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B978-3-437-42501-1.50131-9

10.1016/B978-3-437-42501-1.50131-9

978-3-437-42501-1

Zyanose

M. Hamm

Definition

Als Zyanose wird eine Blauverfärbung der Haut und/oder der Schleimhäute bezeichnet. Sie ist ein relativ unzuverlässiges Zeichen für das Vorliegen einer arteriellen bzw. kapillären Hypoxämie, das durch eine arterielle Blutgasanalyse verifiziert werden muss. Sie entsteht bei 5 g/100 ml reduziertem Hämoglobin im Kapillarblut.

Anamnese

Erfragt werden: Art der Zyanose, zeitliche Entwicklung, Begleitbeschwerden (Luftnot, Atemgeräusche, Ödeme, Schmerzen), Vorerkrankungen, Medikamente, Schadstoffbelastung .
Selten ist die Pseudozyanose durch abnorme Pigmentation oder Ablagerung körperfremder Substanzen (z. B. Argy-rose).

Untersuchungen

Bei der körperlichen Untersuchung sollte auf eine Atembzw. Kreislaufinsuffizienz geachtet werden (Dyspnoe, Tachy-pnoe, Schockzeichen usw.). Blässe sowie fehlende Kapillarfüllung bestehen bei Anämie oder Kreislaufzentralisation, Trommelschlägelfinger und Uhrglasnägel bei chronischer Hypoxämie. Liegen klinische Zeichen einer Erkrankung von Herz, Lunge oder Leber vor?
Bei der zentralen Zyanose sind Zunge und Schleimhäute bläulich verfärbt, Lippen und Zunge sind gleich zyanotisch. Bei der peripheren Zyanose durch vermehrte Sauerstoffausschöpfung sind nur Haut und Akren zyanotisch; es besteht eine deutliche Differenz zwischen Lippen und Zunge (z. B. kälteinduzierte periphere Zyanose).
In der Thorax-Röntgenübersicht in 2 Ebenen können sich Hinweise auf Herz- und Lungenkrankheiten ergeben.
Bei V. a. O2-Minderversorgung muss die Oxygenierung gemessen werden! Die Pulsoximetrie hat sich in der Notfallmedizin bewährt, erlaubt aber keine Beurteilung der alveolären Ventilation und ist bei leichter Hypoxämie wenig sensitiv. Daher ist die arterielle Blutgasanalyse unverzichtbar .
Bei schwerer Anämie besteht keine Zyanose trotz Hypoxämie. Bei Met- oder Sulfhämoglobinämie oder CO-Vergif-tung sind der PO2, die daraus berechnete O2-Sättigung und die Pulsoximetrie normal, die Hypoxämie kann nur durch echte Messung der O2-Sättigung und der Hämoglobinformen erfasst werden.
Ein erhöhter PCO2-Wert dokumentiert eine alveoläre Hypoventilation; weitere Abklärung durch Lungenfunktionsprüfung und ggf. Untersuchung der Atemregulation einschließlich Polysomnographie.
Bei Adipositas ergibt eine Blutgasanalyse unter Belastung einen Anstieg des PO2, bei Diffusionsstörungen dagegen einen weiteren PO2-Abfall.
Die O2-Gabe führt bei Diffusionsstörungen im Gegensatz zur Zyanose durch einen Rechts-Links-Shunt zum deutlichen Anstieg des PO2. Durch Blutgasanalyse bei Inhalation von reinem O2 lässt sich die Shunt-Fraktion berechnen. Die Lokalisation eines kardialen Shunts erfolgt durch (transösophage-ale) Echokardiographie, seltener durch eine Angiographie (z. B. bei pulmonalen Gefäßmissbildungen).
Bei funktionellem intrapulmonalen Rechts-Links-Shunt durch Lebererkrankungen mit hepatopulmonalem Syndrom werden bei der Atmung von reinem Sauerstoff normale PO2-Werte erreicht.
Bei pulmonalen Erkrankungen oder V. a. Lungenembolie sollte eine Computertomographie mit Kontrastmittel erfolgen; ein Rechtsherzkatheter gilt als Goldstandard zur Quantifizierung einer pulmonalen Hypertonie.
Bei umschriebener peripherer Zyanose kann mit der Doppler-Sonographie die Durchblutung beurteilt werden.

Differenzialdiagnosen

Ursachen einer Zyanose

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
COPD Lungenfunktionsdiagnostik
interstitielle Lungenkrankheiten Lungenfunktionsdiagnostik, CT
pulmonale Infiltrationen, Atelektasen Röntgen-Thorax, CT
Lungengefäßerkrankungen Echo, Rechtsherzkatheter, CT, Angiographie
Shuntvitien BGAmit 100 O2-Atmung, Echo, Herzkatheter
hepatopulmonales Syndrom BGA sitzend/liegend/100O2-Atmung
Herzinsuffizienz (periphere Zyanose) Echokardiographie
periphere Akrozyanose Doppler-Sonographie
Methämoglobinämie Met-Hb-Bestimmung
hypobare Hypoxämie ohne Begleiterkrankung nur in großer Höhe (> 3000 m) Anamnese, Situation

Charakteristischer Röntgen-Thorax Befund bei Lungenemphysem (b bis d) im Vergleich zum Normalbefund (a): erhöhte Strahlentransparenz der Lunge, schlanke Herzsilhouette, flache Zwerchfellschatten, größerer Sagittaldurchmesser.

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