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B978-3-437-22422-5.00006-3

10.1016/B978-3-437-22422-5.00006-3

978-3-437-22422-5

Gilchrist-Verband

[L139]

Transport eines Amputats

[A300–106]

Druckverband

[L190]

Figurenschema zur Neuner-Regel

[A300–106]

Anamneseerhebung bei V. a. Vergewaltigung

[T849]

Petichiale Einblutungen in der Mundschleimhaut

[T850]

Differenzialdiagnose Kopfverletzungen SchädelprellungSchädelprellungNasenbeinfrakturKopfverletzungenLeitsymptomeKalottenfraktur FrakturNasenbein-FrakturKalotten-

Tab. 6.1
Diagnose Leitsymptome
Schädelprellung Kopfschmerzen, Riss-Quetschwunde
Nasenbeinfraktur Schwellung, Schiefstand oder Einsinken der Nasenwurzel, Behinderung der Nasenatmung, Epistaxis
Kalottenfraktur Druckschmerz, Schwellung, evtl. Stufenbildung, Instabilität bei Trümmerfraktur
Gesichtsschädelfraktur Veränderung der Zahnreihe, Schmerz bei Kieferbewegungen, Instabilität, Doppelbilder (10.1)
Schädelbasisfraktur Brillen- oder Monokelhämatom, Blut und/oder Liquor aus Mund, Nase, Ohr, Hörschwäche, Schwindel
Schädel-Hirn-Trauma Bewusstseinsstörung, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Amnesie, pathol. Pupillenreaktion
Intrazerebrale, epidurale und subdurale Blutungen Evtl. verzögerte Eintrübung, zunehmende Anisokorie, Stauungspapille

Schädigungslokalisierung bei WirbelsäulentraumaWirbelsäulenverletzungenLokalisation

Tab. 6.2
Erhaltene Motorik Erhaltene Sensibilität Schädigung unterhalb von
Zwerchfellatmung Hals C3
Arm
Schulterzucken Hals C4
Ellenbogenbeugen Arm beugeseitig C5
Drehung des Unterarms Daumen C6
Fingerstreckung Zeigefinger C7
Fingerbeugung Kleinfinger C8
Thorax Brustwarzen Th4
Abdomen Nabel Th10
Bein
Hüftbeugung Leiste L1
Beinstreckung Oberschenkelinnenseite L2
Knieinnenseite L3
Fußhebung Unterschenkelinnenseite L4
Großzehenhebung Großzehe L5
Zehenflexion S1

Einteilung der VerbrennungsgradeVerbrennungsgrade

Tab. 6.3
Grad Betroffene Gewebeschichten Symptomatik
Grad 1 Rötung der Haut, Schmerz
Grad 2 Oberflächlich Rötung der Haut, Blasenbildung, starke Schmerzen
Tief Heller Untergrund, Blasenbildung, starke Schmerzen
Grad 3 Epidermisfetzen, weißer Wundgrund, keine Schmerzen
Grad 4 Verkohlung

Symptomatik der ErfrierungsstadienErfrierungSymptome

Tab. 6.4
Stadium Betroffene Gewebeschichten Symptomatik
Grad 1 Haut Abkühlung, Blässe, Hyp- bis Anästhesie bei Wiedererwärmung: Rötung durch reaktive Hyperämie, mäßige Schmerzen, Pruritus
Grad 2 Haut und Unterhaut Ödem und Blasen (frühestens nach 1 d)
Grad 3 Tiefe Gewebsschichten Nekrosen (frühestens nach 1 Wo.)
Grad 4 Alle Gewebsschichten Totalvereisung (Akren können bei Berührung abbrechen)

Stadieneinteilung der Hypothermie HypothermieStadieneinteilungUnterkühlungStadieneinteilung

Tab. 6.5
Stadium Stadienmerkmale Bewusstsein Klinik und Befunde Körpertemperatur
Grad 1 Erregung, Exzitation, Abwehr, Gegenregulation, Safe Zone Voll erhalten Muskelzittern, Schmerzen, RR ↑, Puls ↑, Hyperventilation 37–34 °C
Grad 2 Erschöpfung, Erregungsabnahme, Adynamie, Kreislaufzentralisation, Danger Zone Eingeschränkt Ungelenke Bewegungen, Ataxie, Muskelrigidität, Apathie, Schmerzempfindung ↓, Puls ↓, RR ↓, Abnahme der Atemtätigkeit, Halluzinationen (Paradoxal Undressing) 34–30 °C
Grad 3 Lähmung, Paralyse, Stupor, Reaktionslähmung Koma Reflexlosigkeit, weite Pupillen, Minimalatmung, extreme Bradykardie oder -arrhythmie, evtl. Herz-Kreislauf-Stillstand 30–27 °C
Grad 4 Scheintod (vita minima) Apnoe, Kammerflimmern < 27 °C

Einteilung der Schweregrade von VerätzungenVerätzungenSchweregrade

Tab. 6.6
Grad Symptomatik Prognose
Erstgradige Verätzung Epidermale Schädigung mit Schmerz, Rötung, Schwellung Vollständige Regeneration möglich
Zweitgradige Verätzung Dermale Schädigung mit Schmerz, Ulzeration, Flüssigkeitsaustritt, Schorfbildung Narbige Abheilung
Drittgradige Verätzung Subdermale Schädigung mit Nekrosen aller Hautschichten, Schädigung von Nerven, Blutgefäßen möglich Defektheilung (meist Hauttransplantation erforderlich)

Verletzungen

Gabriele Fobbe

Stefanie Merse

  • 6.1

    Traumata Gabriele Fobbe224

    • 6.1.1

      Riss-Quetsch- („Platzwunden“), Stich- oder Schürfwunden224

    • 6.1.2

      Bisswunden224

    • 6.1.3

      Schädel-Hirn-Trauma226

    • 6.1.4

      Schädelprellung227

    • 6.1.5

      Prellungen und Hämatome228

    • 6.1.6

      Distorsionen228

    • 6.1.7

      Luxation, Subluxation229

    • 6.1.8

      Frakturen233

    • 6.1.9

      Wirbelsäulenverletzungen238

    • 6.1.10

      Beckentrauma240

    • 6.1.11

      Thoraxtrauma241

    • 6.1.12

      Bauchtrauma242

    • 6.1.13

      Amputationsverletzungen und Gefäßverletzungen243

    • 6.1.14

      Thermische Notfälle244

    • 6.1.15

      Stromunfall250

  • 6.2

    Gewalt Stefanie Merse251

    • 6.2.1

      Kindesmisshandlung251

    • 6.2.2

      Sexueller Missbrauch252

    • 6.2.3

      Seniorenmisshandlung254

    • 6.2.4

      Gewalt im Bereitschaftsdienst Gabriele Fobbe255

    • 6.2.5

      Eigenschutz im Bereitschaftsdienst Gabriele Fobbe255

Traumata

Gabriele Fobbe

Riss-Quetsch- („Platzwunden“), Stich- oder Schürfwunden

Riss-QuetschwundenSchürfwundenPlatzwundenStichwundenDurch Sturz, Heimwerkertätigkeit, Gartenarbeit, Sportunfall.
Kurzanamnese
  • Alter der Verletzung.

  • Verletzungsmechanismus.

  • Kontamination.

  • Fremdkörper → Untersuchung in Lokalanästhesie (2.9.1).

  • Überprüfung des Impfstatus: Tetanusschutz ausreichend?

Maßnahmen
  • Riss-QuetschwundenMaßnahmenSchürfwundenMaßnahmenPlatzwundenMaßnahmenStichwundenMaßnahmenWunde inspizieren, evtl. zuvor Lokalanästhesie.

  • Wund- und Umgebungsreinigung mit Lokaldesinfizienz, z. B. Polihexamid-Lsg., Prontoderm®, oder Spülung mit steriler NaCl 0,9 %.

  • (Foto-)Dokumentation.

  • Schutzverband.

  • Tiefere Verletzungen, größere Schnitt- oder Platzwunden 2.9.3.

  • Ausgedehntere Wunden (und/oder bei mangelnder Übung mit chirurgischen Nähten): Wunde steril abdecken, ggf. Druckverband (2.11.2) anlegen.

  • Klinikeinweisung in Chirurgie/Klinikambulanz oder

  • Vorstellung beim FA bei ausgedehnteren Verletzungen oder bei Indikation zum Rö zum Ausschluss von Begleitverletzungen.

Keine Wundnaht bei Verletzungen, die älter sind als 6–10 h (Ausnahme: Gesicht).

Bisswunden

Kurzanamnese
  • BisswundenZeitpunkt, Ort und Anlass der Bissverletzung.

  • Tierart und Besitzer.

  • Tollwutverdacht:

    • Deutschland gilt seit 2008 als frei von terrestrischer Tollwut. Bei Fledermäusen endemisch.

    • Kontakt mit Impfködern möglich?

    • Impfstatus des Tiers bekannt?

    • Bissverletzung im Ausland zugezogen? Verhaltensauffälligkeit des Tieres?

  • Exotisches Tier? Schlange, Vogelspinne, Skorpion etc.? → Kontakt mit Vergiftungszentrale aufnehmen: Vorwahl des Orts/19240.

  • Patientenbezogene Informationen:

    • Grundkrankheiten?

    • Implantate?

    • Immunsuppression?

    • Asplenie?

Maßnahmen

Verletzungstiefe und Ausmaß werden wegen oft nur kleiner Hautläsionen unterschätzt: immer primäre Wundnaht bei Bissverletzungen im Gesicht.

  • BisswundenMaßnahmenFotodokumentation.

  • Wunde inspizieren, reinigen und spülen (physiolog. Kochsalzlsg.).

  • Gegebennenfalls Exzision der Wundränder.

  • Engmaschige Wundkontrollen.

  • Tetanusschutz überprüfen und ggf. erforderliche Impfungen durchführen.

  • Bei Tollwutverdacht: Rücksprache mit dem Amtstierarzt.

  • Bei exotischen Gifttieren: Rücksprache → Giftzentrale.

  • Antibiotische Frühtherapie, besonders bei frischen, tiefen Verletzungen, bei Verletzung kritischer Körperregionen (z. B. Hände, Füße, gelenknah), bei erhöhtem Infektionsrisiko, bei Implantaten: Aminopenicillin + Betalaktamase-Inhibitor 2/d p. o., z. B. Amoxiclav-CT 875/125 mg.

Die Infektionsraten nach Katzen- und Menschenbissen sind höher als nach Hundebissen.

Postexpositionsprophylaxe

Empfehlungen des Robert Koch-Instituts zur Postexpositionsprophylaxe bei Tollwut

  • Postexpositionsprophylaxebei TollwutExpositionsgrad 1: Berühren oder Füttern von Tieren; Belecken der intakten Haut, Berühren eines Impfstoffköders bei intakter Haut: keine Impfung.

  • Expositionsgrad 2: Lecken und Knabbern an der nicht intakten Haut, nicht blutende, oberflächliche Kratzer, Kontakt mit Impfflüssigkeit eines beschädigten Impfköders an nicht intakter Haut: aktive Immunisierung.

  • Expositionsgrad 3: Bissverletzung, Kratzwunden, Kontakt von Schleimhäuten und Wunden mit Speichel (z. B. Lecken) oder mit Impfflüssigkeit aus einem Impfköder, V. a. Biss oder Kratzer durch Fledermaus, Schleimhautkontakt mit Fledermäusen: aktive plus passive Immunisierung.

Vorgehen:
  • Großzügige Wundreinigung mit Seife, Wunddesinfektion mit viruzidem Mittel (z. B. Betaisodona®, Polysept®) oder 70-prozentigem Alkohol.

  • Ab Expositionsgrad 2: aktive Immunisierung mit einem Tollwut-Impfstoff gemäß den Angaben der Fachinformation.

  • Ab Expositionsgrad 3: zusätzlich zur aktiven Immunisierung Durchführung einer passiven Immunisierung mit Tollwut-Immunglobulin (20 IE/kg KG).

  • Bei gegebener Indikation Immunprophylaxe unverzüglich durchführen!

Bei V. a. Tollwut stets Rücksprache mit Amtstierarzt, Tollwutschutzstelle und Gesundheitsamt. Schon der V. a. Tollwut ist meldepflichtig!

Schädel-Hirn-Trauma

Schädel-Hirn-TraumaDDKopfverletzungenNach einem Unfall ist jede – auch nur vorübergehende – Bewusstseinsstörung verdächtig auf ein Schädel-Hirn-Trauma (Tab. 6.1).
Leitfragen
Kurzanamnese
  • Unfallhergang/Unfallmechanismus:

    • Verkehrsunfall, Fahrradunfall, Geschwindigkeit?

    • Art und Stärke des Aufpralls (Bordstein, Boden etc.).

    • Helm getragen?

  • Begleitumstände: Intoxikation mit Drogen und/oder Alkohol.

  • Begleiterkrankungen:

    • Therapie mit Antikoagulanzien.

    • Demenz.

  • Bisheriger Verlauf:

    • Bewusstlosigkeit, Amnesie, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel.

    • Besserung oder Verschlechterung.

Besonderheiten bei Kindern

Häufige Unfälle: Treppensturz, Sturz von der Wickelkommode, aus dem Kinderwagen. Ist das Kind nicht bewusstlos, Eltern fragen, ob es seit dem Unfall „anders“ ist als sonst. Cave: bei vagen Erklärungen der Eltern auch an Misshandlung (6.2.1) denken!
Leitbefunde

Erfassung und (Bild-)Dokumentation mit Uhrzeit.

Sofortdiagnostik
  • Schädel-Hirn-TraumaLeitbefundePrüfung der Vitalfunktionen/Notfallcheck (3.3.1).

  • BZ Kontrolle.

  • Inspektion und Palpation des Schädels:

    • Offene Schädelverletzung.

    • Blutung.

    • LiquorrhöLiquorrhö. Cave: Auch auf Blutung, Ausfluss aus Ohr/Nase achten → V. a. Schädelbasisfraktur.

    • Stufenbildung in der Kalotte → V. a. Fraktur.

    • Prellmarken, Hämatome, Kalottenklopfschmerz.

  • Wiederholte neurologische Untersuchung (2.1.2):

    • Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel als Zeichen einer Hirndrucksteigerung und/oder als Zeichen diffuser Beeinträchtigung.

    • Bewusstseinslage.

    • Reaktion auf Ansprache und Schmerz (Glasgow-Coma-Scale, Tab. 6.1).

    • Pupillengröße und Lichtreaktion, Okulomotorik.

    • Motorische Funktion der Extremitäten.

    • Sensibilität.

  • Begleitverletzungen: Frakturen, Blutungen, innere Verletzungen (z. B. abdominale Abwehrspannung bei Milzruptur, 6.1.12), WS-Verletzungen, Zungenbiss.

Maßnahmen
  • Ohne Aspirationsgefahr: Flachlagerung oder Lagerung mit um 30° erhöhtem Oberkörper. Cave: WS-Verletzung.

  • Bei Aspirationsgefahr: stabile Seitenlagerung.

  • O2-Gabe.

  • Großvolumiger i. v. Zugang: Infusion isoosmolarer Lösungen, z. B. Ringer-Acetat.

  • Bei bewusstlosen Patienten frühe Intubation (3.4).

Klinikeinweisung bei:

  • Jedem Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma.

  • Koma, Bewusstseinstrübung, Amnesie.

  • Krampfanfällen, anderen neurologischen Störungen.

  • Schädelfraktur, V. a. Impressionsfraktur.

  • Penetrierenden Verletzungen.

  • V. a. nasogene und otogene Liquorfistel.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

  • Immer an weitere lebensbedrohliche Verletzungen denken: Polytrauma.

  • Verletzung der HWS nicht erkannt. Immer stabilisierende Orthese anlegen.

Schädelprellung

SchädelprellungSchädelprellung mit/ohne Platzwunde ohne Hirnfunktionsstörung durch Schlag oder Sturz auf den Kopf.
Sofortdiagnostik
  • SchädelprellungDiagnostikPrüfung der Vitalfunktionen/Notfallcheck (3.3.1).

  • Keine Bewusstseinsstörung während des Unfallereignisses und keine Amnesie.

  • Gegebenenfalls Rö-HWS zum Ausschluss einer Fraktur.

Maßnahmen
  • SchädelprellungMaßnahmenWundversorgung (2.9). Tetanusschutz (2.9.4) überprüfen.

  • Körperliche Schonung.

  • Beobachtung sicherstellen. Cave: bei Alleinlebenden ggf. stationäre Beobachtung.

  • Gegebenenfalls Analgesie, Paracetamol 500–1 000 mg bis zu 3 ×/d p. o., z. B. Paracetamol-ratiopharm® 500 mg.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

  • Immer an die Entwicklung eines epi-oder subduralen Hämatoms denken.

  • Bei älteren Menschen oft geringes Trauma ausreichend und chronischer Verlauf subduraler Hämatome.

Prellungen und Hämatome

Symptome
  • PrellungSchwellung, HämatomHämatom, Prellmarke.

  • PrellungenDiagnostikHämatomDiagnostikBewegungseinschränkung.

KurzanamneseSchädigung durch direkte stumpfe Gewalt (Sturz, Schlag, Stoß).
Maßnahmen
  • PrellungenMaßnahmenHämatomMaßnahmenHochlagerung und Kühlung, z. B. Eisbeutel auflegen, kühlende Umschläge.

  • Lokal Externa, z. B. Diclofenac-Gel.

  • NSAID oral, wie Paracetamol 1–3 × 500–1 000 mg p. o. oder Ibuprofen 3 × 400 mg/d p. o.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Bei Prellungen und Hämatomen – insbes. bei Prellmarken unterschiedlichen Alters und/oder unklaren Angaben zum Unfallhergang oder Prellmarken oberhalb der „Hutlinie“ – auch an Misshandlung (6.2.1) denken.

Distorsionen

DistorsionVerstauchungZerrungÜberdehnung des Kapselbandapparats, Kontinuität bleibt erhalten. Meist durch Sturz oder beim Sport, am häufigsten sind das obere Sprunggelenk (Supinationstrauma, „Umknicken“) und die Finger betroffen.
Symptome
  • ZerrungSymptomeDistorsionSymptomeVerstauchungSymptomeSchwellung und Hämatom.

  • Druckschmerz über den gedehnten Bandstrukturen oder Bandansatzpunkten.

  • Schmerzhafte Bewegungseinschränkung.

Sofortdiagnostik
  • Fehlstellung (Fraktur, 6.1.8)DistorsionDiagnostikVerstauchungDiagnostik?

  • ZerrungDiagnostikSchwellung und Hämatombildung?

  • Rö-Aufnahme veranlassen bei V. a. knöcherne Begleitverletzung.

  • Am OSG, wenn mindestens einer der folgenden Befunde zutrifft (nach: Ottawa Ankle Rules):

    • Patientenalter < 55 J.

    • Der Patient ist nicht in der Lage, mindestens 4 Schritte zu belasten.

    • DS über der Spitze der distalen Fibula und/oder der distalen Hinterkante.

    • DS an der Basis des Os metatarsale V.

    • DS über dem Os naviculare.

Maßnahmen
  • MuskelfaserrissMaßnahmenPECH-SchemaPECH-Schema (nach Böhmer):

    • P – Pause, Abbruch der körperlichen Aktivität.

    • E – Eis, Kühlen mit Eis, Kühlspray.

    • C – Compression: Druckverband mit moderatem Druck.

    • H – Hochlagerung.

  • Thromboseprophylaxe mit NMH, z. B. Certoparin, Mono-Embolex® 3 000 IE Prophylaxe 1 ×/d s. c.

  • Stabilisierung und Schonung bis zur Beschwerdefreiheit, Rückgang der Schwellung und des Instabilitätsgefühls: Kompressionsverband, Tape-Verband, Orthese, z. B. Aircast®-Schiene.

  • Analgesie mit NSAID oral, wie Paracetamol 1–3 × 500–1 000 mg p. o. oder Ibuprofen 3 × 400 mg/d p. o.

  • Klinikeinweisung i. d. R. nicht erforderlich.

  • Vorstellung beim HA am nächsten Werktag zur Befundkontrolle.

Luxation, Subluxation

SubluxationLuxationVollständiger und dauerhafter Kontaktverlust der gelenkbildenden Knochenenden.
Leitfragen und Leitbefunde
  • LuxationLeitfragenSubluxationLeitfragenSubluxationLeitbefundeLuxationLeitbefundeVerletzungsmechanismus (direkte oder indirekte Gewalteinwirkung oft mit Zerreißung des Kapselbandapparats).

  • Plötzlicher Schmerz mit anschließender schmerzhafter Fixierung des Gelenks.

  • Sichere Zeichen: Deformierung der Gelenkkontur, leere Gelenkpfanne, Gelenkkopf disloziert, Fehlstellung, federnde Fixation.

  • Unsichere Zeichen: Schwellung, Schmerz, Bewegungseinschränkung.

Schulterluxation
Schulterluxation80 % vordere Luxationen.
Symptome
  • SchulterluxationSymptomeSchmerzhafte Bewegungseinschränkung.

  • Fixierte Außenrotationsabduktionsstellung (bei anteriorer Luxation).

  • Sensibilitätsausfälle im Versorgungsgebiet des N. axillaris.

  • Zwangshaltung des Arms.

Kurzanamnese
  • Sturzauslöser.

  • Sturzmechanismus (Sturz auf gestreckten Arm oder Schulter) oder habituelle (atraumatische) Luxation.

  • Vorerkrankungen:

    • Frühere Schulterverletzungen, Luxationen.

    • Degenerative Schultergelenkerkrankungen.

Sofortdiagnostik
    • SchulterluxationDiagnostikSeitenvergleich des Schulterreliefs.

    • Leere Gelenkpfanne und Humeruskopf vor der Achsel als Vorwölbung tastbar.

    • Durchblutung, Sensibilität (N. axillaris!) und Motorik.

DifferenzialdiagnosenSchulterluxationDDProx. Humerusfraktur (gleiches Trauma bei älteren Pat.), Luxationsfrakturen, Rotatorenmanschettenruptur.
Maßnahmen
  • SchulterluxationMaßnahmenSchmerzmedikation, z. B. Tramadol 50–100 mg i. v.

  • Unterstützung einer möglichst schmerzarmen Schonhaltung.

  • SchulterluxationRepositionReposition nur bei habituellen Luxationen, da präklinisch eine Fraktur nicht sicher auszuschließen ist. Immer abhängig von:

    • Erfahrung des Behandlers.

    • Dauer und Umständen des Transports.

    • Durchblutungsstörungen.

    • Neurologischen Störungen.

  • Pat. seitlich auf Holzstuhl setzen, luxierter Arm hängt über der Rückenlehne (Lehne z. B. mit Handtuch polstern), langsamer, kontinuierlicher Längszug am Oberarm, das Ellenbogengelenk ist hierbei rechtwinklig gebeugt.

Klinikeinweisung immer zur radiologischen Diagnose der Luxation und Prüfung einer OP-Indikation.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Plexusschädigung, Gefäßverletzung.
Akromioklavikulargelenkverletzung
AkromioklavikulargelenkverletzungVerletzung der Ligg. acromio- und coracoclaviculare mit Dehnung, Subluxation oder Luxation im Akromioklavikulargelenk (Einteilung nach Rockwood I–VI, Tossy I–III). Bei Erwachsenen häufig.
Symptome
  • AkromioklavikulargelenkverletzungSymptomeHämatom, Schwellung.

  • Schmerzen im Schultergelenk.

  • Funktionsverlust im Schultergelenk.

  • Arm wird nah am Körper und nach innen gedreht gehalten.

KurzanamneseSturz auf die Schulter auf den zur Seite gestreckten Arm (typischer Reit- oder Fahrradunfall).
Sofortdiagnostik
  • AkromioklavikulargelenkverletzungDiagnostikSchwellung.

  • DS über dem AC-Gelenk.

  • Funktionsprüfung des Schultergelenks.

  • Federnder Widerstand des hochstehenden lateralen Klavikulaendes (KlaviertastenphänomenKlaviertastenphänomen).

AkromioklavikulargelenkverletzungDDDifferenzialdiagnosenKlavikulafraktur, Schulterluxation.
Maßnahmen
  • AkromioklavikulargelenkverletzungMaßnahmenSchonung, Kühlung, Analgesie.

  • Präklinisch Ruhigstellung in Gilchrist-Verband (Abb. 6.1).

  • Rockwood I: funktionelle Übungsbehandlung.

  • Rockwood II: Ruhigstellung mit Gilchrist-Verband (Abb. 6.1).

  • Ab Rockwood III: operativ mit offener Reposition.

  • Klinikeinweisung zur Röntgendiagnostik.

  • Vorstellung bei Unfallchirurgen am nächsten Werktag zur Befundkontrolle.

Radiusköpfchensubluxation
RadiusköpfchensubluxationLuxation des Radiuskopfes aus dem Ligamentum anulare radii. Typische Verletzung bei Kindern im 2.–4. Lj., da der Radiuskopf erst mit dem 4. Lj. seine endgültige Größe erreicht. Syn.: Chassaignac-LuxationChassaignac-Luxation.
Symptome
  • RadiusköpfchensubluxationSymptomeSchonhaltung mit leichter Beugung im Ellenbogen und Pronation.

  • Beuge- und Streckhemmung im Ellenbogengelenk.

  • Pseudoparese.

KurzanamneseUnfallhergang, Zug am gestreckten Arm, z. B. Kind stolpert an der Hand eines Erwachsenen.
Sofortdiagnostik
  • RadiusköpfchensubluxationDiagnostikChassaignac-LuxationDiagnostikSchonhaltung.

  • Drehung des Unterarms nicht möglich.

  • Frakturzeichen?

DifferenzialdiagnosenRadiusköpfchensubluxationDDChassaignac-LuxationDDMonteggia-Fraktur (Ulnafraktur und Radiusköpfchenluxation).
Maßnahmen
  • RadiusköpfchensubluxationMaßnahmenChassaignac-LuxationMaßnahmenRö des Ellenbogengelenks zum Ausschluss einer Fraktur oder Gelenkluxation.

  • Passive Supination und Beugung des Unterarms, die andere Hand des Untersuchers fixiert den Oberarm.

Eltern darauf hinweisen, das Kind nicht an den Armen hochzuziehen.

  • Klinikeinweisung zur radiologischen Diagnostik.

  • Vorstellung zur Kontrolle beim HA oder Chirurgen.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Reluxation.
Fingerluxationen
FingerluxationenMeist im PIP-Gelenk. Unfallhergang: Stauchungsverletzung eines Fingers.
SymptomeFingerluxationenSymptomeSchwellung, Schmerz, typische bajonettartige Fehlstellung, keine aktive Streckung möglich.
SofortdiagnostikFingerluxationenDiagnostikSensibilität prüfen.
Maßnahmen
  • FingerluxationenMaßnahmenReposition, ggf. in Leitungsanästhesie nach Oberst (2.9.1).

  • Ruhigstellung in Fingerschiene in FingerschieneFunktionsstellung für 3–4 Wo.

  • Klinikeinweisung nicht erforderlich.

  • Vorstellung zur Kontrolle beim HA am nächsten Werktag.

Hüftluxation
HüftluxationSelten, massive Gewalteinwirkung oder Z. n. TEP.
SymptomeHüftluxationSymptomeFehlstellung des Beins, federnd fixiert, Beinverkürzung.
KurzanamneseVerkehrsunfall, Sturz aus größerer Höhe, TEP in der Vorgeschichte.
SofortdiagnostikHüftluxationDiagnostikSensibilität, Motorik, Durchblutung, Begleitverletzungen.
DifferenzialdiagnosenHüftluxationDDOberschenkelhalsfraktur, Beckenringfraktur.
Maßnahmen
  • HüftluxationMaßnahmenGroßvolumiger i. v. Zugang, Volumenzufuhr.

  • Schmerztherapie, z. B. mit 5–10 mg Morphin i. v.

  • Unterstützung einer möglichst schmerzfreien Schonhaltung.

  • Reposition nur in Narkose möglich.

Klinikeinweisung mit NAW.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Volumenmangelschock.
Patellaluxation
Symptome Patellaluxation Symptome
  • Schmerzhafte Bewegungseinschränkung.

  • Fixierte Flexionsstellung.

  • Kniegelenkerguss.

Kurzanamnese
  • Unfallhergang:

    • Luxationsereignis: direktes Trauma durch Sturz auf das Knie oder seitliches Anpralltrauma; inadäquates Trauma bei prädisponierenden Faktoren; habituelle Luxation.

    • Flexions- oder Extensionsbewegung.

  • Vorerkrankungen und Verletzungen: Erst- oder Rezidivluxation, pos. Familienanamnese.

Sofortdiagnostik
  • PatellaluxationDiagnostikTastbare Lücke am medialen Retinakulum.

  • Eventuell palpable Defekte des M. vastus med. obliquus oder des medialen patellofemoralen Ligaments.

  • Periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität.

DifferenzialdiagnosenPatellaluxationDDKnieprellung, Patellafraktur, Quadrizepssehnenruptur.
Maßnahmen
  • PatellaluxationMaßnahmenUnterstützung einer möglichst schmerzfreien Schonhaltung.

  • Analgesie, z. B. Tramadol 50–100 mg i. v.

  • Repositionsversuch bei persistierender Luxation, abhängig von:

    • Dauer des Transports.

    • Erfahrung des Behandelnden.

    • Weichteilschaden, Durchblutung.

    • Schmerzsituation.

  • Thrombembolieprophylaxe.

  • Klinikeinweisung zur Röntgenuntersuchung des Kniegelenks, immer bei nicht irreponiblen Luxationen.

  • Vorstellung zur Kontrolle beim HA.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Reluxation und chronische Instabilität, Knorpelschäden.

Frakturen

Leitbefunde
  • FrakturSichere Frakturzeichen: Achsenfehlstellung, abnorme Beweglichkeit, Knochenreiben (Krepitation), sichtbare Knochenenden.

  • Unsichere Frakturzeichen: Schwellung, Schmerz, Bewegungseinschränkung, Hämatom.

Krepitation nicht absichtlich auslösen: verursacht unnötige Schmerzen, Gefahr der Verletzung von Nerven und Gefäßen, erhöhtes Risiko für sympathische Reflexdystrophie.

Allgemeine Richtlinien für den Umgang mit Frakturen
  • Einrichtungsversuche bei Knochenbrüchen unterlassen.

  • Störende Kleidungsstücke mit der Verbandschere entfernen.

  • Weichteilverletzungen und offene Brüche steril abdecken.

  • I. v. Zugang legen, Schmerzstillung z. B. mit Tramadol 50–100 mg i. v. (z. B. Tramal®).

  • Prüfung von Durchblutung, Motorik und Sensibilität (distal der Fraktur).

  • Dokumentation der Befunde.

  • Ruhigstellung mit Vakuumschiene zum Transport (gehören zur Ausstattung von KTW und RTW).

Klinikeinweisung in nächste chirurgische Klinik mit RTW, bei Fraktur großer Röhrenknochen mit NAW.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Massiver Blutverlust, Weichteilschäden, Kompartmentsyndrom, Übersehen von Nerven- und Gefäßverletzungen, Sehnenverletzungen oder Verletzungen innerer Organe.
Oberarmfrakturen
Proximale Oberarmfraktur
Oberarmfraktur, proximaleSubkapitale Humerusfraktur oder isolierte Abrissfrakturen des Tuberculum majus oder minus.
Symptome
  • Oberarmfraktur, proximaleSymptomeWeichteilschwellung, Hämatom.

  • Druckschmerz.

  • Schmerzhaft eingeschränkte Beweglichkeit im Schultergelenk.

  • Mögliche Begleitverletzungen: Plexusschaden, Luxation; bei Luxationsfraktur: „leere Pfanne“.

Maßnahmen
  • Oberarmfraktur, proximaleMaßnahmenPrimäre Ruhigstellung in Desault- oder Gilchrist-Verband.

Klinikeinweisung zur weiteren Diagnostik und Therapieplanung, nur nicht dislozierte Frakturen können konservativ behandelt werden.

Oberarmschaftfraktur
Durch indirekte Gewalteinwirkung, als path. Fraktur.
Symptome
  • OberarmschaftfrakturSymptomeWeichteilschwellung, Hämatom.

  • Druckschmerz.

  • Mögliche Begleitverletzungen:

    • Schädigung des N. radialis: Fallhand, Sensibilitätsstörung am radialen Handrücken.

    • Schädigung der A. brachialis.

Maßnahmen
  • OberarmschaftfrakturMaßnahmenRuhigstellung.

  • Keine geschlossenen Repositionsversuche.

  • Klinikeinweisung.

Unterarmfrakturen
Proximale Unterarmfraktur
Meist direktes Trauma durch Sturz auf den gestreckten Arm. Olekranon und Radiusköpfchen am häufigsten betroffen.
Symptome
  • Unterarmfraktur, proximaleSymptomeSchmerzen, Schwellung, Bewegungseinschränkung.

  • Bei Fraktur des Olekranons → Streckunfähigkeit im Ellenbogengelenk.

  • Bei Fraktur des Radiusköpfchens → Einschränkung von Pro- und Supination:

    • Begleitverletzungen → Schädigung des N. ulnaris.

    • Arterienverletzung.

    • Bandverletzung.

MaßnahmenUnterarmfraktur, proximaleMaßnahmenLagerung des Unterarms in Neutralstellung.

Klinikeinweisung: Nur nicht dislozierte, stabile Frakturen können konservativ behandelt werden.

Unterarmschaftfraktur
Brüche beider oder jeweils eines Knochens des Unterarms. Meist direkte Gewalteinwirkung auf den Arm, Schlag oder Anprall bei Verkehrsunfällen, bei Kindern Sturz auf die ausgestreckte Hand.
Symptome Unterarmschaftfraktur Symptome
  • Sehr unterschiedliche Weichteilschäden möglich.

  • Fehlstellung bei instabilen Frakturen, kann bei Fraktur eines Knochens fehlen.

  • Gestörte aktive Supination und Pronation der Hand.

  • Begleitverletzungen: Luxation.

Maßnahmen
  • UnterarmschaftfrakturMaßnahmenLagerung der Extremität in Herzhöhe.

  • 90°-Beugung des Ellenbogengelenks.

  • Röntgendiagnostik inkl. Ellenbogen- und Handgelenk.

  • Operative Therapie, Ausnahme: Grünholzfrakturen bei Kindern ohne wesentliche Funktionsstörungen.

Distale Unterarmfraktur
90 % Sturz mit Streckstellung im Handgelenk, 10 % in Beugestellung.
Symptome
  • Unterarmfraktur, distaleSymptomeIndirekte Frakturzeichen:

    • Hämatom.

    • Ödem.

    • Druckschmerz.

  • Begleitverletzungen

    • Läsion des N. medianus.

    • Posttraumatisches Karpaltunnelsyndrom.

    • Fraktur von Os scaphoideum oder Os lunatum.

    • Strecksehnenverletzungen des Daumens.

Sofortdiagnostik
  • Unterarmfraktur, distaleDiagnostikTypische Unfallanamnese.

  • Inspektion:

    • Fehlstellung nach radial: Bajonett-Stellung.

    • Fehlstellung nach dorsal: Fourchette-Stellung.

  • Funktionsprüfung:

    • Unterarmdrehung.

    • Aktive und passive Beweglichkeit.

    • Fingergelenke, Handgelenke, Daumengelenke.

MaßnahmenUnterarmfraktur, distaleMaßnahmenRuhigstellung in dorsaler Schiene, z. B. Splintschiene, SAM®SPLINT.

Klinikeinweisung mit RTW.

Oberschenkelfrakturen
Hüftgelenknahe Frakturen
OberschenkelfrakturFrakturhüftgelenknahFraktur, besonders bei alten Menschen, nach Sturz auf die Hüfte. Frakturverlauf pertrochantär oder entlang des Schenkelhalses. Relevante Begleiterkrankungen: Osteoporose, rheumatische Erkrankungen, gerinnungshemmende Substanzen.
Symptome
  • Geh-und Standunfähigkeit.

  • Außenrotation und Verkürzung des betroffenen Beins.

  • Schmerzausstrahlung in die Leiste und die Knieregion.

  • Aktive Beugung und Streckung im Hüftgelenk nicht möglich.

  • Bei HüftkopffrakturenHüftkopffraktur neurologische Ausfälle im Versorgungsgebiet des N. ischiadicus.

Sofortdiagnostik
  • Typische Unfallanamnese.

  • Typische Fehlstellung.

Proximale Oberschenkelschaftfraktur
Oberschenkelschaftfraktur, proximaleFraktur bei jüngeren Menschen nach beträchtlichem Trauma, Ausnahme periprothetische Fraktur.
Symptome
  • Oberschenkelschaftfraktur, proximaleSymptomeBegleitverletzung von Gefäßen und Nerven.

  • Ausgedehnte Hämatome und bedeutsamer Blutverlust (500–2 500 ml) möglich.

SofortdiagnostikPulsstatus, Sensibilität.
Distale Oberschenkelschaftfraktur
Oberschenkelschaftfraktur, distaleDirekte Krafteinwirkung (Knieanpralltrauma bei Verkehrsunfall, Battered-Child-SyndromBattered-Child-Syndrom).
SymptomeOberschenkelschaftfraktur, distaleSymptomeBegleitverletzungen: Patellafraktur, Bandrupturen, Gefäßverletzung bei Kniegelenkluxation.
SofortdiagnostikOberschenkelschaftfraktur, distaleDiagnostikPulsstatus, Sensibilität.
Maßnahmen
  • Kontrolle der Vitalparameter.

  • Großvolumiger i. v. Zugang.

  • Schmerztherapie, z. B. Morphin 5–10 mg i. v. (cave: Atemdepression).

  • Lagerung und Transport z. B. in anmodellierter Vakuummatratze.

Klinikeinweisung mit RTW. Keine Repositionsversuche.

Unterschenkelfrakturen
Proximale Unterschenkelfaktur
Unterschenkelfaktur, proximaleVerletzung des Kniegelenks mit begleitender Tibiakopffraktur nach direktem Anpralltrauma (z. B. Stoßstange) oder nach Biegung, Stauchung, Torsion.
Symptome
  • Unterschenkelfaktur, proximaleSymptomeEingeschränkte Beweglichkeit im Kniegelenk.

  • Begleitverletzungen häufig: Verletzung des Kapsel-Band-Apparats, Hämarthros, Gefäßverletzung, Nervenverletzung (N. peronaeus), Verletzung des Hautweichteilmantels.

Maßnahmen
  • Unterschenkelfaktur, proximaleMaßnahmenAnalgesie, z. B. Morphin 5–10 mg i. v. (cave: Atemdepression).

  • Prüfen der peripheren Durchblutung.

  • Neurologischer Status (2.1.2).

Unterschenkelschaftfraktur
UnterschenkelschaftfrakturHochenergietrauma, besonders gefährdet ist die mediale Fläche der Tibia, gleichzeitige Fibulafraktur möglich.
Symptome
  • UnterschenkelschaftfrakturWeichteilschaden. Cave: Kompartmentsyndrom.

  • Häufig offene Frakturen.

  • Häufig Nerven- und Gefäßverletzungen.

Maßnahmen
  • UnterschenkelschaftfrakturMaßnahmenAnalgesie, z. B. Morphin 5–10 mg i. v. (cave: Atemdepression).

  • Prüfen der peripheren Durchblutung.

  • Neurologischer Status (2.1.2) → Erstsymptom bei Kompartmentsyndrom: Aufgehobene Sensibilität im 1. Zehenzwischenraum (N. peronaeus, sensibel).

  • Sterile Wundabdeckung bei offenen Verletzungen.

  • Grobreposition und Ruhigstellung mit Luftkammer.

  • Lagerung in Herzhöhe.

Klinikeinweisung mit RTW.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Gefährdung des Unterschenkels bei Gefäßverletzung, Kompartmentsyndrom.
Frakturen des oberen Sprunggelenks
FrakturSprunggelenkIndirekte Krafteinwirkung bei Supinations-/Pronationstrauma. Innenknöchel und/oder distale Fibula und/oder Tibiakanten betroffen.
Symptome
  • Hämatom, Druckschmerz, Deformierung des Gelenks.

  • Begleitverletzungen: Luxation, Verletzung des Bandapparats, Weichteilschaden.

Maßnahmen
  • Analgesie.

  • Bei grob dislozierten Frakturen/Luxationsfrakturen Reposition am Unfallort durch vorsichtigen Längszug.

  • Fixierte Lagerung, z. B. Luftkammerschiene.

Klinikeinweisung mit RTW zur operativen Versorgung von dislozierten oder instabilen Frakturen.

Wirbelsäulenverletzungen

WirbelsäulenverletzungenBei Polytrauma immer WS-Verletzung ausschließen (Tab. 6.2).

Kurzanamnese
  • Unfallanamnese.

  • Verkehrs-, Arbeits- oder Badeunfall.

  • Sturz aus der Höhe.

  • Suizidversuch.

  • Vorerkrankungen: Osteoporose, Morbus Bechterew.

Symptome
  • WirbelsäulenverletzungenSymptomeOft unspezifisch.

  • Kontusionsmarken.

  • Schwellungen.

  • Lokale Klopf- und Druckschmerzen.

  • Paravertebrale Muskelentspannungen.

  • Neurologische Ausfälle: Missempfindungen, Taubheitsgefühl, Lähmungen.

  • Schock durch Gefäßweitstellung.

Sofortdiagnostik

  • Patienten zur Untersuchung nicht umlagern.

  • Bei V. a. QuerschnittslähmungQuerschnittslähmung „Blitz“-Untersuchung: Faustschluss möglich → kein Querschnitt bis C8. Zehenbewegung möglich → kein Querschnitt bis L5.

  • Notfallcheck (3.3.1).

  • Neurologische Untersuchung (2.1.2) → Bewusstseinslage, neurologische Defizite.

  • Wirbelsäule abtasten (ohne den Pat. zu bewegen):

    • Dornfortsätze abtasten: Lücke, Stufe, seitliche Abweichung.

    • Muskelhartspann.

  • Hinweise auf Begleitverletzungen:

    • Schädel-Hirn-Trauma (6.1.3), Schädelprellung (6.1.4).

    • Thorax (6.1.11).

    • Abdomen (6.1.12).

    • Becken (6.1.10).

    • Extremitäten:

      • Durchblutung: Hautkolorit, Hauttemperatur und Kapillardurchblutung.

      • Motorik: Zehen, bzw. Finger gegen Widerstand bewegen lassen.

      • Sensibilität: konkrete Fragen, z. B. „Welche Zehen fasse ich an“? Nicht aber: „Spüren Sie das?“.

Maßnahmen
  • WirbelsäulenverletzungenMaßnahmenGroßlumige i. v. Zugänge, Volumensubstitution z. B. NaCl 0,9 %. Cave: wegen vermindertem Gefäßtonus auf ausreichende Volumengabe achten.

  • Analgesie z. B. mit fraktionierten Gaben von 5 mg Morphin i. v.

  • HWS mit Nackenorthese, Stifneck®, stabilisieren.

  • Schaufeltrage zum sicheren Aufnehmen.

  • Pat. auf VakuummatratzeWirbelsäulenverletzungenLagerung des Patienten lagern.

  • Kliniktransport mit Notarztbegleitung.

  • Bei notwendiger Intubation Überstreckung der HWS vermeiden, Orthese, wenn möglich.

Immer auf den Verletzten in dessen Blickrichtung zugehen, andernfalls Kopfdrehung des Pat. → Rückenmarkläsion bei instabiler Fraktur.

Klinikeinweisung sofort mit NAW (ggf. mit Hubschrauber) in Traumazentrum mit der Möglichkeit der operativen Versorgung von Wirbelsäulen- und Rückenmarksverletzungen.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Querschnittslähmung, spinaler Schock.

Beckentrauma

BeckentraumaVerletzung des vorderen und/oder hinteren Beckenrings möglich.

Sonderform: osteoporotische Beckenfraktur

  • Schon bei Bagatelltraumata.

  • Wegen der Knochenqualität seltener operative Versorgung möglich.

Symptome
  • BeckentraumaSymptomeSchmerzen über Beckenring und Hüftgelenk.

  • Leistenschmerzen bei Azetabulumfraktur.

  • Auftreten und Gehen kaum möglich.

  • Volumenmangelschock durch intra- und/oder retroperitoneale Blutungen.

Kurzanamnese
  • Direkte Gewalteinwirkung, z. B. durch Sturz aus großer Höhe, Anpralltrauma.

  • Indirektes Trauma (Dashboard Injury): Kombination mit Dashboard InjuryKnieverletzung, Oberschenkelfraktur, Hüftluxationsfraktur möglich.

Sofortdiagnostik
  • BeckentraumaDiagnostikNotfallcheck (3.3.1).

  • Inspektion: Konturveränderungen, Asymmetrie.

  • Begleitverletzungen:

    • Verletzung des rektalen Plexus.

    • Harnröhrenverletzung:

      • Spontanmiktion nicht möglich.

      • Hämatom in Skrotum oder Vulva.

      • Blutung aus der Harnröhre.

    • Enddarm-, Scheidenverletzung → Blutaustritt.

    • Knieverletzung bei Dashboard Injury.

  • Beckenkompressionsschmerz, eingeschränkte Beweglichkeit von Hüfte bzw. Hüftgelenk.

  • Der Volumenverlust bei Beckentrauma kann bis zu 5l betragen und wird präklinisch meist unterschätzt.

  • Harnröhrenverletzung bei BeckentraumaHarnröhren-/Blasenverletzung bei BeckentraumaBlasenverletzungen und Darmperforationen sind typische Begleitverletzungen. Cave: keine präklinische Anlage eines Blasenkatheters.

  • Bewegungen des instabilen Beckens können weiteren Blutverlust bewirken.

Maßnahmen
  • BeckentraumaMaßnahmenGroßlumige i. v. Zugänge, Volumensubstitution (z. B. Ringer-Acetat).

  • O2-Gabe.

  • Analgesie, z. B. mit fraktionierten Gaben von 5 mg Morphin i. v.

  • Kliniktransport mit Notarztbegleitung.

  • Instabiles Beckens durch Tuch oder Beckengurt fixieren.

  • Offene Wunden steril abdecken.

Klinikeinweisung sofort mit NAW in nächste chirurgische Klinik.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Volumenmangelschock.

Thoraxtrauma

Thoraxtrauma, stumpfesStumpfes Trauma (z. B. Verkehrsunfall, Misshandlung, Einklemmung oder Verschüttung, Sturz) oder perforierendes Trauma (z. B. Stich-, Schuss-, Pfählungsverletzung).
Symptome
  • Thoraxtrauma, stumpfesSymptomeThorakale Schmerzen, retrosternale Schmerzen, Heiserkeit (MediastinalemphysemMediastinalemphysem).

  • Angst, Vernichtungsgefühl, motorische Unruhe.

  • Dyspnoe, Tachypnoe (Pneumothorax, 4.6.11).

KurzanamneseUnfallhergang → zusätzliche Informationen über mögliche weitere Verletzungen.
Sofortdiagnostik
  • Thoraxtrauma, stumpfesDiagnostikNotfallcheck (3.3.1).

  • InspektionThoraxtrauma, stumpfesInspektion:

    • Atemfrequenz.

    • Atembeweglichkeit.

      • „Nachhinken“ der betroffenen Seite (Hämato- oder Pneumothorax).

      • Paradoxe Atmung (instabiler Thorax).

    • Prellmarken, Hämatome, Wunden.

    • Petechiale Blutungen im Hals- und Kopfbereich (durch venöse Fortleitung der intrathorakalen Drucksteigerung).

    • Halsvenenstauung (Spannungspneumothorax, 4.6.11).

    • Hautemphysem (Rippenfraktur).

    • Hämoptoe.

  • AuskultationThoraxtrauma, stumpfesAuskultation:

    • abgeschwächtes Atemgeräusch.

    • Rhythmusstörungen (Herzkontusion), abgeschwächte Herzgeräusche (Herztamponade).

  • Perkussion: Klopfschall hypersonor (Pneumothorax, 4.6.11) oder gedämpft (Hämatothorax).

  • PalpationThoraxtrauma, stumpfesPalpation:

    • Thoraxkompressionsschmerz (Fraktur), Krepitation von Rippenfragmenten, Stufenbildung über Brustbein und Rippen (Fraktur).

    • Hautknistern (Hautemphysem).

    • Bauchdeckenspannung (Zwerchfellruptur).

    • Keine inguinalen Pulse bei messbarem Blutdruck an den Armen (Aortenruptur).

Maßnahmen

Thoraxtrauma, stumpfesMaßnahmenBei SpannungspneumothoraxSpannungspneumothorax (Tachykardie, fehlendes Atemgeräusch, hypersonorer Klopfschall, gestaute Halsvenen, Schock): Lebensgefahr → sofortige Entlastungspunktion (2.7.2).

  • Großlumige i. v. Zugänge, Volumensubstitution (z. B. NaCl 0,9 %).

  • O2-Gabe.

  • Bei respiratorischer Insuffizienz Intubation und Beatmung (3.4).

  • Analgesie, z. B. mit fraktionierten Gaben von 5 mg Morphin i. v.

  • Kliniktransport mit Notarztbegleitung.

  • Offene Wunden steril abdecken.

  • Lagerung (3.2.2) auf verletzter Seite. Bei Atemnot Oberkörperhochlagerung, bei Schock Schocklagerung.

Fremdkörper immer belassen!

Klinikeinweisung mit NAW in die nächste chirurgische Abteilung.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

An extrathorakale Begleitverletzungen denken: Bauchtrauma, Milzruptur.

Bauchtrauma

Bauchtrauma, stumpfesStumpfes Trauma (z. B. Verkehrsunfall, Misshandlung, Einklemmung oder Verschüttung, Sturz) oder perforierendes Trauma (z. B. Stich-, Schuss-, Pfählungsverletzung).
Symptome
  • Bauchtrauma, stumpfesSymptomeGeringe bis stärkste Schmerzen im Bauchraum, evtl. Ausstrahlung in die Schulter (Phrenikusreiz).

  • Volumenmangelschock (intraabdominale Blutung).

  • Schmerzbedingte Schonatmung.

KurzanamneseUnfallhergang.
Sofortdiagnostik
  • Bauchtrauma, stumpfesDiagnostikNotfallcheck (3.3.1), Kreislaufkontrolle (Puls, RR) wiederholen, um frühzeitig Hinweis auf innere Blutung zu bekommen.

  • Inspektion: Prellmarken, Hämatome, Schürfwunden?

  • Palpation: Abwehrspannung → V. a. Perforation, Flankendämpfung → V. a. intraabdominelle Blutung.

Maßnahmen
  • Bauchtrauma, stumpfesMaßnahmenGroßlumige i. v. Zugänge, Volumensubstitution (z. B. NaCl 0,9 %).

  • O2-Gabe.

  • Analgesie, z. B. mit fraktionierten Gaben von 5–10 mg Morphin i. v.

  • Eventuell Sedierung mit fraktionierter Gabe von 1 mg Midazolam.

  • Kliniktransport mit Notarztbegleitung.

  • Offene Wunden steril abdecken, bei austretenden Darmschlingen Abdeckung anfeuchten.

  • Beinbeugung zur Bauchdeckenentlastung.

  • Fremdkörper belassen.

Knierolle mit Beinbeugung zur Bauchdeckenentspannung.

Klinikeinweisung immer mit NAW in nächste chirurgische Klinik.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Abdominale Organverletzungen (Darm, Leber, Pankreas) übersehen.

Amputationsverletzungen und Gefäßverletzungen

Amputationsverletzungen
AmputationsverletzungTraumatische Abtrennung einer Gliedmaße, bei der totalen Amputation besteht keine direkte Verbindung zum Körper mehr, bei subtotaler Amputation ist eine (kleine) evtl. durchblutete Hautbrücke vorhanden.

Bei subtotalen Amputationen Haut- und/oder Gewebebrücken nicht durchtrennen.

Maßnahmen
  • AmputationsverletzungMaßnahmenNotfallcheck (3.3.1).

  • Großlumige i. v. Zugänge, Volumensubstitution z. B. Ringer-Laktat.

  • O2-Gabe.

  • Analgesie, z. B. mit fraktionierten Gaben von 5 mg Morphin i. v.

  • Offene Wunden steril abdecken.

  • Arterielle Blutungen mit Druckverband versorgen (2.11.2).

  • Kliniktransport mit Notarztbegleitung.

  • Keine Gefäßklemmen, kein Tourniquet. Blutstillung durch Druckverband.

  • Keine Reinigung und Desinfektion.

Amputat Amputatversorgungsuchen oder suchen lassen.

  • Amputat sicherstellen:

    • Amputat in sauberen Plastikbeutel verpacken und diesen verschließen (Abb. 6.2).

    • Diesen Beutel (Innenbeutel) in einen zweiten (Außenbeutel) geben.

    • Kaltes Wasser und kleine Eisstückchen in den Außenbeutel füllen und verschließen.

    • Cave: kein direkter Kontakt zwischen Amputat und Eis.

Klinikeinweisung nach Voranmeldung mit NAW bzw. Hubschrauber in geeignetes Replantationszentrum.

Notamputation ist die absolute Ultima Ratio (z. B. im Fall eingeklemmter Gliedmaßen). Technische Rettung hat Vorzug.

Gefäßverletzungen
GefäßverletzungSchnitt-, Stich- oder Schussverletzung durch direkte Gewalteinwirkung, bei offener Fraktur.
Symptome
  • GefäßverletzungSymptomeSpritzende Blutung bei Arterienverletzungen.

  • Kontinuierliche Blutung bei Venenverletzungen.

Kurzanamnese
  • Verletzungsmechanismus.

  • Medikamente zur Gerinnungshemmung.

Maßnahmen
  • GefäßverletzungMaßnahmenNotfallcheck (3.3.1).

  • Pulsstatus und Kapillarfüllung.

  • Großlumige i. v. Zugänge (bevorzugt auf der nicht betroffenen Seite), Volumensubstitution (z. B. Ringer-Laktat).

  • O2-Gabe.

  • Digitale Kompression:

    • A. axillaris in der Achselhöhle.

    • A. brachialis auf der Innenseite des Oberarms in der Lücke unterhalb des Bizeps.

    • A. femoralis in der Leistenbeuge.

  • Druckverband (Abb. 6.3 und 2.11.2) mit Kompressen, ggf. RR-Manschette proximal der Verletzung anlegen und aufpumpen, keine Klemmen verwenden.

  • Blutsperre nur als Ultima Ratio, wenn anders keine Blutstillung gelingt.

  • Kliniktransport mit Notarztbegleitung.

Thermische Notfälle

Verbrennungen
Sofortdiagnostik
  • VerbrennungenVerbrennungenDiagnostikNotfallcheck (3.3.1).

  • Ausdehnung der Verbrennung grob abschätzen: Verbrennungsgrad (Tab. 6.3), verbrannte Körperoberfläche (Abb. 6.4).

  • Thermisches Inhalationstrauma oder Reizgasinhalation:

    • Lippen und Nasenlöcher verbrannt?

    • Ruß im Rachenraum?

    • Atemnot, Stridor?

    • Schleimhautödem?

    • Verlegung der Atemwege?

    • Retrosternale Schmerzen?

  • Starkstromverletzung → Strommarken (6.1.15).

  • Begleitverletzungen erfassen.

Maßnahmen
  • VerbrennungenMaßnahmenRettung aus der Gefahrenzone.

  • Notfallcheck (3.3.1).

  • Mehrere großlumige i. v. Zugänge (Unterarme, V. jugularis, Fußvenen), Volumensubstitution (z. B. Ringer-Laktat).

  • O2-Gabe.

  • Kühlung mit kühlem, sauberem VerbrennungenMaßnahmenLeitungswasser. Cave: Auskühlung und Zeitverlust.

  • Verletzte Körperregion entkleiden, festklebende Kleidung belassen.

  • Schmerzbekämpfung mit Morphin 5–10 mg i. v. (cave: Atemdepression). Schmerz und Angst erhöhen durch vegetative Dysregulation die Schockgefahr, deshalb frühzeitige adäquate Analgosedierung.

  • Sterile oder saubere Abdeckung.

  • Symptomatisch β-Mimetikum inhalativ.

  • Nur bei Verbrennungen Grad I: Silbersulfadiazin-Creme (Flammazine®).

  • Tetanusschutz prüfen (2.9.4).

Klinikeinweisung

  • Gesunde Erwachsene bei tiefen Verbrennungen 2. Grades und ≥ 10 % KOF.

  • Rauch-und Reizgasinhalation. Cave: Spätlungenödem.

Transport in ein Schwerverbranntenzentrum

Erstversorgung in jeder chirurgischen Klinik möglich. Lange Transportzeiten vermeiden.
  • Pat. mit > 15 % zweitgradig verbrannter Körperoberfläche.

  • Pat. mit > 10 % drittgradig verbrannter Körperoberfläche.

  • Beteiligung von Gesicht/Hals, Händen, Füßen, Anogenitalregion, Achselhöhlen, Bereichen über großen Gelenken.

  • Bei relevanten Begleitverletzungen.

  • Chronisch Kranke.

  • Kinder und alte Menschen.

  • Stromunfälle.

  • Inhalationstrauma.

Vorstellung

Beim HA oder Chirurgen am nächsten Tag bei kleineren Verbrennungen I. und II. Grades.
Erfrierungen, Unterkühlung

Akute Lebensgefahr bei Körpertemperaturen ≤ 30 °C (drohendes Kammerflimmern).

  • ErfrierungErfrierung: Schwere lokale Gewebsschädigung meist an den Akren (Zehen, Finger, Nase, Ohren).

  • UnterkühlungHypothermieHypothermie: Absinken der Körpertemperatur ≤ ca. 35 °C.

SymptomeTab. 6.4. ErfrierungSymptome
KurzanamneseTab. 6.5.
  • Ursache der Kälteexposition.

  • Verstärkende Faktoren:

    • Wind, Wasser, Feuchtigkeit.

    • Medikamenten-, Drogen oder Alkoholintoxikation (Vasodilatation).

    • Periphere Mangeldurchblutung (pAVK).

  • Immobilisation aufgrund von Bewusstlosigkeit.

  • Kachexie, höheres Lebensalter.

SofortdiagnostikHypothermieDiagnostikErfrierungDiagnostik
  • Notfallcheck (3.3.1).

  • Körperkerntemperatur.

  • Neurologische Zusatzuntersuchung (2.1.2).

  • BZ-Kontrolle.

Maßnahmen
  • HypothermieMaßnahmenErfrierungMaßnahmenTransport in wind- und wettergeschützten Raum.

  • Immobilisation: aktive und passive Bewegung des Pat. vermeiden.

  • Schutz vor weiterer Abkühlung durch passive Erwärmung → nasse, einschnürende Kleidung aufschneiden, Pat. in Rettungsdecke wickeln (Silberseite zum Körper).

  • I. v. Zugang, Infusion (z. B. NaCl 0,9 % mit minimaler Tropfgeschwindigkeit).

  • O2-Gabe.

  • Gegebenenfalls Analgesie, z. B. Morphin 5 mg i. v.

  • Gegebenenfalls Intubation und Beatmung (3.4).

  • Bei Übergang von Bradykardie in Kammerflimmern oder Asystolie → präkordialer Faustschlag und CPR (3.4).

  • Betroffene Akren steril abdecken und polstern, keine Klebestreifen verwenden.

Cave: keine aktive Erwärmung außerhalb der Klinik.

Klinikeinweisung:

Ab Hypothermie Stadium 2 in die nächste Klinik mit Möglichkeit zur extrakorporalen Zirkulation oder Einrichtung zur Brandverletztenversorgung.

Verätzungen
  • VerätzungenSäuren: Koagulationsnekrose: trockener, fester, oberflächlicher Schorf.

  • Laugen: KolliquationsnekroseKolliquationsnekrose: tiefer gehende Schädigung mit diffuser Ausbreitung, weicher, weißlicher Schorf.

Die Erstversorgung von Säuren- und Laugenverätzungen erfolgt grundsätzlich gleich im Sinne der Behandlung einer „chemischen Verbrennung“.

Symptome
  • VerätzungenSymptomeSäureverätzung: Verfärbung bzw. Verschorfung, sehr starke, brennende oder stechende Schmerzen.

  • Laugenverätzung: unscharf begrenzte, gelatineartige, weich gequollene Nekrosen, eher dumpfe oder in der Tiefe bohrende Schmerzen.

  • FlusssäureVerätzungenFlusssäureSonderfall „Flusssäure“ (Fluorwasserstoffsäure): starkes Kontaktgift mit hohem Penetrationsvermögen, schwere systemische Vergiftungserscheinungen durch Bindung des körpereigenen Kalziums und Magnesiums → Hypokalziämie, Hyperkaliämie, Hypomagnesiämie, HRST.

Kurzanamnese
  • Unfallhergang: akzidentelles Ereignis, suizidale Handlung.

  • Zeitpunkt.

  • Substanz: Art, Menge, Konzentration.

Eigenschutz

  • Handschuhe und ggf. Schutzbrille tragen. Kontamination vermeiden.

  • Bei Fluorwasserstoffsäure flusssäurefeste Handschuhe verwenden.

  • Keine Mund-zu-Mund-Beatmung.

Sofortdiagnostik
  • VerätzungenDiagnostikNotfallcheck (3.3.1).

  • Inspektion (Tab. 6.6):

    • Abschätzung der Ausdehnung in % der KOF (wie Neuner-Regel Abb. 6.4).

    • Rötung, Blutung, Schorfbildung.

    • Typische Verfärbung: Salzsäure → weißliche Beläge; Schwefelsäure → bräunlich schwarze Beläge, Salpetersäure → gelbliche Beläge.

  • Hinweise auf Ingestion: Verätzungen an Lippen und im Mund.

  • Inhalationstrauma.

  • Hinweise auf systemische Störungen: Erbrechen, Schwindel, Bewusstseinsstörungen.

Maßnahmen
  • VerätzungenMaßnahmenDekontamination: Entfernung betroffener Kleidung, intensiv spülen (Wasser, Infusionslösung) über min. 15 Min. Bei Ingestion Mund ausgiebig mit Wasser spülen und gurgeln. Augenspülung mit NaCl 0,9 % oder z. B. Plum® Augenspüllösung.

  • Notfallcheck (3.3.1).

  • I. v. Zugang, Infusion (z. B. NaCl 0,9 %).

  • O2-Gabe.

  • Gegebenenfalls Analgesie z. B. Morphin 5 mg i. v.

  • Gegebenenfalls Sedierung mit Diazepam 5 mg i. v.

  • Verdächtige Behältnisse evtl. eingenommener Substanzen asservieren.

  • Keine lokale Therapie, keine „Neutralisationsversuche“ im Rahmen der Erstversorgung.

  • Bei bewusstseinsgetrübtem Pat. Aspirationsgefahr beachten – evtl. Intubation, wenn Ausrüstung und Erfahrung vorhanden.

  • Bei Ingestion nicht viel trinken lassen (Risiko: Auslösung von Erbrechen): Kinder höchstens 100 ml, Erwachsene 200 ml.

Klinikeinweisung:

  • Immer Transport in chirurgische Klinik; bei Augenbeteiligung immer in die Augenklinik.

  • Voranmeldung, damit im Vorfeld Informationen z. B. über die Vergiftungszentrale eingeholt werden können.

  • Kein Erbrechen auslösen.

  • Keine Magensonde.

  • Kein Neutralisationsversuch.

Stromunfall

StromunfallThermisches und nichtthermisches Trauma.
SymptomeStromunfallSymptome
  • Strommarken (Verbrennungen an den Ein- und Austrittsstellen).

  • Mangelnde Orientierung bis Bewusstlosigkeit.

  • Tetanische Muskelkontraktionen.

  • Krampfanfälle.

  • Arrhythmien bis zum Kammerflimmern.

  • Kreislaufstillstand.

Kurzanamnese
  • Unfallhergang: Zeitpunkt, Spannung, Stromstärke, Stromtyp, Dauer der Einwirkung, Sturzereignis, Arbeitsunfall, suizidale Handlung.

  • Vorerkrankungen: kardiale Erkrankungen, SM-/AICD-Träger.

Sofortdiagnostik
  • StromunfallDiagnostikNotfallcheck (3.3.1).

  • Begleitverletzungen durch Sturz oder Muskelkontraktion: Luxation, Fraktur, Muskel-/Weichteilschaden.

  • Ausdehnung der inneren Schäden anhand der äußeren Strommarke nicht abschätzbar.

  • Arrhythmien können erst Stunden nach dem Elektrounfall auftreten.

Maßnahmen

Erstmaßnahmen

  • Strom StromunfallMaßnahmenabschalten: Entfernen der Sicherung, Abschalten des Geräts, Ziehen des Netzsteckers.

  • Bei Hochspannung: Abschalten nur durch Fachpersonal.

  • Isolieren des Verunfallten, Bewegen mit Holzlatte, Besenstil.

  • Auf isolierenden Standort achten, z. B. Gummiplatte, Holzbrett. Cave: kein Patientenkontakt mit bloßen Händen (Gummihandschuhe, trockene Tücher um die Hände wickeln).

  • I. v. Zugang, Infusion (z. B. NaCl 0,9 %).

  • O2-Gabe.

  • Gegebenenfalls Analgesie z. B. Morphin 2–5 mg i. v.

  • Gegebenenfalls Sedierung mit Midazolam 1 mg fraktioniert i. v.

  • Gegebenenfalls Kardiokompression, Intubation und Beatmung (3.4).

  • Sterile Abdeckung der Strommarken.

  • Bei Stürzen Transport mit Halsorthese und Vakuummatratze.

Klinikeinweisung immer zur Beobachtung.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Plötzliche Arrhythmien. Ausgedehnte innere Verletzungen.

Gewalt

Stefanie Merse
Gewalt und sexualisierte Gewalt kann in allen Schichten, Kulturen und Nationalitäten und unabhänging vom Bildungsstand auftreten. Opfer finden sich in jedem Lebensalter, vom Säugling bis zum Greis.

Kindesmisshandlung

Symptome
  • MissbrauchKinderKindesmisshandlungKindesmisshandlungSymptomeHämatome und Frakturen unterschiedlichen Alters, Striemen, handförmige Hämatome, Verletzungen im Genitalbereich.

  • Überfürsorgliches, misstrauisches, kontrollierendes Verhalten der Eltern/Betreuer.

  • Kind verhält sich bei der Untersuchung auffällig starr, wie ausgeliefert oder unnahbar bis panisch.

  • Eventuell allgemeine Verwahrlosung.

Bei Säuglingen:
  • Kindesmisshandlungbei SäuglingenMultiple Hämatome (z. B. Kalottenhämatome), evtl. verschiedenen Alters, Frakturen.

  • Kind nicht erweckbar oder krampfend: Hirnödem oder Subarachnoidalblutung (4.5.8) nach Schütteln des Säuglings.

  • Verbrennungen, Verbrühungen (6.1.14).

Kurzanamnese

Versuchen, mit dem Kind allein zu sprechen.

  • Vorgeschoben werden von den Verantwortlichen oft Unfallmechanismen, z. B. Sturz vom Wickeltisch, Treppensturz, Sturz beim Klettern.

  • Auffällige Zeitverzögerung zwischen angeblichem Unfallereignis und Vorstellung beim Arzt.

  • Nachgeschobene oder unplausible Erklärungen bei Besprechung der Befunde.

Differenzialdiagnose„Echte“ Unfälle.
Maßnahmen
  • KindesmisshandlungMaßnahmenVorsichtige, aber eindeutige Zuwendung zum Kind, Grenzen wahren, ernst nehmen, Vertrauen aufbauen.

  • Gründliche Ganzkörperuntersuchung, einschl. Windel- und Genitalbereich.

  • Sorgfältige Dokumentation des Alters der Verletzungen, Verletzungsmuster.

  • Eventuell Ausschluss eines SHT (6.1.3).

  • Im Bereitschaftsdienst Konfrontation mit Eltern/Begleitpersonen vermeiden.

  • Bei Verdacht Jugendamt verständigen. Arzt hat Garantenstellung (Übernahme von Schutzpflichten bei Behandlungsübernahme).

  • Klinikeinweisung aus medizinischen oder sozialen Gründen, um das Kind aus dem Gefahrenbereich zu entfernen, telefonische Ankündigung/Rücksprache mit Krankenhausarzt.

  • Vorstellung beim HA/Kinderarzt am nächsten Werktag, auch hier telefonische Ankündigung/Rücksprache.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Fortsetzung der Misshandlung, SHT, innere Blutungen, Zerstörung der Familienstruktur (auch bei falscher Verdächtigung).

Sexueller Missbrauch

Sexueller MissbrauchMissbrauchsexuellerSexuelle Handlungen, die nicht im gegenseitigen Einverständnis (unter Erwachsenen) geschehen, sind sexuelle Gewalt, sexueller Missbrauch, Übergriff oder Ausbeutung. Das Erfahren sexueller Gewalt reicht von verbaler, psychischer und physischer Gewalt und ist mit dem Gefühl der Demütigung, Entwürdigung und Hilflosigkeit verbunden. Die Altersspanne der Opfer reicht von 0 bis 100 Jahren. Weltweit werden etwa 33 % aller Frauen und ca. 3 % der Männer in ihrem Leben mindestens einmal vergewaltigt oder zum Sex gezwungen.
Wenn der Bereitschaftsdienst zu einem Delikt wie Vergewaltigung oder sexueller Nötigung hinzugezogen wird, ist behutsames Vorgehen gefordert:
  • Die Glaubwürdigkeit der Patienten ist auf keinen Fall infrage zu stellen.

  • Weibliche Opfer allein ansprechen, ohne Beisein des Partners.

Vergewaltigung
SymptomeVergewaltigungVergewaltigungSymptomeNotzuchtdeliktMeist starke Angst und Erregtheit des Opfers.
KurzanamneseBehutsame Exploration des Tathergangs (Abb. 6.5)
SofortdiagnostikWürgemale am Hals:
  • Bewusstlosigkeit.

  • Petechiale Einblutungen in Konjuktiven und Mundschleimhäuten (Abb. 6.6).

  • Lebensgefährliche Weichteilverletzung → HNO-Klinik.

MaßnahmenPatientin in unverändertem Zustand sofort in die Gynäkologie einweisen:
  • Abklärung von Verletzungen.

  • Risiko von Infektionserkrankungen.

  • Risiko einer Schwangerschaft („Pille danach“ 13.3).

  • Spurensicherung.

  • Klinikeinweisung sofort in gynäkologische Ambulanz, vorher nicht waschen und Kleidung nicht wechseln (Spurensicherung).

  • Tipp: komplette Wechselwäsche mitnehmen, da die Kleidung zur Spurensicherung verbleibt.

  • Adresse einer Beratungsstelle mitgeben.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

  • Posttraumatische Belastungsstörung.

  • Infektion mit Hepatitis, HIV, Lues u. a. sexuell übertragbaren Erkrankungen.

Fortgesetzter sexueller Missbrauch
Symptome
  • Missbrauch, chronischer sexuellerMissbrauch, chronischer sexuellerSymptomeSchmerz im Bereich von Scheide oder Anus, Risse oder Kratzwunden, Infektionen (chron. Harnwegsinfekte), Libidoverlust.

  • Sozialer Rückzug, Leistungsknick, Schulverweigerung, Essstörungen, auffällige Verhaltensänderungen.

  • Schlafstörungen, Albträume, unlokalisierte Bauchschmerzen.

  • Hämatome oder Griffmarken wie bei Kindesmisshandlung.

  • Isolierung, Abbruch von sozialen Kontakten, Ausgangssperre durch den Täter.

Kurzanamnese
  • Unvoreingenommen nach Verletzungen und Gewalterfahrungen fragen und nicht werten.

  • Schwierig, da Täter und/oder Mitwisser häufig mit im Raum sind. Oft ist die Missbrauchsbeziehung die einzige feste Beziehung überhaupt.

  • Niemals Kontakt mit dem Täter aufnehmen und diesen mit dem Verdacht konfrontieren.

Sofortdiagnostik
  • Missbrauch, chronischer sexuellerDiagnostikGanzkörperuntersuchung.

  • Pat. verhält sich bei der Untersuchung oft auffällig starr, wie ausgeliefert oder panisch.

  • Eventuell allgemein verwahrloster Zustand.

DifferenzialdiagnosenSonstige Misshandlung, fehlende soziale Beziehungen, auch innerhalb der Familie.
Maßnahmen
  • Missbrauch, chronischer sexuellerMaßnahmenHandelt es sich um Kind/Jugendlichen:

    • Meldung beim Jugendamt.

    • Arzt hat Garantenstellung (Übernahme von Schutzpflichten bei Behandlungsübernahme).

  • Handelt es sich um Erwachsene:

    • Nur diese können selbst die Polizei einschalten.

    • Ausnahme: lebensgefährliche Verletzungen und Einwilligungsunfähigkeit.

  • Wundverbände bieten einen temporären symbolischen Schutz.

  • Klinikeinweisung aus medizinischen oder sozialen Gründen, um das Opfer aus dem Gefahrenbereich zu entfernen, telefonische Ankündigung/Rücksprache mit Krankenhausarzt.

  • Frauenhaus.

  • Vorstellung beim HA am nächsten Werktag, auch hier telefonische Ankündigung/Rücksprache.

Tipp

Sind weitere Kinder/eigene Kinder gefährdet und müssen ggf. auch untergebracht werden?

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Fortsetzung des Missbrauchs.

Seniorenmisshandlung

SeniorenmisshandlungMisshandlung von SeniorenVerbale und psychische Gewalt und Isolation sind häufig.
Symptome
  • SeniorenmisshandlungSymptomeHämatome und Knochenbrüche, z. B. Strangulationshämatome nach Festbinden an Bett oder Sessel.

  • Kachexie und Exsikkose → Verwirrtheit (4.10.13).

  • Ungepflegte Nägel an Händen und Füßen, unbehandelte Entzündungen, Dekubitus.

  • Somnolenz durch Medikamentenüberdosierung.

  • Liegen in Exkrementen.

Kurzanamnese
  • Versuchen, Pat. zu sichtbaren Hämatomen allein zu befragen (Pat. wird aus Scham eher verharmlosen).

  • Detaillierte Fragen nach Schlägen, Misshandlungen etc.

Sofortdiagnostik
  • SeniorenmisshandlungDiagnostikGründliche Ganzkörperuntersuchung einschl. des Windelbereichs: Hämatome, vernachlässigte Wunden, Dekubitus.

  • Sorgfältige Dokumentation der Untersuchungsbefunde.

DifferenzialdiagnoseAuch falsche Anschuldigungen möglich.
MaßnahmenSeniorenmisshandlungMaßnahmenRücksprache mit HA.

  • Klinikeinweisung bei schweren Konflikten auch aus sozialer Indikation.

  • Vorstellung beim HA in die Wege leiten (telefonische Rücksprache).

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Fortsetzung der Misshandlungen.

Gewalt im Bereitschaftsdienst

Gabriele Fobbe
Gewaltopfer
Gewaltim BereitschaftsdienstBei der Untersuchung und Behandlung von Gewaltopfern ist eine besonders sensible und empathische Gesprächsführung erforderlich. Die Untersuchung sollte möglichst allein oder im Beisein einer Vertrauensperson stattfinden.
Kurzanamnese
  • „Kann es sein, dass Sie Gewalt erlebt haben?“

  • „Kann es sein, dass man Ihre Grenzen überschritten hat?“

  • „Ist Ihnen dies zum ersten Mal widerfahren?“

  • „Sind weitere Personen (z. B. Geschwister, eigene Kinder etc.) ebenfalls betroffen?“

Sofortdiagnostik
  • Gründliche Ganzkörperuntersuchung.

  • Sorgfältige Dokumentation der Untersuchungsbefunde.

Eigenschutz im Bereitschaftsdienst

Gabriele Fobbe
Bei Hausbesuchen während des Bereitschaftsdienstes besteht die Gefahr, mit aggressivem Verhalten von Patienten und Angehörigen konfrontiert zu werden. Aggressive Vorfälle können in Form von Beschimpfungen, Bedrohungen, Sachbeschädigungen, körperlicher und sexualisierter Gewalt auftreten.

Risikofaktoren für gewalttätiges Verhalten

  • Alkohol, Drogen.

  • Psychische Erkrankungen.

  • Emotionale Ausnahmesituation: Angst, Trauer, Verzweiflung.

Maßnahmen zum Eigenschutz
  • Gegebenenfalls 2. Person als Begleitung.

  • Taschenlampe, Handy griffbereit.

  • Professionelles Auftreten.

  • Hunde einsperren lassen.

  • Dem eigenen Gefühl vertrauen, die Situation verlassen bei Gefühl von Unsicherheit und Angst.

Hinweise auf Eskalation

  • Drohungen, Beschimpfungen.

  • Mit dem Finger zeigen, Anstarren.

  • Psychomotorische Unruhe.

  • Gewalt gegen Objekte (z. B. Schlagen von Türen).

Deeskalierende Maßnahmen
  • Freundliches, korrektes und bestimmtes Auftreten.

  • Erlaubnis zum Betreten der Wohnung und zu den einzelnen Untersuchungsschritten erfragen.

  • Pat. mit Namen ansprechen.

  • Abstand zu aggressiven Patienten oder Angehörigen halten.

  • Keine Grundsatzdiskussionen führen.

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