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B978-3-437-22422-5.00010-5

10.1016/B978-3-437-22422-5.00010-5

978-3-437-22422-5

LeFort-Frakturen LeFort-FrakturFrakturLeFort-

[A300–157]

Hippokrates-Handgriff Hippokrates-Handgriff

[A300–106]

Achterligatur AchterligaturZahnblutungAchterligatur bei

[A300–106]

Differenzialdiagnose Kiefer- und Mittelgesichtsfrakturen

Tab. 10.1
Lokalisation, Unfallhergang Typische Befunde
Jochbein-/Jochbogenfraktur: Schlag ins Gesicht, z. B. Fausthieb Eindellung der lateralen Gesichtsprominenz, Enophthalmus
Isolierte Orbitabodenfraktur: Unfall mit Blow-out-Mechanismus, z. B. Aufprall durch Tennisball Bewegungseinschränkung des Bulbus nach oben, Ex-Enophthalmus, Luftemphysem. Nasenbluten obligat!

Abszesse und Phlegmonen ZahnAbszesseTemporalödemTemporalabszessSubmandibularabszessRetromaxillarabszessPhlegmone, zervikalePerimandibularabszessParapharyngealabszessMundbodenphlegmoneKieferklemmebei AbszessZungengrundabszess

Tab. 10.2
Lokalisation Symptome (immer: Fluktuation!)
Retromaxillarabszess Vorwölbung,Palpationsschmerz des Tuber maxillae. Eventuell Schläfenödem über dem Jochbogen, Kieferklemme.
Temporalabszess Schwellung über dem Jochbogen.
Sublingualabszess Schwellung, Rötung, Beläge des Mundbodens, Zungenbewegungen schmerzhaft, Schluckbeschwerden.
Zungengrundabszess Schwellung, Rötung, Bewegungseinschränkung der Zunge, kloßige Sprache, verm. Speichelfluss. evtl. Luftnot.
Sub-/Perimandibularabszess Schwellung submandibulär, Druckschmerz, evtl. Kieferklemme, Schluckbeschwerden, LK-Schwellung.
Parapharyngealabszess Schwellung vorderer Gaumenbogen, Schmerzprojektion Ohr, Schluckstörung, evtl. Luftnot, Temporalödem, hohes Fieber. Kieferklemme.
Mundbodenphlegmone/zervikale Phlegmone Schwellung Zunge und Mundboden, Kieferklemme, Glottisödem. Schluckbeschwerden, Luftnot, hohes Fieber, reduzierter AZ. Eventuell Schocksymptomatik.

Zahnärztliche und gesichtschirurgische Notfälle

Martina Heßbrügge

  • 10.1

    Kiefer- und Mittelgesichtsfrakturen und Kiefergelenkluxationen320

    • 10.1.1

      Jochbein-, Jochbogenfraktur, isolierte Orbitabodenfraktur320

    • 10.1.2

      Zentrale und zentrolaterale Mittelgesichtsfraktur321

    • 10.1.3

      Fraktur des Unterkiefers322

    • 10.1.4

      Kiefergelenkluxation322

  • 10.2

    Zahnschmerzen323

    • 10.2.1

      Karies/Pulpitis323

    • 10.2.2

      Hypersensible Zähne/Zahnhälse323

    • 10.2.3

      Parodontitis apicalis324

    • 10.2.4

      Dentitio difficilis324

  • 10.3

    Zahntrauma, dentales Trauma325

    • 10.3.1

      Zahnfraktur325

    • 10.3.2

      Zahndislokation325

    • 10.3.3

      Zahnavulsion, Zahnverlust326

    • 10.3.4

      Contusio dentis/Zahnüberbelastung326

  • 10.4

    Komplikationen nach zahnärztlicher Behandlung326

    • 10.4.1

      Blutung326

    • 10.4.2

      Schmerzen nach Zahnextraktion327

  • 10.5

    Aphthen und Prothesendruckstellen328

    • 10.5.1

      Aphthen328

    • 10.5.2

      Prothesendruckstellen328

  • 10.6

    Abszesse und Phlegmonen328

Kiefer- und Mittelgesichtsfrakturen und Kiefergelenkluxationen

Jochbein-, Jochbogenfraktur, isolierte Orbitabodenfraktur

Allgemeine Symptome
  • OrbitabodenfrakturJochbogenfrakturFrakturJochbein/JochbogenMassive Schwellung der Augenlider, MonokelhämatomMonokelhämatom, Blutung unter der Bindehaut.

  • Hyp-/Anästhesie der Wangenhaut (N. infraorbitalis).

  • Bulbustiefstand mit Diplopie, Visusverschlechterung.

  • Druckschmerzhafte Stufenbildung des (lateralen und inferioren) Orbitarands.

  • Bei Kindern Einklemmung M. rectus inf. mit Trapdoor-Mechanismus und White Eye.

Sofortdiagnostik
  • OrbitabodenfrakturDiagnostikJochbogenfrakturDiagnostikNotfallcheck (3.3.1), ggf. Basisuntersuchung (2.1.1), Kreislaufkontrolle (Puls, RR).

  • Inspektion: Ex-/Enophthalmus, Wunden, Prellmarken, Asymmetrie.

  • Palpation: knöcherne Stufenbildung, Druckschmerz, Krepitation, Luftemphysem (Verbindung zur NNH), Zahnbeweglichkeit, Mundöffnung aktiv und passiv.

  • Visuscheck, Bulbusmobilitätsprüfung (6 Richtungen), Frage nach Doppelbildern.

  • Diagnosesicherung nur durch Rö (NNH-, KorbhenkelaufnahmenKorbhenkelaufnahmen, Unterkieferbissaufnahmen, Orthopantomogramm, Schichtaufnahmen).

Allgemeine Maßnahmen
  • JochbogenfrakturMaßnahmenErstversorgung bedrohlicher Begleitsymptome (z. B. Blutstillung).

  • Oberkörperhochlagerung. Cave: Bewusstseinstrübung, Erbrechen!

  • Ruhigstellung, steriler Verband.

  • Abschwellende Maßnahmen, Kühlen (z. B. Eis).

  • Gegebenenfalls Antibiotikaprophylaxe mit Breitbandpenicillin, wie Amoxicillin 3 × 1 g/d p. o. oder 3 × 1 g/d i. v. (z. B. Amoxypen®), alternativ Clindamycin 3 × 600 mg/d p. o. (z. B. Clinda-Saar 600®).

  • Schmerzbekämpfung mit Tramadol 100 mg i. m. oder i. v. (z. B. Tramal®).

DifferenzialdiagnoseTab. 10.1.

Klinikeinweisung: Bei Verdacht sofort in Kieferchirurgie zur baldigen geschlossenen oder offenen Reposition.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Infektion. Blutung, Bewusstseinstrübung, Aspiration, Verlegen der oberen Atemwege. Amaurose, Nervenschädigungen.

Zentrale und zentrolaterale Mittelgesichtsfraktur

Symptome
  • MittelgesichtsfrakturSymptomeNasenbluten (obligat!), Ödem und/oder Hämatom der Oberlippe (obligat!).

  • Ödem und/oder Hämatom der Augenlider (bei LeFort-I/II-Frakturen).

  • Abgeflachtes und verlängertes Mittelgesicht („Dish Face“Dish Face).

  • LeFort-II-Fraktur: pseudoprogenes Profil durch frontal offenen Biss.

  • LeFort-III-Fraktur: fakultativ Sensibilitätsstörungen der Wangenschleimhaut (N. infraorbitalis) und Doppelbilder bei Bulbustiefstand.

  • Stufenbildung der Crista zygomaticoalveolaris (obligat!), Abb. 10.1.

  • Abnorme Beweglichkeit, Krepitation unterer Orbitarand.

  • Verbreitert erscheinende Nasenwurzel (TelekanthusTelekanthus), abnorme Beweglichkeit.

  • Perkussion der Zähne: dumpfer „Schachtelton“, abnorme Zahnbeweglichkeit mit Okklusionsstörung.

  • Begleitsymptome, z. B. eines SHT (6.3).

Bei LeFort-II- und -III-Frakturen kann es durch Abriss der A. maxillaris zu erheblichen Blutungen kommen.

Maßnahmen10.1.1.

Blutstillung

  • MittelgesichtsfrakturBlutstillungAa. maxillaris: Kompression des Frakturfragments gegen die Schädelbasis (Spatel von Mundwinkel zu Mundwinkel, evtl. mit Scheitelverband fixieren), Tamponade des Nasen-Rachen-Raums (Bellocq-TamponadeBellocq-Tamponade).

  • Halsgefäße: Digitale Kompression der Aa. carotis communis zwischen Kehlkopf und M. sternocleidomastoideus gegen die Wirbelsäule.

  • Gesichtsweichteilverletzungen: Evtl. digitale Kompression der Aa. facialis am Vorderrand des M. masseter gegen den Unterkieferrand.

Fraktur des Unterkiefers

Symptome
  • UnterkieferfrakturSymptomeFrakturUnterkiefer-UnterkieferfrakturWeichteilschwellung, Hämatom, Schmerzen, Krepitationen.

  • Fehlstellung, Okklusionsstörung (meistens), reflektorische Ruhigstellung des Unterkiefers und/oder Kieferklemme.

  • Sensibilitätsstörungen der Unterlippe (fakultativ).

  • Bruchspalthämatome mit erheblichen Schwellungen.

DifferenzialdiagnoseUnterkieferluxation (10.1.4).
MaßnahmenSiehe auch 10.1.1. UnterkieferfrakturMaßnahmen
Ruhigstellung des Unterkiefers, z. B. durch Kopf-Kinn-Verband mit Dreieckstuch.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Verlegung der oberen Atemwege → Intubation oder sofortige Frakturstabilisierung bei Unterkiefermittelstückfrakturen (notfalls festhalten).

Kiefergelenkluxation

Symptome
  • LuxationKiefergelenkKiefergelenkluxationKieferklemmebei LuxationKiefersperre (Mund kann nicht geschlossen werden). Trismus. Schmerzen.

  • Progenes Gesichtsprofil.

  • Bei einseitiger Luxation: Verschiebung des Unterkiefers zur gesunden Seite.

Kurzanamnese
Weite Mundöffnung (z. B. Gähnen, Fast Food)? Rezidiv? Extrapyrad. Med. NW?
SofortdiagnostikLeere Fossa mandibularis, kann digital vor dem Tragus auriculae als Eindellung getastet werden.
DifferenzialdiagnosenUnterkieferfraktur (10.1.3), Progenie.
MaßnahmenPat. sitzt, Kopfstütze. Bds. Auflegen d. Daumen a. d. unteren Zahnreihen u. Umfassen des Unterkieferrands mit den übrigen Fingern, Unterkiefer kräftig nach kaudal ziehen → Kondylen gleiten über die Tuberkuli in die Fossae (Abb. 10.2). Cave: Finger schützen. ggf. Wiederholung unter Diazepam 5–10 mg, Gabe von NSAID. Botulinumtoxin off-label.

Zahnschmerzen

Sofortdiagnostik
  • ZahnschmerzenAnamnese: Schmerzverlauf und -qualität, Füllung verloren? Zahnfraktur? Zahnbehandlung? Medikamente? Unfall? Sport-Verletzung?

  • Inspektion: Läsion und/oder Füllungsverlust, Verfärbung der Läsion, Schwellung, Blutung, Infektion, Fötor, Zahnbeweglichkeit, Kronenfraktur, Kieferfehlstellung.

  • Sondenprobe: erweichte Zahnsubstanz erlaubt Eindringen der Sonden-/Kanülenspitze.

  • Perkussion (mit Instrumentengriff oder Stift) z. B. schmerzhaft auf betroffenem Zahn.

  • Palpation des Alveolarfortsatzes, evtl. schmerzhaft.

  • Vitalitätsprobe: Vitalitätsprobe, ZahnZahnVitalitätsprobeWird extreme Kälte, z. B. mit Kältespray (z. B. Coolan®) oder Eis, am Zahn(hals) nicht (VP negativ) oder extrem verstärkt (VP positiv) als Reiz empfunden?

Analgetische MaßnahmenParacetamol bis zu 8 × 500 mg/d p. o. (z. B. Paracetamol CT® 500) oder Paracetamol + Codein (z. B. Talvosilen® forte) bis 6 × 1 Tbl./d, Ibuprofen bis zu 4 × 600 mg/d p. o. (z. B. Ibu 600 1A Pharma). Cave: kein ASS da ggf. chirurg. Eingriff folgt.

Karies/Pulpitis

Symptome
  • PulpitisKariesKariesSymptomePulpitisSymptomeZiehender, heller bis dumpf pochender Schmerz am Zahn. Vitalitätsprobe positiv.

  • Ausstrahlend vom Oberkiefer ins Mittelgesicht, vom Unterkiefer in den Kieferwinkel.

  • Süßes und Kauen verschlimmern den Schmerz (fakultativ).

  • Sondenprobe evtl. positiv, kariöse Verfärbung bis Schwarzfärbung am Zahn.

Vorstellung sofort beim Zahnarzt. Andernfalls:

  • Bei positiver Vitalitätsprobe gründliches Auskratzen der erweichten Zahnsubstanz mit geeignetem Handinstrument (Handexkavator) und Verschluss der Kavität mit einer festen Paste aus Zinkoxid und Nelkenöl (Apotheke), sofern Pulpa unversehrt geblieben ist (keine Blutung).

  • Bei eindeutig negativer Vitalitätsprobe Eröffnung des Zahninneren (anschließend kein Verschluss!) → Vorstellung beim Zahnarzt sobald wie möglich.

Hypersensible Zähne/Zahnhälse

Symptome
  • hypersensible Zähne/ZahnhälseZahnhypersensiblerZiehender heller, eher gleichbleibender Schmerz vornehmlich am bukkalen Zahnhals.

  • Verstärkung bei therm., osmot. (Süßes/Saures) oder taktilen Reizen, VP pos.

  • Sondenprobe negativ.

  • Oft keilförmiger, nicht kariöser Defekt am bukkalen Zahnhals.

  • Vorstellung beim Zahnarzt nach Terminvereinbarung. Gegebenenfalls Touchierung der Zahnflächen mit Fluoridpräparaten, z. B. Fluoridin®, Elmex fluid®.

Parodontitis apicalis

Symptome
  • ZahnfleischentzündungParodontitis apicalisNicht mehr exakt lokalisierbarer, dumpfer, meist pochender Schmerz.

  • Akut auftretend, Verstärkung durch Wärme, Perkussion und Aufbiss, Kälte lindert.

  • Umgebender Alveolarfortsatz palpationsempfindlich u. ödematös (fakultativ).

  • Erhöhte Zahnbeweglichkeit (fakultativ).

Vorstellung sofort beim Zahnarzt. Andernfalls:

  • Gegegbenenfalls Trepanation des Pulpendachs, kein Verschluss!

  • Beim Vorliegen allgemeiner Krankheitssymptome Antibiotikaprophylaxe mit Penicillin V 3 × 1 Mio. IE/d p. o. oder 3 × 600 mg Clindamycin p. o. (z. B. Clinda-Saar®).

Trepanation des Alveolarfortsatzes nur durch Zahnarzt/Kieferchirurgen wegen hochempfindlicher Nachbarstrukturen wie Sinus maxillaris oder C. mandibularis.

Dentitio difficilis

Dentitio difficilisErschwerter ZahndurchbruchKieferklemmebei erschwertem ZahndurchbruchZahnerschwerter Durchbruch, ZahnfleischtaschenZahnfleischtasche. Syn.: perikoronare Entzündungen; häufig an teilretinierten (unteren Weisheits-)Zähnen und durchbrechenden (Milch-)Zähnen, oder als Taschenbildung der Gingiva bei bestehender Parodontitis marginalis profunda.
Symptome
  • Dentitio difficilisSymptomeZahnfleischtascheSymptomeKieferklemme (fakultativ bei unteren Weisheitszähnen).

  • Schmerzen am betroffenen Zahn, VP unauffällig bis positiv.

  • Perikoronares Ödem (Zahnfleischkapuze), seröses oder eitriges Exsudat (fakultativ).

  • Foetor ex ore (fakultativ).

Vorstellung beim Zahnarzt am nächsten Werktag. Gegebenenfalls:

  • Kühlende Maßnahmen, z. B. mit Kühlgel gefüllte Beißringe (Apotheke).

  • Oberflächenanästhesie, z. B. mit Dentinox®.

  • Kürettage, Inzision, Gazedrainage.

  • Instillation von Prednisolon (z. B. Dontisolon®) mittels Knopfsonde.

  • Bei Therapieresistenz u./o. schlechtem AZ Antibiotikaprophylaxe mit Amoxicillin 3 × 1 g/d p. o. (z. B. Amoxypen®) oder 3 × 600 mg Clindamycin (z. B. Clinda-Saar®).

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Abszedierung, Osteomyelitis, Sepsis (4.1.3), Mediastinitis, Enzephalitis (4.5.7).

Zahntrauma, dentales Trauma

Zahnfraktur

FrakturZahn-ZahnfrakturZahnFrakturFrakturen der Zahnkrone (mit oder ohne Pulpeneröffnung) und/oder der Zahnwurzel.
Symptome
  • ZahnfrakturSymptomeFehlendes Zahnsegment (Kronenfraktur).

  • Süß-/Kalt-Schmerz (fakultativ).

  • Abnorme Zahnbeweglichkeit, Ödem, Hämatom (fakultativ bei Radixfraktur).

KurzanamneseUnfallhergang, z. B. Sturz beim Eishockey, Inlineskating; Boxen.
SofortdiagnostikRö bei V. a. Radixfraktur.

Vorstellung beim Zahnarzt, sofort bei Zahnfraktur mit eröffneter Pulpa (Zahnerhalt!), bei Kronenfraktur mit geschlossener Pulpa am nächsten Werktag. Analgesie 10.2.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Infektion (eröffnetes Dentin entspricht einer offenen Wunde).

Zahndislokation

Symptome
  • ZahnsubluxationZahnsubluxationSymptomeZahn beweglich und/oder Zahnstellung verändert, evtl. zusätzl. Kronenfraktur 10.3.1.

  • Schmerzen, Perkussions-/Palpationsempfindlichkeit.

  • Ödem, Hämatom, Blutung (fakultativ).

  • Okklusionsstörung (fakultativ).

KurzanamneseUnfallhergang (wie bei Zahnfrakturen).

Vorstellung beim Zahnarzt so bald wie möglich. Analgesie 10.2.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Zahnverlust (nur durch rechtzeitige Vorstellung zu vermeiden).

Zahnavulsion, Zahnverlust

SymptomeLeere, schmerzhafte Alveole (oder mit Blutkoagel gefüllt)ZahnluxationDiagnostik.

Luxierten ZahnluxationMaßnahmenZahn unbehandelt mitgeben, z. B. in Spritze mit physiologischer Kochsalzlösung, oder dem Verletzten in die Wangentasche legen (cave: Aspirationsgefahr!).

Vorstellung sofort beim Zahnarzt. Analgesie 10.2.

Tetanusschutz überprüfen bzw. Tetanusimpfung durchführen 2.9.4.

Contusio dentis/Zahnüberbelastung

Symptome
  • ZahnÜberbelastungZahnKontusionContusio dentisContusio dentisSymptomeEher dumpfe Schmerzen, Aufbiss- und Perkussionsempfindlichkeit.

  • Intakter Zahn und unauffällige Gingiva.

Kurzanamnese
  • Okklusionsstörung, Zähneknirschen, Nagelkauen, Pfeiferauchen.

  • Relativ frische zahnärztliche Versorgung, z. B. neue Füllung, neue Krone.

Vorstellung beim Zahnarzt am nächsten Werktag. Analgesie 10.2.

Komplikationen nach zahnärztlicher Behandlung

Blutung

Symptome
  • Blutungnach zahnärztlicher BehandlungZahnblutungSickerblutung (Parenchym) oder pulsierende Blutung (Gefäß) aus oraler Wunde.

  • Übelkeit, Hämatin-Erbrechen (fakultativ).

Kurzanamnese
  • Zahnärztliche Behandlung vorausgegangen?

  • Antikoagulanzienbehandlung, z. B. mit ASS, Marcumar®, Clopidogrel (z. B. Plavix®)?

  • Hämorrhagische Diathese in der Vorgeschichte?

  • Wie lange besteht die Blutung schon (V. a. Verbrauchskoagulopathie)?

  • Wie lange nach dem zahnärztlichen Eingriff setzte die Blutung ein (reaktive Hyperämie nach Wirkungsende des Vasokonstringens im Lokalanästhetikum)?

Spezielle MaßnahmenZahnblutungMaßnahmenIn angegebener Reihenfolge:
  • Digitale Kompression (z. B. der Alveole), anschl. Kompression mit großem Mulltupfer.

  • Situationsnaht der Gingivaränder (atraumatisches Nahtmaterial, Stärke 3,0 oder 4,0).

  • Austamponieren der Alveole mit resorbierbarem Hämostyptikum (z. B. Tabotamp®), evtl. m. Achterligatur benachbarter Zähne m. kräftiger Seide o. Draht (Abb. 10.3).

  • Elektrokoagulation (nicht im Unterkieferseitenzahnbereich), nur in der Praxis möglich.

  • Darstellung und Unterbindung/Umstechung des blutenden Gefäßes.

  • Einsatz von Fibrinkleber (z. B. Beriplast®).

  • Klinikeinweisung sofort bei starker Blutung oder anamnestischem V. a. hämorrhagische Diathese oder bei laufender antikoagulativer Therapie.

  • Vorstellung beim Zahnarzt am nächsten Werktag.

Beim seltenen enossalen HämangiomHämangiom, enossales ist die Reimplantation des extrahierten Zahns und die Einweisung in eine kieferchirurgische Fachklinik lebensrettend!

Schmerzen nach Zahnextraktion

Symptome
  • Schmerzennach ZahnextraktionZahnschmerzennach ExtraktionHeftige, z. T. ausstrahlende Schmerzen, oft nach symptomfreiem Intervall.

  • Trockene (leere) Alveole (fakultativ).

  • Bläulich-livides Blutkoagulum (fakultativ).

  • Fötider Geruch des Koagulums, LK vergrößert → Hinweis auf Infektion.

Spezielle Maßnahmen
  • Entfernung des Koagulums (durch Kürettage und Spülung mit 3-prozentiger H2O2-Lösung).

  • Gazestreifendrainage.

  • Medikamentöse Lokaltherapie (z. B. mit Dontisolon®) durch Instillation in die Alveole mittels Knopfkanüle.

  • Analgesie 10.2.

  • Antibiose bei allgemeinen Krankheitssymptomen, starken Schmerzen (Neuritis), erheblicher Exsudation, z. B. Amoxicillin 3 × 1 g/d p. o. (z. B. Amoxypen®) oder 3 × 600 mg Clindamycin (z. B. Clinda-Saar®).

Vorstellung beim Zahnarzt am nächsten Werktag.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Infektion, Sepsis.

Aphthen und Prothesendruckstellen

Aphthen

SymptomeAphthenAphthenSymptomeHochrote, durch gelblichen Rand abgegrenzte und z. T. sehr schmerzhafte Effloreszenz an Wangen-, Lippeninnenseite, Zungenunterseite oder Gingiva.
DifferenzialdiagnosenProthesendruckstelle (10.5.2), Herpes simplex.
MaßnahmenAphthenMaßnahmenPat. über Harmlosigkeit der Erkr. aufklären: heilt spontan ab! Lokale Therapie mit Salbe (z. B. mit Kamistad®).

Prothesendruckstellen

Symptome
  • ProthesendruckstelleProthesendruckstelleSymptomeSchmerz beim Belasten/Einsetzen/Entfernen herausnehmbarer Prothesen(teile).

  • Rötung, Schwellung, gelbliche Plaquebildung, Einkerbung Gingiva.

DifferenzialdiagnosenAphthen (10.5.1), neoplastische Veränderung.
Maßnahmen
  • Lokalmedikamentöse Therapie (z. B. mit Kamistad®).

  • Pat. soll Prothese vorerst nicht benutzen.

Vorstellung beim Zahnarzt am nächsten Werktag.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Bei immunschwachen Pat. kann eine unbehandelte Prothesendruckstelle eine gefährliche Erregereintrittspforte sein!

Abszesse und Phlegmonen

Eine Übersicht gibt Tab. 10.2.
Maßnahmen

Inzision und Drainage mittels Mullstreifen (nur bei Abszessen, die auf Alveolarfortsatz beschränkt sind), sofern Vorstellung beim Zahnarzt nicht möglich ist. Immer in Richtung Knochen inzidieren, nie in Weichteilrichtung! Cave: Gefäß- u./o. Nervenverletzung.

  • Antibiose, z. B. Amoxicillin 3 × 1 g/d p. o. (z. B. Amoxypen®) oder Clindamycin 3 × 600 mg/d p. o. (z. b. Clinda-Saar®).

  • Gegebenenfalls Schmerzbehandlung 10.2.

Klinikeinweisung:

  • In Kieferchirurgie bei Abszessen, die nicht auf Alveolarfortsatz beschränkt sind.

  • In nächst gelegene Klinik bei hohem Fieber, Atem- oder Schluckstörung.

Abwendbar gefährlicher Verlauf

Ausbreitung der Infektion → Sepsis (4.1.3), Orbitalabszess, Hirnabszess.

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