© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-42501-1.50133-2

10.1016/B978-3-437-42501-1.50133-2

978-3-437-42501-1

Zytopenie im peripheren Blut

B. Gleissner

Definition

Unter einer Zytopenie versteht man eine Verminderung einer (Monozytopenie) oder mehrerer Zellreihen (Bi- oder Panzytopenie).

Anamnese

Hinweise auf das Bestehen einer Zytopenie geben meist klinische Beschwerden, die dadurch entstehen, dass eine oder mehrere hämatologische Zellreihen vermindert sind. Zu nennen sind z. B. Fieber und sekundäre Infekte bei Leukozytopenie; Abgeschlagenheit, Blässe und Luftnot bei Anämie; floh-stichartige Blutungen (Petechien) bei Thrombozytopenie. Zu erfassen sind Zeichen hämatologischer Systemerkrankungen wie vergrößerte Lymphknotenstationen, eine Hepato- oder Splenomegalie sowie weitere Allgemeinsymptome .
Auslösende Ursachen können sein: chemische Noxen (z. B. Exposition von aromatischen Kohlenwasserstoffen), Medikamente (z. B. Chemotherapeutika, Analgetika, Antibiotika), Exposition von Strahlentherapie, Substratmangel, hämatologische Systemerkrankungen oder Autoimmunopathien .
Der Zeitpunkt des Auftretens der klinischen Beschwerden und potenziell auslösender Ursachen werden erfragt und mit möglichen Noxen oder bekannten Erkrankungen korreliert.

Untersuchungen

Wichtige Laboruntersuchungen sind: Blutbild, Blutausstrich mit Differenzialblutbild, eine Retikulozytenzählung und die Bestimmung der LDH im Serum .
Zur Differenzialdiagnose einer Anämie sollte insbesondere bei einer Makrozytose der Erythrozyten eine Bestimmung von Folsäure und Vitamin B12 erfolgen. Serumeisen und Ferritin sind bei einer Mikrozytose der Erythrozyten indiziert. Für eine Hämolyse sprechen eine erhöhte LDH, ein erniedrigtes Hapto-globin im Serum und/oder ein positiver Coombs-Test .
Bei Vorliegen einer Leukopenie ist im Blutausstrich zu differenzieren, ob spezifisch eine Lymphopenie oder Granulozytopenie vorliegt. Eine Granulozytopenie ist häufig durch toxische Noxen verursacht. Eine Lymphopenie korreliert dagegen mit viralen Infektionen als Auslösern z. B. auch HIV .
Bei Vorliegen einer Thrombozytopenie ist zum Ausschluss einer Pseudothrombozytopenie durch Thrombozytenaggregate eine Blutbildbestimmung im Gerinnungsröhrchen durchzuführen. Serumgerinnungstests wie partielle Thromboplastinzeit (PTT), Prothrombinzeit (PT) sind zum Ausschluss eines Verbrauchs von Gerinnungsfaktoren indiziert .
Heparin induziert Thrombopenie durch Thrombozytenakti-vierung (HIT-I) oder Antikörperbildung gegen an Thrombo-zyten gebundene Heparin-Protein-Komplexe (HIT-II). Insbesondere bei einer Panzytopenie und fehlenden Hinweisen auf immunologische Prozesse wie rheumatologische Systemerkrankungen ist die Gewinnung von Knochenmark zur zytolo-gischen und histologischen Beurteilung sowie zur Durchführung einer Immunphänotypisierung und zytogenetischen Analyse ein wichtiger Schritt .
Zeigt sich im Knochenmark eine Blastenanzahl von über 20, liegt eine akute Leukämie vor . Bei weniger als 20 Blasten und einer gesteigerten, reifungsgestörten Hämatopoese besteht eine Myelodysplasie . Diese lässt sich von einer aplastischen Anämie durch die in diesem Falle verminderte Zellu-larität des Knochenmarks und der Betonung lymphatischer Zellen abgrenzen .
Bei der Immunthrombozytopenie liegt eine morphologisch normale aber zahlenmäßig gesteigerte Thrombopoese im Knochenmark bei peripher meist sehr deutlicher Thrombopenie vor.

Differenzialdiagnosen

Ursachen einer Zytopenie

Mögliche Erkrankungen Häufigkeit Weiterführende Untersuchungen
Substratmangel (Folsäure, Vitamin B12, oder kombiniert Eisen/Folsäure/Vitamin B12) Folsäure, Vitamin B12, Eisen, Ferritin, Transferrinsättigung
akute Leukämie Knochenmarkzytologie, -histologie, Immunphänotypisierung, Zytogenetik
reaktive Veränderungen z. B. nach Infektionen, Medikamente Anamnese, Knochenmarkzytologie, Parvovirus P19, CMV-, EBV-, HIV-Serologie Ausschluss von Medikamen-tentoxizität
aplastische Anämie Knochenmarkzytologie, -histologie
Autoimmunerkrankung Anamnese, Rheumafaktor, Bestimmung verschiedener Autoantikörper (z. B. ANA, ENA)
KM-Infiltration durch soliden Tumor Anamnese, Knochenmarkzytologie, -histologie, Tränenformen der Erythrozyten im peripheren Blut

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen