressionssyndrom bezeichnet man Schmerzen oder Lähmungen, die durch Druck einer externen Struktur auf eine Nervenwurzel des Rückenmarks entstehen.

Die Ursache ist häufig ein Bandscheibenvorfall (Abb. 1), seltener eine knöcherne Einengung des Spinalkanals bzw. des Neuroforamens. Auch Raumforderungen durch Karzinommetastasen, Lymphome oder primäre Rückenmarksprozesse kommen als Auslöser in Frage.

Die Symptomatik äußert sich durch einen akut auftretenden Schmerz im sensorischen Versorgungsgebiet der betroffenen Nervenwurzel, evtl. begleitet von segmentalen neurologischen Ausfällen wie Sensibilitätsstörungen, Reflexausfällen und schließlich Lähmungserscheinungen. Die klinische Diagnose wird oft in Schnittbildverfahren (CT, MRT) bestätigt .

Formen

Therapeutisch bedeutsam ist die Unterscheidung einer isoliert sensorischen von einer kombiniert sensorisch-motorischen Wurzelkompression, da bei Letzterer oft eine rasche Dekompression zur Verhinderung bleibender Paresen notwendig ist. Weiterhin muss zwischen im weiteren Sinn degenerativ und Malignom bedingter Wurzelkompression unterschieden werden.

Therapie

Die Dringlichkeit und Reihenfolge der Interventionen richtet sich zunächst nach der An- bzw. Abwesenheit von Lähmungserscheinungen.
Bei Lähmungen ist die Art der Intervention von der zugrunde liegenden Ursache abhängig. Degenerative Veränderungen (z. B. Bandscheibenvorfälle) werden durch eine operativ Dekompresssion (z. B. Laminektomie mit Spondylo-dese) versorgt; Malignome können strahlentherapeutisch oder auch operativ behandelt werden. Im Zweifelsfall muss das Vorgehen interdisziplinär abgestimmt werden. Zudem ist eine Therapie der malignen Grundkrankheit anzustreben .
Bei akut aufgetretenen radikulären Schmerzen ohne Lähmungen wird zunächst eine multimodale Schmerztherapie eingeleitet . Diese beinhaltet eine Immobilisation mit Entlastung der Nervenwurzeln durch z. B. Stufenlagerung sowie physikalische Therapie mit Wärme (Fango-Packung, heiße Rolle) zur Minderung reaktiver Muskelverspannungen. Medikamentös ist anfangs oft eine Kombination mehrerer schmerzlindernder Prinzipien notwendig. Dabei wird ein nichtste-roidales Antiphlogistikum (Ibuprofen, Diclofenac) in Kombination mit reinen Analgetika wie Metamizol und Opiaten (Tramadol, Tilidin, ggf. auch höherpotente Opiate und Morphin-Präparate) verabreicht. Wichtiges Prinzip der Medikation ist eine regelmäßige Applikation retardierter Substanzen unter Berücksichtigung der Wirkdauer sowie die Bereitstellung rasch wirksamer Analgetika nach Bedarf.
Nach Schmerzreduktion ist über die folgenden Tage eine allmähliche Mobilisation unter Meidung von schmerzverschlimmernden Situationen notwendig. Die Medikation sollte reduziert werden. Durch Kräftigung der Rückenmuskulatur und Haltungsübungen über die nächsten Wochen und Monate soll krankengymnastisch einer Fehlstatik mit weiterer mechanischer Dekompensation der Wirbelsäule vorgebeugt werden. Spricht die konservative Therapie nicht an, ist je nach Grundkrankheit und Komorbidität eine operative Dekompression in Erwägung zu ziehen. In Einzelfällen kann eine Korsettversorgung sinnvoll sein.

Komplikationen

Die wichtigsten Komplikationen sind:
  • Inkontinenz von Harn oder Stuhl bei Lokalisation im Segment S2

  • Komplikationen der Therapie: z. B. Magenulzerationen unter nichtsteroidalen Antiphlogistika, Obstipation und Vigilanzstörungen unter Opiattherapie, Thrombose unter Immobilisation.

Notfälle

Das akute Auftreten von Stuhl- oder Harninkontinenz bedarf einer notfallmäßigen schnellen Diagnostik und rascher Wurzeldekompression. Anderweitige Muskellähmungen sind regelhaft als Eilfall aufzufassen.

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