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B978-3-437-22422-5.00009-9

10.1016/B978-3-437-22422-5.00009-9

978-3-437-22422-5

Ohrenspiegelung bei KindernOtoskopiebei Kindern

[A300–157]

Kanülenarten TracheostomaKanülenartenTracheostomaKanülenarten

[A300–183, A300–106]

HNO-Notfälle

Denise Rosenberger

  • 9.1

    Untersuchungsmethoden300

    • 9.1.1

      Inspektion und Palpation300

    • 9.1.2

      Orientierende Hörprüfung301

  • 9.2

    Ohrenschmerzen301

    • 9.2.1

      Differenzialdiagnostischer Überblick301

    • 9.2.2

      Otitis media302

    • 9.2.3

      Otitis externa303

    • 9.2.4

      Zoster oticus304

    • 9.2.5

      Trommelfellperforation304

  • 9.3

    Hörminderung und Hörverlust305

    • 9.3.1

      Differenzialdiagnostischer Überblick305

    • 9.3.2

      Cerumen obturans306

    • 9.3.3

      Akuter Tubenkatarrh306

    • 9.3.4

      Hörsturz307

    • 9.3.5

      Knalltrauma307

  • 9.4

    Rhinitis und Sinusitis308

    • 9.4.1

      Rhinitis308

    • 9.4.2

      Sinusitis308

  • 9.5

    Schluckbeschwerden309

    • 9.5.1

      Differenzialdiagnostischer Überblick309

    • 9.5.2

      Sialadenitis309

    • 9.5.3

      Angina tonsillaris/Tonsillitis310

    • 9.5.4

      Peritonsillarabszess311

  • 9.6

    Otorrhö und Blutungen aus dem Ohr311

  • 9.7

    Periaurikuläre und nuchale Schwellung312

    • 9.7.1

      Differenzialdiagnostischer Überblick312

    • 9.7.2

      Mastoiditis312

    • 9.7.3

      Lymphadenitis colli313

    • 9.7.4

      Infektiöse Mononukleose314

  • 9.8

    Fremdkörper im HNO-Bereich314

    • 9.8.1

      Nasale Fremdkörper314

    • 9.8.2

      Hypopharynx- und Ösophagusfremdkörper315

    • 9.8.3

      Fremdkörper im Ohr315

  • 9.9

    Komplikationen bei Patienten mit Tracheostoma316

    • 9.9.1

      Atemnot bei Patienten mit Tracheostoma316

    • 9.9.2

      Blutung aus Tracheostoma317

Untersuchungsmethoden

Inspektion und Palpation

Inspektion von Mund und Lippen
  • UntersuchungHals-Nasen-Ohren-Zunge gerade herausstrecken lassen: Beläge, Abweichungen, Schwellung?

  • Inspektion der Wangenschleimhaut: seitliches Wegschieben der Wange mit dem Spatel bei leicht geöffnetem Mund.

  • Bei Mundöffnung auf Kieferklemme achten.

Inspektion der Zähne
  • Sanierungsbedürftiges Gebiss?

  • Zahnfleischtaschen?

Inspektion des Rachens
  • Mit Zungenspatel Zunge nach unten drücken. Cave: Spatel nicht zu weit hinten aufsetzen → Würgereiz. Pat. Kopf zurückneigen lassen.

  • „A!“ sagen lassen: Bei Gaumensegelparese (N. vagus) weichen Uvula und Gaumenbögen zur gesunden Seite ab (KulissenphänomenKulissenphänomen).

  • Tonsillen: symmetrisch? Belegt? Ulzeriert? Vorwölbung des Gaumenbogens?

Inspektion der Nase und Nebenhöhlen
  • Entzündungszeichen? Schwellung?

  • Prüfung der Nervenaustrittspunkte.

  • Druck- und Klopfempfindlichkeit über Stirn und Wange?

  • Schmerzen beim Bücken?

  • Unangenehmer Geruch aus der Nase, z. B. bei Fremdkörper? Fluor?

Inspektion des äußeren OhrsRötung, Hämatom, Schwellung, Überwärmung, Neubildung?
Palpation
  • Mastoiddruckschmerz bei Mastoiditis?

  • Tragusdruckschmerz bei Otitis media?

  • Regionäre LK-Schwellung?

OtoskopieOtoskopieInspektion des Gehörgangs und des Trommelfells mit Otoskop (Ohrmuschel nach hinten oben ziehen [Abb. 9.1], um Krümmung des knorpeligen Anteils des äußeren Gehörgangs auszugleichen): Gehörgangsschwellung? Furunkel? Cerumen? Fremdkörper im äußeren Gehörgang? Blutung? Rötung oder Vorwölbung des Trommelfells? Mittelohrerguss? Perforation? Narben? Tumor?

Orientierende Hörprüfung

Patientenbeobachtung
  • HörprüfungPat. reagiert nicht auf Begrüßung oder Ansprache.

  • Pat. reagiert nicht, wenn er den Sprechenden nicht sieht.

  • Pat. antwortet nicht in adäquater Lautstärke.

Hörweitenprüfung für Flüster- und UmgangsspracheEin Ohr zuhalten lassen (mit dem „besseren“ Ohr beginnen), in einigem Abstand (4–6 m) viersilbige Zahlenwörter (zwischen 21 und 99) vorsprechen.
Hörweite für Umgangssprache:
  • ≤ 4 m: geringgradige Schwerhörigkeit.

  • 1–4 m: mittelgradige Schwerhörigkeit.

  • 25 cm–1 m: hochgradige Schwerhörigkeit.

  • ≤ 25 cm: Taubheit.

Weber-Rinne-VersuchSofern Stimmgabel vorhanden.Weber-VersuchRinne-Versuch
  • Rinne: Stimmgabel auf Processus mastoideus setzen, bis Pat. Ton nicht mehr hört; dann vor das Ohr halten. Pat. hört Ton wieder → Rinne positiv → Innenohrschwerhörigkeit oder normales Hörvermögen. Pat. hört Ton nicht → Rinne negativ → Schallleitungsschwerhörigkeit.

  • Weber: Stimmgabel in der Mitte des Kopfs aufsetzen. Ton wird in der Mitte wahrgenommen → Weber mittig. Lateralisierung: zur „kranken“ Seite → Schallleitungsschwerhörigkeit; zur „gesunden“ Seite → Innenohrschwerhörigkeit.

Ohrenschmerzen

Differenzialdiagnostischer Überblick

  • Ohrenschmerzen, DDOtitis media (9.2.2): Trommelfell gerötet, gefäßinjiziert, vorgewölbt, Spontanperforation möglich.

  • Otitis externa acuta (9.2.3): Rötung und Schwellung der Gehörgangshaut, Tragusdruckschmerz, Schmerzen beim Ziehen der Ohrmuschel nach hinten.

    Trigeminusneuralgie (4.5.9): rezidivierend auftretende, meist einseitige, sekunden- bis minutenlange Schmerzattacken im Bereich des 2. und 3. (seltener des 1.) Trigeminusasts, Kontraktion der mimischen Muskulatur, vegetative Reizerscheinung (z. B. Hautrötung).

  • Zahnschmerzen (10.2): Ausstrahlung ins Ohr möglich.

  • Zoster oticus (9.2.4): herpetiforme Hauteffloreszenzen an Ohrmuschel und Gehörgang, neuralgiforme Schmerzen, evtl. Schwerhörigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Spontannystagmus, periphere Fazialisparese (4.11.5).

  • Trommelfellperforation (9.2.5): sichtbare Perforation mit blutig nach innen gerollten Rändern; u. U. blutig tingiertes oder eitrig bräunliches Sekret.

Otitis media

SymptomeOtitis media Otitis mediaSymptomeOhrenschmerzen, Fieber, evtl. Schwerhörigkeit, Ohrgeräusch.
KurzanamneseRhinitis vorausgegangen? Allgemeiner Infekt: Grippe, Masern, Scharlach?
Sofortdiagnostik
  • Otitis mediaDiagnostikOtoskopie: Trommelfell gerötet, gefäßinjiziert, vorgewölbt, Spontanperforation möglich (danach meist Nachlassen der Schmerzen).

  • Schallleitungsschwerhörigkeit?

Maßnahmen
  • Kinder: Otitis mediaMaßnahmen

    • Abschwellende Nasentropfen, z. B. Otriven® 0,05 %.

    • Antibiotikabei Otitis mediaAntibiotika: z. B. Amoxicillin 50–100 mg/kg/d (7–10 d) in 2–4 Einzeldosen (z. B. Amoxi-Wolff® Saft 10 %), alternativ Cephalosporin Gruppe II, z. B. CEC-Saft.

    • Analgesie mit Paracetamol je nach Alter des Kinds 3–4 × 125–500 mg/d (z. B. ben-u-ron® Supp, alternativ z. B. Nurofen-Saft).

  • Erwachsene:

    • Abschwellende Nasentropfen z. B. Otriven® 0,1 %.

    • Antibiose: z. B. Amoxicillin 3 × 750–1 000 mg/d p. o. (5–7 d), alternativ Cephalosporine Gruppe II, z. B. Cefuroxim.

    • Analgesie mit Ibupfofen 3 × 400 mg, Voltaren 3 × 50 mg oder Paracetamol 3–4 × 500–1 000 mg/d p. o. (z. B. ben-u-ron®).

Vorstellung beim HA bzw. HNO-Arzt zur Befundkontrolle nach 2–3 d.

Keine lokale Anwendung von Ohrentropfen oder Verschluss des äußeren Gehörgangs mit Watte: wirkt infektionsbegünstigend durch Prinzip der „feuchten Kammer“.

Sonderformen

  • Säuglings- und Kleinkindalter: häufig ausgeprägte Allgemeinsymptome (hohes Fieber, Störung der Verdauung und der Ernährung, Erstsymptom gelegentlich Bauchschmerzen), „Ohrzwang“ (Kind greift nach erkranktem Ohr), deutliche Schmerzreaktion bei Berührung der Ohrregion. Säuglinge < 6 Mon. immer systemisch antibiotisch behandeln, darüber nur bei schweren Krankheitsverläufen mit Fieber > 39 °C, ausgeprägten Krankheitszeichen, Otalgie. Klinikeinweisung bei Säuglingen und Kleinkindern in Abhängigkeit vom AZ.

  • Grippe-Otitis: Grippe-OtitisBlutblasen auf dem Trommelfell und im Gehörgang. Toxische Innenohrschädigung häufig → Vorstellung beim HNO-Arzt zur Audiometriekontrolle, frühzeitige Parazentese erforderlich.

  • Scharlach, Masern-Otitis: ScharlachOtitisMasernOtitisGefahr der Trommelfellnekrose; frühzeitige Antibiose erforderlich.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Mastoiditis (9.7.2): Vor der Antibiotikaära sind zahlreiche Säuglinge an einer Mastoiditis als KO gestorben. Eine Otitis media muss bei Säuglingen < 6 Mon. immer antibiotisch behandelt werden.

Otitis externa

Otitis externa acuta
Häufigste schmerzhafte Erkr. im äußeren Gehörgang.
Symptome
  • Otitis externa acutaSymptomeTragusdruckschmerzTragusdruckschmerzOtitis externa acutaTragusdruckschmerz, Schmerzen beim Ziehen der Ohrmuschel nach hinten und bei der Otoskopie.

  • Eventuell Schwerhörigkeit.

SofortdiagnostikOtoskopie: Rötung und Schwellung der Gehörgangshaut.
Maßnahmen
  • Otitis externa acutaMaßnahmenReinigung des Gehörgangs, z. B. durch Absaugen (wenn Pat. es toleriert).

  • Ohrentr.: z. B. Ciprofloxacin (z. B. Panotile® Cipro/Ciloxan®) 4–6 ×/d.

  • Bei Beteiligung der Ohrmuschel oder regionären Lymphknoten: Einleitung der Antibiose z. B. mit Ciprofloxacin 500 mg 2 ×/d (z. B. Ciprobay® 500 mg) über 5–7 d.

  • Eventuell Analgesie: z. B. Diclofenac 3 × 50 mg/d p. o. (z. B. Diclac® 50).

Vorstellung beim HA oder HNO-Arzt am nächsten Werktag zur Kontrolle.

Otitis externa circumscripta (Gehörgangsfurunkel)
SymptomeOtitis externa circumscriptaSymptomeOtitis externa circumscriptaGehörgangsfurunkelFurunkelGehörgangTragusdruckschmerz, LK-Schwellung.
SofortdiagnostikOtitis externa circumscriptaDiagnostikOtoskopie: (Umschriebene) Schwellung des Gehörgangs.
MaßnahmenOtitis externa circumscriptaMaßnahmenEventuell Analgesie: z. B. Diclofenac 3 × 50 mg/d p. o. (z. B. Diclac® 50).

Vorstellung beim HNO-Arzt zur Inzision und lokal antiseptischen Therapie.

Otitis externa maligna (necroticans)
Otitis externa malignaHäufig bei Diabetikern und immunsupprimierten Pat.
Symptome
  • Otitis externa malignaSymptomeTragusdruckschmerz, Schmerzen beim Ziehen der Ohrmuschel nach hinten und bei der Otoskopie.

  • Eventuell Schwerhörigkeit.

  • Fötider Geruch.

SofortdiagnostikOtitis externa malignaDiagnostikOtoskopie: Leicht blutende Granulationen im Gehörgang.
DifferenzialdiagnoseMalignom.
MaßnahmenOtitis externa malignaMaßnahmenEventuell vor Transport Analgesie z. B. mit Metamizol (Novalgin® i. v. oder p. o.).

Klinikeinweisung Vorstellung in HNO-Abteilung, schon bei Verdacht, da sich lebensbedrohliche KO entwickeln können.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Sepsis, Meningitis, Sinusvenenthrombose, labyrinthäre Komplikationen, potenziell letal.

Zoster oticus

Symptome
  • Herpes zosterOhrZoster oticusSymptomeZoster oticusStarke, neuralgiforme Schmerzen.

  • Zu 50–90 % Fazialisparese.

  • Eventuell Schwerhörigkeit, Schwindel.

SofortdiagnostikZoster oticusDiagnostikOtoskopie: Herpetiforme Hauteffloreszenzen an Ohrmuschel und Gehörgang.
Maßnahmen
  • Zoster oticusMaßnahmenAnalgesie mit Metamizol (Novalgin®) 4 × 30 Tr., zusätzlich oder alternativ Voltaren 3 × 50 mg p. o. bei neuralgiformen Schmerzen Antiepileptikum, z. B. Pergabalin (Lyrica® 150–300 mg/d).

  • Aciclovir 5 × 5–10 mg/kg/d i. v. über 10 d (z. B. Acic®).

  • Klinikeinweisung wenn ambulante i. v. Therapie nicht möglich ist.

  • Vorstellung beim HNO-Arzt (oder Bereitschaftsdienst) am nächsten Tag zur Fortsetzung der i. v. Therapie und zur Kontrolle.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Innenohrbeteiligung.

Trommelfellperforation

SymptomeTrommelfellperforationTrommelfellperforationSymptomeStechende Schmerzen, Schwerhörigkeit.
Kurzanamnese
  • Schlag aufs Ohr?

  • Kopfsprung ins Wasser?

  • Manipulation im Gehörgang (Wattestäbchen, Stricknadel)?

  • Unsachgemäße Ohrspülungen?

SofortdiagnostikTrommelfellperforationDiagnostikOtoskopie: Sichtbare Perforation mit blutig nach innen gerollten Rändern.

Vorstellung sofort beim HNO-Arzt oder in einer HNO-Ambulanz.

Hörminderung und Hörverlust

HörminderungHörverlustDas einzig Wichtige im Bereitschaftsdienst ist die Unterscheidung, welche Pat. einer sofortigen Klinikeinweisung bedürfen und bei welchen die Vorstellung beim HNO-Arzt am nächsten Tag ausreichend ist.

Differenzialdiagnostischer Überblick

  • Schwerhörigkeit, akute, DDHörminderung, DDCerumen obturans (9.3.2): plötzliche Hörminderung, Druck im Ohr, Rauschen, tritt häufig nach Baden oder Duschen auf.

  • Akuter Tubenkatarrh (9.3.3): Druck, evtl. auch Stechen im Ohr, zunehmende Hörminderung, „Knacken“ beim Schlucken, Autophonie (Pat. hört sich selbst), evtl. Ohrgeräusche.

  • Ototoxische Medikamente: Schwerhörigkeit anfangs oft nur im Hochtonbereich, Tinnitus, z. T. auch Gleichgewichtsstörungen. Dran denken! Aminoglykoside (v. a. Gentamicin), Zytostatika (Cyclophosphamid, Cisplatin), hoch dosierte Salizylate ≥ 2 g/d, Tuberkulostatika (Streptomycin, Rifampicin, Chinidin). Nutzen-Risiko-Abwägung; evtl. „verdächtiges“ Medikament absetzen; Vorstellung beim HA am nächsten Werktag.

  • Otitis media (9.2.2): Trommelfell gerötet, gefäßinjiziert, „schollig“ weiß, vorgewölbt, Spontanperforation möglich.

  • Knall- und Lärmtrauma (9.3.5): heftige Ohrenschmerzen, evtl.: Schwindel, hochfrequenter Tinnitus, Spontanperforation des Trommelfells mit blutiger Otorrhö.

  • Menière-Krankheit (4.8.4): anfallsartig Schwindel, Schwerhörigkeit, Tinnitus; Spontannystagmus, Fallneigung zur Seite des betroffenen Ohrs, meist Erbrechen.

  • Zoster oticus (9.2.4): herpetiforme Hauteffloreszenzen an Ohrmuschel und Gehörgang, neuralgiforme Schmerzen, evtl. Schwerhörigkeit, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Spontannystagmus, periphere Fazialisparese (4.11.5).

  • Borreliose (4.1.4): Wo. bis Mon. nach Zeckenbiss oder abgelaufener Borreliose. Akute, z. T. in Schüben verlaufende Hörminderung, häufig Tinnitus, evtl. auch andere neurologische Störungen, z. B. Fazialisparese ein- oder beidseitig.

  • Fremdkörper (9.8.3): z. B. bei Kindern oder psychiatrischen Patienten.

  • Akute Labyrinthitis (4.8.1): durch direkte Infektion bei Otitis media oder nach Trauma rasch zunehmende Symptomatik mit Ertaubung, begleitendem Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, Tinnitus.

  • Virusinfektion: z. B. Masern, Mumps, Röteln, Grippe, Zoster begleitende entzündliche Innenohrschädigung → Klinikeinweisung bei Verdacht.

  • HIV-Infektion (16.3): häufiger Hörsturz (9.3.4), auch in der Frühphase der Infektion. Im weiteren Verlauf schleichend progrediente Schwerhörigkeit durch HIV-Infektion sowie evtl. Labyrinthitis bei opportunistischen Infektionen, z. B. mit Pilzen.

  • Zervikal bedingte kochleovestibuläre Funktionsstörung: HWS-Syndrom mit Störungen der vertebrobasilären Durchblutung. Häufig morgens nach dem Aufstehen Tieftonschwerhörigkeit mit Tinnitus sowie Schwindel, begleitend Nackenkopfschmerzen → Klinikeinweisung bei Verdacht.

Cerumen obturans

OhrpfropfHäufigste Ursache von akuten Hörstörungen, tritt oft nach dem Baden oder Duschen auf.
SymptomePlötzliche Hörminderung, meist einseitig. Druck im Ohr, selten Schmerzen.
SofortdiagnostikCerumen obturansDiagnostikOtoskopie: Gelblich braune Masse im Gehörgang.
DifferenzialdiagnoseFremdkörper.
MaßnahmenOhrspülungCerumen obturansOhrspülung beiOhrspülung

Vor Spülung nach bekannten Trommelfelldefekten fragen! Alternativ manuelle Reinigung durch HNO-Arzt am nächsten Werktag.

  • Schulter des Pat. mit Handtuch zum Auffangen von Spritzwasser abdecken. Kinder müssen von ihren Müttern im „Schraubstockgriff“ gehalten werden.

  • Angenehm temperiertes Wasser (etwa 37 °C) mit Ohrspritze oder großer Plastikspritze, deren Tülle durch kleinen Gummischlauch verlängert wird (Vermeidung von Verletzungen), in Gehörgang einbringen. Nierenschale zum Auffangen des Wassers darunterhalten lassen. Vorgang mehrmals wiederholen, bis Erfolg zu sehen ist. Cave: unmitttelbar vor Spülung Wassertemperatur kontrollieren; zu kaltes oder zu warmes Wasser stimuliert Bogengänge → Schwindel.

  • Nach Spülung otoskopische Kontrolle zum Ausschluss von Verletzungen und als Erfolgskontrolle. Bei Rötung des Gehörgangs etwas Wundsalbe auf Watteträger in Gehörgang einbringen.

Vorstellung beim FA bzw. entsprechender Ambulanz zur Ohrspülung bei mangelnder Übung oder fehlender Ausrüstung.

Akuter Tubenkatarrh

Symptome
  • TubenkatarrhTubenkatarrhSymptomeDruck, evtl. auch Stechen im Ohr.

  • Hörminderung (nicht plötzlich aufgetreten).

  • Knacken beim Schlucken.

  • Autophonie (Pat. hört sich selbst).

  • Eventuell Ohrgeräusche.

KurzanamneseMeist Erkältung vorausgegangen.
Sofortdiagnostik
  • TubenkatarrhDiagnostikOtoskopie: Retrahiertes Trommelfell, vermehrte Gefäßinjektion, evtl. Sekretspiegel hinter dem Trommelfell sichtbar (Serotympanon).

  • Klopfschmerz über NNH (begleitende Sinusitis)?

DifferenzialdiagnoseOtitis media.
Maßnahmen
  • TubenkatarrhMaßnahmenNasenspray zur Schleimhautabschwellung, z. B. Xylometazolin (z. B. Otriven®) Erwachsene 0,1 %, Kinder 0,05 %.

  • Valsalva/Kaugummi kauen lassen.

Hörsturz

Symptome
  • HörsturzHörsturzSymptomeDruck auf dem Ohr.

  • Innerhalb von Sekunden bis wenigen Stunden akut entstehende Hörminderung.

  • Eventuell Tinnitus.Tinnitusbei Hörsturz

Kurzanamnese
  • HörsturzDiagnostikStress?

  • Kurzfristige Entwicklung der Symptome?

  • Rezidiv?

  • Lärmexposition.

  • Schwer gehoben (Ruptur der Rundfenstermembran).

Sofortdiagnostik
  • Notfallcheck (3.3.1), Puls, RR, ggf. neurologische Zusatzuntersuchung (2.1.2), speziell Nystagmus prüfen.

  • Otoskopie: Ausschluss entzündlicher Prozesse, Fremdkörper, Trommelfellriss.

  • Orientierende Hörprüfung (9.1.2).

MaßnahmenVersuchsweise evtl. Deortin 250 mg i. v. 1 ×/d über 3 d. Pat beruhigen, Hörsturz ist aus prognostischer Sicht kein Notfall, der sofortiger Therapie bedarf.

  • Klinikeinweisung i. d. R. nicht erforderlich.

  • Vorstellung beim HNO-Arzt oder in HNO-Ambulanz am nächsten Werktag.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Bleibende Hörminderung, Tinnitus.

Knalltrauma

KnalltraumaDurch einmalige oder wiederholte, sehr kurze Druckwelle (Druckspitze zwischen 160 und 190 dB, Dauer 1–3 ms) ausgelöste Haarzellschädigung.
Symptome
  • KnalltraumaSymptomeHeftige Ohrenschmerzen, Schwerhörigkeit, evtl. Schwindel.

  • Eventuell Spontanperforation des Trommelfells mit blutiger Otorrhö.

  • Gegebenenfalls hochfrequenter TinnitusTinnitusbei Knalltrauma.

KurzanamneseKnall oder Explosion.
Sofortdiagnostik
  • KnalltraumaDiagnostikNotfallcheck (3.3.1), ggf. neurologische Zusatzuntersuchung (2.1.2), insbes. Nystagmus prüfen.

  • Otoskopie: eventuell Perforation.

  • Orientierende Hörprüfung (9.1.2).

Vorstellung beim HNO-Arzt oder in HNO-Ambulanz.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Infektionsgefahr bei übersehener Trommelfellperforation, Hörminderung.

Rhinitis und Sinusitis

Rhinitis kann Initialsymptom vieler Allgemeininfektionen sein, z. B. Bronchitis, Pneumonie, Angina tonsillaris/Tonsillitis.

Rhinitis

SymptomeRhinitisRhinitisSymptomeWässrige Sekretion, behinderte Nasenatmung, Augentränen.
MaßnahmenRhinitisMaßnahmenAbschwellende Nasentropfen wie Xylometazolin (z. B. Otriven®) Erwachsene 0,1 %, Kinder 0,05 %. Cave: Nur wenige Tage einsetzen, Gefahr der Schleimhautaustrocknung und Gewöhnungseffekt.

Sinusitis

Symptome
  • SinusitisSinusitisfrontalisSinusitisSymptomeSinusitis frontalis: starke Schmerzen im Bereich der Stirn, Druckschmerzhaftigkeit über dem N. supraorbitalis (schon leichte Berührung in dieser Region kann schmerzhaft sein).

  • SinusitismaxillarisSinusitis maxillaris: starke, pochende Schmerzen über Kieferhöhle, angrenzendem Mittelgesicht und Schläfe, v. a. beim Wiederaufrichten nach dem Bücken. Klopfempfindlichkeit der Kieferhöhlenvorderwand und über dem Austrittspunkt des N. infraorbitalis.

  • SinusitisethmoidalisSinusitis ethmoidalis: Druckgefühl im Bereich der Nasenwurzel und des medialen Augenwinkels.

Kurzanamnese
  • Nasenatmung behindert? Kopfschmerzen (beim Bücken, Pressen, Schnäuzen)?

  • Schnupfen vorausgegangen?

  • Septumdeviation oder Polypen bekannt?

20–30 % der Sinusitiden (Sinusitis maxillaris) sind dentogen bedingt. Eventuell anamnestisch abklären und Pat. zum Zahnarzt schicken.

Sofortdiagnostik
  • SinusitisDiagnostikEventuell neurologische Zusatzuntersuchung (2.1.2).

  • Palpation: Klopfempfindlichkeit über NNH.

Maßnahmen
  • Abschwellende Nasentropfen, wie Xylometazolin (z. B. Otriven®), Erw. 0,1 %, Kinder 0,05 %.

  • Sekretolyse, z. B. mit Acetylcystein 2–3 × 200 mg/d p. o., Kinder 2–3 × 100 mg/d p. o. (z. B. ACC 600®) oder Sinupret® 3 ×/d 2 Drg. (Schulkinder 1 Drg., Kleinkinder 15 Tr.).

  • Viel Flüssigkeit trinken lassen.

  • Bei schweren Verläufen und eitrigem Nasensekret: Antibiose bei Erwachsenen z. B. mit Amoxicillin 3 × 500–1 000 mg/d für 7–10 d (z. B. Amoxypen®), Cephalosporine Gruppe II, wie Cefuroxim 2 × 250–500 mg/d p. o. (z. B. Zinnat®).

  • Bei Kopfschmerz Analgetikum, z. B. Paracetamol bis zu 4 × 500–1 000 mg und/oder Ibuprofen 400 mg 3 ×/d.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Orbitale Komplikationen.

Schluckbeschwerden

Differenzialdiagnostischer Überblick

  • Schluckbeschwerden, DDSialadenitis (9.5.2): Schmerzhafte Schwellung und Rötung der Haut über der Glandula parotis/submandibularis; Schwellung und Rötung des Ausführungsgangs.

  • Fremdkörper (9.8): plötzlich aufgetreten, schmerzhaft.

  • Angina tonsillaris/Tonsillitis (9.5.3): Rötung und Schwellung beider Gaumentonsillen, weißgelbe Stippchen oder Beläge, kloßige Sprache, Fieber.

  • Peritonsillarabszess (9.5.4): Tonsille hochrot und geschwollen, Vorwölbung des Gaumenbogens, Uvulaödem, Kieferklemme, hohes Fieber.

  • Infektiöse Mononukleose (Syn.: Pfeiffer-Drüsenfieber, 9.7.4): Fieber, Halsschmerzen, zervikale LK-Schwellungen, Pharyngotonsillitis mit Pseudomembranen, evtl. Spleno-/Hepatomegalie.

  • Ösophagitis: Ösophagitissaures Aufstoßen, Sodbrennen, epigastrischer Schmerz, evtl. Halskratzen und Heiserkeit über längere Zeit

Sialadenitis

SymptomeSialadenitisSialadenitisSymptomeSchmerzhafte Schwellung und Rötung der Haut über der Glandula parotis, seltener Glandula submandibularis, Symptome verstärken sich beim Essen.
KurzanamneseSpeichelsteineSpeichelsteine bekannt?
SofortdiagnostikSialadenitisDiagnostikInspektion: Schwellung und Rötung des Ausführungsgangs.
Maßnahmen
  • SialadenitisMaßnahmenAntibiose einleiten, z. B. Clindamycin 600 mg 3 × 1 Tbl. für 5–7 d.

  • Zitronenscheiben oder saure Bonbons lutschen lassen.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Abszedierung.

Angina tonsillaris/Tonsillitis

Symptome
  • TonsillitisAngina tonsillarisAngina tonsillarisSymptomeTonsillitisSymptomestarke Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, oft stechend in die Ohrregion ausstrahlend.

  • Kloßige Sprache.

  • Fieber, herabgesetzter AZ, Kopfschmerz, Abgeschlagenheit.

Sonderformen:
  • ScharlachAnginaScharlach-Angina (Streptokokken): Tonsillitis mit düsterroter Färbung, Himbeerzunge.

  • HerpanginaHerpangina (Coxsackie-A-Viren): Tonsillen und Gaumenbögen mit wasserhellen bis linsengroßen Bläschen bzw. Ulzera.

  • Infektiöse Mononukleose (Epstein-Barr-Virus, 9.7.4): Tonsillen oft sehr stark vergrößert; weißlich-gelbliche fest haftende Beläge, ausgeprägte Lymphadenitis. Befund sieht oft schlimmer aus, als Pat. sich fühlt.

  • Selten: Angina bei Agranulozytose mit schmierigen Ulzera und Nekrosen; Diphtherie (14.4.2), Plaut-Vincent-Angina mit Plaut-Vincent-Anginameist einseitigen, leicht Sooranginablutenden Belägen. Soorangina → Nystatin-Lsg. (z. B. Mykundex®-Lsg.).

KurzanamneseKurzes katarrhalisches Stadium vorausgegangen?
Sofortdiagnostik
  • Angina tonsillarisDiagnostikTonsillitisDiagnostikKreislaufkontrolle (RR, Puls), ggf. allgemeinmedizinische Basisuntersuchung (2.1.1), insbes. auf Leber- und/oder Milzvergrößerung achten (DD Mononukleose).

  • Inspektion: beidseits geschwollene, hochrote Tonsillen, ggf. mit Stippchen oder Belägen.

Maßnahmen
  • Angina tonsillarisMaßnahmenTonsillitisMaßnahmenWenn entsprechendes Material mitgeführt wird, Abstrich zur Keimsicherung.

  • Einleitung einer hoch dosierten Antibiose mit Penicillin V je nach Schwere der Erkr. p. o. oder i. v. 3 × 1,5 Mega/d für 5–7 d.

  • Bei Säuglingen z. B. Amoxicillin 50–100 mg/kg/d p. o. (z. B. Amoxypen®-Saft 1 ml = 50 mg) oder alternativ Cephalosporin Gruppe II (z. B. CEC®-Saft, Panoral®-Saft).

  • Körperliche Schonung.

  • Mundpflege, z. B. Kamillosan®, Bepanthenlösung®.

  • Weiche Kost.

  • Gegebenenfalls Analgesie mit Paracetamol, Erwachsene 3–4 × 500–1 000 mg/d Supp. (z. B. ben-u-ron®), Diclofenac (z. B. Voltaren® disp). Cave: Kein ASS wegen erhöhter Blutungsbereitschaft, falls OP bei Peritonsillarabszess notwendig wird.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

  • Tonsillogene Komplikation: Abszess, Sepsis.

  • Zweiterkr. nach Streptokokkeninfektion (rheumatisches Fieber mit Gelenkerscheinungen, Endo-/Myokarditis).

Peritonsillarabszess

Symptome
  • PeritonsillarabszessPeritonsillarabszessSymptomeAbszessPeritonsillar-Anfangs wie Angina (9.5.3).

  • Zunehmende Schluckbeschwerden mit Ausstrahlung in die Ohrregion.

  • Kloßige Sprache.

  • Hohes Fieber bzw. Fieberanstieg.

  • Dolente Schwellung der Hals-LK.

  • Kieferklemme.

  • Schiefhals durch Schonhaltung möglich.

KurzanamneseAngina tonsillaris (9.5.3) vorausgegangen?
Sofortdiagnostik
  • PeritonsillarabszessDiagnostikKreislaufkontrolle (RR, Puls).

  • Inspektion: Hochrote, geschwollene Tonsille, oft aus ihrem Bett herausgedrängt. Uvulaödem.

Klinikeinweisung sofort zur i. v. Antibiose (3 × 5–10 Mega Penicillin), alternativ Cephalosporin Gruppe II (Cefuroxim 500 mg 2 ×d oder Clindamycin 3 × 600 mg) und Abszesstonsillektomie.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Halsphlegmone; Sepsis; Dyspnoe durch Begleitödem.

Otorrhö und Blutungen aus dem Ohr

Differenzialdiagnostischer Überblick
  • OtorrhöOtorrhöDDBlutungOhrTrauma: Pfählung, Ohrstäbchen, Stricknadel.

  • Otitis media acuta (9.2.2): nach Trommelfellperforation evtl. eitrige Sekretion.

  • Kiefergelenk- oder Gehörgangsfraktur (10.1): z. B. nach Sturz.

  • Zustand nach SHT (6.3): Felsenbeinlängsfraktur, offene otobasale Trümmerfraktur – Liquorrhö.

  • Tumoren, Gefäßerkrankungen, Koagulopathien: selten. Klinikeinweisung bei Verdacht.

Symptome
  • OtorrhöSymptomeBlutung unterschiedlicher Stärke aus dem Gehörgang.

  • Eventuell Schwindel, Nausea, Nystagmus, Ertaubung, Fazialisparese.

Kurzanamnese
  • Trauma vorausgegangen? Z. B. Sturz auf Kinn (Kiefergelenk- oder Gehörgangsfraktur).

  • Bei Kindern: beim Spielen Fremdkörper ins Ohr gesteckt (häufig)?

  • Koagulopathie bekannt? Zustand nach OP? Tumor bekannt?

  • Hörverlust?

Sofortdiagnostik
  • OtorrhöDiagnostikNotfallcheck (3.31), neurologische Zusatzuntersuchung (2.1.2), Kreislaufkontrolle (Puls, RR).

  • Säuberung des periaurikulären Gewebes und Inspektion (Otoskopie): Blutungsquelle im Gehörgang, Ohrmuschel oder Blutkontamination von außen?

  • Beimengung von Liquor?

  • Fazialisfunktion: Sofortparese? (Entscheidend für Prognose und operative Revision).

  • Spontannystagmus?

  • Orientierende Hörprüfung (9.1.2).

Maßnahmen
  • OtorrhöMaßnahmenBei erheblicher Blutung und V. a. Fraktur, SHT (6.3) mindestens einen großlumigen i. v. Zugang legen, Infusion (z. B. Ringer-Lsg., ggf. HAES zur Kreislaufstabilisierung).

  • Wenn vorhanden, evtl. O2-Gabe (2–4 l/Min.).

  • Bei Bewusstlosigkeit/Ateminsuffizienz: Beatmung, evtl. Intubation.

  • Ohrmuschel steril abdecken.

  • Klinikeinweisung bei größeren Blutungen, Frakturen oder SHT ins nächste Zentrum mit Neurochirurgie, Neuroradiologie und HNO. Bei Verletzungen der Ohrmuschel Transport in die nächste HNO-Abteilung.

  • Vorstellung bei kleineren Blutungen baldmöglichst beim HNO-Arzt.

Offene Hirnverletzungen: keine Hirnsubstanz entfernen, mit feuchter Kompresse steril abdecken.

Periaurikuläre und nuchale Schwellung

Differenzialdiagnostischer Überblick

  • Infektiöse Mononukleose (Syn.: Pfeiffer-Drüsenfieber, 9.7.4): Fieber, Halsschmerzen, zervikale LK-Schwellung, Pharyngotonsillitis mit Pseudomembranen, evtl. Spleno-/Hepatomegalie.

  • Lymphadenitis colli (9.7.3): schmerzhafte LK-Schwellung im Kopf- und Halsbereich.

  • Mastoiditis (9.7.2): retroaurikuläre Schwellung, abstehendes Ohr, evtl. Otorrhö, Druckschmerz über Mastoid.

  • Mumps (14.4.2): „teigige“ Schwellung vor und unter dem Ohr (Parotisbereich), abstehendes Ohrläppchen, Ohrschmerzen, Kaubeschwerden, Fieber.

Mastoiditis

MastoiditisHäufigste Komplikation der Otitis media acuta (9.2.2). Bei jeder Mittelohrentzündung kommt es zu einer Beteiligung der Schleimhaut des Mastoids. Bei der Mastoiditis kommt es darüber hinaus zur Knocheneinschmelzung und Abszedierung.
SymptomeMastoiditisSymptomeVerschlechterung einer bereits in Abheilung begriffenen Otitis media acuta (9.2.2), Fieber, Wiederauftreten der Ohrsekretion trotz Antibiose.
Sofortdiagnostik
  • MastoiditisDiagnostikOtoskopie: Zeichen einer Otitis media, gerötetes, gefäßinjiziertes Trommelfell, „schollig“-weiß, vorgewölbt?

  • Inspektion: retroaurikuläre Schwellung, abstehendes Ohr, Otorrhö.

  • Palpation des Mastoids: Druckschmerz.

Maßnahmen
  • MastoiditisMaßnahmenEinleitung der Antibiose, z. B. mit Amoxicillin plus Clavulansäure Amoxyclav® 875/125 mg oder 25 mg/6,25 mg Trockensaft (Kinder) 3 ×/d, alternativ Ampicillin plus Sulbactam i. v.

  • Eine Mastoiditis ist operationsbedürftig bei:

    • 3–4 Wo. anhaltender Ohrsekretion.

    • Zunehmender eitriger Sekretion.

    • 14 Tage anhaltender Rötung und Vorwölbung des Trommelfells.

    • Fortbestehendem oder erneut auftretendem Fieber.

    • Länger als 3–4 Tage anhaltendem Druckschmerz des Mastoids.

    • Fluktuation oder Perforation über dem Mastoid.

Vorstellung beim HNO-Arzt oder in HNO-Abteilung.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Sepsis, otogene Meningitis, Sinusthrombose, Hirnabszess.

Lymphadenitis colli

Lymphknotenschwellung, HalsBesonders bei Kindern häufiges Krankheitsbild.
ÄtiologieLymphadenitis colliÄtiologieBei Entzündungen des Naso- und/oder Oropharynx, Verletzungen oder lokalen Infektionen der Gesichtshaut, Kopfhaut (Pickel, Kratzwunden) und Ohrmuschel (infizierte Löcher für Ohrringe) sowie Zahnerkr.
SymptomeLymphadenitis colliSymptomeSchmerzhafte Schwellung der LK im Hals- und Kopfbereich; evtl. begleitend Hautrötung.
Kurzanamnese
  • Infekte im Bereich des Kopfs? Zahnerkr.? Verletzungen? Zerkratzte Mückenstiche?

  • Fieber (nicht immer)? Allgemeines Krankheitsgefühl? Gewichtsverlust? Nachtschweiß?

DifferenzialdiagnosenLymphadenitis colliDiagnostikLymphom, dermatologische Erkr., Tonsillitis palatina, Angina Plaut-Vincent, Stomatitis ulcerosa, Mononukleose, Toxoplasmose, Aktinomykose, Scharlach, Röteln, Tbc, Katzenkratzkrankheit, Systemerkr.
Maßnahmen
  • GegebenenfallsLymphadenitis colliMaßnahmen Antipyrese und Analgetika z. B. Paracetamol bis zu 4 × 500–1 000 mg/d p. o. oder supp. (z. B. ben-u-ron®).

  • Behandlung der Grunderkr., Entzündungsherd sanieren, ggf. Zahnbehandlung.

Vorstellung beim HNO-Arzt bei Abszedierung.

Infektiöse Mononukleose

Syn.: Pfeiffer-Drüsenfieber, Kissing Disease.
SymptomePfeiffer-DrüsenfieberMononukleose, infektiöseKissing Diseaseinfektiöse Mononukleose infektiöse MononukleoseSymptomeMononukleose, infektiöseSymptomePfeiffer-DrüsenfieberSymptome Fieber, Kopf-, „Halsschmerzen“, gelegentlich Exanthem: Röteln- oder masernähnlich, selten skarlatiniform.
Sofortdiagnostik
  • infektiöse MononukleoseDiagnostikMononukleose, infektiöseDiagnostikPfeiffer-DrüsenfieberDiagnostikAllgemeinmedizinische Basisuntersuchung (2.1.1), Kreislaufkontrolle (Puls, RR).

  • Inspektion: Pharyngotonsillitis mit Pseudomembranen.

  • Palpation: Zervikale LK-Schwellung; Splenomegalie (nicht obligat), gelegentlich Hepatomegalie mit Ikterus.

Keine kräftige Milzpalpation wegen Gefahr der Milzruptur.

Maßnahmen
  • infektiöse MononukleoseSymptomeMononukleose, infektiöseMaßnahmenPfeiffer-DrüsenfieberMaßnahmenSymptomatische Maßnahmen: körperliche Schonung. Mundpflege mit z. B. Hexetidin (z. B. Hexoral®).

  • Gegebenenfalls Antipyrese (kein ASS wegen Thrombozytenfunktionsstörung). Eventuell Analgesie mit Paracetamol Erw. 3–4 × 500–1 000 mg/d p. o. oder supp. (z. B. ben-u-ron®, Fensum®). Bei Bedarf evtl. zusätzlich Metamizol 3–4 × 30 Tr./d (z. B. Novalgin®) oder Diclofenac (z. B. Voltaren disp) 3 × 50 mg.

  • Bei ausgeprägten Belägen der Tonsillen evtl. antibiotische Therapie, z. B. mit Clindamycin 3 × 600 mg über 5–7/d.

  • Sonografie der Milz veranlassen; Blutung?

  • Klinikeinweisung wenn keine ausreichende Betreuung zu Hause gewährleistet ist oder AZ ↓.

  • Vorstellung am nächsten Werktag beim HA zur Verlaufskontrolle.

  • Cave: keine Amoxicillingabe bei V. a. Mononukleose, Exanthem!

Fremdkörper im HNO-Bereich

Nasale Fremdkörper

Symptome
  • FremdkörperNaseNasenatmung einseitig behindert, evtl. Nasenbluten, evtl. Schleimfluss (einseitig).

  • Bei frontobasaler Perforation ggf. Liquorrhö, ZNS-Symptomatik.

KurzanamneseSteckenbleiben eines Fremdkörpers in der Nase (meist bei spielenden Kleinkindern, z. B. Steinchen, LEGO-Steine, Murmeln).
Sofortdiagnostik
  • Kreislaufkontrolle (RR, Puls).

  • Inspektion der Nase.

  • Ausschluss tief sitzender Atemwegsfremdkörper durch Inspektion und Auskultation (Atemgeräusch symmetrisch?)

  • Bei Abwehr (Kleinkinder) keine Diagnose erzwingen, sondern zum HNO-Arzt fahren lassen (ggf. HNO-Ambulanz).

Maßnahmen
  • Gegebenenfalls abschwellende Nasentropfen oder -spray (z. B. Otriven®).

  • Sofern möglich Fremdkörperextraktion.

Vorstellung beim HNO-Arzt.

Hypopharynx- und Ösophagusfremdkörper

SymptomeFremdkörperHypopharynxFremdkörperÖsophagusHusten, Dyspnoe, Schluckstörungen; ggf. Symptomatik der Komplikationen: Halsemphysem (Haut knistert beim Berühren), Pneumothorax (4.6.13), Aspirationspneumonie (4.6.5).
KurzanamneseKinder (Spielzeug, Münzen), geriatrische Pat., psychiatrische Pat., Pat. mit Ösophagusstenosen.
Sofortdiagnostik
  • Notfallcheck (3.3.1), Kreislaufkontrolle (Puls, RR).

  • Auskultation, Palpation und Perkussion von Lunge und zervikalen Weichteilen zum Ausschluss ernster Komplikationen.

Maßnahmen
  • I. v. Zugang mit Infusion (z. B. Ringer-Lsg.).

  • Gegebenenfalls Behandlung von Begleitsymptomen, z. B. Beatmung, Koniotomie.

Klinikeinweisung zur Extraktion des Fremdkörpers.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Ösophagusperforation, Pneumothorax, Aspirationspneumonie.

Fremdkörper im Ohr

SymptomeFremdkörperOhrSchwerhörigkeit, Schmerzen im Ohr, evtl. fötider Geruch.
Kurzanamnese
  • Häufig Kinder beim Spielen (Murmeln, Glasperlen).

  • Bei Erwachsenen Oropax-Reste, vergessene Wattereste.

MaßnahmenVersuchen, Fremdkörper mit der Pinzette (oder Häkchen) zu erfassen oder durch Ohrspülung zu entfernen (9.3.2).

Vorstellung beim HNO-Arzt oder in HNO-Ambulanz bei missglücktem Extraktionsversuch.

Komplikationen bei Patienten mit Tracheostoma

Kanülenarten

  • TracheostomaKomplikationenUngeblockte Kanülen (Silber, Kunststoffe), z. T. mit herausnehmbarem Innenteil („Seele“) für eine erleichterte Reinigung; evtl. mit Sprechventil (Abb. 9.2).

  • Geblockte Kanülen bei Langzeitbeatmung und Aspiration.

  • Silikon-T-Tubes (Montgomery-Röhrchen) bei Trachealstenose. Diese Kanülen schienen die Trachea, der Schenkel zum Stoma ist mit Stöpsel verschlossen und wird nur zur Reinigung geöffnet.

Atemnot bei Patienten mit Tracheostoma

Mögliche UrsachenTracheostomaDyspnoe beiDyspnoebei TracheostomaVerlegung von Kanüle oder Tracheostoma durch Schleim oder Borken: fehlende Atemluftbefeuchtung, Tumorwachstum, Schleimhautödem.
SymptomeRuhedyspnoe, inspiratorischer, gelegentlich auch exspiratorischer Stridor.
Sofortdiagnostik

Trachealkanülenträger bedecken die Kanüle häufig mit einem Schal. Sie ist dann nicht sofort zu sehen.

  • Kreislaufkontrolle (Puls, RR).

  • Inspektion von Tracheostoma und Kanüle:

    • Schleim, Borken in der Kanüle.

    • Tumor/Granulationen im Tracheostoma oder in der Trachea.

    • Kanülendislokation.

  • Auskultation (Stenosegeräusche?) und Perkussion der Lunge.

Maßnahmen
  • Wenn Absaugvorrichtung vorhanden, Kanüle und Trachea mit dicklumigem, flexiblem Absaugkatheter säubern, ggf. Innenteil entfernen, Borken mit Pinzette entfernen.

  • Falls keine Besserung: Kanüle entfernen, nochmals absaugen.

  • Falls keine Besserung: Etwa 20 ml NaCl 0,9 % in das Tracheostoma spritzen, abhusten lassen.

  • Falls keine Besserung: V. a. tumoröse/ödematöse Trachealstenose.

  • Gereinigte Kanüle wieder einsetzen.

  • Wenn vorhanden über Tracheostoma O2 verabreichen.

  • I. v. Zugang mit Infusion (z. B. Ringer-Lsg.).

  • Prednisolon in hoher Dosierung, z. B. 10 mg/kg i. v. (z. B. Solu-Decortin H®).

Klinikeinweisung wenn über Stoma keine ausreichende Spontanventilation möglich ist.

  • Erstickungszustände beim tracheotomierten Pat. meist durch Verlegung in Höhe des Tracheostomas (Kanüle, Stoma, Trachea) verursacht.

  • Orotracheale Intubationsversuche sind häufig kontraindiziert (z. B. laryngektomierter Pat.).

  • Frisch angelegte Tracheostomata kollabieren bei Entfernung der Trachealkanüle → Weichteile z. B. mit Klemme o. Ä. offen halten.

  • Zum Absaugen von Silikon-T-Tubes (Montgomery-Röhrchen) am Stomaschenkel fassen (ggf. mit Klemme) und herausziehen (evtl. größerer Kraftaufwand erforderlich).

  • Cave: Gegebenenfalls kollabiert das Stoma und muss manuell (evtl. mit Spekulum) offen gehalten werden.

Blutung aus Tracheostoma

Mögliche UrsachenTracheostomaBlutung beiBlutungaus TracheostomaTracheitis sicca, Granulationsgewebe, Tumorrezidiv, Arrosion von Schilddrüsengefäßen, arterielle Massenblutung bei Arrosion des Truncus brachiocephalicus durch scheuerndes Kanülenende.
Symptome
  • Blutung aus dem Tracheostomakanal, Hämoptoe, Dyspnoe durch Aspiration.

  • Bei Trunkusarrosion rapide einsetzender Volumenmangelschock (3.7), Herz-Kreislauf-Stillstand (3.4), Asphyxie durch Aspiration.

Sofortdiagnostik
  • Notfallcheck (3.3.1), Kreislaufkontrolle.

  • Inspektion des Tracheostomas.

  • Abschätzen von Blutungsstärke und Menge des Blutverlusts.

Maßnahmen
  • Wenn Absaugvorrichtung vorhanden, tracheobronchial absaugen.

  • Wenn vorhanden, O2-Gabe über Tracheostoma.

  • Stoma bei liegender Kanüle um die Kanüle herum mit Mullstreifen austamponieren.

  • Bei blutenden Granulationen evtl. bipolare Blustillung (falls vorhanden).

  • Bei TrunkusarrosionsblutungTracheostomaTrunkusarrosionsblutung:

    • Trachealkanüle entfernen.

    • Endotrachealtubus durch das Stoma weit in die Trachea einführen, stramm blocken und zurückziehen, bis die Blutung etwas nachlässt.

    • Stoma um den Tubus herum mit Mullstreifen austamponieren.

    • Aspiriertes Blut absaugen.

    • Mindestens zwei großlumige i. v. Zugänge mit Infusion (z. B. Ringer-Lsg., ggf. HAES).

  • Bei Tracheitis sicca: TracheostomaTracheitis siccaTracheitis sicca

    • Bronchiallavage mit 2 × 10 ml NaCl 0,9 %, Absaugen.

    • Acetylcystein 3 × 200 mg/d p. o. (z. B. ACC®) mit reichlich Flüssigkeit, ständiges Inhalieren.

Klinikeinweisung bei stärkeren Blutungen mit NAW in die nächste HNO- oder chirurgische Klinik.

Vor Entscheidung zur Einweisung bei nicht massiven Blutungen evtl. Prognose abklären (16).

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