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B978-3-437-22447-8.00016-0

10.1016/B978-3-437-22447-8.00016-0

978-3-437-22447-8

Reflexverhalten im 1. Lebensjahr

[L190]

Meilensteine (frühkindlicher) Entwicklung I Kindfrühkindliche Entwicklung

[L190]

Meilensteine (weiterer kindlicher) Entwicklung II Kindfrühkindliche Entwicklung

[L190]

Meilensteine (weiterer kindlicher) Entwicklung III Kindfrühkindliche Entwicklung

[L190]

PubertätTanner-StadienPubertätsstadien nach Tanner

[L157]

Untersuchung auf NackensteifigkeitNackensteifigkeit

[L157]

RachenInspektion beim KindRacheninspektion. Li Haltung beim Kleinkind, re beim Säugling

[L157]

HüftdysplasieHüftdysplasie re: Abspreizbehinderung, Oberschenkelverkürzung, Faltenasymmetrie

[L157]

RötelnExanthemRöteln- und MasernExanthemMasernexanthem im Vergleich

[L157]

ScharlachExanthemScharlach. Exanthemausbreitung im zeitlichen Verlauf

[L157]

GebissentwicklungGebissentwicklungZahnEntwicklungKindZahnentwicklung

Tab. 16.1
Zahndurchbruch Milchgebiss (Mon.) Permanentes Gebiss (J.)
Oberkiefer Unterkiefer Oberkiefer Unterkiefer
Mittlere Schneidezähne 6–10 5–8 7–8 6–7
Seitliche Schneidezähne 8–12 7–10 8–9 7–8
Eckzähne 16–20 16–20 11–12 9–11
1. Prämolaren 11–18 11–18 10–11 10–12
2. Prämolaren 20–30 20–30 10–12 11–13
Vordere Molaren 5½–7 5½–7
Mittlere Molaren 12–14 12–13
Hintere Molaren 17–30 17–30

Geschlechtstypische Entwicklung bis zum Erwachsenenalter

Tab. 16.2
Alter (J.) Jungen Mädchen
7–9 Uteruswachstum beginnt
9–10 Wachstum knöchernes Becken
10–11 Zunehmende Vaskularisation von Penis u. Skrotum Beginnende Brustentwicklung (Thelarche), zunächst auch einseitig, beginnende Schambehaarung (Pubarche)
11–12 Prostata wird aktiv, beginnende Schambehaarung Wachstum Genitalien, pH-Umschlag Vaginalsekret nach sauer
12–13 Schnelles Wachstum von Testes u. Penis 1. Menstruation (Menarche), anovulatorische Zyklen, Axillarbehaarung
13–15 Axillarbehaarung, Oberlippenflaum, Stimmbruch Ovulatorische Zyklen; früheste normale Schwangerschaften
15–16 Reife Spermatozoen Akne
16–17 Akne Skelettwachstum abgeschlossen
17–21 Skelettwachstum abgeschlossen

Doppelte Standardabweichung: 2 J. (hier 95 % aller normalen Schwankungen); Reihenfolge Entwicklungsschritte wird meist eingehalten.

Ernährungsempfehlung für das 1. Ernährung1. LebensjahrLebensjahr

Tab. 16.3
Alter (Mon.) Mahlzeiten
Früh Zwischen Mittag Zwischen Abend
1.–5. M M M M M
5. M (M) 1. Brei: anfangs Karotten-, dann Gemüse-Kartoffel-Fleisch/Fisch M M
6. M (M) M 2. Brei: Vollmilch/Getreide
7.–9. M (M) 3. Brei: Getreide-Obst
10.–12. M oder Brot u. Milch Getreide-Obst-Brei oder Brot u. a. Getreideprodukte, Obst oder Obstsaft Getreide-Obst-Brei oder Brot u. a. Getreideprodukte, Obst oder Obstsaft Vollmilch-Getreide-Brei oder Brot, Milch u. Obst

M = Muttermilch o. Säuglingsmilchnahrung

Vorgehen bei Kindern mit Fieber

Tab. 16.4
Fragen Ursachen/Fehlerquellen/Bemerkungen
Fieber wie hoch? Im Zweifel nachmessen. Pulsbeschleunigung?
Seit wann? Erstmals? Verlauf? Kontakte: Familie, Kindergarten, Schule? (Ansteckungsmöglichkeit!)
Ursachenvermutung (Eltern)? Oft hinweisend!Ängste der Eltern? Immer mit bedenken!
Welche Selbstbehandlung? Oft hinweisend (nicht abwerten!). Medikamente? Antibiotika, Antikonvulsiva (Arzneimittelfieber)?
Bekleidung, Bettdecke Zu warm? (häufig!)
Trinkverhalten, Appetit, Ernährung, Stühle Wichtige Parameter für AZ!„Durstfieber“ (überwiegende Breiernährung)?
Impfung? Impfreaktion?
Zeckenstich? Lyme-Borreliose (9.3.4)? FSME (Endemiegebiet 9.4.7)?
Fernreise? Tropenerkr. (Malaria, Amöbeninf.)?
Vorerkr.? Vitium? Endokarditis?
Schnupfen, Halsschmerzen, Husten, Auswurf (klar/gelb)? Inf. obere Luftwege (häufig, 16.6)
Pharyngitis, Tonsillitis (16.8.3)?
Stridor? Giemen?
  • Inspiratorisch?

  • Exspiratorisch?

Atemwege:
  • Krupp-Sy.? (16.6.5)

  • Obstruktive Atemwegserkr.? (16.6.8, 16.6.98)

Atembeschleunigung, Nasenflügeln? Pneumonie? (16.6.10)
Ohrenschmerzen? Otitis media/externa? Mastoiditis? (16.6.11)
Kopfschmerzen? Rhinosinusitis (16.6.13)? Meningitis (16.8.9)? Enzephalitis (16.8.10)?
Spezifisches Exanthem? Infektiöse „Kinderkrankheit“? (16.8)
Bauchschmerzen, Brechreiz, Erbrechen? Gastroenteritis (16.7.1)? HWI (13.3.2)? Appendizitis (16.7.9)? Hep. (8.7.1)? Otitis (16.6.11)? Meningitis/Enzephalitis (16.8.9)?
Durchfall? blutig? Enteritis? Bakteriell? (16.5.4)
Schmerzhafte Miktion?
Urin trüb, blutig?
HWI (Reflux)? (13.3.2) Pyelonephritis (Urosepsis)? (13.3.3)
Lk-Schwellung? Lymphadenitis (23.7.2)? Mononukleose (9.4.3)? Katzenkratzkrankheit (9.3.9)? Leukämie (16.14)?
Gelenkbeschwerden? Infektarthritis? Hep. (8.7.1), Lyme-Borreliose (9.3.4)? Juvenile Arthritis? Rheumatisches Fieber? Osteomyelitis?

Differenzialdiagnose Erbrechen im Säuglings- bis Erbrechenbeim KindSchulkindalter

Tab. 16.5
Alter Symptome/Begleitumstände Verdachtsdiagnose
Säuglinge Schlaffes, atonisches „Spucken“, meist keine Gedeihstörung Kardiainsuff. (16.7.3)
Zu große Portionen, keine Pausen, nicht altersgemäße Kost Fütterungsfehler
Hastiges, häufig unterbrochenes Trinken, fehlendes Aufstoßen Aerophagie
Ängstlich besorgte, unruhige Mutter, „nervöses“ Kind Habituelles Erbrechen („Speikind“)
Hochwürgen u. genüssliches Wiederkäuen Rumination (Vernachlässigung)
Schwallartig im Bogen, Beginn um 3. Lebenswo. Pylorushypertrophie (16.7.4)
Erbrechen seit Ernährungsumstellung auf Flaschennahrung Kuhmilchprotein-Intoleranz (16.3.6)
Erbrechen 3–6 Mon. nach Einführung der Breikost (Grießbrei, Vollkornbrei etc.) Zöliakie (16.7.10)
Galliges Erbrechen, Bauchkolik, Stuhlverhalt, Abgang blutigen Schleims, Blut am Fingerling Malrotation, Invagination (16.7.7), Volvulus (16.7.8)
Klein- u. Schulkind Brechattacken, fruchtiger Foetor Acetonämisches Erbrechen (16.7.5)

Schweregrade des Flüssigkeitsverlusts im Flüssigkeitsverlust beim KindExsikkosebeim KindKindesalter

Tab. 16.6
Dehydratation Leicht Mittelschwer Schwer
Gewichtsverlust < 5 % 5–10 % > 10 %
Allgemeinzustand unruhig, durstig sehr unruhig somnolent, peripher kalt
Puls normal frequent tachykard
Hautturgor normal bis reduziert reduziert stehende Hautfalten
Schleimhäute feucht trocken sehr trocken
Fontanelle im Schädelniveau leicht eingesunken tief eingesunken
Augen im Niveau eingesunken haloniert
Tränen normal fehlend fehlend
Urinproduktion normal Oligurie Oligo-, Anurie

Differenzialdiagnose desHustenbeim KindHustens

Tab. 16.7
Hustencharakter Symptome/Begleitumstände Verdachtsdiagnose
Anfallsartig aus vollem Wohlbefinden Fremdkörperaspiration (16.6.15)
stakkatoartig Pertussis (16.8.7)
Mit Stridor inspiratorisch Krupp-Sy. (16.6.5)
Mit Giemen exspiratorisch obstruktive Atemwegserkr. (16.6.8), Asthma (16.6.9)
Rezidivierend erhöhte Exposition rezid. Atemwegsinf., Adenoide, Sinubronchitis
Chronisch rezidivierend saisonal, auslöserbezogen allergische Rhinitis (23.5.1), Asthma (16.6.9), hyperreagibles Bronchialsystem
Chronisch Grunderkrankung Mukoviszidose (16.6.143), Tbc (12.3.6), Passivrauchen, Postnasal-Drip-Sy. (PNDS, 16.5.4), Asthma (16.5.8), Bronchiektasen

Differenzialdiagnose des Krupp-Krupp-SyndromDifferenzialdiagnoseSyndroms

Tab. 16.8
Krupp Epiglottitis
Anamneseoft Atemwegsinfektkeine Hinweise
Beginnlangsam (nachts oft akut)stürmisch (innerhalb von Stunden)
Allgemeinzustandwenig beeinträchtigtschwer beeinträchtigt
Fiebermäßighoch (> 38 °C)
Stridorinspiratorischinspiratorisch (exspiratorisch „Karcheln“)
Stimmeheiser, aphonischleise, kloßig
Hustenbellendnicht bellend o. fehlend
Schluckstörungneinausgeprägt
Speichelflussneinausgeprägt (vorgeschobenes Kinn)
Haltung im Bettliegendsitzend (vornübergebeugt)
Alter (J.)(½) 1–3 (4)(2) 3–6 (7), auch Erw.
Tageszeitmeist abends, nachtsganztags
Jahreszeitmeist Herbst, Winterganzjährig
Rezidivehäufigselten
Mortalität (unbehandelt)gering50 %

Therapie der Atemnot bei Krupp-Syndrom nach Schweregrad Krupp-SyndromTherapie der Atemnot

Tab. 16.9
Grad Symptome Therapie
I Heiserkeit, bellender Husten Kühle, feuchte Luft, Beruhigung1, ggf. Sedierung2
II Zusätzlich: inspir. Stridor Zusätzlich: Dexamethason oral bzw. Predniso(lo)n rektal u./o. Adrenalin inhalativ3
III zusätzlich: Atemnot, Einziehungen, Unruhe, Tachykardie Zusätzlich: 2–4 l O2/Min. via Nasensonde, Klinikeinweisung mit notärztl. Begleitung4
IV Zusätzlich: Erstickungsgefahr, Zyanose, grau-fahles Hautkolorit, Somnolenz, Hypotonie, Bradykardie6 Zusätzlich: assistierte O2-Maskenüberdruckbeatmung5, ggf. Herzdruckmassage, möglichst keine Nottracheotomie, sofortiger Transport unter notärztl. Begleitung

1

Verschlimmerung durch Stress, daher keine Hektik, keine unnötigen Manipulationen. Zuspruch, Kind hochnehmen, herumtragen lassen, nicht von Mutter trennen (med. Ind. zur stat. Mitaufnahme eines Elternteils)

2

Nur in Ausnahmefällen im Stadium I o. II (cave: Erschöpfung): Diazepam rektal, Sgl. 2,5–5 mg, KK 5–10 mg (z. B. Diazepam Desitin® rectal tube 5/10 mg)

3

Dexamethason oral 0,15 mg/kg KG (z. B. InfectoDexaKrupp® 2 mg/5 ml Saft) o. i. m. (cave: belastend). Alternativ Prednison 100 mg rektal (z.B. Rectodelt®). Adrenalin inhalativ (z. B. InfectoKrupp® Inhal 1-2 ml per InfectoPharm Taschenvernebler)

4

Maske vor Mund u. Nase halten, nicht auf Gesicht pressen (erzeugt Angst)

5

Trotz inspir. Enge bleibt Exspiration lange unbehindert. Ist Kind erschöpft, Unterstützung der Einatmung durch assistierte Überdruckbeatmung mit Maske u. Beutel, ohne dass Intubation erforderlich (nur als Ultima Ratio, nur durch Geübte, stat.). Intubation bei Krupp selten nötig, bei Epiglottitis problematisch, aber nötig

6

Stridor bei langsamerer Atmung wieder leise. Cave: Fehleinschätzung

Asthmaschweregrade vor Behandlung (Kinder und Jugendliche)Asthma bronchialeSchweregrade, Kind

Tab. 16.10
Schweregrad Symptomatik Lungenfunktion
1 Intermittierend Intermittierend Husten, leichte Atemnot, symptomfreies Intervall > 2 Mon. Nur intermittierend obstruktiv, Lufu oft normal
2 Geringgradig persistierend Intervall zwischen Episoden < 2 Mon. Nur episodisch obstruktiv, Lufu dann path.∗∗
3 Mittelgradig persistierend An mehreren d/Wo., auch nächtliche Sympt. Auch im Intervall obstruktiv, Lufu path.∗∗
4 Schwergradig persistierend Anhaltende tägl. Sympt., häufig auch nachts Auch im Intervall obstruktiv, Lufu path.∗∗

© Quelle: BÄK, KBV, AWMF [Hrsg.]: NVL Asthma. Langfassung. 2. A., Version 5, S. 87. 16.16)

FEV1 > 80 % des Sollwerts, MEF25–75 bzw. MEF50 > 65 %, PEF-Tagesvariabilität < 20 %

∗∗

FEV1 < 80 % des Sollwerts, MEF25–75 bzw. MEF50 < 65 %, PEF-Tagesvariabilität > 20 %

Stufenschema zur Pharmakotherapie des Asthmas bei Kindern und Jugendlichen Asthma bronchialePharmakotherapie, Stufenschema f. Kinder u. Jgl.

Tab. 16.11
Stufe Bedarfsmedikamente Langzeittherapeutika
1 RABA u./o. Ipratropiumbromid
2 ICS (niedrig dosiert) o. LTRA
3 ICS (mittel dosiert) o. ICS (niedrig bis mittel dosiert) + LTRA o. LABA
4 ICS (hoch dosiert) o. ICS (mittel bis hoch dosiert) + LTRA + LABA
5 zusätzlich: orale Kortikosteroide (möglichst niedrig dosiert); nur bei Ind. Retard-Theophyllin o. Omalizumab

© Quelle: BÄK, KBV, AWMF [Hrsg.]: NVL Asthma. Langfassung. 2. Aufl., Version 5, S. 33. 16.15)

Akuttherapie im Asthmaanfall bei Kindern und JugendlichenAsthmaanfallKind, Akuttherapie

Tab. 16.12
SchweregradKlinikTherapie
Leicht bis mittelschwer
(mind. 1 Kriterium erfüllt)
  • Unvermögen, längeren Satz während eines Atemzugs zu vollenden

  • Gebrauch der akzessorischen Atemmuskulatur

  • AF < 30/Min.

  • HF < 120/Min.

  • PEF∗∗ 50–80 % des Bestwertes

  • 2–4 Hübe eines SABA, alle 20 (max. alle 10) Min.

  • Evtl. 2–3 l/Min. O2 über Maske o. Nasensonde (Ziel: SaO2 > 92 %)

  • Evtl. 1–2 mg/kg KG Prednisolon oral

  • Sitzende Haltung, Arme abgestützt, dosierte Lippenbremse

  • Bei unzureichendem Ansprechen nach 15 Min.: Einweisung, sitzender Transport

  • Besserung muss eingetreten sein, bevor der Arzt den Pat. verlässt

Schwer bis lebensbedrohlich
  • Unfähig zu sprechen o. Nahrung aufzunehmen

  • sitzende Haltung, Arme abgestützt

  • AF > 5 J. > 30/Min., 2–5 J. > 40/Min.

  • HF > 5 J. > 120/Min., 2–5 J. > 130/Min.

  • PEF∗∗ < 50 % des Bestwerts

  • SaO2 < 90 % unter Raumluft

  • 2–4 Hübe eines SABA, alle 20 (max. alle 10) Min.

  • 2–3 l/Min. O2 über Nasensonde

  • 1–2 mg/kg KG Prednisolon oral, i. v. o. 100 mg rektal∗∗∗

  • Sitzende Haltung, Arme abgestützt, dosierte Lippenbremse

  • Bei ausbleibender Besserung, Erschöpfung, flacher Atmung, stummer Lunge, Zyanose, Rhythmusstörung, Bradykardie, Verwirrtheit: umgehende Klinikeinweisung mit Notarztbegleitung!

AF: Atemfrequenz; HF: Herzfrequenz

© Quelle: BÄK, KBV, AWMF [Hrsg.]: NVL Asthma. Langfassung. 2. A., Version 5, S. 51. 16.16)

SABA: Kurz wirkendes Beta2-Sympathomimetikum (z. B. Sultanol® Dosieraerosol), Gabe über Spacer. Falls nötig, vor o. während Transport: 10–20 Tr. Sultanol® Inhalationslsg. in 1 ml NaCl über Vernebler alle 20 Min. (20 Tr. ≈ 1 ml Inhalationslsg. ≈ 5 mg Salbutamol; 1 ml Fertiginhalat ≈ 0,5 mg Salbutamol). Cave: Tachykardie. Ggf. zusätzlich mit Ipratropiumbromid

∗∗

PEF-Manöver nur bei geschultem Kind/Jgl. sinnvoll

∗∗∗

z. B. Rectodelt® 100 mg

Charakteristika exanthematischer Erkrankungen bei typischem WindpockenScharlachRötelnRingelrötelnMasernDreitagefieberVerlauf

Tab. 16.13
Masern (16.8.2) Röteln (16.8.3) Scharlach (16.8.4)
PrädilektionsalterJgl., Erw. (Impflücken)Jgl., Erw. (Impflücken)SK (3.–15. Lj.)
Inkubation8–12 d2–3 Wo.2–5 d
Prodromi4 d2 d
RachenbefundEnanthem, Koplik-Flecken, zeitlich vor ExanthemEnanthem, punktförmige Blutungen an Uvuladüsterrotes Enanthem an Rachenhinterwand u. weichem Gaumen, „Himbeerzunge“
Masern (16.8.2)Röteln (16.8.3)Scharlach (16.8.4)
Exanthemstark gerötet, großfleckig bis 1 cm, erhaben, unregelmäßig geformt, konfluierendblassrot, mittelfleckig bis 3 mm, leicht erhaben, nicht konfluierendfeinfleckig, bis 1 mm, dicht stehend, oft flüchtig, samtartig
BeginnretroaurikulärretroaurikulärArm- u. Leistenbeugen
Ausbreitungzentrifugal über Stamm u. Extremitäten. Verschwindet in der Reihenfolge des Auftretens (Abb. 16.7)zentrifugal über Stamm u. Extremitäten. Verschwindet in der Reihenfolge des Auftretens (Abb. 16.7)zentrifugal über Hals, Stamm u. Streckseiten der Extremitäten wechselnd (Abb. 16.8)
Dauer4–7 d1–3 dunter Antibiotika-Ther. 1–2 d, sonst 1–2 Wo.
Fieberhoch, bis 41 °C, 2-gipfligmäßig, bis 38 °Choch, um 40 °C, plötzlicher Beginn
BegleitbefundeHusten, Lichtscheu, Konjunktivitisnuchale LymphadenitisPharyngotonsillitis, „Himbeerzunge“, blasses Munddreieck
KOOtitis media, Masernkrupp, Enzephalitis, BronchopneumonieEmbryopathie, EnzephalitisEndokarditis, GN, rheumatisches Fieber, Chorea minor
Immunitätlebenslang, auch nach Mitigierunglebenslang; nach Impfung: 10–18 J.vermutlich lebenslang, typen-, toxinspez.
Infektiosität5 d vor bis 4 d nach Exanthemausbruch7 d vor bis 7 d nach ExanthemausbruchFieberanstieg bis 2 d nach Antibiose; sonst mind. 3 Wo.
Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen1 Wo. nach Exanthemausbruch möglich, jedoch nur bei gutem AZ1 Wo. nach Exanthemausbruch möglichnach 2 d zuverlässiger Antibiotika-Ther., sonst erst nach mind. 3 Wo.
Windpocken (16.8.5)Ringelröteln (16.8.6)Dreitagefieber (16.8.7)
PrädilektionsalterKK, SKKK, SKSgl., KK (bis 3. Lj.)
Inkubation10–21 d4–14 d5–15 d
Prodromiselten, 1–2 dselten, 1–2 d
Rachenbefundvereinzelte Bläschen am Gaumengeringe katarrhalische Erscheinungengeringe katarrhalische Erscheinungen
Windpocken (16.8.5)Ringelröteln (16.8.6)Dreitagefieber (16.8.7)
Exanthemblassrote, rund-ovale, bis 5 mm große Flecken, Papeln, Bläschen, Pusteln, Krustenschmetterlingsförmig an Wangen; sonst: girlandenähnlich konfluierendzartrot, feinfleckig
BeginnüberallWangenstammbetont
Ausbreitungin Schüben, auch Kopfhaut u. Schleimhäute; nicht an Handtellern, FußsohlenStreckseiten der Extremitäten, Gesäßspärlich Gesicht, Extremitäten
Dauer7–14 d, schubweiseca. 10 d, sehr variabeleinige h
Fiebermäßig, bis 38 °Cgeringhoch, bis 41 °C für 3 d
Begleitbefundestarker Juckreizselten JuckreizFieberabfall bei Exanthemausbruch
KOSuperinf., Enzephalitis, Prä-, Perinatalinf.Hydrops fetalis, aplastische KriseFieberkrampf
Immunitätlebenslang; Reaktivierung als Herpes zostervermutlich lebenslanglebenslang
Infektiosität2 d vor erstem bis 5 d nach letztem Schub2–12 d nach Inf. bis Exanthemausbruchvermutlich während Fieberphase
Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungennach Verkrustung bzw. Schorfabfallnach Exanthemausbruch möglichnach Abklingen der akuten Erkr.

Erw.: Erwachsene; Jgl.: Jugendliche; KK: Kleinkinder; SK = Schulkinder

FehlbildungssyndromeFehlbildungssyndromeFetales AlkoholsyndromKlinefelter-SyndromTurner-Syndrom

Tab. 16.14
Syndrom FAS Klinefelter-Sy. Turner-Sy.
Häufigkeit 1 : 500 aller NG 1 : 1.000 männl. NG 1 : 2.500 weibl. NG
Ätiologie Intrauterine tox. Schädigung durch Alkoholmissbrauch der Mutter in der Grav. Numerische Chromosomenaberration: Karyotyp XXY, XXXY o. XXXXY Numerische Chromosomenaberration: Monosomie X
Klinik Untergewicht, Kleinwuchs, Mikrozephalus, kraniofaziale Dysmorphie (flaches Mittelgesicht, breiter Nasenrücken, großer Augenabstand, schmales Oberlippenrot), geistige Behinderung, Verhaltensstörungen Hypogonadismus, Testosteronmangel: ausbleibende Pubertät (fehlendes Penis-, Hodenwachstum, ausbleibende Scham-, Gesichts-, Axillarbehaarung). Infertilität Kleinwuchs, seitliche Halsfalte (Pterygium colli), Herz-, Nierenfehlbildungen, Lymphödeme Hand- u. Fußbereich, multiple Pigmentnävi, prim. Amenorrhö, ausbleibende Pubertät, Unfruchtbarkeit
Therapie Nicht kausal möglich. Frühe psychosoziale Betreuung, Entwicklungsförderung Testosteron ab ca. 11. Lj. Hormonelle Wachstumsförderung. Weibl. Geschlechtshormone ab ca. 11. Lj.

Durchschnittliches KGKindKörpergewicht, durchschnittliches in Relation zum Alter

Tab. 16.15
Alter Gewicht (ca.)
1 Mon. 3–4 kg
½ J. 7 kg
1 J. 10 kg
3 J. 15 kg
6 J. 20–25 kg
12 J. 40–45 kg

AltersgruppenKindAltersgruppen

Tab. 16.16
Bis 1. Mon. Neugeborenes
Bis 1. Lj. Säugling
Bis 6. Lj. Kleinkind
Bis 14. Lj. Schulkind

Schmerz- und FiebermedikationAnalgetikabeim KindAntipyretikabeim Kind

Tab. 16.17
Generikum/Wirkung Handelsname, z. B. Anwendung/Dosierung/Hinweise
Paracetamol
Antipyretisch, peripher analgetisch
ben-u-ron®, Paracetamol ratiopharm® ED (> 3 kg) 10–15 mg/kg KG, TD max. 60 mg/kg KG in 3–4 ED (alle 6–8 h). Cave: nicht überdosieren (hepatotoxisch)!
Ibuprofen
Antipyretisch, antiphlogistisch, peripher analgetisch
Nurofen® Junior, Dolormin® für Kinder ED 10 mg/kg KG, TD max.
20–30 mg/kg KG in 3–4 EDNur Kinder ≥ 3 Mon., ≥ 6 kg
Metamizol
Antipyretisch, peripher analgetisch
Novalgin®, Metamizol® Hexal ED 10 mg/kg KG i. v./p. o.Sgl. > 3 Mon./KK/SK: –4/–10/–20 Tr. bis zu 3 ×/d; Supp. 0,3 g ab 4. Lj.; Supp. 1 g bei hohem Fieber bei Jgl. (≥ 15 J., ≥ 53 kg). Cave: Ausschließlich Reservemittel! KO: Agranulozytose, anaphylaktischer Schock!
Tramadol
Zentral analgetisch
Tramal®, Tramadol STADA® ED ab 1. Lj. 1 mg/kg KG; z. B. KK/SK alle 6 h 10 Tr. Cave: Sgl.: KI wg. Atemdepression!

KK: Kleinkinder; SK: Schulkinder

Stufenplan zur Schmerztherapie, wenn schwache Opiate nicht Schmerztherapiebeim Kindausreichen

Tab. 16.18
Stufe Therapie
I MST® 0,5–1 mg/kg KG 2–3 ×/d; Adjuvanzien (Kortikosteroide, Laxanzien)
II Zusätzlich Metamizol 10 mg/kg KG o. Paracetamol 10 mg/kg KG 5 ×/d; Dosiserhöhung MST® bis Schmerzfreiheit
III Morphin-Dauerinfusion (i. v./s. c.) – anfangs 0,05 mg/kgKG/h – Dosiserhöhung bis Schmerzfreiheit (ggf. mit tragbarer Pumpe). Opiatinduzierte NW bei Kindern selten (Ausnahme: Obstipation)

Anwendung von Sekretolytika Sekretolytika beim Kind

Tab. 16.19
Generikum/Wirkung Handelsname, z. B. Anwendung/Dosierung/Hinweise
Isotone Salzlösung Kochsalz (NaCl), Emser Salz® 3 g/250 ml H2O zur Inhalation. Cave: Hypo- o. hypertone Lsg. kann Obstruktion auslösen
Ambroxol Mucosolvan® ED –2/2–5/5–10 Lj.: 15/22,5/45 mg 2–3 ×/d als Tr. (Sgl.) o. Saft (Kleinkinder)
Acetylcystein Fluimucil®, ACC® ED 2–5/6–14/ab 14. Lj.: 100/200/200 mg 2–3 ×/2 ×/3 × pro d als Saft (ab Kleinkindalter)
Bromhexin Bisolvon®, Bromhexin Krewel Meuselbach® Tr. ED –2/2–6/6–14/ab 14. Lj.: 2/2–4/8/8–16 mg. 2–3 ×/d als Tr. (Sgl.) o. Saft (Kleinkinder, Schulkinder)

Anwendung von Antitussiva

Tab. 16.20
Generikum/Wirkung Handelsname, z. B. Anwendung/Dosierung/Hinweise
Dihydrocodein Paracodin®-N Tr., Sirup ED 4–6/6–12/≥ 12. Lj: Tr. à 0,5 mg: 4–8/
8–16/16–48; Sirup: 1–2 ml/2–4 ml/4–12 ml 1–3 ×/d
Noscapin Capval®Saft, Tr. ED 0,5–3/3–12/≥ 12. Lj.: 2,5/5/10 ml Saft 2 ×/3 ×/3 × pro d o. 8/15/30 Tr. ≤ 6 ×/d
Levodropropizin Quimbo® Saft, Tr. ED ≤ 12 kg/12–18 kg/18–24 kg/24–30 kg/
30–36 kg/36–42 kg: 2/3/4/5/6/7 ml Saft 3 ×/d o. 4/6/8/10/12/14 Tr. 3 ×/d

Anwendung von Rhinologika RhinitisRhinologika (Kinder)

Tab. 16.21
Generikum/Wirkung Handelsname, z. B. Anwendung/Dosierung/Hinweise
Oxymetazolin Nasivin® Sgl./KK/SK: 0,01/0,025/0,05 % Lsg.
2–3 × 1–2 Tr.
Xylometazolin Otriven®, Olynth® Sgl./KK/SK: 0,025/0,05/0,1 % Lsg.
2–3 × 1–2 Tr.

KK: Kleinkinder; Sgl.: Säuglinge; SK: Schulkinder

Anwendung von Sedativabeim KindSedativa

Tab. 16.22
Generikum/Wirkung Handelsname, z. B. Anwendung/Dosierung/Hinweise
Diazepam
(Benzodiazepin) sedierend, anxiolytisch, muskelrelaxierend
Diazepam Desitin® rectaltube 5/10 mg Rektal 0,3–0,5 mg/kg KG; ED Sgl./KK/SK: 1/1–2/2 Rektiolen à 5 mg
Diazepam-ratiopharm® 10 mg/ml Tr. Oral ab 6. Lj. TD 0,1 mg/kg KG (ca. 1 Tr./Lj. als Faustregel) alle 12 h. Cave: < 6. Lj.
Diazepam AbZ® 10 mg Amp. 0,1–0,2 mg/kg KG i. v. alle 12 h (lange HWZ!). Cave: RR-Abfall, Atemstillstand, paradoxe Wirkung
Chloralhydrat
Sedierend
Rektiole 600 mg 30–50 mg/kg KG rektal; nicht Mittel 1. Wahl (Rhythmusstörung)! KI: < 12 kg
Phenobarbital
(Barbiturat) sedierend
Luminal®, Luminaletten® 3–4 mg/kg KG in 2 ED. Cave: Bei hyperkinetischen Kindern paradoxe Reaktion! KI: Schwangerschaft
Promethazin
Sedierend, antihistaminerg
Atosil®, Promethazin® neuraxpharm 1 Tr./kg KG (max. 40 Tr.) alle 8 h; max. TD 0,5 mg/kg KG i. v. KI: Sgl. (SIDS!)Bei KK paradoxer Erregungszustand möglich

KK: Kleinkinder; Sgl.: Säuglinge; SK: Schulkinder

Pädiatrie

Helmut A. Zappe

  • 16.1

    Allgemeines881

  • 16.2

    Wachstum und Entwicklung881

    • 16.2.1

      Wachstumsgrößen881

    • 16.2.2

      Reflexverhalten im 1. Lebensjahr882

    • 16.2.3

      Psychomotorische Entwicklung882

    • 16.2.4

      Zahnentwicklung884

    • 16.2.5

      Geschlechtsentwicklung884

  • 16.3

    Ernährung und Prävention886

    • 16.3.1

      Muttermilchernährung886

    • 16.3.2

      Flaschenmilchernährung886

    • 16.3.3

      Beikost887

    • 16.3.4

      Ernährungsplan im 1. Lebensjahr887

    • 16.3.5

      Alternative Ernährungsformen888

    • 16.3.6

      Allergieprävention888

    • 16.3.7

      Rachitisprophylaxe889

    • 16.3.8

      Kariesprophylaxe889

    • 16.3.9

      Strumaprophylaxe890

  • 16.4

    Anamnese und Untersuchung891

    • 16.4.1

      Besonderheiten der Anamnese891

    • 16.4.2

      Besonderheiten der Beobachtung891

    • 16.4.3

      Besonderheiten der Untersuchung892

  • 16.5

    Leitsymptome und Differenzialdiagnose895

    • 16.5.1

      Fieber895

    • 16.5.2

      Hautausschlag899

    • 16.5.3

      Erbrechen899

    • 16.5.4

      Diarrhö901

    • 16.5.5

      Obstipation903

    • 16.5.6

      Bauchschmerzen904

    • 16.5.7

      Husten906

    • 16.5.8

      Gedeihstörung und Kleinwuchs907

    • 16.5.9

      Ikterus907

    • 16.5.10

      Zyanose908

    • 16.5.11

      Atemnot909

  • 16.6

    Krankheitsbilder der Atemwege910

    • 16.6.1

      Unkomplizierter Atemwegsinfekt910

    • 16.6.2

      Rhinitis911

    • 16.6.3

      Pharyngitis911

    • 16.6.4

      Laryngitis911

    • 16.6.5

      Krupp-Syndrom (Krupp, Epiglottitis)911

    • 16.6.6

      Bronchitis913

    • 16.6.7

      Bronchiolitis914

    • 16.6.8

      Obstruktive Bronchitis914

    • 16.6.9

      Asthma915

    • 16.6.10

      Pneumonie919

    • 16.6.11

      Otitis media920

    • 16.6.12

      Seromukotympanon921

    • 16.6.13

      Sinusitis922

    • 16.6.14

      Mukoviszidose923

    • 16.6.15

      Fremdkörperaspiration923

    • 16.6.16

      Plötzlicher Kindstod924

  • 16.7

    Krankheitsbilder des Magen-Darm-Bereichs925

    • 16.7.1

      Akute Gastroenteritis925

    • 16.7.2

      Dreimonatskolik925

    • 16.7.3

      Kardiainsuffizienz925

    • 16.7.4

      Pylorushypertrophie926

    • 16.7.5

      Acetonämisches Erbrechen926

    • 16.7.6

      Nabelhernie927

    • 16.7.7

      Invagination927

    • 16.7.8

      Volvulus928

    • 16.7.9

      Appendizitis928

    • 16.7.10

      Zöliakie929

  • 16.8

    Infektiöse „Kinderkrankheiten“929

    • 16.8.1

      Überblick929

    • 16.8.2

      Masern932

    • 16.8.3

      Röteln933

    • 16.8.4

      Streptokokken-A-Angina, Scharlach934

    • 16.8.5

      Windpocken936

    • 16.8.6

      Ringelröteln937

    • 16.8.7

      Dreitagefieber938

    • 16.8.8

      Keuchhusten938

    • 16.8.9

      Mumps940

    • 16.8.10

      Meningitis941

    • 16.8.11

      Enzephalitis942

  • 16.9

    Krankheitsbilder der Haut943

    • 16.9.1

      Seborrhoische Säuglingsdermatitis943

    • 16.9.2

      Windeldermatitis944

    • 16.9.3

      Mundsoor944

    • 16.9.4

      Mundfäule944

    • 16.9.5

      Mundwinkelrhagaden945

    • 16.9.6

      Hitzepickel945

    • 16.9.7

      Impetigo contagiosa946

    • 16.9.8

      Sandkastendermatitis946

    • 16.9.9

      Neurodermitis946

    • 16.9.10

      Mollusca contagiosa948

  • 16.10

    Erkrankungen des Urogenitalbereichs948

    • 16.10.1

      Vorbemerkung948

    • 16.10.2

      Hydrozele948

    • 16.10.3

      Varikozele949

    • 16.10.4

      Hodentorsion949

    • 16.10.5

      Epididymitis949

    • 16.10.6

      Hodenhochstand950

    • 16.10.7

      Hypospadie950

  • 16.11

    Psychosomatische Krankheitsbilder951

    • 16.11.1

      Allgemeines951

    • 16.11.2

      Enuresis (nocturna)951

    • 16.11.3

      Enkopresis953

    • 16.11.4

      Hyperkinetisches Syndrom953

    • 16.11.5

      Schulphobie955

  • 16.12

    Kindesmisshandlung u. Pädophilie955

  • 16.13

    Fehlbildungssyndrome956

    • 16.13.1

      Trisomie 21956

    • 16.13.2

      Weitere Fehlbildungssyndrome957

  • 16.14

    Tumoren im Kindesalter957

  • 16.15

    Pädiatrische Arzneitherapie959

    • 16.15.1

      Analgetika/Antipyretika960

    • 16.15.2

      Sekretolytika961

    • 16.15.3

      Antitussiva961

    • 16.15.4

      Rhinologika962

    • 16.15.5

      Sedativa962

    • 16.15.6

      Naturheilkundliche Therapieempfehlung962

  • 16.16

    Internetadressen966

Allgemeines

Kinder in der Allgemeinarztpraxis

  • PädiatrieKindin der AllgemeinpraxisKinder sind keine kleinen Erwachsenen: Sie nehmen die Welt anders wahr, reagieren anders. Eltern bringen ihr erkranktes Kind oft auch zum HA. Allgemeinarzt sollte daher wichtigste Kindererkr. kennen. Bei Unsicherheiten pädiatrisch geschulten Kollegen hinzuziehen.

  • Bei Kindern sind Beschwerden oft nicht eindeutig erfragbar. Unwohlsein wird z. B. gern in den Bauch projiziert. Geschulte Beobachtung u. gezielte Fragen an betreuende Personen daher unerlässlich (16.4.1).

  • Schweregrad einer Erkr. erschwert einschätzbar. Kinder verfügen über hohe Kompensationsfähigkeit, dekompensieren andererseits überraschend schnell. Sgl., der nicht trinkt, o. KK, das sich nicht gegen Unters. wehrt, ist schwer krank (16.4.2)!

  • Kinder verzeihen keine Lügen! Einmal verspieltes Vertrauen lässt sich kaum zurückgewinnen. Daher: Nichts versprechen, was sich nicht halten lässt; stets sagen, was geschieht, auch wenn es wehtut. Kinder dürfen weinen (16.4.3). Vermeidung dauerhaft angstbesetzter Arztbesuche: z. B. Impf-, Blutentnahmevorbereitung mit EMLA®-Pflaster.

Wachstum und Entwicklung

Wachstumsgrößen

Mittlere Geburtsmaße: Gew. 3.300 g, Länge 50 cm, Kopfumfang 35 ± 2 cm. Gewichtsabnahme in ersten LT ca. 10 %, Ausgleich bis 10 d nach Geburt. Gew. mit 4½ Mon. verdoppelt (6,6 kg), mit 1 J. verdreifacht (10 kg). Während des 1. Lj. lässt Wachstumstempo allmählich nach, vom 3.–11. Lj. annähernd gleichbleibend (ca. 2½ kg, 6 cm pro J.). Folgender Pubertätswachstumsschub endet beim Mädchen mit ca. 16 J., beim Jungen mit 18 J., Epiphysenfugen sind dann geschlossen.

Somatogramm
  • Wachstumsgrößen mit altersspez. Perzentile im Vorsorgeheft Entwicklung, (früh)kindlichevergleichenWachstum, kindliches. KindEntwicklungEinzelwerte nur begrenzt aussagekräftig (Eintrag bei jeder Vorsorgeunters.!).

  • Verzögertes intrauterines Wachstum sonst gesunder Kinder (small-for-date)kann in ersten 2 Lj. aufgeholt werden. Danach entwickeln sich fast alle Kinder entlang ihrer eigenen Perzentile.

  • Anteil übergewichtiger Kinder steigt. Einschätzung Übergewicht: BMI-Perzentilen AG Adipositas im Kindes- u. Jugendalter (16.16)

Diagnostik erforderlich
  • < 3. (16.5.8) bzw. > 97. Perzentile

  • > 2 Standardabweichungen von Altersperzentile

  • Starke Abweichungen Wachstumsgrößen untereinander

Reflexverhalten im 1. Lebensjahr

Reflex1. LebensjahrAbschließende Beurteilung nur durch Erfahrenen. Übersicht Abb. 16.1.

Psychomotorische Entwicklung

Kindfrühkindliche EntwicklungAbschließende Beurteilung nur durch Erfahrenen. Übersicht Abb. 16.2.
Vorsorgeunters. bei Kindern 31.1.2.

Zahnentwicklung

Entwicklung Gebiss Tab. 16.1ZahnEntwicklung. Ursachen für KindZahnentwicklungDurchbruchverzögerung: familiäre Disposition, Rachitis, Hypothyreose.

Geschlechtsentwicklung

  • Pubertät: PubertätZeit der GeschlechtsreifungGeschlechtsreifungKindGeschlechtsentwicklung

  • Adoleszenz: AdoleszenzZeit zwischen Geschlechtsreife u. Erwachsensein

Geschlechtstypische Entwicklung bis zum Erw.-Alter Tab. 16.2. Pubertätsstadien nach Tanner Abb. 16.3. PädiatrieGeschlechtsentwicklung

Ernährung und Prävention

Muttermilchernährung

MuttermilchKindErnährungErnährungMuttermilchErnährungKinderMuttermilch ist natürliche u. angemessene Sgl.-Ernährung. Daher Stillen in ersten 6 LM unterstützen. Während Stillzeit möglichst kein Nikotin, Alkohol; Kaffee u. schwarzer Tee in Maßen. Meiden: Kohl, Hülsenfrüchte (Blähungen), Zitrusfrüchte (Wundsein), starke Geruchs- o. Geschmacksstoffe (Ablehnung). Keine Schlankheitskur, da im Fett gelagerte Schadstoffe in Muttermilch übergehen. Jodergänzung (16.3.9). Allergieprävention (16.3.6, 16.16).

Vorteile des StillensStillen
  • Muttermilch steril, richtig temperiert, Zusammensetzung u. Menge bedarfsgerecht, nicht allergen, i. d. R. jederzeit verfügbar.

  • Relativer Infektionsschutz durch enthaltene Abwehrstoffe (z.B. Otitis media)

  • Risiko SIDS ↓

  • Seltener Verdauungsstörungen, Gastroenteritiden

  • Vorbeugung kindlicher Adipositas

  • Förderung Mutter-Kind-Beziehung u. kindliche kognitive Entwicklung

  • Beschleunigung Gebärmutterrückbildung, Risikominderung für Brust- u. Eierstockkrebs

Kontraindikationen für das Stillen
  • Galaktosämie (Teilstillen bei einigen Stoffwechselerkr. mögl.: 16.16)

  • HIV, Tbc, Zytomegalie; aktive Psychose der Mutter

  • Mutter HBsAg-pos. u. Kind nicht unmittelbar postpartal simultan geimpft

  • In Muttermilch übergehende, kindgefährdende Medikamente (z. B. Zytostatika, Antiepileptika, 33.3.2)

Bei chron. Hep. C Stillen i. d. R. möglich. Ausnahmen: frische Inf., wunde Brustwarzen. Nationale Stillkommission 16.16.

Flaschenmilchernährung

IFlaschenmilchernährungErnährungFlaschenmilchMuttermilchersatzndustriell hergestellte Säuglingsmilchnahrung als Muttermilchersatz am besten geeignet: unterliegt strengen Herstellungsregeln, weitgehend Muttermilch angepasst; als alleinige Nahrung während erster 4–6 LM u. anschließend neben Beikost bis Ende 1. Lj. möglich. Unterscheidung Anfangs- u. Folgemilchen. Milchen auf Kuhmilchprotein-Basis bevorzugen, auf Sojabasis nur bei Ind. (Galaktosämie, Kuhmilchallergie). Selbst hergestellte Milchen erfordern große Sorgfalt u. Kenntnisse, unterliegen nicht der strengen Diätverordnung. Alternative Tier- o. Pflanzenmilchen bergen Risiken. Allergieprävention bei atopiegefährdeten Kindern (16.3.6).

Industriell hergestellte Säuglingsmilchnahrung
  • Anfangsmilch: „Pre“-Milchen (früher „adaptiert“) sind dünnflüssig, v. a. zur Zufütterung gestillter Sgl. Proteinanteil aus Kuhmilch- o. Sojaisolaten. „1“-Milchen enthalten Laktose u. a. KH (cave: Fruktoseintoleranz), sind konsistenter, gelten als sättigender. Beide Milchen generell als Muttermilchersatz bis Ende 1. Lj. geeignet

  • Folgemilch: „2“-Milchen: höherer Protein-, Mineralstoffgehalt → frühestens ab 5. LM, nur bei gleichzeitig zunehmender Beikost; ernährungsphysiolog. nicht notwendig, werden trotzdem oft ab 6. LM anstelle Anfangsmilch gegeben

Risiken alternativer Tier- und PflanzenmilchenPflanzenmilchEiweißbestandteile der TiermilchenTiermilch ähnlich → cave Kreuzallergien.
  • Kuhvollmilch: zu wenig Eisen, Jod u. Vit., zu hoher Eiweiß-, Mineralstoffgehalt für junge Sgl. Teilentrahmte o. Magermilch zu fettarm. Keine Verwendung von Rohmilch (Vorzugsmilch) für Sgl. u. KK wg. hygienischer Risiken. Pasteurisierte o. ultrahocherhitzte Vollmilch kann ab 6. LM mit B(r)eikostbeginn eingeführt werden

  • Ziegenmilch: zu wenig Folsäure u. Vit. B12. Ab 2. Lj. bei gemischter Kost möglich, bei vegetarischer Ernährung nicht empfehlenswert

  • Schafmilch: zu hoher Energie-, Eiweiß-, Fett-, Mineralstoffgehalt

  • Stutenmilch: zu niedriger Energiegehalt, mit 2,5 % Keimöl ausgleichbar. Im Einzelfall sinnvoll

  • Mandel-, Reis-, Getreidemilch: Proteinanteil mit geringer biolog. Wertigkeit, zu wenige Vit. (A, C, B2, B12) u. Mineralstoffe (Ca2+, Fe, Jod); prinzipiell nicht geeignet (Wachstumsstörung, Eisenmangelanämie, Rachitis, irreversible neurolog. Mangelsympt.)!

Beikost

Mit Beikostbeginn Milchmahlzeiten schrittweise durch Breimahlzeiten ersetzen. Zwischen 4. u. 6. Mon. anfangs BeikostKarotten-, dann schrittweise Gemüse-Kartoffel-Fleisch-, ab 7. Mon. Vollmilch-Getreide-, ab 8. Mon. milchfreier Getreide-Obst-Brei eingeführt zur Fe-, Ca2+- u. Vit.-C-Ergänzung. Zusätzlich ca. 200 ml Wasser o. ungesüßter Tee (möglichst bereits aus Trinkbecher). Ab 10. Mon. Übergang Breimahlzeiten in Familienkost (Mischkost). Allergieprävention (16.3.6, 16.16). Jodergänzung (16.3.9).
Tipps zur Auswahl kommerzieller Beikost:
  • Verschiedene Gemüse- u. Obstarten auswählen

  • Gelegentlich Fisch anstelle von Fleisch (Allergieprävention)

  • Kein Salz-, kein Zuckerzusatz (Gewöhnung, Kariesvorbeugung)

  • Kein Honig im 1. Lj. (Kariesvorbeugung, cave: Botulismus)

  • Ohne Milch mit Ausnahme Milch-Getreide-Brei (sonst zu hohe Eiweißzufuhr)

  • Getreide als Vollkorn (am nährstoffreichsten)

  • Zunächst nur kleine Mengen Gluten (1 Löffel Getreidebrei, wenige Nudeln), allmählich steigern

Ernährungsplan im 1. Lebensjahr

Empfohlen vom Forschungsinstitut für Kinderernährung (16.16): praktisch bewährt, wissenschaftlich geprüft, auch bei Allergierisiko o. Nahrungsmittelallergie.
Prinzipien (Tab. 16.3):
  • Zu Beginn Zahl, Menge u. Zeit der Mahlzeiten Erfordernissen anpassen (z. B. alle 2–3 h), ab 5. Mon. 4 Mahlzeiten i. d. R. ausreichend, ab 10. Mon. 3 Mahlzeiten mit kleinen Zwischenmahlzeiten

  • Gewichtskontrolle anfangs tägl., bei gutem Gedeihen 1 ×/Wo.

  • Mahlzeiten eines Alters untereinander austauschbar

  • Kleinkindermilchen o. –nahrungen bieten keinen Vorteil

Alternative Ernährungsformen

(Ovo-)/(Lakto-)Vegetarismus, vegane Ernährung: 17.5.3.
Auswirkungen:
  • (Ovo)laktovegetabile Kost: KH-, ballaststoffreich, fettarm, weniger gesättigte Fettsäuren, weniger Chol; mehr Vit. A u. C, weniger Vit. D, B2 u. B12. Prinzipiell ausgleichbar, ungenügende Eisen- u. Jodzufuhr problematisch. Verzicht auf Eier problemlos

  • Vegane Kost: Nährstoffgehalt oft unzureichend, Unterversorgung mit essenziellen AS, Ca2+, Fe, Jod, Vit. Ernährungvegane, KindB2 u. B12. Für Schwangere, Stillende, Sgl. u. Kinder ungeeignet (cave irreversible Schäden)

Allergieprävention

Ernährung in Grav. u. Stillzeit soll ausgewogen u. nährstoffdeckend sein. Meidung potenzieller Nahrungsmittelallergene nicht notwendig, Fischverzehr scheint protektiv zu wirken. 16.16.
  • Allergierisiko ↑, wenn bei einem Elternteil o. Geschwister atopische Erkr. besteht (Risikokind) → möglichst ausschließliches Stillen in ersten 4 LM. Falls nicht möglich, Säuglingsnahrung mit reduziertem Antigengehalt (sog. hypoallergene „HA“-Nahrung: Proteinanteil teilweise o. fast vollständig hydrolysiert)

  • Keine Empfehlung sojabasierter Säuglingsnahrungen zur Allergieprävention, eingeschränkte Empfehlung zur Ther. bei Kuhmilcheiweißallergie (⅓ der Sgl. entwickeln Kreuzallergie). Ggf. Gabe bei streng vegetarischer o. laktose- bzw. galaktosefreier Kost

  • Präventiver Effekt verzögerter Beikosteinführung nach 4. LM, Meiden möglicher Nahrungsmittelallergene im 1. Lj. nicht Beikostbelegt. Regelmäßig Fisch in Beikost wirkt protektiv

  • Luftschadstoffe: keine Exposition ggü. Tabakrauch! Verzicht auf lösungsmittelhaltige Farben u. Lacke in Umgebung des Sgl.; keine feuchten, schimmelpilzbelasteten Stellen in der Wohnung

  • Haustiere: Verzicht auf Katzenhaltung in Familien mit erhöhtem Allergierisiko

  • Impfungen: Auch Risikokinder sollen vollständigen Impfschutz (STIKO) erhalten

Rachitisprophylaxe

KindRachitisprophylaxeRachitisprophylaxeMangelnde Zufuhr o. Eigenproduktion (UV-Licht-Mangel) an Vit. D u. gestörte Ca-Resorption können zu Mangelrachitis bes. im 1. u. 2. Lj. (Skelettwachstum ↑) führen. Dank Prophylaxe selten; gelegentlich bei Kindern unterer sozialer Schichten, evtl. bei stets vollständig verschleierten Mädchen/F. Vit.-D-Tagesbedarf 100–400 IE.

Klinik der RachitisUnruhe, Reizbarkeit, Knochenschmerzen, Blässe, Scheitelbeinerweichung, verzögerter Fontanellenschluss, verspäteter Zahndurchbruch, Auftreibungen an Hand-, Fußgelenken u. Rippen (rachitischer Rosenkranz), Muskelhypotonie. Diagn. u. Ther. durch FA.
Prophylaxe
  • Ab 2. Lebenswo. bis Ende 1. Lj. u. 2. Lebenswinterhalbjahr 500 IE Vit. D in Wasser, Tee o. Milch aufgelöst direkt in den Mund (z. B. Vigantoletten®, in Komb. mit Kariesprophylaxe z. B. D-Fluoretten® 500), Frühgeborene evtl. höher dosieren

  • Jenseits Säuglingsalters gesicherte Vit.-D-Versorgung, wenn Gesicht u. Hände im Frühjahr u. Sommer 2 h/Wo. der Sonne ausgesetzt werden

Kariesprophylaxe

KindKariesprophylaxeKariesProphylaxeDeutlicher Rückgang Karieshäufigkeit aufgrund prophylaktischer Maßnahmen in den letzten Jahren. Derzeit Karies bei ca. 25 % der Kinder, Jgl. u. Erw.; lokale Prophylaxe hat inzwischen systemische Prophylaxe weitgehend ersetzt.

Ätiologie der KariesUngenügende Selbstreinigung des Gebisses durch mangelhaftes Kauen, Vergärung von Nahrungszuckern u. Säureeinwirkung → Entmineralisierung des Zahnschmelzes, Angriffsfläche für kariogene Bakterien (Strept. mutans 25.8.1). 1 mg Fluorid/l Trinkwasser (s. Schweiz) o. Prophylaxe (s. u.) bewirken Kariesreduktion um 60 %. D: 80 % des Trinkwassers enthalten < 0,2 mg Fluorid.
Prophylaxe
  • Lokal: frühzeitige Zahnpflege ab 1. Milchzahndurchbruch mit Wattestäbchen o. Sgl.-Zahnbürste u. Wasser. Verwendung von Zahnpasten mit 0,05 % Fluoridanteil, sobald Kind sicher ausspucken kann (ca. 4. Lj.); ab 6. Lj. 0,15 % Fluoridanteil, ggf. zusätzlich 1,25 %-Fluoridgel 1 ×/Wo. Versiegelung mit Fluoridlacken durch Zahnarzt. KH-reiche, klebrige Zwischenmahlzeiten (Süßigkeiten, Limonaden, Fruchtsäfte) meiden

  • Systemisch: Fluorid 0,25 mg/d. Nach Zahndurchbruch möglichst lutschen lassen. Beendigung der Gabe, wenn regelmäßig relevante Menge an fluoridiertem Haushaltssalz verzehrt wird bzw. die Zähne 2 ×/d mit fluoridierter Zahnpasta geputzt werden.

  • Sorgfältige Mund- u. Zahnhygiene auch der Eltern. Cave: Kariesübertragung durch Ablecken des Kinderlöffels o. -schnullers

Strumaprophylaxe

JodmangelWeltweit ca. bei 1 Mrd. Menschen KindStrumaprophylaxeJodmangelStrumaProphylaxe bei Kindern. Auch D ist endemisches Jodmangelgebiet. Jodversorgung in letzten J. ↑ (Verwendung von jodiertem Speisesalz in Privathaushalt, Großküchen u. Lebensmittelherstellung), aber noch Versorgungslücken von ca. 20 % bei Kindern, 30 % bei Jgl. u. Erw., 50 % bei Schwangeren u. Stillenden. Prävalenz NG-Kropf nur noch < 1 %.
Klinik JodmangelstrumaLange Zeit symptomlos, Wachstumsverzögerung, Störung der neurolog.-psychischen Entwicklung, erst im fortgeschrittenen Stadium sichtbare Vergrößerung u. Druckgefühl (diffuse, euthyreote, „juvenile“ Struma), anfangs auch larviert als Konzentrationsschwäche, Leistungsminderung, depressive Verstimmung. Langfristig regressiv-zystische Veränderungen, Adenome, Verkalkungen, Autonomie (17.6).
DiagnostikNG-Screening. Anlässlich Schulanfangs-, Berufseingangs-, Schwangeren- u. allg. Gesundheitsvorsorge: SD-Anamnese (familiäre Strumabelastung), Tastbefund, TSH, ggf. Sono (Normgrenzen 6./13./18. Lj.: 4/8/15 ml; Erw.: F/M bis 18/25 ml). Weiterführende Diagnostik durch FA (17.6).
ProphylaxeTägl. Jodbedarf: Sgl. 40–80 μg, Kinder bis 10 J. 100–140 μg, bis 13 J. 140–180 μg, bis 15 J. 180–200 μg, Jgl. u. Erw. 200 μg, Schwangere 230 μg, Stillende 260 μg Jodid. Jodzufuhr über Ernährung bei Erw. ca. 120 μg Jodid/d. (16.16).
  • Jodiertes Speisesalz (ggf. mit Fluor u. Folsäure 16.3.8): Verzehr von ca. 5 g ≈ 100 μg Jodid/d

  • Bevorzugung von mit jodiertem Salz hergestellten Lebensmitteln (Brot-, Fleischwaren: Jodsiegel!)

  • Regelmäßig Seefisch (2 ×/Wo.), Milch (½ l/d), -produkte. Cave: Algen- o. Seetangprodukte (hoher Jodgehalt)

  • Jodtbl. in bestimmten Situationen (z. B. Jodetten® 100 μg/200 μg/1,5 mg):

    • Bedarf ↑: Wachstum, Pubertät (100 μg Jodid/d o. 1,5 mg Jodid/Wo.); Grav., Stillzeit (100-150 μg Jodid/d)

    • Gestillte Sgl., wenn Mutter keine Prophylaxe betreibt (50 μg Jodid/d). Säuglingsmilchen enthalten ausreichend Jod

    • Bei Verzicht auf Seefisch, Milch, -produkte

    • Bei salzarmer Diät (Hypertonie, Nierenerkr., Verwendung von Spezialsalzen)

Anamnese und Untersuchung

Besonderheiten der Anamnese

KindAnamneseAnamnesepädiatrischeEigenanamnese je nach Alter noch nicht/erschwert möglich, daher gezielte Fragen an betreuende Personen unerlässlich.

Wichtige Fragen
  • Beschwerden seit wann? Erstmals? Verlauf?

  • Wann zuletzt gegessen, getrunken, geschlafen? Appetit? Stuhlgang, Miktion (Windel zeigen lassen)? Fieber? Spielverhalten?

  • Was wurde bereits versucht? Medikamente? Mit welchem Erfolg?

  • Vorerkr.? Allergie? Familiär?

  • Ähnliches in Umgebung, Kindergarten, Schule?

  • Wo u. wann zuletzt unterwegs? Reiserückkehr?

  • Impfstatus (Impfausweis zeigen lassen)?

  • Letzte Vorsorge (Vorsorgeheft zeigen lassen)?

  • Vermutung, Ängste der Eltern? Wenn möglich: Sicht des Kindes?

Besonderheiten der Beobachtung

Geschulte Beobachtung u. Einschätzung des AZ entscheidend.

Was macht das Kind?
  • Bewusstseinszustand: Interessierte o. spielende Kinder u. KK, die sich gegen Unters. wehren, sind (noch) nicht schwer krank. Apathie ist Alarmzeichen (s. u.)!

  • Gestik (Geschrei, Tränen): je dramatischer der Lärm, umso undramatischer der Zustand. Zorniges Schreien ist besser als klagendes Wimmern.

  • Bewegungsverhalten: Ein auf eigenen Füßen laufendes Kind ist meist in ausreichendem AZ. Ein auf dem Arm der Mutter kauerndes Kind ist krank.

  • Trinkverhalten: Sgl., der mehr als eine Mahlzeit auslässt, ist schwer krank.

Unmittelbare Alarmzeichen

  • KindAlarmzeichenMarmorierte, zyanotische, blassgraue Haut: z. B. Schock, Sepsis, Auskühlung, Hypoglykämie, Anämie, Hypoxämie (Zyanose 16.5.10)

  • Nicht wegdrückbare Hauteinblutungen: z. B. Meningok.-Sepsis (16.8.9)

  • Apathie, starrer o. „wegschwimmender“ Blick, seltener Lidschlag, halonierte Augen: z. B. Exsikkose (16.5.4)

  • Schonhaltung des Kopfes, Opisthotonus, Lichtscheu, Berührungsempfindlichkeit, Wimmern: z. B. Meningitis (16.8.9), Enzephalitis (16.8.10)

  • Beschleunigte Atemfrequenz, blaue Lippen: z. B. Pneumonie (16.6.10)

  • Interkostale Einziehungen: z. B. Krupp-Sy. (16.6.5), obstruktive Atemwegserkr. (16.6.8)

Besonderheiten der Untersuchung

DurchführungAm besten auf Schoß (KK) o. über Schulter (Sgl.) der Mutter untersuchen. Hände mit warmem KindUntersuchungWasser, Instrumente in Handtellern wärmen (Stethoskop mit Gummiring). Bei Sgl. warmer Untersuchungsplatz (Wärmelampe). Spielerische Einbeziehung des Kindes, Demonstration an Teddy o. sich selbst. Kind erzählen lassen. Beruhigend erklären, auch wenn nicht alles verstanden wird. Keine falschen Versprechungen! Ankündigen, wenn etwas wehtut. Belastende Unters. zuletzt: Ohr-, Racheninspektion, Genitalunters. Auskultieren, solange Kind noch geduldig o. zwischen den Schreiattacken.
Integument
  • Farbe: rosig (normal); karotinbeladen (auch Handteller u. Sohlen, nicht Konjunktiven); ikterisch (auch Konjunktiven 16.5.9); zyanotisch (kardial, pulmonal 16.5.10); blassgrau, marmoriert (Zentralisation?)

  • Exanthem: wegdrückbar (allergisch, infektiös 16.5.2), nicht wegdrückbar (Hauteinblutung, Exanthembeim KindMeningok.-Sepsis 16.8.9)?

  • Turgor: stehenbleibende Hautfalten, trockene Schleimhäute (Exsikkose 16.5.4).

  • Ekzem: trocken, nässend, krustig, blutig gekratzt, bes. Armbeugen (Neurodermitis 16.9.9)

  • Stiche: Parasiten (Schnaken, Flöhe, Milben, Zecken)? Wanderröte (9.3.4)? Raupendermatitis (26.7.3)?

  • Hämatome, Abschürfungen, Verbrennungen: Nicht erklärbar (Misshandlung 16.12)?

Augen
  • Augenkontakt: wird normalerweise erwidert. Starren, „Wegschwimmen“ der Augen sind Alarmzeichen

  • Aspekt: halonierte, eingesunkene Augen, seltener Lidschlag (Exsikkose)

  • Konjunktivitis: allergisch (Heuschnupfen), infektiös (Virusinfekt, pathognomonisch bei Masern), eitrig (bakt. Inf.)

  • Lichtscheu: Konjunktivitis, Meningitis (unzuverlässig)

  • Roter Pupillenreflex: beim dir. Hineinleuchten. Nicht bei Katarakt, retrolentaler Fibroplasie

Kopf
  • Meningismus: prüfen bei allen unklaren Zuständen, Fieber, Kopfschmerzen. Je jünger das Kind, umso wichtiger,Meningismusbeim Kind aber auch unzuverlässiger. Opisthotone Kopfhaltung, bevorzugte Seitenlage, Schmerzen beim Anheben des Kopfes aus Rückenlage (Abb. 16.4) o. beim Berühren von Stirn u. Knie („Kniekuss“ beim kleinen Kind passiv, beim älteren Kind aktiv). Bis zum Beweis des Gegenteils Hinweis auf ZNS-Inf. (Einweisung, LP)

  • Fontanellenspannung: nur in ruhiger, sitzender Position beurteilbar, leichte Pulsationen normal. Spannung u. Niveau ↑ bei Hirndruck, eingesunken bei Exsikkose (16.5.4). Fontanellenschluss mit ca. 2 J.; vorzeitig bei Kraniosynostose, Mikrozephalie; verzögert bei Hypothyreose (17.6.3), Rachitis (16.3.7), klaffend bei chron. ↑ Hirndruck

  • Otoskopie: bei allen fiebernden Kindern. Zuerst gesundes, dann krankes Ohr. In seitl. Otoskopiebeim KindLagerung mit ohrenspiegelhaltender Hand Kopf kurz auf die Unterlage drücken, um plötzliche Bewegungen zu verhindern. Mit freier Hand beim Sgl. Ohrmuschel nach hinten-unten, beim älteren Kind nach hinten-oben ziehen. Beim schreienden Kind Trommelfelle oft diffus gerötet, Lichtreflexe erhalten. Otitis media: Rötung („Injektion“ basal o. am Hammergriff beginnend, Reflexverlust, Trübung, evtl. Vorwölbung). „Grippe-Otitis“: Rötung mit blasigen Auftreibungen (16.6.11)

  • NNH: Belüftung u. klin. Relevanz: Siebbein ab ½ J., Kiefer- u. Keilbein ab 3. J., Stirnbein ab 5. J.

  • Racheninspektion: Haltung des Kindes (Abb. 16.5). I. d. R. ohne Auslösen des Würgereizes Racheninspektion beim Kindmöglich. Nicht bei V. a. Epiglottitis (16.6.2). DD: trockene Schleimhäute (Exsikkose 16.5.4). Schleimstraßen (Rhinitis 16.6.1), Sinusitis (16.6.13). Weiße Beläge beim Sgl. (Soor 16.9.3, Milchreste wegwischbar). Imponierend große Tonsillen möglich (Entfernung nur bei behinderter Atmung 23.3.2). Geröteter Rachenring (Virusinf.). Rot geschwollene, mit Stippchen o. Belägen belegte Tonsillen (Tonsillitis, Streptok.-Angina 16.8.3, Mononukleose 9.4.3)

Hals
  • Lk-Status: subokzipital, nuchal (pathognomonisch bei Röteln), prä-, retroaurikulär, submaxillär, seitlicher Hals, auch axillär u. inguinal. Bds. Schwellung (Inf.), einseitige Schwellung (regionäre Lymphadenitis). Kleine, bes. inguinale Lk bei fast allen Kindern. Cave: maligne Prozesse (selten)

  • SD: Palpation bes. bei Jgl. (Strumaprophylaxe 16.3.9)

Lunge
  • Atemfrequenz: altersentsprechende Normwerte (Wachen/Schlafen): NG

    (50–60/40–50); 6.–12. Mon. (30–50/22–31); 1.–2. Lj. (30–40/17–23); 2.–4. Lj. (23–42/16–25); 4.–6. Lj. (19–36/14–23); 6.–8. Lj. (15–30/13–23); 8.–10. Lj. (15–31/14–23); 10.–12. Lj. (15–28/13–19); 12.–14. Lj. (18–26/15–18)

  • Exspirium: länger als Erw.

  • Auskultation: Atemgeräusch lauter als Erw. Cave: Bronchialatmen des Sgl. nicht mit Pneumonie verwechseln! Fortgeleitete grobblasige RG häufig bei verrotzt-verschleimten Kindern (Abhusten, Lageveränderung). Cave: Kleine Segmentpneumonien erfordern sorgfältige Auskultation!

  • Perkussion: meist nur orientierend möglich. Bei KK am besten im Sitzen, Mittelfinger auf Dornfortsätze, Ring- u. Zeigefinger perkutieren, Seitenvergleich

  • Einziehungen: epigastrisch bes. beim Sgl. schwer zu beurteilen (Bauchatmer); supraklavikulär, interkostal (Dyspnoe)

Pathologische Lungenbefunde

  • KindLungenbefunde, pathologischeAtemfrequenz: ↑ (Pneumonie 16.6.10)

  • Exspiration: verlängert (obstruktive Bronchitis 16.6.8, Asthma bronchiale 16.6.9)

  • Stridor: inspir. (Krupp-Sy. 16.6.5), exspir. (obstruktive Bronchitis 16.6.8, Asthma bronchiale 16.6.9)

  • RG: fein- bis mittelblasig, feucht, ohrnah (Pneumonie 16.6.10)

  • Atemgeräusch: einseitig o. lokal, abgeschwächt o. verschärft (Aspiration, Fremdkörper 16.6.15, Atelektase, Erguss, Pneumothorax, Pneumonie 16.6.10)

  • Einziehungen: Krupp-Sy. (16.6.5)

  • Überblähung: obstruktive Bronchitis (16.6.8), Asthma bronchiale (16.6.9)

Herz
  • KindHerzuntersuchungSinusarrhythmie: ausgeprägte Atemabhängigkeit bei Kindern normal

  • Extrasystolen: bis 5 singuläre pro Min. noch normal (supraventrikulär)

  • Herzgeräusche: systolisch akzidentell häufig (bes. bei Fieber); diastolisch, hochfrequent, rau (10.2.1, 10.10)

  • Herzinsuff.: Gedeihstörung, Hepatomegalie, Blässe, Zyanose, Schwitzen, Atemnot

  • Femoralispulse: ↓ bis fehlend (z. B. Aortenisthmusstenose)

Abdomen
  • Inspektion: Bei Sgl. seitlich ausladend, bei KK ventral gebläht? Peristaltik sichtbar? Nässender KindAbdomenuntersuchungNabel (Infektionsquelle)? Hernien?

  • Auskultation: Verstärkte Darmgeräusche (Enteritis)? Sonst wie Erw. (8.2.1)

  • Abwehrspannung: Beine im Hüftgelenk gebeugt, Arme neben Bauch ausgestreckt, nur mit warmen Händen, bei Schreien Phase des Luftholens nutzen

  • Palpation Leber: bei Sgl. bis 2 cm unter Rippenbogen tastbar

  • Palpation Milz: bei tiefer Inspiration u. Gegenlagerung tastbar

  • Rektale Unters.: mit kleinem Finger, zuvor Anus inspizieren (Fissur, Prolaps?). Blut am Fingerling: Invagination (16.7.7), Volvulus (16.7.8)?

Windel-, Genitalbereich
  • Windel: Nassgewicht? Feuchtigkeitshof? Wenn trocken, wann zuletzt gewechselt? Wenn länger als 6 h Windeluntersuchungtrocken, ausreichende Trinkmenge? Stuhl bei gestilltem Sgl.: breiig, goldgelb, angenehm riechend. Stuhl bei akuter Enteritis: wässrig, grünlich, übel riechend

  • Haut unter Windel: wund, rot (Windeldermatitis 16.9.2)

  • Phimose: bei Sgl. u. KK physiolog., nicht manipulieren!

  • Hoden: Torsion (schmerzhaft, imponiert als akutes Skrotum/Abdomen 16.10.4)? Hydrozele (prall-elastisch, nicht ausdrückbar, pos. Diaphanoskopie 16.10.2)? Leistenbruch (mit kleinem Finger nach oben „hakeln“)?

  • Verletzungen, vaginaler Ausfluss: Missbrauch (16.12)?

Extremitäten
  • Inspektion: Abspreizbehinderung (Abb. 16.6), Oberschenkelverkürzung, Faltenasymmetrie, Strampeln eingeschränkt: angeb. Hüftdysplasie? (6.5.5)

  • Ortolani-Zeichen bei Hüftdysplasie: hör- u. fühlbares Einschnappen Hüfte bei passiver Abduktion u. Außenrotation Ortolani-Zeichendes in Hüfte u. Knie gebeugten Beins. Möglichst frühzeitige Diagnose in ersten LT.

  • Transientes Hinken: Coxitis fugax („Hüftschnupfen“ 6.5.10)?

Leitsymptome und Differenzialdiagnose

Fieber

DefinitionNormal: bis 37,5 °C. Subfebril: bis 38 °C. Fieber: bis 41 °C. Fieberbeim KindKindFieberHyperpyrexie: > 41 °C. Sgl. u. KK: höhere Körpertemperatur als ältere Menschen.
Klinik
  • Zuverlässigste Messung rektal; sublingual um 0,2 °C, axillär um 0,5 °C niedrigere Werte. Vorteil Ohrthermometer: schnelle Messung. Nachteil: korrekte Positionierung im Gehörgang notwendig

  • Frühmorgens am niedrigsten, gegen Abend am höchsten; individuelle Unterschiede

  • Nahrungsaufnahme, Kleidung, emotionale Erregung, körperl. Aktivität (Schreien) erhöhen Temperatur ggf. bis 38 °C

  • Begleitsympt.: Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Schweißausbruch, Frösteln, Gliederschmerzen, unspezifisches Exanthem

  • Cave: schwerwiegende bakt. Erkr. (Sepsis, Meningitis, Pneumonie) bes. bei Sgl. nicht immer mit Fieber.

  • Fieberanstieg: Peripherie kühl, Bauch warm (Kreislaufzentralisation)

  • Fieberabfall: gesamter Körper warm

Diagnostik
Anamnese: Erster Eindruck: leicht o. schwer krank? (Spielverhalten, Bettlägerigkeit, Bewusstseinszustand, Hautkolorit)?
Körperl. Unters.: Kinder immer vollständig untersuchen (16.4.3), auch wenn erster Blick in bestimmte Richtung weist. Inspektion gesamtes Integument, Genitale, Lk; Auskultation, Otoskopie, Racheninspektion. Urin-Streifentest, ggf. Harnsediment (13.2.1).
Bei jedem fiebernden Kind nach meningitischen Zeichen fahnden. Bei Sgl. mit Meningitis können sämtliche typ. Zeichen fehlen; umgekehrt leichte endgradige Nackensteife ohne weitere meningitische Zeichen bei hoch fiebernden Kindern auch ohne Meningitis möglich.
Alarmzeichen:
  • Bewusstseinsstörung: V. a. Sepsis, Enzephalitis, Meningitis

  • Petechiale Hauteinblutungen (nicht wegdrückbar): V. a. Mikroembolien, Thrombozytopenie bei Sepsis (z. B. Meningok.-Sepsis)

  • Krampfbereitschaft (Übererregbarkeit, erhöhter Muskeltonus) bzw. Krampfanfälle: V. a. Fieberkrampf, Meningitis, Enzephalitis

  • Schocksympt. mit marmorierter Haut, schwachem Puls: V. a. septischen Schock, Exsikkose

Weiteres Vorgehen
  • Wenn keine hinweisenden Sympt. (Tab. 16.4) u. Erkr. leicht erscheint, Diagnose abwartend offen lassen. Bei gleichbleibendem o. verschlimmertem Verlauf Unters. spätestens binnen 24 h wiederholen. Mehrzahl d. F. mit uncharakt. Fieber bleibt ungeklärt. Als alleiniges Symptom ist Fieber bei Dauer von 3–6 d meist harmlos, diagn. Abklärung erübrigt sich dann. Wahrscheinlich virale Inf. als Ursache („banaler“ Infekt)

  • Treten spez. Sympt. hinzu, entwickelt sich ggf. ein typ. Krankheitsbild. Häufig: Inf. obere Luftwege (16.6), HNO-Bereich (16.6.4), Gastroenteritis (16.5.3, 16.5.4, 16.7.1), HWI (13.3.2). Seltener: infektiöse „Kinderkrankheiten“ (16.8), Pneumonie (16.6.10), Sinusitis (16.6.13), Appendizitis (16.7.9), Hep. (8.7.1), Arzneimittelreaktion u. a.

  • Seltene Erkr. mit Fieber über längere Zeit: Tbc, tief liegender Abszess, Osteomyelitis, Toxoplasmose, Neoplasmen (Leukämie), Endokarditis, chron. Darmerkr.

  • FA-ÜW bzw. Klinikeinweisung umso dringlicher, je jünger das Kind (bes. ≤ 2 Mon.), bei:

    • Fieber unklarer Genese > 6 d

    • Wiederholten unklaren Fieberschüben

    • Schwerem Krankheitseindruck

Fieber ohne diagn. Zuordnung: Keine Ind. für Antibiotikum (u. U. Verschleierung eines abwendbar gefährlichen Verlaufs!).

Therapieprinzipien
  • AntipyreseAntipyrese: leichte Bekleidung, frische Luft, kühle Getränke, Waden-, Bein-, Brustwickel oft ausreichend (cave: Waden-, Beinwickel nur bei warmen Extremitäten!). Bei > 39 °C (Kreislaufbelastung) o. bei stark beeinträchtigtem AZ medikamentös. Nicht streng verordnen, sondern bei Bedarf. 1. Wahl: Paracetamol, Ibuprofen. ASS nicht bei fiebernden Kindern (cave: Reye-Sy.). Metamizol nur, wenn andere Mittel nicht ausreichen (16.15.1)

  • Instruktion Eltern: sofortige Berichterstattung bei Verschlimmerung, neuen Sympt. o. Verhaltensauffälligkeiten, bes. Bewusstseinstrübung, Atemnot, Wimmern, wiederholtem Erbrechen, Trinkverweigerung. Andernfalls nach 12–24 h Kontrolle in der Praxis. Bettruhe bei KK nicht erzwingbar: Besser ruhig spielen lassen als unruhig ins Bett sperren. Kindergarten-, Schulbesuch frühestens nach 1 d Fieberfreiheit ohne antipyretische Maßnahmen

Fieberkrampf

KindFieberkrampfFieberkrampfFieberbedingter Krampfanfall: v. a. ältere Sgl. u. KK (Altersgipfel im 2. Lj.), Wiederholungsrisiko 30 %.

ÄtiologieDisposition u. ererbte Bereitschaft zu Krampfanfällen. Bei wenigen Kindern zerebrale Vorschäden (Schwangerschaftskomplikation, Geburtstrauma) nachweisbar. Meist Virusinf. (z. B. Dreitagefieber 16.8.6). Auslösend: Fieberanstieg, -höhe. Selten auch vor o. nach Fieberepisode.
Diagnostik
  • Einfacher Fieberkrampf (Gelegenheitsanfall): generalisierter tonisch-klonischer Krampfanfall, wenige Min. Vollständige Erholung binnen 1 h

  • Komplizierter Fieberkrampf: Herdsympt. (Seitenbetonung), > 15 Min., öfter als 3 ×/Fieberepisode, erster Fieberkrampf im 1. o. nach 4. Lj.

  • Abklärung Fieberursache (Ganzkörperstatus). Meningitis/Enzephalitis sicher ausschließen. Cave: Typ. Zeichen (Nackensteife, gespannte Fontanelle) fehlen oft in ersten 18 LM, bei Vorbehandlung mit Diazepam o. Antibiotika, bei Erbrechen o. Trinkverweigerung. Sonst Einweisung (LP!)

DifferenzialdiagnoseZNS-Inf., Epilepsie, Stoffwechselstörung (z. B. Hypoglykämie), Tumoren.
Akuttherapie
  • Stabile Seitenlage. Anfallskupierung: Diazepam rektal bis 15 kg 5 mg, ab 15 kg 10 mg (z. B. Diazepam Desitin®, Stesolid® rectal tube). Meist sistiert Anfall innerhalb einiger Min. von selbst

  • Erstmanifestation bei Kindern < 1½ Lj., komplizierter Fieberkrampf, V. a. andere Genese: Klinikeinweisung (Neuropädiatrie)

Prophylaxe
  • Grundsätzlich Antipyrese (16.15.1) bei Fieberepisoden (Wirksamkeit nicht belegt)

  • Zusätzlich bei krampfanfälligen Kindern Diazepam (schlechte Compliance). Dauerprophylaxe mit Antiepileptika wg. deutlicher NW überholt

Wichtig für HA: Aufklärung verunsicherter Eltern bzgl. guter Prognose: Nur 1 % der Kinder mit einfachem u. 6 % der Kinder mit kompliziertem Fieberkrampf entwickeln Epilepsie. Kinder mit Fieberkrampf bis zum 6. Lj. nicht unbeaufsichtigt zu Hause lassen. Für Wiederholungsfall Diazepam-Rektiolen rezeptieren.

Hautausschlag

SynonymExanthemExanthembeim Kind.

Wichtig ist, infektiöse von allergischen Exanthemen zu unterscheiden.

Infektiöse (fieberhafte) Exantheme
  • Unspez.: weder durch sonstige Sympt. noch serolog. Hautausschlag beim Kindeinem spez. Err. KindExanthemzuzuordnen; vermutlich bei unspez. Virusinf. Häufig bei KK

  • Spezifisch (16.8, infektiöse „Kinderkrankheiten“): anfangs schwer, am einfachsten während Erkr.-Höhepunkt erkennbar; Exanthemmorphe, Begleitsympt. beachten:

    • Masern: Husten, Konjunktivitis, erhebliches Krankheitsgefühl

    • Röteln: nuchale Lk-Beteiligung, leichter Verlauf

    • Scharlach: akuter Fieberanstieg, Pharyngotonsillitis (obligat)

    • Windpocken: Bläschen (auch auf behaarter Kopfhaut), Juckreiz

Masern u. Röteln seit Einführung Impfung selten; treten inzwischen später (Jugend-, Erw.-Alter) auf (Impflücken) u. verlaufen dann i. d. R. schwerer; Exanthem dann oft atypisch. Windpocken: bei Erw. oft schwerer Krankheitsverlauf.

Allergische ExanthemeJe nach Allergietyp Min., Stunden o. Tage nach Exposition (Arznei-, Nahrungsmittel). Jede Morphe imitierend. Quaddeln, Juckreiz sind hinweisend. Meist kein Fieber, keine kAllergieExanthem beim Kindatarrhalischen Sympt. o. Lk-Beteiligung.

Sofortige Klinikeinweisung bei fieberndem Kind mit Petechien, nicht wegdrückbarem hämorrhagischem Exanthem (Meningok.-Sepsis?) o. mit blasiger Abhebung der Haut (Lyell-Sy.?).

EpizoonosenEpizoonosen(Lausbefall26.7). Pediculosis
  • Lausbefall (Pediculosis): gerötete Stichstellen, starker Juckreiz, Kratzeffekte (26.7.2)

  • Krätze (SkabiesKrätzeSkabies): strichförmige Rötungen, starker Juckreiz (v. a. nachts) (26.7.1)

  • Raupendermatitis: Mischbild mit Rötungen, Papeln, Bläschen, Juckreiz (26.7.3)

Erbrechen

Häufiges, vieldeutiges Symptom im Kindesalter.

DiagnostikTab. 16.5
Anamnese:
  • Wie (schlaff? schwallartig?), wie viel (cave: Erbrechenbeim KindMenge wird meist überschätzt! Bis 20 ml: „Spucken“), was (KindErbrechenunverdaut: ösophageal; sauer: gastrisch; gallig: duodenal; fäkulent: jejunal; helles Blut: ösophageal, nasopharyngeal; Hämatin: Hiatushernie?), wann (nach Nahrungsaufnahme, psychischer Belastung, Trauma?), wie oft (Brechattacken?)?

  • Fütterungstechnik (Zu viel? Zu schnell? Ohne Pausen? Körperhaltung? Saugerloch zu groß? Saugerumfang zu klein?)

  • Kost (altersgerecht? Diätfehler?)

  • Begleitsymptome (Bauchschmerzen? Durchfall? Fieber? Kopfschmerzen? Schwindel? Hunger? Durst? Verhalten?)

  • Umgebungsanamnese (Ansteckungsmöglichkeit? Auslandsaufenthalt?), Familienanamnese (Diab. mell.? Migräne? Anfallsleiden?)

  • Bei Mädchen: Grav.? Hinweise auf Essstörung (Bulimie 22.5.9; auch bei Jungen möglich)?

Körperl. Unters.: prinzipiell vollständig, dabei Einschätzung Flüssigkeitsverlust entscheidend (16.5.4), Peristaltik (Darmobstruktion?), neurolog. Zeichen (Meningitis, zerebrale Raumforderung?); Skleren (Hep.?); rektal (Blut am Fingerling?). Letzte Stuhlwindel zeigen lassen. Ggf. Urin-Streifentest (HWI?).

Abwendbar gefährliche Verläufe: Exsikkose, Appendizitis, Darmverschluss, Meningitis, zerebrale Raumforderung.

TherapieUncharakt. Erbrechen u. Gewichtsverlust < 5 %: orale Rehydratation für 6–12 h, Realimentation spätestens nach 6–12 h; praktisches Vorgehen (16.5.4). Cave: keine Antiemetika, sind wirkungslos (Ausnahme: Migräne, Reisekrankheit); NW: häufig Dyskinesien.
  • Instruktion Eltern: bei Nichtsistieren binnen 2–3 h erneute Kontaktaufnahme mit Praxis, Kontrollunters.

  • Ind. Klinikeinweisung:

    • Schwerer Krankheitseindruck

    • Akuter Gewichtsverlust > 5 % (drohende Exsikkose)

    • Rezid. Erbrechen von Sgl. ohne eindeutig harmlose Ursache

    • Neurolog. Begleitsympt. (Meningitiszeichen, zerebrale Raumforderung)

Uncharakt. Erbrechen mit/ohne Durchfall, mit/ohne Fieber, 2–3 d, guter AZ: i. d. R. keine ätiolog. Klärung erforderlich. Meist (Rota-)Viren o. Diätfehler. Prophylaxe 16.5.4.

Diarrhö

Akuter Durchfall im Kindesalter i. d. R. selbstlimitierend, evtl. aber lebensbedrohlicher Wasser- u. E’lytverlust.

KlinikTypischerweise einige Std. vorausgehende Verhaltensänderung („KindDiarrhöweinerlich“, Nahrungsverweigerung, Blässe, „Spucken“, Diarrhöbeim KindErbrechen, Temperaturerhöhung, Wundsein), geblähtes, hyperperistaltisches Abdomen, dann unvermittelt einsetzende dünne, wässrig-spritzende o. schleimige Stühle (in Windel nur am Wasserhof erkennbar), ggf. grünlich verfärbt, Geruch verändert. Blutspuren deuten auf invasive (bakt.) Err., schaumig-saure Stühle auf Gärungsprozesse (Malabsorption).
  • Schwere Krankheitsbilder: metab. Azidose (vertiefte Atmung), hyperpyretische Toxikose (> 40 °C), Coma dyspepticum (Bewusstseinstrübung)

  • Seltene Begleitmanifestationen: HUS (Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS)blutige Diarrhö, Oligurie, HUS (hämolytisch-urämisches Syndrom)Nierenversagen), reaktive Arthritis, Osteomyelitis, Sepsis u. a.

Diagnostik
Anamnese: Ernährungsgewohnheiten (Diätfehler?), Infektionsmöglichkeit (Hygiene? Reisen? Tiere?), Nahrungsmittel (Rohmilch? Rohe Speisen? Speiseeis?), Medikamente (Antibiotika?), Begleiterkr.
Körperl. Unters.: vollständig, dabei Einschätzung Flüssigkeitsverlust wichtig (Tab. 16.6).
Err.-Nachweis (Stuhlprobe, Rektalabstrich, ggf. Serologie) bei:
  • Blutigen Durchfällen (meist verbunden mit Übelkeit u. Bauchschmerzen) o. schlechtem AZ; falls nach Antibiotikagabe o. bei Immunsuppression aufgetreten, gezielt nach Clostridium-difficile-Toxin suchen

  • Epidemischem Auftreten (Gesundheitsamt melden)

  • V. a. HUS

Differenzialdiagnose
Akuter Durchfall:
  • Infektiöse (Gastro-)Enteritis: viral 70 % (Rota-, Adeno-, Noroviren); bakt. 20 % (Salm., Shigellen, Campylobacter, enteropathogene Enteritisbeim KindE. coli, Yersinien); Protozoen (Lamblien, Entamoeba, Cryptosporen)

  • Nahrungsmittelintox. (Staphylok., Clostridien): Erbrechen, Umgebungsanamnese

  • Diätfehler: Abstilldyspepsie, hyperosmolare Getränke, Fruchtsäfte

  • Gestörte Darmflora: z. B. nach Antibiotikather.

  • Begleitreaktion bei Atemwegs-, Harnwegs- o. ZNS-Inf.

  • Selten: nekrotisierende Enterokolitis, M. Hirschsprung, Invagination u. a.

Chron. Durchfall:
  • Malabsorption: Mono-, Disaccharidase-Mangel bei Laktose-, Fruktoseintoleranz, Zöliakie, Mukoviszidose (16.6.14)

  • Entzündlich: M. Crohn, Colitis ulcerosa (8.5.2)

  • Immunopathien (z. B. AIDS)

  • Psychogen: Reizkolon (8.5.5)

Therapie

  • Akuter Gewichtsverlust < 5 %: oraler Ersatz Flüssigkeits- u. E’lytverluste, frühzeitiger Nahrungsaufbau (Realimentation)

  • Akuter Gewichtsverlust > 5 %, AZ ↓: Klinikeinweisung

1. RehydratationRehydratationbeim Kind: während 6 h 50–100 ml/kg orale Rehydratationslsg. (z. B. Oralpädon® 240), mit Lactobacillus (z. B. InfectoDiarrstop®); bei stärkerem Erbrechen gekühlt u. teelöffelweise alle 5–10 Min. 5–10 ml einflößen (Cola/Salzstangen wg. hoher Osmolarität nicht empfehlenswert. WHO-Tee, Elotrans®: für hohe Salzverluste konzipiert, z. B. bei Cholera). Nach 6 h Gewichtskontrolle. Wenn keine Besserung: Klinikeinweisung. Bei noch leichter Dehydratation erneuter oraler Rehydratationsversuch für 4–6 h.
2. Realimentation: Brustkinder parallel zur Rehydratation nach Bedarf weiterstillen, Flaschenkinder erhalten übliche Milchnahrung 6–12 h nach Rehydratationsbeginn mit Wasser 1 : 2 bis 1 : 1 verdünnt. Kein Vorteil von Heilnahrungen (laktose-, fettarm, rohfaserreich). Ältere Sgl. u. KK: neben Tee gewohnte leichte Kost (Karotten-, Kartoffelpüree, geriebene Äpfel, gemuste Bananen, Zwieback, Salzstangen); polymere KH vorteilhaft (Reisschleim). Nahrungsaufbau schrittweise je nach Erkrankungsschwere über 2–5 d, persistierende dünne Stühle nicht entscheidend („Stuhlkosmetik“), aber Flüssigkeitsverlust weiter ausgleichen.

  • Anhaltende Durchfälle > 14 d, mangelnde Gewichtszunahme: gastroenterolog. Abklärung

  • Bei Kindern nicht indiziert: Antiemetika, motilitätshemmende Substanzen, Adsorbenzien

  • Antibiotika nur in Ausnahmefällen: Sgl. < ½ Lj. mit bakt. Enteritis, septisches Krankheitsbild, Shigellen, Immundefekt, epidemiolog. Häufung. Nicht bei unkomplizierter Salmonellose

  • Sekretionshemmer Racecadotril (Tiorfan®, für Sgl. ab 3 Mon. zugelassen) u. Probiotika wie Lactobacillus (z. B. InfectoDiarrstop®) o. E.-coli-Stamm Nissle (z. B. Mutaflor®) beschleunigen Stuhlnormalisierung um ca. 1 d

Prophylaxe
  • Fäkal-orale Schmierinf. vermeiden: konsequente Händehygiene; Reinigung u. Desinf. patientennaher Flächen u. kontaminierter Gegenstände (Wickeltisch, Waschbecken, Windeln, Toilette, Türgriffe)

  • Atemschutz vor infektiösen Aerosolen bei schwallartigem Erbrechen

  • Je nach individuellem Nutzen/Risiko orale Impfung gegen Rotaviren (Rotarix®, Rotateq®) zw. 6. u. 24. Lebenswo.

  • Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen frühestens 2 d nach Abklingen der Sympt.; Meldepflicht, wenn mehrere Fälle durch gleiche Inf.-Quelle bedingt (IfSG 9.11)

Obstipation

Normale Stuhlfrequenz1–2 ×/d bis 3 ×/Wo. (Brustkind:Obstipationbeim Kind 5–6 ×/d bis 1 ×/2 Wo.)
Diagnostik
Anamnese: Bauch-, Defäkationsschmerzen, Überlaufinkontinenz (Stuhlschmieren)? Ernährungs-, Stuhlgewohnheiten? Medikamente? Psychosoziale Situation?
Körperl. Unters.: Abdomenauskultation, -palpation (Skybala?), Analinspektion (Entzündung, Rhagaden, Fissur, Marisken, Ekzem?), rektal-digitale Unters. (nicht bei Rhagaden o. Fissur; bei Angst/Abwehr in Sedierung).
Differenzialdiagnose
Akute Obstipation:
  • Diätfehler (zu wenig Flüssigkeit/Ballaststoffe), Änderung Ernährungs- (Beikost) o. Lebensweise (Tagesrhythmus, Reise), Umgebungsänderung (Umzug)

  • Plötzliche körperl. Immobilität (Krankheit)

  • Defäkationsschmerzen (Analentzündung, Rhagaden, Fissur, Marisken, Ekzem)

  • Situativ (Spieltrieb)

Chron. Obstipation (> 2 Mon.):
  • Verschleppte akute Obstipation

  • Habituell (Circulus vitiosus: Stuhlunterdrückung → Rektumüberdehnung → Defäkationsreiz↓ → Stuhlverhärtung → Analrhagaden → Defäkationsschmerz)

  • Psychogen (auch Missbrauch)

  • Chron. Anwendung Einläufe, Abführzäpfchen

  • Medikamente: Antikonvulsiva, Anticholinergika

  • Sek., z.B. bei zwanghaft rigider Sauberkeitserziehung (Enkopresis 16.11.3)

  • Grunderkr.: M. Hirschsprung (Syn.: Megacolon congenitumMegacolon congenitum), Hirschsprung-KrankheitMukoviszidose, Zöliakie, Hypothyreose

Therapie
Initial o. akute Obstipation: Starthilfe bei Sgl. Glyzerin-Supp. (z. B. Glycilax®) o. Miniklistier (z. B. Babylax®). Cave: keine salinischen Klistiere → Gefahr Phosphatintox.; ältere Kinder: Sorbitklysmen (z. B. Microlax®). Alternativ Einlauf mit lauwarmem Wasser. Cave: Bahnung inadäquater Reflex bei längerer Anwendung.
Präventiv o. chron. Obstipation:
  • Ernährungsumstellung (ballaststoffreich, ausreichende Trinkmenge, Leinsamen)

  • Stuhlweichmacher: Milchzucker (1–2 TL/Flasche), Laktulose-Sirup; ab 2. J. auch Macrogol-Lsg. (z. B. Kinderlax®), Paraffinum subliquidum (z. B. Obstinol mild®)

  • Toilettentraining (ab 3. Lj.): morgens gleich nach Aufstehen ein Glas kaltes Wasser o. Orangensaft, ausreichend Zeit nach Frühstück u. vor Schule; nach jeder Mahlzeit u. bei Stuhldrang Toiletten-/Topfsitzungen anregen, keine Strafpredigten, ToilettentrainingBelohnung bei Erfolg.

  • Fissur, Rhagaden, Ekzem: lokal (z. B. Mirfulan® Salbe/Spray, Infectosoor® Zinksalbe)

Instruktion Eltern bzgl. Stuhlhäufigkeit u. Ernährungsweise (Merkblätter: DGKJ 16.16), evtl. begleitende Psychother. Therapieresistenz, V. a. organische Grunderkr.: FA-ÜW.

Bauchschmerzen

KindBauchschmerzenBauchschmerzenbeim KindHäufiges Sympt. bei Kindern: allg. Unwohlsein u. unterschiedlichste Schmerzzustände werden oft auf Nabelbereich projiziert.

Diagnostik
  • Anamnese: Zu viel, Falsches gegessen? Erbrechen? Durchfall?

  • Körperl. Unters. (16.4). Cave: Beurteilung des Abdomens nicht einfach: Entweder Kind strampelt o. schreit. Wichtig ist AZ. Kind, das ohne Hilfe Untersuchungsliege besteigt, hat keine Peritonitis. Schmerzhaftes Wimmern während Autofahrt dagegen kann auf peritoneale Reizung hindeuten. Alarmzeichen akutes Abdomen:

    • Peritonismus (lokale Schmerzempfindlichkeit, Abwehrspannung, Stuhlverhalt, Akutes Abdomenbeim Kindfehlende Darmgeräusche, Fieber)

    • Obstruktion (Erbrechen, geblähter Bauch, Obstipation, hochgestellte Darmgeräusche)

    • GIT-Blutung (Blutabgang, Bluterbrechen)

  • Rektale Unters. (bei begründetem Verdacht – kleiner Finger!): Blut am Fingerling bei Invagination (16.7.7) u. Volvulus (16.7.8); bei analen Rhagaden an chron. Obstipation (16.5.5) denken

  • Labor: BB, Hkt, Urinstatus, E’lyte, Transaminasen, Amylase, Hep.-Serologie u. a.

  • Sono: Invaginationstumor, verdickte Appendix, stehende Darmschlingen?

Differenzialdiagnose
  • Akute Gastroenteritis: Erbrechen, Diarrhö, Fieber, Umgebungsanamnese, Infektionsquelle?

  • Akute Obstipation (16.5.5): Anamnese, tastbare Skybala

  • Nahrungsmittelintoleranz, -allergie

  • Appendizitis (16.7.9): meist > 2. Lj.

  • Peritonitis (8.1.6): prim. selten, meist sek. (z. B. bei Appendizitis, Invagination); typ. diffuse Abwehrspannung, vorgewölbtes Abdomen, Fieber

  • Invagination: meist < 3. Lj.: plötzlicher Schmerzbeginn (z. B. aus Schlaf heraus), dann intermittierende Koliken, Blässe, Lethargie; evtl. tastbare Walze, evtl. blutig-schleimiger Stuhl (Spätsymptom!). Cave: Wenn Darm vollständig stranguliert, lassen Schmerzen nach (16.7.7)

  • Extraintestinale Ursachen (häufig!): z. B. Otitis media (16.6.11), Tonsillitis (16.8.3), HWI (13.3.2), Pyelonephritis (13.3.3), Pneumonie (16.6.10), Ketoazidose (Diab. mell.), Leukämie (16.14), Hep., Hämolyse, somatoforme Störung

  • Akutes Skrotum (z. B. Hodentorsion 16.10.4): Skrotalschwellung, -verfärbung

Beim Sgl. zusätzlich denken an:
  • Dreimonatskolik (16.7.2): Kind in gutem AZ, lässt sich durch Tragen u. Autofahren beruhigen, keine Begleitsymptome, stets Ausschlussdiagnose!

  • Inkarzerierte Hernie: Leiste (8.5.10), Nabel (16.7.6)

  • Volvulus (16.7.8): galliges Erbrechen, Schreien, blutige Stühle, metallisch klingende Darmgeräusche

Anhaltendes o. intermittierendes Schreien eines Sgl., das sich nicht unterbrechen lässt, ist verdächtig auf akutes Abdomen. Andererseits lebensbedrohliche Erkr. im Abdomenbereich auch ohne wesentliche klin. Sympt. möglich.

Therapie
  • In leichten Fällen abwartendes Offenlassen, Kontrollunters. nach 6–12 h. Instruktion Eltern, sich bei jeder Verschlechterung bzw. Auftreten neuer Symptome zu melden

  • Bei unklarem Krankheitsbild, schlechtem AZ, V. a. akutes Abdomen: Klinikeinweisung

Befund u. Medikation nachfolgendem Untersucher mitteilen. Schmerzmittel können abwendbar gefährlichen Verlauf verschleiern.

Husten

DEGAM- Leitlinie 16.16
Diagnostik
  • Erst einige Tage bestehender uncharakt. Husten mit/Hustenbeim Kindohne Fieber: Racheninspektion, Auskultation (unspez. Inf. obere Luftwege? 16.6); Umgebungsanamnese (infektiöse „KindHustenKinderkrankheit“? 16.8)

  • > 1 Wo. anhaltend, Schlaf durchbrechend: Nasopharynxabstrich (Pertussis? 16.8.7)

  • > 1–2 Wo. anhaltend, rasche Verschlechterung: zusätzlich Rö-Thorax (Pneumonie? 16.6.10, Aspiration? 16.6.15, Malignom? 16.14)

Besonderheiten der DD (Tab. 16.7):
  • Sgl.: gastroösophagealer Reflux (nach Nahrungsaufnahme, Unruhe, Schreien ↑)

  • KK: Überbewertung normaler Infekthäufigkeit („hustet dauernd“)

  • SK: Angewohnheit (demonstrativ weit geöffneter Mund, laut, bei Ablenkung verschwindend, nicht im Schlaf)

  • Nächtlicher Husten: chron. Sinusitis, Asthma, Pertussis?

Therapie
  • Unspez.: ausreichende Trinkmenge; Kamillendampfinhalation (cave: Verbrühung); kühle, feuchte Zimmerluft, evtl. Sekretolytika (16.15.2) bei produktivem Husten mit zähem Schleim; nur kurzfristig Antitussiva (16.15.3) bei trockenem (nächtlichem) Reizhusten

  • Spezifisch: Behandlung der Grunderkr.

Gedeihstörung und Kleinwuchs

DefinitionMinderwuchs siehe Kleinwuchs
  • Gedeihstörung: ungenügende Gewichtszunahme im Altersgruppenvergleich (< 3. Perzentile), ggf. mit red. GedeihstörungLängenwachstum

  • KleinwuchsKleinwuchs (Kind): Untergewicht mit prim. Störung der Längenentwicklung. In beiden Fällen normaler Kopfumfang

Ursachen der Gedeihstörung
  • Nahrungszufuhr ↓: Unter- bzw. Fehlernährung, ungenügende Muttermilchproduktion, strenge Diät bei Nahrungsmittelallergie o. alternativer Ernährungsform, nicht altersentsprechende Ernährung (16.3). Eiweiß- u. Vitaminmangel in Entwicklungsländern → Ödeme, Pigmentverlust, Dermatosen, Exantheme (Kwashiorkor: „roter Junge“)

  • Nahrungsaufnahme ↓: therapieresistentes Erbrechen bei Hiatushernie, Kardiainsuff. (16.7.3), Pylorospasmus (16.7.4), Ös.-Stenose. Rumination, Vernachlässigung, Hospitalismus

  • Nahrungsverwertung ↓: Malabsorption bzw. Maldigestion bei Mukoviszidose, Zöliakie, Nahrungsmittelallergie, Mono-, Disaccharidase-Mangel bei Laktose-, Fruktoseintoleranz

  • Chron. Inf.: Tbc, Toxoplasmose, Zytomegalie

  • Chron. Erkr.: M. Crohn, Colitis ulcerosa, Nephropathie, Hypothyreose, Herzfehler u. a.

Ursachen des Kleinwuchses
  • Konstitutionell: verzögerte Pubertät mit späterem Wachstumsschub bei normaler Endgröße (am häufigsten)

  • Genetisch (familiär)

  • Hypokalorisch: Aufbaustoffmangel durch ungenügende Nahrungszufuhr, -aufnahme o. -verwertung (s. o.)

  • Hormonell: Wachstumshormonmangel, hypothalamisch-hypophysärer Kleinwuchs; Hypothyreose, Athyreose

  • Skelettanomalien: Osteogenesis imperfecta u. a.

  • Chromosomale Aberrationen: Down- (16.13.1), Turner-Sy. (16.13.2) u. a.

  • Fetales Alkoholsy. (16.13.2)

Diagnostik u. TherapieWichtig ist frühzeitiges Erkennen von Gedeihstörung o. Kleinwuchs. HA: Ausschluss Ernährungs- o. Pflegefehler; weiterführende Diagnostik durch FA.

Ikterus

SynonymGelbsuchtGelbsucht.
DefinitionUnterscheidung NG-Ikterus u. Ikterus jenseits NG-Periode.
Ikterus des Neugeborenen
  • Physiolog. IkterusIkterusbeim NeugeborenenNeugeborenenikterus: Unkonjugiertes Bili ↑ durch physiolog. Insuff. Glukuronyltransferase ab 2./3. LT, Max. Gesamt-Bili 10 mg/dl am 4./5. LT, Abklingen binnen 2 Wo.

  • Path. Ikterus:

    • Icterus praecox: Gesamt-Bili bereits am 1. LT > 7 mg/dl

    • Icterus gravis: Gesamt-Bili > 14 mg/dl (NG), > 10 mg/dl (Frühgeborenes)

    • Icterus prolongatus: Bili-Erhöhung über die 2. Wo. hinaus

  • Gefahr Kernikterus bzw. Bilirubinenzephalopathie: > 20 mg/dl. Risikofaktoren: Unreife, Hypothyreose, Hypothermie, Hypoglykämie, Hämolyse, Hämatome, Hirnblutung, Asphyxie, Sepsis, Schock

  • Muttermilchikterus: 0,5 % der gestillten Kinder, meist Icterus praecox et prolongatus, Abstillen nicht erforderlich, 1 d Stillpause (Muttermilch enthält Inhibitor der Glukuronyltransferase Pregnandiol)

  • M. haemolyticus neonatorum: Blutgruppen- o. Rhesusfaktorinkompatibilität, andere hämolytische Anämien, meist Morbus haemolyticus neonatorumIcterus praecox et gravis

TherapieFotother. bzw. Austauschtransfusion je nach Ursache u. Schweregrad des Bili-Anstiegs u. NG-Reife. Bei ausgeprägtem Ikterusaspekt Klinikeinweisung.
Ikterus jenseits der Neugeborenenperiode
  • Ikterusbeim KindPrähepatisch (hämolytischer Ikterus):

    • M. Meulengracht: ab SK-Alter konstitutionell intermittierende Erhöhung indir. Bili ohne Hämolyse o. Meulengracht-KrankheitLeberfunktionsstörung, keine Ther., gute Prognose (evtl. Abgeschlagenheit)

    • Crigler-Najjar-Sy.: selten, schwerer Ikterus bei abs. Glukuronyltransferase-Mangel

  • Hepatisch (Parenchym-Ikterus):

    • Hepatitis: viral, bakt., autoimmun

    • Stoffwechselstörung: Antitrypsinmangel, Galaktosämie, Fruktoseintoleranz, M. Wilson, Glykogenose, Mukoviszidose

    • Ausscheidungsstörung: Dubin-Johnson-Sy., Rotor-Sy. (angeboren); Grav., Medikamente, posthepatitisch

  • Posthepatisch (Verschlussikterus):

    • Cholestase: Cholelithiasis, Cholangitis, Choledochuszyste, Gallengangsfehlbildungen (in 1. Lebenswo. zunehmender Verdinikterus)

TherapieMit Ausnahme M. Meulengracht stat. Abklärung erforderlich.

Zyanose

SynonymBlausuchtBlausucht.

Zentrale Zyanosebeim KindZyanose infolge allg. Hypoxie: zyanotische Haut- u. Schleimhautbezirke (v. a. an Zunge, Lippen, Konjunktiven erkennbar). Periphere Zyanose infolge lokaler O2-Ausschöpfung: Akren zyanotisch u. kühl (bei Sgl. auch Munddreieck).

Diagnostik
  • Anamnese: Akut o. chron.? Kardiale o. pulmonale Vorerkr.? Medikamente? Verschluckter Fremdkörper? Intox.? Vorausgegangener Krampfanfall? Begleitsymptome (Fieber, atypische Atemgeräusche, Husten)?

  • Befund: Auskultation (obere/untere Atemwegsobstruktion, Pneumonie? Herzgeräusche?), Schockzeichen (graue Zyanose 3.4)? Herzinsuff. (Ödeme, Hepatomegalie)? Cave: Beim NG (bis 1. LM) evtl. kühle u. zyanotische Handinnenflächen u. Fußsohlen normal

Differenzialdiagnose
  • Zyanose mit Fieber: Pneumonie (16.6.10)

  • Zyanose mit Husten: Pneumonie (16.6.10), Fremdkörperaspiration (16.6.15)

  • Zyanose mit inspir. Stridor: Krupp-Sy. (16.6.5)

  • Zyanose mit exspir. Dyspnoe: obstruktive Bronchitis (16.6.8), Asthma bronchiale (16.6.9)

  • Zyanose beim Sgl.: Auskühlung, O2-Mangel, respir. Insuff. (Tachy-, Dyspnoe), Herzfehler (Herzgeräusch), Anämie (Tachykardie), Hypoglykämie, Methämoglobinämie, Exsikkose, Sepsis

Therapie
  • Bei AZ ↓: O2-Gabe, Notfallmaßnahmen (ABC-Schema 3.2.1), Klinikeinweisung (3.2.1)

  • Sgl., NG mit peripherer Zyanose: O2-Gabe, Wärme applizieren, erneut inspizieren

Atemnot

KlinikDyspnoebeim Kind
  • Dyspnoe, Tachypnoe, Angst, Erregung

  • Zyanose (rel. spätes Hypoxiezeichen), Blässe (periphere Vasokonstriktion): Bei prim. Hypoventilation (z. B. Intox., Krampfanfall) oft einziges Symptom. Zyanose erst ab > 5 g/dl nichtoxygeniertes Hb; Sgl. haben oft nur Hb von 11–12 g/dl, daher meist nur blass u. leicht bläuliche Lippen

  • Zeichen drohender Atemstillstand:

    • Progrediente Bewusstseinstrübung

    • Sinkende Atemfrequenz, nachlassende Atemanstrengung

    • Sinkende Pulsfrequenz

  • Dyspnoe-Zeichen Sgl.: konstante Tachypnoe (> 40–60/Min.), Nasenflügelatmen, Stöhnen, epigastrische, thorakale u. juguläre Einziehungen, „Schaukelatmung“ (Abdomen wölbt sich vor; gleichzeitig zieht sich der Thorax zusammen)

  • Dyspnoe-Zeichen ältere Kinder: wie beim Sgl.; zusätzlich sichtbarer Einsatz Atemhilfsmuskulatur, Tachypnoe, Orthopnoe

Diagnostik
  • Inspektion, Auskultation, evtl. Perkussion

  • Rachen vorsichtig inspizieren (ohne Spatel!); nicht bei inspir. Stridor (V. a. Epiglottitis 16.6.5)

Differenzialdiagnose
  • Dyspnoe mit Fieber:

    • Meist hohes Fieber: Pneumonie (16.6.10), Epiglottitis (16.6.5)

    • Meist mäßiges Fieber: obstruktive Atemwegserkr. (16.6.8, 16.6.9)

  • Dyspnoe mit inspir. Stridor: Obstruktion obere Luftwege, Krupp-Sy. (16.6.5)

  • Dyspnoe mit exspir. Stridor: Obstruktion untere Luftwege, obstruktive Atemwegserkr. (16.6.8, 16.6.9)

  • Dyspnoe mit Tachypnoe beim Sgl.: Bronchiolitis (16.6.7)

  • Dyspnoe plötzlich aus Wohlbefinden heraus: Fremdkörperaspiration (16.6.15), Insektengift-, Nahrungsmittelallergie (Glottisödem 16.6.5), Pneumothorax (12.4.1)

  • Dyspnoe bei Vorerkr.: Pleuraerguss, Atelektasen, Herzinsuff., Lungenödem u. a.

Sgl. atmen durch Nase; bei Verlegung mit Schleim evtl. schwere Dyspnoe. Auf freie Nase achten, ggf. absaugen (z. B. Nasenabsaugpumpe), ggf. abschwellende Nasentropfen (16.15.4).

Therapie
  • O2-Gabe

  • Kinder mit Orthopnoe nicht zum Liegen zwingen

  • Beruhigung: Kind auf Arm der Mutter lassen (Angst erhöht O2-Bedarf)

  • Keine medikamentöse Sedierung (reduziert Atemantrieb)

  • Ggf. Fiebersenkung (Fieber erhöht O2-Bedarf)

  • Bei drohender Dekompensation Beutelbeatmung, nur notfalls Intubation (3.2.1)!

  • Kliniktransport mit RTW (Mutter fährt mit!)

Krankheitsbilder der Atemwege

Unkomplizierter Atemwegsinfekt

SynonymeAkute respir. Erkr. (ARE (akute respiratorische Erkrankung)ARE), grippaler Inf., unkomplizierte Atemwegsinf., common cold.

KindAtemwegserkrankungenAtemwegserkrankungenbeim KindInfekte oberer Luftwege sind häufigste akute Erkr. im Kindesalter: 90 % viral, 10 % prim. o. sek. bakt. bedingt. Bis zu 8 Inf. pro J. gelten im Kindergartenalter als normal (erhöhte Exposition). Mit Reifung des Immunsystems werden Krankheitserscheinungen schwächer u. seltener. 9-Jährige erkranken durchschnittlich 3- bis 4-mal, 12-Jährige 1- bis 2-mal pro J. IKZ ½–3 d. Dauer selten > 10 d. Risikofaktoren („infektanfälliges Kind“): Stillen < 1 Mon., Passivrauchen.

KlinikRhinitis, Pharyngitis, Laryngitis, Tracheitis, Bronchitis u. deren (absteigende) Komb. aufgrund enger örtlichen Nachbarschaft. I. d. R. unkomplizierter Verlauf („banal“) mit allenfalls leichter AZ-Einschränkung, erhöhte Temperatur höchstens 5–7 d.
DiagnostikSchwierige Abgrenzung viraler von bakt. Inf.: erfolgt klinisch (Err.-Diagn. aus Sputum ungenau, teuer, zeitaufwendig).
  • Zeichen primär bakt. Inf.: schwerer Verlauf, hohe Temperatur > 3–4 d, grün-gelblicher Auswurf, Leukozytose

  • Zeichen bakt. Superinf.: erneuter Fieberanstieg, eitriger Auswurf, Leukozytose

KomplikationenTonsillitis, Otitis, Sinusitis, Einengung der Atemwege (Krupp-Sy., obstruktive Bronchitis, Asthma), Entzündungsausbreitung auf tiefe Atemwege (Bronchiolitis, Pneumonie), bakt. Superinf. o. Chronifizierung.
Basistherapie bei unkompliziertem InfektKörperl. Schonung (Bettruhe nicht erzwingen), Ruhe u. viel Schlaf, ausreichend Flüssigkeit (Tee), leichte Kost (fettarm), ggf. Antipyrese (16.15.1). Gelbliche Verfärbung Nasensekret o. Sputum bei Abklingen des Inf. häufig, keine spez. Ther. erforderlich. Cave: Dampfinhalationen (Verbrühungen). Ätherische Öle nicht bei Kindern < 2 J. (Laryngospasmus)! Wirksamkeit von pflanzlichen o. bakt. Immunstimulanzien ist nicht belegt.
ProphylaxeAllg. Hygieneregeln beachten, Hände waschen, engen Kontakt zu erkrankten Kindern meiden, Impfungen komplettieren (Influenza, Pneumok., Pertussis).

Rhinitis

SynonymeRhinitisbeim KindSchnupfenbeim KindSchnupfen, Coryza.
Klinik„Laufende“, verstopfte Nase, Niesen, Augentränen, Lichtscheu, gerötete, geschwollene Schleimhäute, kurzzeitige Temperaturerhöhung; weißliches, gegen Ende gelbliches Nasensekret. I. d. R. selbstlimitierend, Dauer 7–10 d. Bei Sgl. auch Trinkschwäche, Unruhe, Fieber. Sgl. atmen i. d. R. nur durch Nase → u. U. AZ ⇊ mit Apnoeanfällen u. Zyanose.
DifferenzialdiagnoseBei Chronifizierung (> 10 d): allergische Rhinitis (Heuschnupfen 23.5.1), Sinusitis (16.6.13), Adenoide, Fremdkörper, Nasentropfenabusus, Immunmangel, Tbc, konnatale Syphilis (selten).
KomplikationenSuperinf. (eitriges, fötides Nasensekret; meist Strepto- o. Staphylok.), Sinusitis, Otitis media.
TherapieAusreichende Trinkmenge. Bei Sgl. mit verstopfter Nase Nasenspülung, Absaugen des Nasensekrets (0,9 % NaCl in Pipettenflasche, NUK-Nasensauger), Nasenspray auf Meersalzbasis (z. B. Rhinomer®); abschwellende Nasentr. nur zurückhaltend (16.15.4). Antibiotika sind bei einer Dauer von < 10 d i. d. R. nicht indiziert. Fieberhafte Superinf. bei Sgl.: Penicillin (Streptok., z. B. InfectoBicillin®), ggf. Cephalosporin (Staphylok., z. B. InfectoCef®).
Naturheilkundliche Therapieempfehlung16.15.6.

Pharyngitis

23.3.2.

Laryngitis

23.4.1.

Krupp-Syndrom (Krupp, Epiglottitis)

DefinitionEntzündliche Kehlkopfenge mit vorwiegend inspir. Epiglottitisbeim KindStridor u. Atemnot. Bezeichnung Krupp-SyndromPseudokrupp (zur Unterscheidung vom „echten“ Krupp bei Diphtherie) nicht mehr sachgerecht, aber Pseudokruppumgangssprachlich noch üblich.
Ätiologie
  • Krupp (stenosierende subglottische Laryngotracheobronchitis; häufig, Tab. 16.8): (Virus-)Inf. (Infektkrupp) o. unspez. Faktoren (spasmodischer Krupp); „Umweltfaktoren“ spielen kleine, aber nachweisbare Rolle. Bei rezid. Krupp lokale Disposition; Übergang in Asthma möglich

  • Epiglottitis (akut stenosierende phlegmonöse supraglottische Laryngitis, Tab. 16.8): Hib-Inf., selten andere Bakterien. Lebensbedrohlich, Gefährdung oft verschleiert! Seit Hib-Impfung selten

  • Sonstige: Masern, Mononukleose, allergisches Ödem, Verätzung, Verbrühung, retropharyngealer Abszess, Kehlkopfdiphtherie („echter“ Krupp)

  • Fremdkörperaspiration (16.6.15)

  • Glottisödem: Nahrungsmittel-, Insektengiftallergie

DiagnostikRechtzeitige Unterscheidung von vitaler Bedeutung.
Therapie
  • Je nach Schweregrad (Tab. 16.9)

  • V. a. Epiglottitis: sofortige Klinikeinweisung unter notärztl. Begleitung, auch wenn noch keine Atemnot. Rachen nicht inspizieren, da dies zusätzlicher Reiz für reflektorischen Atemstillstand! Nicht zum Liegen zwingen

  • Bei Krupp: Eltern auf Rezidiv vorbereiten (häufig in darauffolgender Nacht); Glukokortikoide prophylaktisch verordnen

Bronchitis

Bronchitisbeim KindHäufigste akute Atemwegserkr. bei KK (90 % viral) meist im Gefolge einer Rhinopharyngitis o. komb. (Laryngotracheobronchitis, Sinubronchitis); mehrmals pro J., bevorzugt in kalter Jahreszeit.

KlinikAnfangs meist Schnupfen u. trockener Reizhusten, evtl. retrosternale Schmerzen, ggf. leichtes Fieber für wenige d; dann produktiver Husten mit weißlichem Auswurf, bei bakt. Superinf. gelb-grünlich. Bei Sgl. u. disponierten Kindern nach dem Husten Erbrechen u. Bauchweh.
DiagnostikAuskultation anfangs unauffällig, ggf. verschärftes Atemgeräusch; mit Sekretproduktion einhergehend mittel- bis grobblasige, nicht klingende RG, die nach Abhusten verschwinden, ggf. passager diskretes Giemen u. Brummen. Rö-Thorax nur bei protrahiertem o. schwerem Verlauf o. unklarer Genese. Nachweis aller wesentlichen Err. mittels Multiplex-PCR aus Rachenspülwasser möglich, aber nicht für Alltag geeignet.
Therapie
  • Frischluft, körperl. Schonung, ggf. Antipyrese (16.15.1)

  • Antitussiva allenfalls in Anfangsphase bei quälendem Reizhusten vertretbar

  • Sekretmobilisierung bei beginnender Sekretproduktion: ausreichend Flüssigkeit; Sekretolytika (16.15.2): nur begrenzter Effekt, nicht mit Antitussiva komb. (cave: Sekretretention, Pneumoniegefahr!); Inhalation mit 0,9-proz. steriler NaCl-Fertiglsg.; ggf. PT

  • V. a. bakt. Inf. (keine Besserung nach 3 d, hohes Fieber, eitriger Auswurf, Husten > 1 Wo. o. primär bei gefährdeten Kindern): Antibiotika-Ther. 16.6.10

  • Schwerer Verlauf, Nahrungsverweigerung (Sgl., KK) FA-ÜW → Pädiatrie o. KH-Einweisung

Naturheilkundliche Therapieempfehlung16.15.6.
PrognoseAusheilung in 2 Wo., evtl. länger anhaltender Reizhusten.
Komplikationen
  • Rezid. Bronchitis: vermutlich Neuinf. mit anderen Virustypen

  • Chron. Bronchitis: Husten, Auswurf, grobblasige RG kontinuierlich > 3 Mon. in 2 aufeinanderfolgenden J. Ursachen: „Disposition“, gestörte Infektabwehr, PNDS (Sekretansammlung im Nasenrachenraum → chron. Reizung dort befindlicher Hustenrezeptoren PNDS (Postnasal-Drip-Syndrominfolge chron. Sinusitis o. allerg. Rhinitis), Adenoide, vorausgegangene (Masern, Pertussis) o. persistierende Inf. (Tbc), Fremdkörper, gastroösophagealer Reflux, Bronchiektasen, Mukoviszidose, Zilienfunktionsstörung, Herzfehler

  • Obstruktive Bronchitis (16.6.8), Asthma (16.6.9)

  • Bronchopneumonie: typischerweise erneuter Fieberanstieg (16.6.10)

Bronchiolitis

DefinitionIm 1. u. 2. Lj. durch (bes. RS-)Viren. Entzündung peripherer Bronchien u. Bronchiolitis, beim KindBronchiolen. Folge: hochgradig lebensbedrohliche, obstruktive Ventilationsstörung.
KlinikNach zunächst unkomplizierter Inf. oberer Luftwege (z. B. seröse Rhinitis) o. als KO z. B. bei Masern o. Keuchhusten schwer beeinträchtigter AZ: Fieber, beschleunigte Atmung, Nasenflügeln, Husten, grau-zyanotisches Hautkolorit, thorakale atemsynchrone Einziehungen, durch Überblähung scheinbare Hepatomegalie.
DiagnostikEntscheidend ist klin. Aspekt. Auskultation: frühinspir. feinblasige, klingende RG, exspir. Dyspnoe mit Giemen u. Brummen; Atemgeräusch ↓ (je leiser, desto bedrohlicher).
TherapieSofortige Klinikeinweisung.
KomplikationenAkute Verschlechterung mit Gefahr plötzlicher Apnoe (Letalität 5 %).
Prophylaxe
  • Allg.: strenge Hygiene, gründliches Händewaschen, Rauchverbot in Gegenwart des Kindes, Impfung gegen Pneumokok. (16.6.10), bei Risiko-Kindern zusätzlich Impfung gegen Influenza (ab 6. Mon. möglich)

  • Prophylaxe: Frühgeborene u. Kinder < 2 J. mit bronchopulmonaler Dysplasie o. Herzfehler erhalten während Wintermonaten monoklonale Ak gegen RSV (Palivizumab, z. B. Synagis®). Impfstoffe in Entwicklung

Obstruktive Bronchitis

Trias: Entzündliche Schleimhautschwellung, Schleimproduktion ↑, ab 2. Lj. auch Bronchialmuskelspasmus. Rezid. bei hyperreagibler Bronchialschleimhaut: meist viraler, seltener allergischer, emotions- o. anstrengungsbedingter Genese. Vorwiegend bei Sgl. u. KK infolge physiolog. Enge der Atemwege

KlinikAtemnot mit verlängertem Exspirium, exspir. Stridor (pfeifende Atmung), HustenBronchitisobstruktive, beim Kind, Auswurf eines zähen, glasigen Schleims. Selten Tachypnoe, Zyanose o. hohes Fieber. Auch Bauchschmerzen, Erbrechen.
DiagnostikI. d. R. klinisch:
  • Auskultation: Giemen, Brummen, fortgeleitete grobblasige RG

  • Klopfschall: hypersonor infolge Überblähung

  • Rö-Thorax: nicht routinemäßig, aber bei unklarem o. schwerem Verlauf (Ausschluss Pneumonie, Fremdkörperaspiration)

Therapie
  • Wie Bronchitis (16.6.6). Cave: Antitussiva kontraindiziert!

  • Zusätzlich Spasmolyse: wie bei Asthma (16.6.9)

  • Zusätzlich Entzündungshemmung: wie bei Asthma (16.6.9)

  • Bei schwerem Verlauf orale Steroide für einige d (z. B. Prednison 1–2 mg/kg)

ProphylaxeEingehende Beratung Eltern (Rauchverbot in Gegenwart des Kindes, Ergänzung Impfungen); bei Rezidiven ggf. Milieuwechsel, Klimakur.
PrognoseBei atopischer Disposition Übergang in Asthma in 20 %. Cave: Bei rezid. Verlauf schwierig abzugrenzen, daher sorgfältige Diagn. u. frühzeitige Ther.

Asthma

DefinitionChron. entzündliche Erkr. der Atemwege mit bronchialer Hyperreagibilität u. variabler Atemwegsobstruktion. Häufigste Asthma bronchialebeim Kindchron. Erkr. im Kindesalter (10 %), Tendenz ↑.
ÄtiologieStärkster prädisponierender Faktor im Kindes- u. Jugendalter ist atopische Disposition. Manifestation zu 70 % im KK-Alter. Unmittelbar auslösend sind Allergene (allerg. Asthma), Atemwegsinf. (intrinsisches Asthma) u. unspez. Atemwegsreize (früher: extrinsisches Asthma). Mischformen möglich.
KlinikWiederholte anfallsartige Brustenge u./o. Atemnot mit verlängertem Exspirium v. a. nachts u. in frühen Morgenstunden o. bei körperl./psychischer Belastung, Husten mit/ohne Auswurf, pfeifendes Atemgeräusch (Giemen). Bei leichterem Verlauf wie obstruktive Bronchitis (16.6.8). Bei schwerer Atemnot atemsynchrone thorakale Einziehungen, sitzende Position zur Unterstützung der Atemhilfsmuskulatur, Unfähigkeit, längere Sätze zu sprechen, Angst, Schweißausbruch. Bei hochgradiger Obstruktion auskultatorisch abgeschwächtes Atemgeräusch (cave: stumme Lunge). Bei hypoxämiebedingter zerebraler Dekompensation: Unruhe, Somnolenz, Krampfanfall.

Bei Sgl. u. KK ist rezid. pfeifende Atmung o. nächtlicher Husten oft einziger Hinweis auf Asthma. Dringender Verdacht besteht bei 3 Episoden binnen 6 Mon., Rhinorrhö o. atopischer Veranlagung. ÜW zum allergologisch/pneumologisch tätigen Pädiater zur möglichst frühzeitigen Diagnose.

Diagnostik
  • Spirometrie (Fluss-Volumen-Kurve, FEV1/FV): Objektivierung der Lufu. Ab 6. Lj. möglich, bei jüngeren Kindern mitarbeitsunabhängige Bodyplethysmografie

  • Reversibilitätstest: bei bestehender Obstruktion Besserung FEV1 > 15 % nach Inhalation eines kurz wirkenden Beta2-Mimetikums (o. 2 × tägl. Gabe inhalatives Glukokortikoid [ICS] in hoher Dosis mit langsamem Wirkungseintritt binnen 4 Wo.)

  • PEF-Variabilitäts-Test: bei normaler Lufu Nachweis bronchialer Hyperreagibilität mittels Provokation (standardisierte Laufbelastung bzw. Methacholin: Abfall FEV1 > 10 bzw. 20 %) u./o. Nachweis tageszeitlicher PEF-Variabilität > 20 %. Alternative: Nachweis zirkadianer PEF-Variabilität > 20 % über 3–14 d, mind. 4 Messungen/d

  • Einteilung nach Schweregraden vor bzw. ohne Ther. (Tab. 16.10)

Allergolog. Stufendiagnostik bei Asthma:
  • Atopische Disposition: atopisches Ekzem, Nahrungsmittelallergien, allergische Rhinokonjunktivitis, Urtikaria selbst o. in Familie?

  • Allergieanamnese: Beschwerdebild unter Allergenexposition bzw. -karenz (Pollen? Hausstaubmilben? Tierepithelien? Saisonal? Perennial?)

  • Nachweis allergenspez. IgE-vermittelter Sensibilisierung mittels:

    • Prick-Hauttest o.

    • IgE-Ak (RAST) gegen Inhalations-, bei KK auch gegen Nahrungsmittelallergene

  • Ggf. Provokationstest (nasal, bronchial) zum Beweis der klin. Relevanz des Allergens; nur beim Spezialisten bzw. in Klinik

TherapieEntscheidend ist Mitarbeit von Kind u. Eltern, daher ausführliche Aufklärung. Therapieplan für Bedarfs-, Langzeitmedikation u. nichtmedikamentöse Maßnahmen. Ther.-Anpassung richtet sich nach jeweiligem Grad der Asthmakontrolle (Tab. 12.7). Regel: Reduziere, wenn möglich. Intensiviere wenn nötig! Wenn über 3 Mon. stabil: Dosisreduktionsversuch Langzeitmedikation, Kontrolle nach 4 Wo. Verschlimmerung: Ther. intensivieren entsprechend Stufenschema (Tab. 16.11). Akutther. im Asthmaanfall Tab. 16.12. Jede Maßnahme besprechen u. üben, insb. Inhalationstechniken. Therapieerfolg immer wieder überprüfen: Peak-Flow-Protokoll, Funktionstests in regelmäßigen Abständen, Notfallplan! Ziel ist Beschwerdefreiheit, um normale Lebensführung u. normales Lungenwachstum zu gewährleisten.
  • Pharmakotherapie:

    • Bedarfsmedikamente: inhalativ rasch wirkende Beta2-Sympathomimetika (RABA) Fenoterol, Salbutamol, Terbutalin, Formoterol (zusätzlich lang wirkend) bei Bedarf zur Kupierung von Atemnotepisoden o. vor körperl. Belastung (z. B. Sultanol®-Aerosol 1–2 Hübe). Bei Unverträglichkeit alternativ das Anticholinergikum Ipratropiumbromid (z. B. Atrovent®N Dosieraerosol). Ggf. nur bei bes. Ind. rasch wirkende Theophyllin-Tr. (Solosin®-Tr.)

    • Langzeittherapeutika: inhalative Kortikosteroide (ICS) zur Entzündungshemmung entsprechend Symptomschweregrad. Ferner inhalativ lang wirkende Beta2-Sympathomimetika (LABA): Formoterol, Salmeterol u./o. Leukotrien-Rezeptor-Antagonist (LTRA) Montelukast (Singulair® mini/junior, MonteluBronch®). Nur in begründeten Fällen: systemische Kortikosteroide, monoklonaler Ak Omalizumab, retardiertes Theophyllin, orale LABA

    • Inhalationstechniken: Gesichtsmaske nur so lange, bis Kind durch Mundstück eines Spacers atmen kann. Bis Alter von 5 J. Treibgasdosieraerosole mit Spacer bevorzugen

  • Kalkulierte Antibiotika-Ther. (16.6.10) bei bakt. Superinf.: purulenter Auswurf, Fieber, ausbleibende Besserung, Atemnot > 1 d

  • Allergenspez. subkutane Immunther. (SCIT) nur bei bes. Ind. u. nicht bei Kindern < 5 J. (Ausnahme: Insektengiftallergie)

  • Wirksamkeit naturheilkundlicher o. alternativer Methoden bislang nicht belegt. Cave: Verschleppung einer frühzeitigen u. ausreichenden Ther.!

Nichtmedikamentöse Maßnahmen 12.5.7.
Prophylaxe
  • Infektprophylaxe, Impfungen ergänzen (Influenza, Pneumok., Pertussis), unspez. Reize: Rauchverbot im Haus; auf Katzenhaltung verzichten, Schimmelpilzwachstum, Luftschadstoffe (Möbel, Malerarbeiten) reduzieren; Verhinderung von Übergewicht; Kfz-Emissionsexposition reduzieren. Hundehaltung nicht mit höherem Allergierisiko assoziiert

  • Sog. unspez. Immunmodulation kann vor Entwicklung atopischer Erkr. schützen: Aufwachsen auf Bauernhof, Kindertagesstätte in ersten 2 Lj., höhere Anzahl älterer Geschwister

  • Vorsicht mit ASS u. Betablockern

  • Physio-, Atem-, ggf. Psychother., Klimakuren, Selbsthilfegruppen, Asthmasport

  • Bei allergischer Genese Versuch Allergenkarenz. Bei Staubmilbenallergie organische Bettmaterialien ersetzen, Plastikumhüllung Matratzen, lüften (Milben benötigen > 50 % Luftfeuchte), Akarazide umstritten, Spieltiere > 24 h einfrieren, Teppichböden umstritten; Berufsberatung. Hyposensibilisierung, wenn indiziert

Pneumonie

Pneumoniebeim KindIm Sgl.- o. KK-Alter überwiegen amb. erw. virale Bronchopneumonien im Gefolge eines Infekts der oberen Luftwege (RS-, Adeno-, Para-, Influenzaviren): Entzündung der Bronchialwand greift auf Alveolen über, bakt. Superinf. kann folgen. Seltener ist die prim. bakt. Pneumonie, die reife Immunantwort voraussetzt, daher erst im Vorschul- u. Schulalter auftritt.

Erregerspektrum bakt. Pneumonien
  • Meist Pneumok., Haem. infl., Moraxella catarrhales, selten Staphylok.

  • Ab dem Schulalter Zunahme von atyp. Pneumonien (Mykoplasmen, Chlamydien, Legionellen) mit protrahiertem Verlauf, geringen klin. Zeichen

  • Weitere Formen: Aspirationspneumonie (16.6.15), prim. abszedierende Pneumonie (Staphylok., 1. Lj.), interstitielle Pneumonie bei Immunsuppression (Pneumocystis, Candida), eosinophile Pneumonie (Parasiten)

KlinikAZ ↓, Husten, Atemfrequenz ↑, Nasenflügelatmung, Atemnot mit interkostalen Einziehungen, Fieber (kann bei Sgl. fehlen), zentrale Zyanose (bei Sgl. auch Blässe), bei Begleitpleuritis endexspir. „anstoßende“ stöhnende Atmung, Brust- o. Bauchschmerzen, geblähtes Abdomen („Pneumoniebauch“), weißlicher bis rostbrauner Auswurf (wird oft verschluckt).
DiagnostikAuskultation, Perkussion: Knistern, ohrnahe, feinblasige RG, lokale Dämpfung (bei KK u. Sgl. selten zu erheben, manchmal nur verstärktes Bronchialatmen); ggf. Rö-Thorax. Err.-Nachweis schwierig, meist nicht erforderlich. Bei bakt. Genese deutliche, sonst nur geringe Leukozytose, Linksverschiebung, CRP-Erhöhung.
DifferenzialdiagnoseMeningitis (16.8.9), Sepsis, Appendizitis (16.7.9), Tbc.
TherapieBei zuverlässigen Eltern u. regelmäßigen Hausbesuchen amb. möglich (nicht bei ausgeprägter Dyspnoe, O2-Bedarf o. Sgl. < ½ J.):
  • Kühle, feuchte Frischluft; ggf. Antipyrese (cave: Temperaturanstieg um 1 °C erhöht O2-Bedarf um 10 %!)

  • Lagerung mit leicht erhöhtem Oberkörper (keine Bauchlage bei Sgl.), häufig umlagern

  • Sekretmobilisierung: Reichlich Flüssigkeit in kleinen Portionen anbieten, Inhalation mit 0,9 % NaCl, PT ab 3. Krankheitstag. Sekretolytika (16.15.2) umstritten; ggf. Spasmolytika bei Obstruktion

  • Antitussiva nur zu Beginn bei unproduktivem Reizhusten o. schmerzhafter Begleitpleuritis vertretbar; cave: Sekretretention

  • Bei hohem Fieber bzw. erneutem Fieberanstieg (V. a. bakt. Genese) nach Err.-Wahrscheinlichkeit kalkulierte antibiotische Ther.:

    • Amoxicillin (z. B. Infectomox® Saft), ggf. mit Beta-Laktamase-Hemmer (z. B. Augmentan®), alternativ gegen Staphylok. wirksames Oralcephalosporin der 2. Generation (z. B. Elobact® Trockensaft). Cave: Pneumok.-Penicillinresistenz hierzulande (noch) selten (< 5 %), in Nachbarländern bis 60 %

    • Bei Nichtansprechen innerhalb 2–3 d Überprüfung Antibiotikawahl, ggf. Komb. mit o. Umsetzen auf Makrolid (Erythro-, Clarithro- o. Azithromycin, z. B. Infectomycin® Saft) o. Doxycyclin (nicht < 9 J.). Ther.-Beginn mit Makrolid (bislang bei Kindern > 5. Lj.) wird nicht mehr generell wg. Makrolidresistenz der Pneumok. (regional bis 30 %) empfohlen, Ausnahme: Mykoplasmen-Epidemie

    • Behandlungsdauer 3–5 d über Entfieberung u. AZ-Besserung hinaus, bei atyp. Pneumonien 2–3 Wo.

Klinikeinweisung bei verzögertem, schwerem Verlauf o. ungünstigen häuslichen Gegebenheiten. Risikofaktoren: schlechter sozialer Status, hohe Geschwisterzahl, niedriges Geburtsgewicht, Passivrauchen.

KomplikationenHerzinsuff. (Trinkschwäche, Schwitzen, Ödeme, Hepatosplenomegalie), Meningitis (regelmäßige Kontrollen!).
PrognoseBei amb. erw. Pneumonien meist gut.
ProphylaxeImpfung im Alter von 2, 4, 11–14 Mon. (2+1-Schema) mit 13-valentem Pneumok.-Konjugatimpfstoff (z. B. Prevenar®). Ist Grundimmunisierung nicht erfolgt, bei gefährdeten KK (Grunderkr., Immunschwäche) vom vollendeten 2. bis 5. Lj. Impfung mit Konjugatimpfstoff nachholen u. daran (mit Abstand von mind. 2 Mon.) eine Impfung mit 23-valentem Polysaccharid-Impfstoff (z. B. Pneumovax®) anschließen; weitere Auffrischungen alle 3 J., bei Kindern > 10 J. alle 6 J. Ziel: Schutz vor invasiven Pneumokok.-Inf.; ggf. Influenza-Impfung, da Influenza Wegbereiter einer Pneumokok.-Inf.
Hib-Impfung schützt leider nicht vor Inf. mit nichtbekapselten Hib-Stämmen, die Ursache einer Pneumonie sein können.

Otitis media

SynonymMittelohrentzündungMittelohrentzündung (23.6.4). Otitis mediabeim Kind
DefinitionAkute Otitis media ist einer der häufigsten Beratungsanlässe zwischen ½ u. 6 J. meist während o. infolge akuter Atemwegsinf. Abzugrenzen von Otitis media mit Erguss ohne Entzündungszeichen (Seromukotympanon 16.6.12).
Bei chron. Otitis media unterscheiden: Schleimhauteiterung mit zentralem u. Knocheneiterung mit randständigem Trommelfelldefekt. Aus Letzterer kann Cholesteatom entstehen, das im Kindesalter bes. schnell u. destruierend wächst.
Klinik der akuten Otitis mediaKind ist zuvor erhöht reizbar, unruhig, abgeschlagen, greift nach dem Ohr, hat ggf. Bauchweh. Dann Ohrenschmerzen, Hörminderung (ab 4. Lj. mitteilbar), Fieber. Schlagartige Besserung der Ohrenschmerzen bei Trommelfellperforation. Bei älteren Kindern Sympt. geringer, Fieber kann fehlen. V. a. Mastoiditis, wenn Sympt. > 2–3 Wo.
DiagnostikOtoskopie: Rötung, Trübung, Reflexverlust Trommelfell. Blutblasen bei Influenza (Grippeotitis). Bei Erguss ggf. sichtbare Spiegelbildung, vorgewölbtes o. perforiertes Trommelfell. Hörprüfung. Bei schwerem Krankheitsbild FA-ÜW zur Parazentese u. Err.-Nachweis. Rö bei KO.
DifferenzialdiagnoseTrommelfellrötung durch Schreien.
TherapieDEGAM-Leitlinie „Ohrenschmerzen“: 16.16.
  • Abschwellende Nasentr. max. 5–10 d (16.15.4)

  • Analgetisch, fiebersenkend (Paracetamol bzw. Ibuprofen 16.15.1)

  • Antibiotika-Ther. nicht generell, jedoch wenn < ½ J., ausgeprägte o. bds. Sympt., hohes Fieber, Erbrechen, Grundkrankheit, Risikofaktoren. Entscheidet man sich gegen ein Antibiotikum, nach 1–2 d neu prüfen u. entscheiden. Bis dahin bzw. Kinder > 2 J.: Schonung, Flüssigkeitssubstitution, Elternaufklärung (Kooperation!, Rezept in Reserve). Amoxicillin ist Mittel der Wahl (z. B. InfectoMox®). Wenn nach 2–3 d keine Besserung: Amoxicillin plus Beta-Laktamase-Hemmer (z. B. Augmentan®), Cephalosporin (z. B. InfectoCef®) o. Makrolid (Erythromycin, z. B. Infectomycin®)

  • Keine Lokalantibiotika, Ohrentr. o. Watte in Gehörgang

  • Rezid. Otitis media: FA-ÜW. In begründeten Fällen 6 Mon. Prophylaxe mit 2 × 10 mg/kg KG Amoxicillin tägl., Pneumok.-Impfung. Adenotomie

  • Chron. Otitis media: FA-ÜW. Schleimhauteiterung: tägl. Ohrreinigung, lokale u. i. v. Ther. mit Antibiotikum. Knocheneiterung: Antibiotikum i. v., OP

ProphylaxeImpfung gegen Pneumokok. (16.6.10). Ggf. Impfung gegen Influenza als Wegbereiter.
PrognoseI. d. R. gut. Bei Ergusspersistenz mögliche Spracherwerbsverzögerung infolge Schallleitungsschwerhörigkeit. Daher sorgfältige Diagn. u. Ther.
KomplikationenPersistenz des Ergusses, Rezidive, Chronifizierung, Ausbreitung der Inf.: Mastoiditis, Labyrinthitis, Fazialisparese, Meningitis (meist inadäquate Antibiose!).

Seromukotympanon

SynonymeSeromukotympanonOtitis media mit ErgussOtitis mediamit Erguss, LeimohrLeimohr, Tubenkatarrh. TubenKatarrh
DefinitionSeromuköser Mittelohrerguss leimartiger Konsistenz bei Dysfunktion o. mechanischer Verlegung der Tube. Eigenständig o. infolge akuter Otitis media. Häufige Erkr. bis zum Schulalter. Hohe Spontanheilung (80 %) nach unterschiedlich langer Dauer. Oft Zufallsbefund.
KlinikHörminderung (oft nicht bemerkt!). Druck-, Völlegefühl, Rauschen im Ohr. Kein Fieber, keine Schmerzen, keine Zeichen einer akuten Inf.
DiagnostikOtoskopisch keine Entzündungszeichen (keine Rötung), ggf. retrahiertes Trommelfell (Hammergriffverkürzung). Trommelfellbeweglichkeit ↓. Abgeflachtes Tympanogramm. Hörschwelle ↑.
DifferenzialdiagnoseErguss bei akuter, rezid. o. chron. Otitis media (Entzündungszeichen!).
Therapie
  • Belüftung Mittelohr: Luftballon mit Nase aufblasen (z. B. Otovent®), Valsalva-Versuch, Tubendurchblasung („Politzern“)

  • Antibiotika-Ther. (16.6.11), wenn Z. n. nicht antibiotisch behandelter akuter Otitis media. Keine Sekretolytika. Antihistaminika, Kortikosteroide nur bei allerg. Genese

  • Kontrollen, um persistierende von flüchtigen Ergüssen zu unterscheiden

Wenn > 3 Mon. u. Schallleitungsstörung > 30 dB:
  • Paukenröhrchen (zurückhaltend). Entfernung nach spätestens 1 J.

  • Adenotomie

KomplikationenTrommelfellveränderung (Adhäsion, Atelektase). Entwicklungsstörung infolge Hörminderung (sorgfältige Nachbeobachtung!).

Sinusitis

Sinusitisbeim KindBelüftung u. klin. Relevanz der NNH: Siebbein ab 6 Mon., Kiefer- u. Keilbein ab 3. Lj., Stirnbein ab 5. Lj.

SynonymeRhinosinusitis, NNH-Entzündung (23.5.2). Rhinosinusitis
DefinitionDurch Schleimhautödem NNH-Abfluss- u. Belüftungsstörung, Sekretstau, bakt. (selten mykotische) Superinf. Meist akute Begleitsinusitis infolge fortgeleiteter Rhinitis viraler o. allerg. Genese. Disposition zu chron. Sinusitis bei anatomischen Varianten, Rachenmandelhyperplasie, Atopie, Immunschwäche, Mukoviszidose. Sinubronchiales Sy. bei gleichzeitiger chron. Bronchitis. DEGAM-Leitlinie „Rhinosinusitis“: 16.16.
Klinik
  • Akute Sinusitis: undulierende Gesichtsschmerzen (Stirn, Wangen, Nasenwurzel, retroorbital), verstärkt beim Bücken o. Husten. Krankheitsgefühl, Fieber. „Verstopfte o. laufende“ Nase u./o. Husten > 10 d, Mundgeruch

  • Bakt. Superinf.: eitriges Nasensekret > 1 Wo., schwer abgrenzbar

  • Allerg. Sinusitis: wässriges Nasensekret, Niesreiz, Konjunktivitis, asthmoider Husten, saisonale Anhängigkeit

  • Chron. Sinusitis (> 2 Mon.): variabler u. unspezifischer, ggf. nur Krankheitsgefühl

DiagnostikSchleimstraßen an Rachenhinterwand u. in Nasengängen. Klopf-, Druckempfindlichkeit über den Sinus (bes. an NAP). Sono, Endoskopie mit Abstrich, Rö-Übersicht (erst ab 7. Lj. aussagekräftig). Allergolog. Diagn., CT o. MRT (bei chron. Sinusitis o. KO).
DifferenzialdiagnoseZilienfunktionsstörung, Rhinitis medicamentosa, Schleimhautschädigung durch exogene Noxen (Stäube, Dämpfe), Fremdkörper, Polypen, Tumoren.
Therapie
  • Akute Sinusitis: Nasenspülung mit hyperosmolarer NaCl-Lsg. (1 TL auf 1 Glas Wasser), abschwellende Nasensprays max. 10 d (16.15.4), Inhalation mit Thymian- o. Kamillenextrakt (nicht Menthol o. Kampfer < 2 J., nicht bei V. a. hyperreagibles Schleimhautsystem), Rotlicht (cave: Schutzbrille!), Antiphlogistika (z. B. Ibuprofen 16.15.1). Bakt. Superinf.: Amoxicillin ± Beta-Laktamase-Hemmer (z. B. Augmentan®), Cephalosporin (z. B. InfectoCef®), Makrolide nicht primär (Pneumok.-Resistenz)

  • Allergische Sinusitis: Antihistaminika, kortikoidhaltige Nasensprays, ggf. spezif. Immunther. (Hyposensibilisierung)

  • Chron. Sinusitis: FA-ÜW zur Drainage, ggf. endonasale OP, Adenotomie

KomplikationenPNDS (16.6.6), Orbitalphlegmone (cave: Schwellung des inneren Lidwinkels u. der Augenlider, Doppelbilder), Stirnbeinosteomyelitis, Sinusthrombose, Meningitis.

Mukoviszidose

SynonymZystische Fibrose (CF, 1:3300). MukoviszidoseZystische Fibrose
DefinitionAutosomal-rezessive Erkr. mit CF (zystische Fibrose)gestörter Ausscheidung von Drüsensekreten. Alle Organe mit Schleimdrüsen können betroffen sein, v. a. aber Lunge u. Pankreas.
Klinik10 % manifestieren sich unmittelbar postpartal (Mekoniumileus); häufig schwer verlaufende, rezid. (obstruktive) Atemwegsinf. mit zähem Auswurf u. chron. Husten. Besiedlung mit P. aeruginosa von wesentlicher Bedeutung. Fettige, massige, unverdaute, zähe Stühle; rezid. Darmvorfälle, Gedeihstörung (16.5.8), Diab. mell. als Spätkomplikation.
DiagnostikNG-Screening (in D seit Sept. 2016 NG-Screening bei U1; Bestimmung immunreaktives Trypsinogen (IRT) auf Filterkarte für Stoffwechselscreening 16.6). Schweißtest (einfach u. schmerzlos). Regelmäßige Vorstellung in spezialisierten Zentren:
  • Lufu

  • Bakteriolog. Analyse Sputum o. tiefer Rachenabstrich zur Früherkennung von Exazerbationen

  • Gewichtskontrolle (Stillstand: unzureichende Enzymsubstitution, chron.-pulmonale Inf.?), HbA1c (Früherkennung Diab. mell.), Leberwerte/Gerinnung (Zirrhose?)

TherapieBetreuung durch HA, FA Pädiatrie, Pneumologie, Gastroenterologie; Physiotherapeuten, Ernährungsberater, Psychologen, CF-Zentrum:
  • Gezielte u. frühzeitige Antibiotika-Ther. bei Exazerbationen insb. durch P. aeruginosa

  • Sekretolyse: ausreichend hohe Flüssigkeitszufuhr, Inhalationen, Mukolytika (z. B. N-Acetylcystein)

  • Sekretmobilisation durch PT, Atemther., Bewegung, Sport

  • Kalorienreiche Kost mit hohem Eiweißanteil. Enzymsubstitution bei Verdauungsinsuff. (z. B. Kreon®, Panzytrat®)

  • Spez. Hygienemaßnahmen, Ergänzung Impfungen (Pneumok., Influenza, Pertussis), Schulungen in Reha-Einrichtungen.

PrognoseLebenserwartung derzeit bis mittleres Erw.-Alter. Neue Therapiekonzepte zur Schleimverflüssigung sowie Impfung gegen P. aeruginosa in Erprobung; erfolgversprechende Ergebnisse mit Gentherapie. Bei Kinderwunsch der Eltern humangenetische Beratung.

Fremdkörperaspiration

Fremdkörperaspirationbeim KindHäufigkeitsgipfel: 2. u. 3. Lj.; Sgl. meist nur, wenn sie von Geschwistern gefüttert werden; ältere Kinder v. a. bei neurolog. Erkr. Aspirationsgefahr ↑, wenn Kind mit Nahrung im Mund läuft u. fällt o. erschrickt. Gegenstände u. Nahrungsmittel mit glatter Oberfläche werden leichter aspiriert, weiche u. klebrige rutschen eher in Ös. Häufigste Fremdkörper im Bronchialsystem: Erdnüsse, Bonbons, Perlen u. Knöpfe, rohe Karotten- u. Apfelstücke.

KlinikNicht immer eindeutige Anamnese: aus Wohlbefinden heraus plötzlich einsetzender (starker) Husten u. Würgereiz, danach je nach Fremdkörperlage stürmische Entwicklung mit Stridor, Zyanose, Dyspnoe o. baldige „Besserung“ (nach Passage von Kehlkopf u. Trachea). Bei Verkennung: erfolglos behandelte „plötzliche Bronchitis“ mit Fieber nach einigen d (Aspirationspneumonie).
Diagnostik
  • Auskultation: lokalisierter, in- u. exspir. wechselnder Stridor, Giemen, feuchte, grobblasige RG

  • Perkussion: bei Ventilmechanismus betroffene Seite hypersonor

  • Inspektion: verminderte Atemexkursion der betroffenen Seite

Therapie
  • V. a. Fremdkörperaspiration, aber klin. stabiler Zustand: keine unnötigen Manipulationen, Beschränkung auf:

    • Klinikeinweisung unter Notarztbegleitung zum Rö-Thorax u. evtl. zur Notfallbronchoskopie; Vater u./o. Mutter fahren mit!

    • Bis zum Eintreffen des NAW für ruhige, entspannte Atmosphäre sorgen; Kind soll möglichst sitzen; evtl. O2-Gabe

  • Bei akuter Erstickungsgefahr (Atemnot, Zyanose, Schweißausbruch, kein Husten, Sprechen, Schreien mehr): Sgl.: 5 Rückenschläge in Hängelage (Abb. 3.6); Kind: 5 Thorax-/Oberbauchkompressionen (Heimlich-Manöver Abb. 3.7); Notintubation (3.2.4), dabei Versuch, Fremdkörper in tieferen Bronchus zu schieben

ProphylaxeWährend des Spielens nicht füttern o. Nahrungsmittel in die Hand geben! In den ersten Lj. keine Nüsse, bes. keine Erdnüsse anbieten. Kleines Spielzeug (z. B. Knöpfe, Perlen) gehört nicht in Hände von KK.

Plötzlicher Kindstod

SynonymeKrippentod, SIDS (Sudden Infant Death Syndrome)Plötzlicher KindstodKindstod, plötzlicherSudden Infant Death Syndrome (SIDS)Sudden Infant Death Syndrome (SIDS).

Häufigste Todesursache im 1. Lj. jenseits NG-Periode (meist 2.–4. LM). Ätiol. unbekannt; mögliche lagebedingte Minderdurchblutung des Hirnstamms bei stark zur Seite gedrehtem Kopf, z. B. in Bauchlage. Meist im Schlaf, häufiger im Winter als im Sommer, unerwartet aus scheinbarer Gesundheit. Inzidenz nach Aufklärung über Risikofaktoren rückläufig, derzeit in D 0,5/1.000.

Risikofaktoren
  • Schlafen in Bauch- u. instabiler Seitenlage, v. a. auf zu weicher Unterlage

  • Rauchen der Mutter während Grav.

  • Schlafen im Elternbett (v. a. wenn diese Raucher sind)

  • Stillverzicht

  • Überwärmung (Kleidung, Raumtemperatur)

  • Geburtsgewicht < 2.500 g

Verhalten bei SIDS
  • Near-SIDS (akute Apnoe, Zyanose, Blässe u. Bradykardie): Diagnostik bzw. Klinikeinweisung zur Beobachtung (Monitoring). Bei akutem Ereignis Reanimation (3.2)

  • Obduktion erforderlich, möglichst mit Zustimmung der Eltern (auch, um Schuldgefühle zu nehmen)

  • Psychosoziale Elternbetreuung, Erklärung Obduktionsergebnis, Selbsthilfegruppen

  • Monitorüberwachung aller Geschwister im 1. Lj.; Elternunterweisung bzgl. lebensrettender Sofortmaßnahmen beim Sgl.

ProphylaxeOptimale Schlafumgebung (16.16):
  • Feste Matratze; keine zusätzlichen Teile im Bett (z. B. Kissen, Fell)

  • Schlafen in Rückenlage im eigenen Bett im elterlichen Schlafzimmer

  • Kopf nicht durch Bettdecke zudeckbar (Alternative: z. B. Schlafsack)

  • Überwärmung des Sgl. vermeiden; Raumtemperatur ca. 18 °C

  • Stillen

  • Rauchfreie Umgebung

Krankheitsbilder des Magen-Darm-Bereichs

Akute Gastroenteritis

Gastroenteritisbeim KindHäufigste GIT-Erkr. bei Kindern. Siehe Leitsympt. Erbrechen (16.5.3), Diarrhö (16.5.4).

Dreimonatskolik

DefinitionMeteorismus, v. a. in den ersten 3 LM nach Milchmahlzeiten infolge hoher DreimonatskolikSchaumstabilität der Milch. Mitverschluckte Luft bleibt im Schaum gebunden, kann nicht aufgestoßen werden. Nach Beikosteinführung Besserung.
KlinikKrümmen, Anziehen der Beine, Schreien. Hochnehmen u. bäuchlings Über-die-Schulter-Legen beruhigt i. d. R., Flachlegen lässt Sympt. erneut auftreten.
TherapieEntschäumer Dimeticon 40–60 mg (z. B. sab simplex® 15 Tr.) pro 100 ml Flaschenmilch bzw. zu Stillbeginn.

Kind tragen u. schaukeln („Fliegergriff“). Fenchel-, Anis-, Kümmeltee (z. B. Sidroga®); feuchtwarme Leibwickel. Bauchmassage im Uhrzeigersinn.

Kardiainsuffizienz

DefinitionGastroösophagealer Reflux. PhysiologischKardiainsuffizienz (Säugling) in ersten 6 Lebenswo., gelegentlich bis zum 6. LM.
KlinikSgl. lässt kleine Nahrungsmengen (bis 20 ml) aus dem Mund laufen (schlaffes Erbrechen, „Spucken“). Meist keine Gedeihstörung. Cave: Blut- o. Hämatinbeimengungen weisen auf Refluxösophagitis hin.
DiagnostikNur bei AZ-Minderung, Gedeihstörung: Rö-Breischluck, Sono, evtl. Szinti („Milch-Scan“), pH-Sonde unterer Ös.
TherapieHäufige kleine Mahlzeiten (8–12 × 20–60 g). Andicken der Nahrung mit pflanzlichem Bindemittel (z. B. 1 % Nestargel®). Regelmäßiges Aufstoßen („Bäuerchen“). Kopfhoch- o. Rechtsseitenlage.
KomplikationenRefluxösophagitis, narbige Stenosierung, Aspiration, Eisenmangelanämie, Apnoeanfälle beim Sgl.

Pylorushypertrophie

DefinitionMagenentleerungsstörung durch Spasmus u. Hypertrophie der Magenausgangsmuskulatur. Folge: Pylorushypertrophie (Säugling)Pylorusstenose. Typischerweise in 3. Lebenswo. beginnend. 0,3 % aller NG, ♂ 5 × häufiger betroffen; familiäre Disposition.
KlinikZunächst gelegentliches, schließlich nach jeder Mahlzeit schwallartiges Erbrechen im bogenförmigen Strahl („von einer Wand zur anderen“). Erbrochenes riecht sauer, Erbrechenschwallartiges beim Kindenthält gelegentlich Hämatin, nie Galle; sichtbare Magenperistaltik, seltene Stühle (Pseudoobstipation), Gedeihstörung, gequältes, greisenhaftes Aussehen.
DiagnostikAnamnese (Art des Erbrechens?), Prädilektionsalter. Abdomenpalpation (Pylorusolive?). Fütterungsversuch (großer Hunger, peristaltische Wellen, Erbrechen im Schwall ohne Galle). Sono: Kokardenbild, Stase Mageninhalt.
DifferenzialdiagnoseHiatushernie, Duodenalatresie, Pancreas anulare, idiopathischer o. reflektorischer Pylorospasmus als funktionelle Erkr. Tipp: Wenn Sgl. nach dem Erbrechen gierig trinkt, ist Peritonitis o. tief sitzender Ileus weitgehend ausgeschlossen. Adrenogenitales Salzverlustsy.
Therapie
  • Ggf. sofortige Klinikeinweisung zur Korrektur des Wasser- u. E’lytdefizits

  • OP ist Behandlung der Wahl. Technik: Pyloromyotomie nach Weber-Ramstedt; stat. Behandlungsdauer: 8 d

  • Nur bei milder Ausprägung (jenseits 2. LM) kons. Behandlungsversuch (Spasmolyse, häufige kleine Mahlzeiten)

KomplikationenHypochlorämische metab. Alkalose. Coma pyloricum.

Acetonämisches Erbrechen

ÄtiologieSonderform der Dehydratation durch hartnäckige Brechattacken; typischerweise jenseitsErbrechenazetonämisches beim Kind des Sgl.-Alters (2.–8. Lj., Häufigkeitsgipfel Vorschulalter) infolge von Inf., Ernährungsfehlern (Fettexzess, Süßigkeiten, Hungerpause), körperl./psychischer Erregung (neurovegetativ?).
KlinikZu Beginn allg. Krankheitsgefühl (Übelkeit, Inappetenz, gelegentlich Bauchschmerzen, Kopfschmerzen), dann plötzlich hartnäckige Brechattacken bis zu 50 ×/d. Im Erbrochenen evtl. Hämatin o. frisches Blut. Obstartiger Foetor ex ore, vertiefte Atmung.
Diagnostik
  • Urinstatus: Ketonurie ohne Glukosurie

  • BZ-Stick: anfangs Hypo-, später Hyperglykämie

Therapie
  • Löffelweise eisgekühlte Flüssigkeit (½ l schwarzer Tee, ½ l Orangensaft, 2 EL Zucker, 1 TL Salz)

  • Sedierung: Diazepam (z. B. Diazepam Desitin rectal tube® 5 mg). Notfalls Phenobarbital, Promethazin i. m. (z. B. Luminal®, Atosil®); 16.15.5

  • Antiemetika: Dimenhydrinat (z. B. Vomex A®-Kinder-Supp.)

  • Wenn 24 h symptomfrei, Nahrungsaufbau über gesüßten Obstbrei. Fett (auch Milch) erst nach Abklingen der Acetonurie

  • Bei Nichtsistieren des Erbrechens rechtzeitige Klinikeinweisung zur i. v. Ther. mit Glukose 5–10 %; auch in Praxis möglich

KomplikationenBei Nichtsistieren: Abgeschlagenheit, E’lytentgleisung, metab. Azidose, später Alkalose, Exsikkose, ketonämisches Koma.
PrognoseGut; häufig Rezidive im Abstand von Wo. bis J. möglich.

Nabelhernie

ÄtiologieUngenügender bindegewebiger Verschluss der Durchtrittsstelle der Nabelschnur durch die Bauchwand. Beim NG Nabelherniebeim Kleinkindhäufigste Bruchform (10–20 %), hohe spontane Rückbildungstendenz innerhalb der ersten beiden Lj.
KlinikTastbare Lücke Nabelgrund o. sichtbare Hautvorwölbung. Manchmal kleiner Netzzipfel in der Lücke tast- u. reponierbar. Netzeinklemmungen vermutlich für gelegentliche Schmerzen verantwortlich; Darmeinklemmung extrem selten.
DiagnostikInspektion u. Palpation.
DifferenzialdiagnoseLokalbefund eindeutig; bei Beschwerden andere abdom. o. psychosomatische Erkr. ausschließen.
TherapieDringliche OP nur bei seltener Darminkarzeration. Sgl. mit ausgeprägter Nabelhernie: Therapieversuch mit Nabelbruchpflaster (z. B. Porofix®). Elternaufklärung bzgl. häufiger Spontanrückbildung. NabelhernieTherapieStrenge OP-Ind. bei fortbestehender Hernie (bes. bzgl. kosmetischer Ind.). OP-Zeitpunkt: 3.–4. Lj.; amb. möglich.

Invagination

DefinitionEinstülpung eines höheren Darmabschnitts in einen tieferen, am häufigsten im Ileozökalbereich; durch Invagination (Kleinkind)Schwellung mechanischer Ileus. Jenseits des 2. Lj. selten.
ÄtiologieIm Einzelfall oft unklar. Begünstigend wirken Hyperperistaltik (Enteritis), Lymphadenitis mesenterialis, Polypen, Meckel-Divertikel, Coecum mobile. Seltene KO nach Rotavirus-Impfung.
KlinikAkuter Beginn mit Schreien bei offensichtlichen, kolikartigen Bauchschmerzen. Prodromal Unruhe, vorausgegangener abdom. o. Atemwegsinfekt; Erbrechen als Zeichen einer Peritonealreizung, Blut- u. Schleimabgang.
Diagnostik
  • AZ ↓, blasses, ängstliches Gesicht, Beine angewinkelt. Palpatorischer Druckschmerz, anfänglich keine Peritonitiszeichen. Invaginationstumor meist tastbar, v. a. im symptomfreien Intervall. Rektal Blut am Fingerling (späteres, aber sicheres Sympt.).

  • Sono (Kokarde), Labor wichtig für DD

  • Im Zweifel immer Klinikeinweisung

DifferenzialdiagnoseAppendizitis, Enterokolitis, Volvulus, Urogenitalerkr.
TherapieAbsolute Einweisungsind. schon bei Verdacht; diagn. u. ther. Kolon-Kontrasteinlauf, evtl. operative Reposition/Resektion. Stat. Behandlungsdauer je nach Schweregrad 2–3 d; postop. 7–10 d.

Auch im symptomfreien Intervall nicht von Entscheidung zur Klinikeinweisung abweichen (cave Todesfälle durch zu späte Behandlung).

Volvulus

DefinitionDarmschlingendrehung um Mesenterialstiel, meist als Folge ungenügender Darmanheftung am Volvulus, beim KindRetroperitoneum.
KlinikIn jedem Alter möglich; akuter Beginn, aber auch chron.-rezid. Verlauf.
  • 1. Häufigkeitsgipfel: NG- u. frühes Sgl.-Alter; akuter Beginn, schwer krankes Kind; galliges Erbrechen, geblähtes u. druckschmerzhaftes Abdomen, auskultatorisch klingende Darmgeräusche/Totenstille; rektal Blut am Fingerling

  • 2. Häufigkeitsgipfel: SK; v. a. ♂; meist hypermobiles Sigmoid betroffen (harmlosere Form des Volvulus). Beginn ebenfalls akut mit Schmerzen im li Mittel- bzw. Unterbauch, Brechreiz häufig, selten Erbrechen. Druckschmerz Sigmaregion ohne peritonitische Abwehrspannung u. ohne Ausstrahlung, rektal nur weite Ampulle, kein Blut

Diagnostik
  • Anamnese: Häufigkeitsgipfel beachten

  • Körperl. Unters.; cave: dramatischer Befund beim Sgl., harmlosere Form beim SK

  • Sono: Darmkonvolut mit Flüssigkeit im Lumen

  • Labor (BB, BSG), Urinstatus (Ausschluss HWI). CKE nur bei chron.-rezid. Verlauf

DifferenzialdiagnoseSgl.: Enterokolitis; SK: urolog. Erkr. (Pyelonephritis li), Kolitis (Durchfall, langsamer Beginn).
Therapie
  • Absolute Einweisungsind. bei NG u. Sgl. zur sofortigen Laparotomie; stat. Behandlungsdauer 2–3 Wo.

  • SK: Klin. Unters. ist oft schon erfolgreiche Ther.: nach rektaler Unters. Beschwerden oft schlagartig verschwunden, sodass überstürzte Einweisung unnötig (notwendig bei > ½ h andauernden Beschwerden o. Zeichen für akutes Abdomen mit AZ ↓)

Appendizitis

DefinitionEntzündung Wurmfortsatz über Darmlumen, selten hämatogenBlinddarmentzündung. Begünstigend: Stauungen, AppendizitisFremdkörper, Oxyuren, Kotsteine. Häufigkeitsgipfel 4.–10. Lj. Jüngere Kinder erkranken seltener, da Appendix kleiner, Lumen weiter ist.
Klinik
  • Akut: kurze Anamnese (Stunden), plötzlicher Beginn, Brechreiz, Erbrechen, Obstipation (auch Durchfall), Schmerzen zunächst in Nabelgegend, dann in re Unterbauch wandernd, subfebrile Temperaturen. Angewinkelte Schonhaltung re Bein, Hinken (Psoasschmerz). Bei peritonitischer Reizung Oberkörper nach vorn gebeugt, um Bauchdecken zu entspannen

  • Subakut o. chron.: lange Anamnese (Mon.), rezid. Schmerzen re Unterbauch, Übelkeit, Obstipation, meist fehlt Abwehrspannung

DiagnostikIm re Unterbauch Druckschmerz, bei perityphlitischem Abszess tastbare Resistenz, kontralateraler Loslassschmerz. Rektal Druckschmerz im Douglas-Raum (recht verlässlich). Rektal-axilläre Temperaturdifferenz > 0,5 °C u. Leukozytose (wenig verlässlich). Sono. Cave: Jede atyp. Lage kann zu folgenschweren Fehldiagnosen führen.
TherapieEinweisung zur fachärztl. Klärung, ggf. OP.
DifferenzialdiagnoseEntzündliche Prozesse intra-/retroperitoneal; bei Kindern auch außerhalb des Bauchraums, jedoch ohne typ. Tastbefund (Pseudoappendizitis bei Pneumonie, diab. Präkoma, Otitis media, Masern u. a.). Schwierige Abgrenzung zu Nabelkoliken.
KomplikationenPerityphlitischer Abszess, Perforation (je jünger der Pat., desto früher: Fieberanstieg, tastbarer Tumor mit lokaler Abwehrspannung, vorübergehend lassen Schmerzen nach), Peritonitis, Ileus.

Zöliakie

SynonymeGlutensensible EnteropathieEnteropathie, glutensensible, einheimische SprueSprueeinheimische (Erw.). Zöliakie
DefinitionAutoimmunerkr.; Dünndarmüberempfindlichkeit bzgl. Klebereiweiß Gluten aus Weizen, Hafer, Gerste, Roggen. Zottenatrophie, Fettsäuremalabsorption. Symptomatisch 2–3 Mon. nach Beginn Getreidebeikost, i. d. R. frühes KK-Alter. Oligosympt. Formen evtl. jahrelang unerkannt.
KlinikGedeihstörung, chron. Durchfälle (massige, fettglänzende, übel riechende Stühle), geblähter Bauch, Appetitlosigkeit, Eisenmangelanämie, sekundäre Rachitis, Erbrechen nach Aufnahme von v. a. Grieß- o. Vollkornbrei, Misslaunigkeit. Bei älteren Kindern oft nur Kleinwuchs.
DiagnostikGliadin-, Endomysium-, Gewebstransglutaminase-Ak, Dünndarmbiopsie, Beschwerdefreiheit unter glutenfreier Diät.
DifferenzialdiagnoseKH-Malabsorption, Kuhmilcheiweißallergie, Immundefizienz, tropische Sprue.
TherapieStreng glutenfreie Diät (8.5.1), i. d. R. lebenslang. Mais, Reis u. Hirse werden vertragen. Cave: versteckte Glutenquellen (Empfehlungen der Dt. Zöliakie-Gesellschaft 16.16).
KomplikationenOsteoporose, GIT-Tumoren.
ProphylaxeAk-Bestimmung bei symptomlosen Geschwistern.

Infektiöse „Kinderkrankheiten“

Überblick

Masern
SynonymMorbilli (Masern)MasernKinderkrankheiten, infektiöseInfektion(skrankheit)enbeim KindMorbilli.

Tröpfchen-Inf. (Husten, Niesen, Sprechen) mit Masernvirus. Hoch kontagiös (fast 100 %). Nestschutz durch mütterliche Ak bis zum 5.–12. LM. Bis Impfeinführung v. a. Kinder betroffen (natürliche Durchseuchung bis zum 6. Lj. > 95 %), heute zunehmend nicht geimpfte Jgl. u. Erw. mit oft atyp., schwerem Krankheitsverlauf (Durchimpfungsrate 80–90 %). IKZ bis Exanthemausbruch 8–12 d.

Klinik(Tab. 16.13).
  • Prodromi (4 d): 1. Fieberschub bis 39 °C, Atemwegskatarrh, Koplik-Flecken an Wangenschleimhaut in Höhe der Molaren (salzkornartige weiße Stippchen mit gerötetem Hof), evtl. Kopf- u. Bauchschmerzen mit Obstipation („Pseudoappendizitis“) o. Durchfall. Kurzzeitige Entfieberung nach 3 d.

  • 2. Fieberschub bis 41 °C, Verstärkung der Krankheitserscheinungen, Konjunktivitis (Lichtscheu), Rhinitis, Pharyngolaryngitis, Tracheobronchitis mit trockenem Reizhusten, typisches Maserngesicht („verrotzt, verheult, verschwollen“), Abgeschlagenheit, Krankheitsgefühl, Exanthem: stark gerötet, großfleckig bis 1 cm, erhaben, unregelmäßig geformt, konfluierend, evtl. hämorrhagisch; beginnt retroaurikulär, steigt symmetrisch über Kopf, Stamm zu Extremitäten ab. Rückbildung in gleicher Folge; nach Abblassen kleieartige Hautschuppung möglich. Anhaltende Infektanfälligkeit für ca. 6 Wo. Lebenslange Immunität.

DiagnostikI. d. R. klinisch. Serolog. Bestätigung (IgM-AK) zur epidemiolog. Erfassung. Verdacht u. Erkr. meldepflichtig.
Therapie
  • Bettruhe in belüftetem, abgedunkeltem Zimmer. Bei hohem Fieber o. beeinträchtigtem AZ: Antipyrese (16.15.1). Absonderung bis 4 d nach Exanthembeginn. Genügend lange Erholungsphase, um KO zu vermeiden.

  • Otitis media, Bronchopneumonie: frühzeitige Antibiotika-Ther. (16.6.11, 16.6.10).

  • Krupp-Sy., Enzephalitis, toxischer Verlauf: Klinikeinweisung.

Prophylaxe
  • Aktive Impfung im Alter von 11–14 u. 15–23 Mon., Abstand 6 (mind. 4) Wo., vorzugsweise mit MMR(V)-Lebendimpfstoff (z. B. Priorix[-Tetra]®), 9.2.3.

  • Bei mögl. Masernkontakt (Gemeinschaftseinrichtungen) Impfung evtl. bis zum 9. LM vorziehen. Bei noch früherer Impfung ist Nichtangehen wg. mütterlicher Ak wahrscheinlich. 2. Impfung dann im Alter von 12 Mon.

  • Impfmasern (bis 5 %): Ca. 10 d nach Impfung ImpfungMasernmäßiges Fieber, flüchtiges Exanthem, respir. Sympt., selten Thrombozytopenie, nichtinfektiös.

  • Riegelungsimpfung bei Nicht- o. nur Einmalgeimpften möglichst innerhalb von 3 d nach Kontakt (Inkubationsimpfung).

  • Passive Immunisierung (abwehrgeschwächte, seroneg. Personen mit hohem KO-Risiko): 0,2–0,5 ml/kg i. m. o. 1–2 ml/kg i. v. Immunglobulin (z. B. Beriglobin®) verhindern bis zum 3. d Ausbruch, mitigieren bis zum 6. d nach Kontakt den Krankheitsverlauf.

  • Weltweite Eliminierung bis 2015 geplant, auf 2020 verschoben (WHO).

Komplikationen
  • Bronchopneumonie, Otitis media, Masernkrupp (insgesamt 10–20 %).

  • Bakterielle Superinf., Tbc-Aktivierung infolge Resistenzminderung.

  • Toxischer Verlauf (selten): stark reduzierter AZ, Hyperpyrexie, Somnolenz, Krämpfe.

  • Enzephalitis 0,1 %: erneuter Fieberanstieg, Eintrübung, Krämpfe, Letalität 15 %, Defektheilung 30 % (Krampfleiden, Intelligenz-, Konzentrationsstörungen).

  • Weiße Masern (ohne Exanthem) bei T-Zell-Defekt; Riesenzellpneumonie.

  • Subakut sklerosierende Panenzephalitis: mögliche Spätfolge nach 6–8 J. mit infauster Prognose.

PrognoseLetalität 0,05 %, in Entwicklungsländern 5 % (günstiger bei Vit.-A-Gabe), erhöhte Komplikationsrate mit zunehmendem Alter.
Röteln
SynonymeRubeola (Röteln)RötelnRubeola, Rubella.

Tröpfcheninf. mit Röteln-Virus. Kontagiosität bei flüchtigem Kontakt 20 %, bei Haushaltskontakt 80 %. V. a. nicht geimpfte ältere Kinder u. junge Erw. Abortive Verläufe in 50 %. IKZ 2–3 Wo.

Klinik(Tab. 16.13).
  • Katarrhalische Prodromi für 2 d; dann druckempfindliche, weiche Lk-Schwellung typischerweise nuchal, retroaurikulär

  • Exanthem für 3 d: blassrot, mittelfleckig bis 3 mm Ø, leicht erhaben, teils dicht stehend, nicht konfluierend, oft flüchtig u. diskret, bei Lampenlicht kaum sichtbar. Beginn retroaurikulär, rasche Ausbreitung über Gesicht, Hals, Stamm u. gelegentlich Extremitäten. Keine Schuppung. Leichte allg. Krankheitserscheinungen, mäßiges Fieber bis 38 °C, evtl. Arthralgien (Jgl., Erw.). Prognose gut

DiagnostikKlin. oft unsicher, daher Immunstatus gefährdeter/nicht vollständig geimpfter Personen (Schwangere, Abwehrgeschwächte, Personal Kindergemeinschaftseinrichtungen) serolog. klären: IgM-Ak-Nachweis (ab 3. d nach Kontakt) o. 4-facher HAH-Titeranstieg im Verlauf von 1–3 Wo.; Immunität: HAH ≥ 1 : 32 o. ELISA-IgG ≥ 15 IU/ml (Kontrolle bei Kinderwunsch). Erkr. seit 2011 meldepflichtig.
TherapieSymptomatisch, meist nicht erforderlich. Auf mögliche Gefährdung Schwangerer hinweisen! Kausale Therapie existiert nicht.
Komplikationen
  • Arthralgien/Arthritiden (Jgl., Erw., v. a. ♀)

  • Konnatales RötelnsyKonnatales Rötelnsyndrom. (RötelnembryopathieRötelnembryopathie) bei Inf. während Frühschwangerschaft bis 18. SSW. Schweregrad abhängig vom Gestationsalter. Klassische Trias (Gregg-SyGregg-Syndrom.) betrifft Herz (offener Ductus arteriosus), Augen (Katarakt), Ohren (Innenohrtaubheit). Drohende Rötelnembryopathie ist med. Ind. für Abruptio. Ca. 3 % der Frauen im gebärfähigen Alter seronegativ. Pro Jahr werden 1–2 Rötelnembryopathien gemeldet, tatsächliche Zahl liegt vermutlich höher

  • Enzephalitis (selten), Panenzephalitis (sehr selten)

Prophylaxe
  • Aktive Impfung im Alter von 11–14 u. 15–23 Mon., Abstand 6 (mind. 4) Wo., vorzugsweise mit MMR(V)-Lebendimpfstoff (z. B. Priorix[-Tetra]®). Jungen sind ImpfungRötelnnicht von Röteln-Komponente auszunehmen! Frühere Impfung ab 9. LM möglich (bei Aufnahme in eine Kindereinrichtung indiziert), Erfolg wg. mütterlicher Ak nicht garantiert. 2. Impfung dann zu Beginn 2. Lj.

  • Ist nur 1 Impfung dokumentiert, frühzeitig 2. Impfung nachholen (auch nach Röteln-Erkr., die nicht serolog. gesichert wurde), um Immunitätslücken zu schließen (bis 5 %). Keine Altersbegrenzung

  • Sind 2 Impfungen dokumentiert, wird seit 2011 serolog. Kontrolle bei Frauen im gebärfähigen Alter u. bei Kinderwunsch nicht mehr empfohlen

  • Grav. zum Impfzeitpunkt u. folgende 3 Mon. ausschließen. Versehentliche Impfung keine Ind. für Abruptio (durch Impfvirus verursachte Embryopathie bislang nicht bekannt)

  • Nach Exposition Kinder, Jgl., Personen der Schwangeren- o. Kinderbetreuung, die nicht o. nur 1 × geimpft sind, möglichst binnen 3 d impfen. Dadurch Unterbrechung möglicher Infektionsketten (Riegelungsimpfung). Passive Immunisierung mit polyvalentem Immunglobulin innerhalb 7 d nach Rötelnkontakt bzw. bis 2. Exanthemtag des Erkrankten möglich, allerdings kein 100-proz. Schutz. Spezielles Röteln-Hyperimmunglobulin in D nicht mehr im Handel.

Streptokokken-A-Angina, Scharlach
SynonymScarlatina. Streptokokken-A-AnginaScharlach
DefinitionTröpfcheninf. (durch Streptok.-Träger mit aktiver Pharyngotonsillitis), seltener Kontaktinf. (kontaminierte Nahrungsmittel, Gegenstände) mit phageninfizierten GAS, die erythrogenes Exotoxin (3 antigene Varianten) produzieren. Trotz hoher Kontagiosität (bes. in Gemeinschaftseinrichtungen) geringe Manifestation (10 %); v. a. SK, selten Sgl., Erw. Blande Verläufe zahlreich, erst retrospektiv an Hautschuppung erkennbar. Bei Immunität gegen das Toxin ist Angina alleiniges Symptom. Mehrfacherkr. möglich, entweder durch Streptok. eines anderen Serotyps (80 verschiedene) o. durch Reinf. (selten). Erwerb vermutlich lebenslanger typen- u. toxinspez. Immunität, daher Streptok.-Inf. 80 × (darunter 3 × Scharlach) möglich. IKZ 2–4 d.
Klinik(Tab. 16.13).
  • Streptok.-A-Angina (PharyngotonsillitisPharyngotonsillitis): im SK-Alter häufig (in 40 % 1 ×/J.). Gerötete, geschwollene Tonsillen, ggf. mit stippchenförmigen o. konfluierenden, wegwischbaren Belägen. Schluckbeschwerden; schmerzhafte Hals-Lk-Schwellung; Fieber.

  • Scharlach: plötzlicher Beginn mit hohem Fieber um 40 °C, ggf. Erbrechen, Schluckbeschwerden, Hals-, Kopf-, Glieder-, Bauchschmerzen, Schüttelfrost. Düsterrotes Enanthem Rachenhinterwand u. weicher Gaumen, harter Gaumen bleibt frei. Pharyngotonsillitis wie oben. Weißlich belegte Zunge. Mundwinkelrhagaden. Intensive, diffuse Wangenrötung, periorale Blässe. Nach 1–2 d feinfleckiges, dicht stehendes, blass- bis hochrotes Exanthem, oft flüchtig. Beginnt an Arm- u. Leistenbeugen, breitet sich über Hals, Stamm, Extremitäten-Streckseiten aus. Haut: samtartig rau, subikterisch, gelegentlich Petechien (Rumpel-Leede-TestRumpel-Leede-Test pos. 19.1.3). Nach Abstoßung der Beläge imponiert gerötete Zunge mit verdickten Papillen (Himbeerzunge). Unter Antibiotika-Ther. Entfieberung nach 1–2 d (sonst bis zu 3 Wo.), Exanthem-Abblassung u. nach 1Himbeerzunge–2 Wo. kleieartige, grob lamellöse Hautschuppung an Handtellern u. Fußsohlen.

  • Folgeerkr. nach 1–3 Wo. Latenz: Endokarditis, GN, rheumatisches Fieber, Chorea minor (selten). Mögliche Hautmitreaktionen: Erythema nodosum, Erythema anulare.

Diagnostik
  • Schnelltest (z. B. Equate Strep-A-Test®). Beurteilung nach 10 Min., bei neg. Ausfall nicht aussagekräftig.

  • Rachenabstrichkultur auf Blutagar- o. Selektivnährboden, Beurteilung nach 1 d.

DifferenzialdiagnoseVirale (Adenoviren), bakt. Anginen, Mononukleose (9.4.3), Diphtherie (9.3.7), Kawasaki-Krankheit.
Therapie
  • Antibiose: Penicillin V p. o. 100.000 IE/kg KG in 2 bzw. 3 ED für 7 (früher 10) d (z. B. InfectoBicillin® bzw. Infectocillin®) o. orales Cephalosporin der 2. Gen. für 5 d (z. B. Infectocef®). Beendet rasch Infektiosität, verhindert KO, Folgeerkr. Cave: Therapieabbruch nach Symptombesserung vermutlich häufigster Grund für Therapieversagen. Weitere Alternativen: Makrolide unter Beachtung der lokalen Resistenz, z. B. bei Penicillinunverträglichkeit, in Sonderfällen auch Clindamycin

  • Antipyrese (16.15.1). Bettruhe, solange Fieber besteht

Ausschluss Folgeerkr. nach 3 Wo., bes. bei inkonsequent durchgeführter Antibiotika-Ther.: Auskultation, RR, Urinstatus, Gelenkstatus, ggf. EKG.

Prophylaxe
  • Absonderung bis 24 h nach Beginn Antibiotika-Ther., unbehandelt ca. 3 Wo. bis Abklingen der Krankheitserscheinungen. Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen bei Beschwerdefreiheit u. gewissenhafter Fortführung der Antibiotika-Ther.; Abstrichkontrolle auf Keimsanierung nicht aussagekräftig

  • Antibiotische Mitbehandlung von Kontaktpersonen mit Rachensympt. (erkrankungsverdächtig) u. pos. Diagn., ferner bei erhöhtem Rezidivrisiko nach Folgeerkr.

  • Streptok.-Träger ohne Krankheitszeichen (10–20 % der Bevölkerung) keine Gefahr für sich u. andere

  • Nach Folgeerkr. (bes. nach Endokarditis): Penicillin V 2 × 200.000 IE/d o. Benzathinpenicillin 1,2 Mio. IE/Mon. i. m. (z. B. Tardocillin®) für mind. 5 J.

Komplikationen
  • Otitis media, Sinusitis, Mastoiditis, Tonsillarabszess, Osteomyelitis, Sepsis, toxisches Schock-Sy. (blauer ScharlachScharlachblauer)

  • Haut-, Weichteilinf.: Impetigo, Erysipel, nekrotisierende Fasziitis („Killerbakterien“). Wund- z. B. Puerperalscharlach (cave: Verkürzte IKZ! Binnen h septischer Verlauf möglich), Erysipel

Windpocken
SynonymVarizellen.
DefinitionTröpfchen- u. fraglich „fliegende“ Inf. mit Varicella-WindpockenZoster-Virus. Kontagiosität 80 %, Frühdurchseuchung Varizellenbis 10. Lj. > 90 %; v. a. KK, SK, zunehmend auch Jgl., Erw. mit dann möglichem schwerem Verlauf. Exazerbation als Herpes zoster (GürtelroseGürtelrose) nach jahrelanger Latenz möglich. Herpes Herpes zosterzoster kann Windpocken übertragen. IKZ 10–21 d, meist 14–16 d.
Klinik(Tab. 16.13).
  • Selten katarrhalische Prodromi (1–2 d): flüchtiges, leichtes Fieber

  • Aufblühen des Exanthems in Schüben zunächst mit feinen rötlichen, 2–5 mm großen Papeln, die sich binnen 1 d in einkammerige, anfangs wasserklare, dann gelblich-trübe Bläschen umwandeln, bald eintrocknen u. braunschwarze Krusten bilden. Krusten fallen nach einigen d ab, hinterlassen gelegentlich hypopigmentierte Stellen o. Narben (v. a. durch Kratzeffekte). Alle Stadien nebeneinander („Sternenhimmel“), betroffen ist gesamte KOF einschließlich behaarter Kopfhaut, bei schweren Verläufen auch Mund- u. Genitalschleimhaut. Starker Juckreiz. Leichtes Fieber. AZ meist nur (↓). Exanthemdauer: 1–2 Wo. Cave: Bläschenflüssigkeit enthält VZ-Viren (hoch infektiös!)

DiagnostikI. d. R. klinisch. In bes. Fällen serolog.
DifferenzialdiagnoseHerpes zoster (schmerzhaft, segmentbegrenzt, bei Immunsuppression auch disseminiert; auch in Kindheit möglich). Strophulus infantum (hauptsächlich Extremitäten, weniger Stamm, selten Gesicht).
Therapie
  • Ggf. Antipyrese (Paracetamol 16.15.1, keine Salicylate!)

  • Austrocknen der Bläschen fördern: juckreizstillende Gerbstoffe (z. B. Tannosynt® Lotio), zinkhaltige Schüttelmixturen (z. B. Anaesthesulf®); keine Salben, keine feuchten Umschläge, keine Bäder

  • Starker Juckreiz: Antihistaminikum p. o. (z. B. Fenistil®, Zyrtec®)

  • Bakt. Superinf.: lokal desinfizierende, antiseptische Lsg. (z. B. Rivanol®, Betaisodona®). Selten systemische Antibiotika-Ther. nötig (staphylok.-wirksame Cephalosporine, z. B. Infectocef®)

  • Bei eingeschränkter Abwehrlage (s. u.) o. zu erwartendem schwerem Verlauf (> 16. Lj.): frühzeitig Aciclovir (z. B. Zovirax®) i. d. R. 30–45 mg/kg/d i. v. (max. 2,5 g/d); in Ausnahmefällen oral 60–80 mg/kg/d (max. 4 × 800 mg/d), ggf. Klinikeinweisung

Kühle Zimmertemperatur (Juckreiz lindernd). Kurze, saubere Fingernägel, evtl. nachts Leinenfäustlinge o. Leibchen, um Aufkratzen der Bläschen zu verhindern.

Prophylaxe
  • Isolierung bis 5 d nach letztem Exanthemschub bzw. bis Verkrustung der Effloreszenzen. Gründlich Hände waschen u. desinfizieren

  • Standardimpfung seit 2009 im Alter von 11–14 LM, 1. Dosis bevorzugt monovalent (z. B. Varilrix®, Varivax®, s. c.) u. kontralateral zur MMR-Impfung (wg. erhöhten Risikos von Fieberkrämpfen), 2. Dosis im Alter von 15–23 LM, vorzugsweise mit einem MMRV-Komb.-Impfstoff (z. B. Priorix-Tetra®). Ungeimpfte/nur einmal geimpfte Kinder/Jgl. ohne Varizellenanamnese mit monovalentem o. vorzugsweise Komb.-Impfstoff impfen (1 bzw. 2 Dosen), Abstand 6 (mind. 4) Wo.

  • Indikationsimpfung: gefährdete seroneg. Personen (Immundefizienz, Neurodermitis, Kinderwunsch), deren seroneg. Kontaktpersonen, Personal im Gesundheitsdienst/Gemeinschaftseinrichtungen für Vorschulalter. Postexpositionelle ImpfungVarizellenInkubationsimpfung binnen 5 d o. bis 3 d nach Exanthemausbruch des Indexfalls möglich

  • Varicella-Zoster-Immunglobulin (z. B. Varicellon® 0,2 ml/kg i. m.; Varitect® 1 ml/kg i. v.) für gefährdete seroneg. Personen bis 96 h nach Exposition, anschließend Aciclovir (s. o.)

Komplikationen
  • Narbenbildung (Superinf. aufgekratzter Bläschen)

  • Schwerer protrahierter Verlauf bei eingeschränkter Abwehrlage (Früh-/NG, Immundefizienz, Kortison-Ther.), Hauterkr. (Neurodermitis)

  • Zerebellitis (gute Prognose), Enzephalitis (schlechte Prognose), Pneumonie u. a.

  • Fetales Varizellen-Sy. in 2 % bei Inf. bis zur 24. SSW: Haut-, Augen-, ZNS-, Skelettanomalien

  • Konnatale Varizellen mit bedrohlichem Verlauf für NG bei Erkr. der Mutter 5 d vor bis 2 d nach Geburt (kein Nestschutz)

  • Assoziation mit Reye-Sy. (Hepato-, Enzephalopathie; Altersgipfel 5.–14. Lj.) nicht bewiesen. Dennoch: Keine Salicylate zur Antipyrese bei Kindern u. Jgl.!

Ringelröteln
SynonymeExanthema infectiosumExanthema infectiosum/subitum, 5. (exanthematische) KrankheitRingelröteln
DefinitionInf. mit humanem Parvovirus (sehr stabil); Übertragung via Tröpfchen, kontaminierte Hände u. Blut; mittlere Kontagiosität, Durchseuchung bis Erw.-Alter 60 %. Befällt bevorzugt Erythropoesezellen; v. a. KK, SK; meist blander Verlauf (evtl. katarrhalischer Infekt), bevorzugt im Frühjahr in Kindergärten u. Grundschulen. Mit Aufblühen des Exanthems Infektiosität vorüber. Vermutlich lebenslange Immunität.
KlinikKeine o. nur geringe Prodromi, dann mäßiges Fieber u. Anämie für 2–5 d (Tab. 16.13). In 20 % für weitere 10 d zunächst hellrotes, schmetterlingsförmiges Wangenerythem („slapped cheek“), schließlich girlandenförmig konfluierende, bläulich-rote Figuren an Extremitäten-Streckseiten u. Gesäß, weniger am Stamm. Transiente Arthralgien/Arthritiden kleiner Gelenke v. a. bei jungen ♀.
DiagnostikI. d. R. klinisch; in Zweifelsfällen o. in Grav. serolog.; PCR möglich.
TherapieI. d. R. nicht erforderlich. Immunglobuline bei Immundefizienz.
ProphylaxeInfo an Gemeinschaftseinrichtungen (Kindergarten). Maßnahmen bei Endemien: gründliche Händedesinf. (Seife allein genügt nicht); Kontakt mit respir. Sekreten vermeiden. Schwangere postexpositionell serolog. auf frische Inf. hin prüfen. Falls pos. → FA-ÜW: engmaschige Sonokontrollen (Hydrops fetalis?), ggf. intrauterine Bluttransfusion.
Komplikationen
  • Inf. während Grav.: diaplazentare Übertragung bis 30 %, Spontanabort infolge Hydrops fetalis (5 %). Fehlbildungen bislang nicht bekannt, daher keine Ind. Abruptio

  • Aplastische Krise (bei hämatolog. Grunderkr. o. schwerem Blutverlust)

  • Selten: persistierende Virämie u. Infektiosität (bei Immundefizienz), Anämie, Panzytopenie, Arthritiden u. a.

Dreitagefieber
SynonymeExanthema subitumExanthema infectiosum/subitum, Roseola infantumRoseola infantumDreitagefieber. 6. exanthemische Krankheit.
DefinitionHumanes Herpes-Virus (HHV) Typ 6 u. 7, gering kontagiös (vorwiegend Speichel, selten Blut). Durchseuchung bis 3. Lj. fast 100 %. Häufigste Exanthemkrankheit in diesem Alter, daher oft als Impfreaktion fehlgedeutet. IKZ 5–15 d. Lebenslange Latenz.
KlinikPlötzlicher Beginn, 3–5 d hohes Fieber bis 41 °C, häufig mit Erbrechen u. Durchfall; Meningismus. Unter Entfieberung zartrotes, feinmakulöses, rötelnähnliches, stammbetontes Exanthem, meist nur für einige h deutlich sichtbar. Geringe katarrhalische Erscheinungen. Prognose gut.
DiagnostikKlinisch. In bes. Fällen serolog.
TherapieAntipyrese (16.15.1). Fieberkrampfprophylaxe (16.5.1) bei bestehender Bereitschaft. Cave: ungezielte Antibiotika-Ther. im Fieberstadium → Fehldiagnose Arzneimittelallergie!
Komplikationen
  • Oft Ursache für 1. Krampfanfall (Klinikeinweisung, LP meist normal). Meningoenzephalitis sehr selten

  • Assoziation zwischen Reaktivierung u. rheumatischen Erkr. wird diskutiert. Reaktivierung bei Immundefizienz

  • Mononukleoseähnliches Krankheitsbild bei älteren Kindern durch HHV 7

Keuchhusten
SynonymPertussis. KeuchhustenPertussis
DefinitionInf. mit Bordetella pertussis (gramneg.) durch Einatmen keimhaltiger Hustentröpfchen sympt. Pat. über max. 4 m. Hohe Kontagiosität (> 80 %), größte Infektiosität zu Beginn bis ca. 3 Wo. nach Erkr.-Ausbruch.; v. a. Sgl. u. KK gefährdet, da passive Immunität durch Mutter (Nestschutz) fehlt. Verschiebung der Erkr. ins Jugend- u. Erw.-Alter. Immunität nur für 2–12 J., daher Zweiterkr. z. B. infolge Ansteckung durch Enkel möglich („Oma-Husten“). Ähnliche, i. d. R. leichtere Erkr. durch Bordetella parapertussis.
KlinikIKZ 1–2 Wo., dann typischerweise 3 Stadien:
  • Stadium catarrhale (1–2 Wo.): Rhinitis, Konjunktivitis, Heiserkeit, uncharakt. Husten, Temp. (↑)

  • Stadium convulsivum (4–6 Wo.): Hustenanfälle v. a. nachts: Nach Inspiration stakkatoartiger Husten, Apnoe, Zyanose, dann juchzende, lang gezogene Inspiration („Keuchen“), Erbrechen glasigen Schleims, Erschöpfung. Subkonjunktivale, petechiale Blutungen. Hustenanfälle sind durch Racheninspektion auslösbar, Fieber nur geringfügig o. bei Superinf.

  • Stadium decrementi (6–10 Wo.): Husten seltener, evtl. Ausbildung eines „Tics“. Bronchiale Hyperreagibilität für längere Zeit

Atyp. Verläufe: bei Sgl. bradykarde Apnoen (assoziiert mit SIDS 16.6.16); bei Erw. länger bestehender Husten (als chron. Bronchitis oft fehlgedeutet).

Diagnostik
  • Anamnese: Verdacht bei Husten, der Schlaf durchbricht o. > 2 Wo. (5–20 %).

  • Körperl. Unters.: Facies pertussica (müde, gedunsen), Verletzung Zungenbändchen; meist Bronchitiszeichen

  • Kultureller Keimnachweis ab IKZ-Ende: tiefer Nasopharynxabstrich mit vorbebrütetem Kalziumalginat-Stieltupfer (über Nase in unteren Nasengang einführen), Ausstrich u. Transport auf cephalexinhaltigem Kohle-Pferdeblut-Agar (Schutz vor Austrocknung u. Kälte notwendig); Kultur für 3–6 d beobachten (quecksilbertropfenähnliche Kolonien)

  • Dir. Immunfluoreszenz-Test: Antigennachweis im Nasopharynxschleimausstrich durch polyklonale, mit Fluoreszein markierte Ak (unzuverlässig, vorläufige Diagn. möglich)

  • Serologie: ELISA, Miterfassung IgA-Titer zur Unterscheidung Impfung/Inf. notwendig (eindeutig erst im fortgeschrittenen Stadium convulsivum mit Hustendauer von 3–4 Wo.)

  • BB: Leukozytose bis 50.000 mm3, relative Lymphozytose > 50 % ab Ende Stadium catarrhale (wenig zuverlässig)

DifferenzialdiagnoseMykoplasmen, Adeno-, RS-, Parainfluenza-Viren imitieren klin. Bild oft exakt. Fremdkörper. Mukoviszidose.
TherapieFrühzeitige Antibiotika.-Ther. mit Makroliden (z. B. Azithromycin®); 2. Wahl: Roxithro-, Clarithromycin (Evidenzgrad A). Vorteile: Senkung KO-Rate, rascher Infektionsschutz Kontaktpersonen. Cave: Abkürzung Krankheitsverlauf nur, wenn Antibiotika.-Ther. im Stadium catarrhale beginnt.
  • Erkrankter Sgl.: Klinikeinweisung

  • Kontaktschutz anfälliger Personen (nicht geimpfte Sgl., KK, alte Menschen), ggf. Chemoprophylaxe (s. o.)

  • Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen nach Infektiositätsende frühestens 3 Wo. nach ersten Sympt., bei zuverlässiger Antibiotika.-Ther. nach ca. 5 d

Chance des HA: rechtzeitige prophylaktische Behandlung ungeschützter, anfälliger Kontaktpersonen (nicht geimpfte Sgl. u. KK) u. frühzeitige Behandlung älterer Kinder/Erw. bei Entwicklung von Atemwegssympt.

KomplikationenBei Sgl. schwerer Verlauf (Mortalität 2 %) mit Bronchopneumonie (20 %), Apnoen (7 %), kardialen Sympt. (4 %), Krampfanfällen (4 %), Enzephalopathien (2 %); weitere KO: Otitis media, eitrige Bronchitis.
Prophylaxe
  • Frühestmögliche Grundimmunisierung im Alter von 2, 3, 4 u. 11–14 Mon. mit Komb.-Impfstoff mit azellulärer Pertussiskomponente (aP; ImpfungPertussisz. B. Infanrix® hexa). Impfschutz ca. 10 J. Auffrischimpfungen im Alter von 5–6 J. u. 9–14 J.

  • Weitere Auffrischimpfungen alle 10 J. mit Komb.-Impfstoffen mit reduzierter Pertussiskomponente (Tdap o. Tdap-IPV, z. B. Covaxis®, Repevax®). Herstellung monovalenter Impfstoffe wurde inzwischen eingestellt

  • Frauen mit Kinderwunsch, enge Haushaltskontaktpersonen zu Sgl. u. KK, Personal im Gesundheitswesen/in Gemeinschaftseinrichtungen vorgezogen impfen (Kokonschutz), falls keine Pertussis-Impfung in letzten 10 J.; kann bereits 4 Wo. nach letzter Tetanus-Impfung erfolgen (keine erhöhte NW-Rate)

  • Erkr. ist meldepflichtig, Info an Gemeinschaftseinrichtungen (IfSG)

Mumps
SynonymeParotitis epidemica, „ZiegenpeterZiegenpeterMumps“. Parotitis epidemica
DefinitionTröpfcheninf. durch Mumps-Virus. Hohe Kontagiosität in geschlossenen Räumen, natürliche Durchseuchung bei Schuleintritt 70 %; v. a. Kinder/Jgl., mit zunehmenden Impfraten auch Erw.; hinterlässt dauerhafte Immunität. Inapparente Verläufe in 50 %. Infektiosität 7 d vor bis 9 d nach Drüsenschwellung. IKZ 2–3 (4) Wo.
Klinik
  • Keine wesentlichen Prodromi, gelegentlich Kaubeschwerden, Kopfschmerzen, mäßiges Fieber (1–2 d)

  • Druckempfindliche teigige, nicht scharf abgrenzbare, ein- o. doppelseitige Schwellung vor u. unter dem Ohr (Parotisbereich), gelegentlich auch der submandibulären Speicheldrüsen; meist steht Ohrläppchen ab; typ. Rötung Speichelgangspapillen an Wangeninnenseite, Kaubeschwerden, Ohrenschmerzen, Fieber um 38 °C (3–8 d)

DiagnostikI. d. R. klinisch. Bei atyp. Verläufen serolog.; Serum-Amylase ↑. Erkr. meldepflichtig.
DifferenzialdiagnoseAndere virale Parotitiden, Speichelstein, Lymphadenitis colli, Mononukleose (9.4.3).
Therapie
  • Allgemeinmaßnahmen: Mundhygiene, Antipyrese (16.15.1), ggf. Bettruhe

  • Orchitis: Hochlagerung (Sandkissen, Suspensorium); ggf. Antiphlogistika; Glukokortikoid-Ther. mit FA absprechen

  • Meningitis: Klinikeinweisung o. FA-ÜW

  • Enzephalitis, Pankreatitis: immer Klinikeinweisung

  • Schulbesuch frühestens 9 d nach Beginn der Drüsenschwellung

ProphylaxeAktive Immunisierung (2 × MMRV, 9.2.2). Riegelungsimpfung bei nicht o. einmal geimpften Kindern/Erw. ImpfungMumpsin Gemeinschaftseinrichtungen möglichst binnen 3 bis max. 5 d nach Exposition. Mumps-Immunglobuline zur passiven Immunisierung nicht verfügbar. Erkr. meldepflichtig (IfSG 9.11).
Komplikationen
  • Häufig: seröse Meningitis, klin. auffällig bis 10 % (Nackensteife, Kopfschmerz), auch isoliert ohne Parotitis, meist jedoch unbemerkt; gute Prognose

  • Häufiger: Pankreatitis (Oberbauchbeschwerden, Erbrechen, Fettstühle)

  • Seltener, meist postpubertär: Orchitis (erneuter Fieberanstieg, meist einseitige Schwellung, Druckschmerzhaftigkeit, Hodenatrophie möglich, Sterilität ungewöhnlich), Epididymitis, Oophoritis, Mastitis

  • Selten: Thyreoiditis, Myelitis, Myokarditis, Arthritis, Nephritis, Uveitis

  • Sehr selten: Meningoenzephalitis (Defektheilung in 50 %, Innenohrschwerhörigkeit)

  • Inf. im 1. Trimenon: Spontanabort möglich

Meningitis
SynonymHirnhautentzündung. Meningitisbeim KindHirnhautentzündung

Entzündungen des Nervensystems (Meningitis, Enzephalitis) in keiner Altersstufe so häufig wie im Kindesalter, zählen zu den wichtigsten abwendbar gefährlichen Verläufen. Frühzeitiges Erkennen entscheidet über vollständige Erholung vs. lebenslange Behinderung. Symptomatik umso weniger ausgeprägt, je jünger das Kind; erscheint nicht immer akut. Fieber kann fehlen! Cave: Antibiotisch anbehandelte Infekte!

DefinitionHämatogene o. fortgeleitete Inf. der weichen Hirnhäute. Differenzierung in bakt. (eitrige, granulozytäre), virale (seröse, lymphozytäre) u. durch Pilze, Protozoen o. Parasiten ausgelöste Meningitiden.
  • Bakt. Meningitis: Häufigkeitsgipfel 1. u. 2. Lj., 60 % bis 18. Lj., meist in Wintermon. Wichtigste Err.: Meningo-, Pneumok., Hib (deutlicher Rückgang mit Einführung der Hib-Impfung). Sonderformen: Lyme-Borreliose, Tbc (Bild einer lymphozytären Meningitis); NG-Meningitis (anderes Err.-Spektrum)

  • Virale Meningitis: v. a. KK, SK nach vorausgegangenem respir. o. GIT-Inf., selten junge Sgl. Oft 2-gipfliger fieberhafter Verlauf. Err.: Entero-, Mumps-, seltener Adeno-, (Para)Influenza-, FSME-, Arbo-, HSV-, VZV-Viren. Ätiol. vielfach ungeklärt

Klinik
  • Zu Beginn unspez.: Unruhe, Reizbarkeit, reduzierter AZ, Fieber

  • Hirndruckzeichen: Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerz, Überempfindlichkeit auf Berührung, Licht, Geräusch

  • Schonhaltung zur Vermeidung schmerzhaften Zugs an Nervenwurzeln: reklinierter Kopf (Opisthotonus), Abstützen hinter dem Gesäß (Dreifußzeichen)

  • Meningok.-Sepsis: Hauteinblutungen (im Niveau der Haut, nicht wegdrückbar, gezackter Rand), blutige Durchfälle, Multiorganversagen

  • Beteiligung des Hirnparenchyms: Wesensveränderung, Bewusstseinsstörung (Stupor, Somnolenz, Sopor, Koma), Bewegungsstörungen, Krampfanfälle, Paresen

  • Sgl.: „sieht schlecht aus“, Blässe/Zyanose, Trinkverweigerung, Erbrechen, Atemstörung, schrilles Schreien, Wimmern, gespannte o. vorgewölbte Fontanelle; Fieber kann fehlen!

Diagnostik
  • Meningitis-Zeichen: reflektorischer Widerstand bei passiver Nackenbeugung (MeningismusMeningismus); reflektorische Hüft- u. Kniegelenkbeugung bei Anheben des Kopfes aus Rückenlage (Brudzinski-ZeichenBrudzinski-Zeichen); Ischiasschmerz bei Anheben der gestreckten Beine (Kernig-Zeichen); Knie können mit Mund nicht berührt werden (Kniekuss-ZeichenKniekuss-ZeichenKernig-Zeichen)

  • Labor: Liquor (Zytologie, Zellzahl, Eiweiß, Glukose, Ak, Kultur, PCR), Blut (Kultur, Ak-Serologie, BB, CRP u. a.)

  • Nachkontrolle: Hör-, Sehprüfung, EEG (forensisch)

DifferenzialdiagnoseHirntumoren, -blutungen, Kollagenosen, „chemische“ Meningitis.
Therapie
  • Sofortige Klinikeinweisung! Ausnahme: Mumps-Meningitis bei gutem AZ u. guter Pflege

  • Falls Transport > 1–2 h: Cephalosporin i. v. (cave: Endotoxinschock, Erschwerung Diagn.)

  • Nach LP sofortige, bis zum Err.-Nachweis kalkulierte, dann gezielte Antibiotika-Ther. i. v., u. U. zusätzlich Aciclovir. Ggf. Kortison, Antiepileptika, intensivmed. Maßnahmen

Prophylaxe
  • Bakt. Meningitis: Impfung gegen Hib, Pneumo-, Meningok. entsprechend STIKO-Empfehlungen. Grundimmunisierung ab 2. LM: 4 ×ImpfungMeningitis Dtap-Hib-IPV-HB-Komb.-Impfstoff (Hexavac®, Infanrix Hexa®) zeitgleich mit 13-valentem Pneumokok.-Konjugatimpfstoff (16.6.10). Ab 12. LM 1 Dosis Meningok.-C-, bei Ind. 4-valenter ACWY-Konjugatimpfstoff (z. B. Menjugate® bzw. Nimenrix®). Seit 2013 europaweit Impfstoff gegen Meningok. der Serogruppe B (verursachen ⅔ der Erkr.) ab 2. LM zugelassen (Bexsero®): noch nicht Teil der allg. Impfstrategie, jedoch Empfehlung bei Ind.

  • Umgebungsprophylaxe bei dir. Kontakt mit Hib-/Meningok.-Meningitis-Erkrankten (z. B. Rifampicin)

  • Virale Meningitis: MMRV-, IPV-Impfung; FSME-Impfung bei Ind.

  • Meldepflicht: Erkr., Tod, ggf. Verdacht (IfSG 9.11)

PrognoseBakt. Meningitis: abhängig von Alter, frühzeitiger Antibiotika-Ther. u. Err.-Spektrum. Letalität bei Meningok. 10 %, Pneumok. 6 %, Hib 3 %. Virale Meningitis: i. d. R. gut. Neurolog. Spätschäden (bes. Pneumok.-Meningitis): Entwicklungs-, Lern-, Hör-, Sehstörungen, Krampfleiden, Paresen.
KomplikationenSepsis (Waterhouse-Friderichsen-Sy.: Meningok.-SepsisMeningokokkenSepsis mit NNR-Waterhouse-Friderichsen-SyndromEinblutungen, Verbrauchskoagulopathie u. Schock), Hirnabszess (selten), Hydrozephalus.
Enzephalitis
DefinitionEntzündung des Hirnparenchyms. Err.: Bakterien, Viren, Pilze, Protozoen, Parasiten, Prionen. Hämatogene Inf.Enzephalitisbeim Kind bei gestörter Blut-Hirn-Schranke, durch infizierte Monozyten bei intakter Blut-Hirn-Schranke, retrograd über Hirnnerven, penetrierende NNH-, Ohrprozesse. Akute, subakute, chron. Verläufe (bei Immundefizienz).
KlinikKopfschmerzen, Fieber, Wesensveränderung, Desorientiertheit, Bewusstseinsstörung (Stupor, Somnolenz, Sopor, Koma), Schwindel, Nystagmus, Bewegungsstörungen, Krampfanfälle, Paresen.
Diagnostik
  • Anamnestisch hinweisend: vorausgegangene/begleitende Sinusitis, Otitis, Endokarditis → Streptok., Staphylok.; Enteritis → Enteroviren; Parotitis → Mumps; Exantheme → Masern, Röteln, Windpocken; Zeckenstich → FSME, Lyme-Borreliose; Tierbiss → Tollwut; Fernreise → Malaria, Japan-Enzephalitis; Immundefizienz → HIV

  • Labor: Liquor (Zytologie, Zellzahl, Eiweiß, Glukose, Ak, Kultur, PCR), Blut (Kultur, Ak-Serologie, BB, CRP u. a.). Schrankenstörung (Liquor-Serum-Quotient). Intrathekale autochthone Ak-Produktion

  • MRT, CT, EEG

  • Nachkontrolle: EEG, Hör-, Sehprüfung, psycholog. Tests

DifferenzialdiagnoseHirntumoren, -blutungen, Stoffwechselerkr., Intox., Reye-Sy.
Therapie
  • Sofortige Klinikeinweisung! (s. a. Meningitis 16.8.9)

  • Nach LP sofortige, bis zum Err.-Nachweis kalkulierte, dann gezielte Antibiotika-Ther. i. v., u. U. zusätzlich Aciclovir

  • Antipyrese, intensivmed. Versorgung, Hirnödemprophylaxe (Kortison, Antikonvulsiva, Flüssigkeitsbilanzierung)

ProphylaxeWie Prophylaxe Meningitis (16.8.9)
PrognoseDefektheilung 7 % (psychoorganisches Sy., Konzentrationsstörungen, Anfallsleiden 21.8), Letalität 3 %.

Krankheitsbilder der Haut

Seborrhoische Säuglingsdermatitis

Hauterkrankungen beim KindSynonymMilchschorf. Seborrhoische SäuglingsdermatitisMilchschorf
DefinitionÄtiologisch unklare (pilzallergische Reaktion?), in 2.–10. Lebenswo. auftretende, akut entzündliche Hauterkr. (heilt innerhalb weniger Wo./Mon. von selbst ab).
KlinikScharf begrenzte, konfluierende Hautrötung mit fettig-gelblichen, festhaftenden Schuppen u. Krusten auf Kopfhaut („Gneis“) u. in Körperfalten (Hals, Achsel, Windelbereich, Nabel, Kniekehlen). Kein Juckreiz, AZ gut.
DiagnostikKlin. in Zweifelsfällen FA-ÜW.
Differenzialdiagnose
  • Atopische Dermatitis (endogenes Ekzem): Beginn erst ab 2. LM, starker Juckreiz, auch Befall von Wangen, Ohrläppchen, Beugeseiten; Windelbereich ausgespart

  • Windeldermatitis (16.9.2)

  • Erythrodermia desquamativa („Leiner“): Rötung generalisiert, Durchfall, Fieber. Schweres Krankheitsbild, evtl. tödlicher Ausgang (26.1.8)

TherapieBabybene Gel®: kurz einwirken lassen, mit Wasser aufemulgieren. Alternativ: Kopfschuppen mit Olivenöl o. 1- bis 2 % Salicylöl lösen. Kurzfristig fettarme, kortikoidhaltige Externa (z. B. Hydrocortison 0,5 % in DAC-Basiscreme). Danach Schieferölpräparate (z. B. 3–6 % Tumenol in weicher Zinkpaste). Waschen u. Baden nur mit sauren Syndets (z. B. Dermowas®, Balneum Hermal®). Cave: Präparate mit Teer wg. Karzinogenität umstritten. Erfolge auch mit Antimykotika (Imidazol-Derivate: z. B. Nizoral®-Creme). Bei schwerem Krankheitsbild Klinikeinweisung.
Naturheilkundliche Therapieempfehlung16.15.6.

Windeldermatitis

DefinitionHautirritation durch mikrobielle Zersetzung von Fäzes/Harn unter Luftabschluss (fettende Salben, WindeldermatitisEinmalwindeln). Schwere rezid. Verläufe: an evtl. Vernachlässigung denken.
KlinikRötung, Papeln, Bläschen, Erosionen der „gewölbten“ Areale, Tiefe der Hautfalten bleibt frei (im Gegensatz zu seborrhoischer Dermatitis, Impetigo, Intertrigo). Oft Soor-Überlagerung, dann auch Befall der Hautfaltennischen, Satellitenherde, randständige Schuppung (u. U. gleichzeitig Mund-/Darmsoor).
Therapie
  • Austrocknen: Luftzufuhr (Krabbeln „ohne“, „Flitzen“), trocken föhnen, häufig Windeln wechseln, Mullwindeln benutzen

  • Vorsichtig mit Zinköl reinigen, Pflege mit blanden, weichen Zink- o. Titanpasten

  • Antimykotikum für einige d, möglichst in Komb. mit Zinkoxid (z. B. Multilind®Heilsalbe, Mykundex® Heilsalbe, InfectoSoor®-Zinksalbe)

  • Kortikoide allenfalls kurzfristig zu Beginn zur antiinflammatorischen Ther.

Naturheilkundliche Therapieempfehlung16.15.6.

Mundsoor

DefinitionSprosspilzbefall (meist Candida Candida-MykoseMundhöhle, beim Säuglingalbicans) Mundhöhle bei lokaler Vorschädigung o. Abwehrschwäche, bes. bei Mundsoor (Säugling)jungen Sgl.
KlinikSchneeweiße, spritzerartige, konfluierende Beläge (hinterlassen nach Abschaben leicht blutende Erosionen). Cave: Nicht mit Milchresten verwechseln.
TherapieLokal: Nystatin 100.000 IE/ml (z. B. Nystatin® Lederle Tr., Moronal®-, Candio-Hermal®-Suspension je 1 ml) nach der Nahrung in den Mund geben o. Mikonazol-Gel auftragen, haftet länger (z. B. InfectoSoor® Mundgel, Daktar® 2 % Mundgel). Cave: Brustwarzen der stillenden Mutter immer mitbehandeln.
Naturheilkundliche Therapieempfehlung16.15.6.
KomplikationNahrungsverweigerung infolge Dysphagie.

Mundfäule

SynonymeStomatitis aphthosaMundfäule, StomatitisaphthosaGingivostomatitis herpetica. Gingivostomatitis herpetica
DefinitionHerpes-simplex-Erstinf., Häufigkeitsgipfel 1.–4. Lj. IKZ 2–7 d.
KlinikHohes Fieber, AZ ↓, Kieferwinkel-Lk ↑, Nahrungsverweigerung. Geschwollene, stark gerötete, bei Berührung leicht blutende Mund- u. Lippenschleimhaut. Bes. im vorderen Mundhöhlenbereich innerhalb von Stunden schubweise auftretende, gruppierte, 2–10 mm große, ovale Bläschen (rupturieren spontan, hinterlassen schmerzhafte, weißlich belegte, linsengroße Ulzera mit gerötetem Hof [Aphthen]). Fötider Mundgeruch, Hypersalivation.
DifferenzialdiagnoseHand-Fuß-Mund-Exanthem (Coxsackie-A-Inf.): IKZ 3–6 (2–35) d; Halsschmerzen, dann Ulzeration an Pharynx, weichem Gaumen, Zunge u. Zahnfleisch; an Händen u. Füßen makulopapulöses Exanthem, AZ gut bis (↓). Prognose gut; Ther. sympt.
TherapieKalte Getränke o. Breie, keine sauren Obstsäfte. Spülung/Pinselung mit Kamillentee, Dexpanthenol (z. B. Bepanthen®-Lsg.) o. Hexetidin (z. B. Hexoral®-Lsg.). Anästhesierende Gele (z. B. InfectoGingi®, Xylocain®) o. Salben (Recessan Salbe®); bei älteren Kindern auch Anaesthesin®-Pastillen vor Mahlzeiten. In Praxis bewährt: Rp. Hydrocortisonacetat 0,5; Tetracainhydrochlorid 0,5; Dexpanthenol 1,0; Propylenglykol 15,0; Guaj-Azulen 25 % wasserlöslich 0,024; Salviathymol®N 4,0; gereinigtes Wasser ad 100,0.
  • Stärkere Schmerzen, Fieber: Paracetamol (16.15.1)

  • Superinf.: Amoxicillin o. Cephalosporin p. o. (z. B. InfectoMox®, InfectoCef®)

  • Exsikkose (Nahrungsverweigerung wg. Dysphagie, bes. bei Sgl.): Klinikeinweisung zur Rehydrierung

  • Ggf. frühzeitige lokale antivirale Ther. mit Aciclovir (z. B. Zovirax® Creme)

Naturheilkundliche Therapieempfehlung16.15.6.
ProphylaxeSchmierinf. vermeiden.
Komplikation
  • Nahrungsverweigerung wg. Dysphagie

  • Selten schwere Verlaufsform (Aphthoid Pospischill-Feyrter) bei abwehrgeschwächten KK. Ther.: Analgetika, Antiphlogistika, Virustatika; FA-ÜW

PrognoseSpontanheilung nach 1–2 Wo., Reinf. mit abgeschwächtem Verlauf.

Mundwinkelrhagaden

MundwinkelrhagadenSynonymeAngulus infectiosusAngulus infectiosus, PerlèchePerlècheFaulecken, Cheilitis angularisCheilitis angularis, Faulecken.
DefinitionSchmerzhaft erosive Mundwinkelentzündung infolge Candida- o. Staphylok.-Inf., postinfektiös (z. B. nach Scharlach), bei Diab. mell., atopischer Diathese, Vit.-B12-, Eisenmangel; v. a. im Schulalter.
Therapie
  • Behandlung Grunderkr.: BZ-Einstellung, ggf. Vit.-B12-, Eisensupplementation

  • Nystatin-Paste (z. B. Nystatin®-Lederle) bzw. Tetracyclin- o. Erythromycin-Salbe (z. B. Aureomycin®)

Naturheilkundliche Therapieempfehlung16.15.6.

Hitzepickel

SynonymeFriesel, MiliariaHitzepickel (M.). FrieselMiliaria
DefinitionStau in Schweißdrüsengängen, allergische Hautreaktion auf erhöhte E’lytkonz. des Schweißes bei Wärmeexposition von Sgl. (warme Kleidung, feuchtwarmes Wetter, Fieber).
KlinikJuckende wasserhelle Bläschen, evtl. mit rotem Hof (M. cristallina) o. rötliche, leicht erhabene Papeln (M. rubra).
TherapieWärmestau vermeiden (z. B. übermäßige Bekleidung); kühle Luft; wirkstofffreie schweißdurchlässige Externa (z. B. Lotio Zinci; Eucerin cum aqua 50 %).
Naturheilkundliche Therapieempfehlung16.15.6.

Impetigo contagiosa

SynonymAnsteckende Borkenflechte. BorkenflechteImpetigo contagiosa
DefinitionHoch kontagiöse Pyodermie durch Strepto- u./ o. Staphylok., v. a. KK. Häufig sek. nach eitriger Rhinitis, bei endogenem Ekzem, Skabies, Pediculosis capitis (Impetiginisierung). Übertragung durch Kontakt o. über Kleidung. IKZ 2–10 d (bis mehrere Wo.).
KlinikEitrige Bläschen, nach Aufplatzen honiggelbe Krusten.
TherapieFrühzeitige lokale (z. B. Fucidine Salbe®, InfectoPyoderm® Salbe), bei Generalisierung systemische antibiotische Ther. (Cefaclor, z. B. Infectocef®). Sorgfältige Hautpflege. Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen nach Abheilen aller Effloreszenzen bzw. 1–2 d nach Beginn der Antibiose. Attest erforderlich.

Sandkastendermatitis

SynonymJuvenile papulöse DermatitisDermatitisjuvenile papulöseSandkastendermatitis. Juvenile papulöse Dermatitis
DefinitionHarmloses Ekzem bei Kindern, die viel im Sandkasten spielen.
KlinikHautfarbene o. hellere, einzeln o. gruppiert stehende Knötchen an Knien, Ellenbogen o. Handrücken.
TherapieHarnstoffhaltige blande Salben.
Naturheilkundliche Therapieempfehlung16.15.6.

Neurodermitis

SynonymeEndogenesNeurodermitis, atopisches EkzemEkzemendogenes.Atopisches Ekzem
DefinitionChron.-rezid., stark juckende entzündliche Hauterkr.; multifaktoriell. Beginn meist in Kindheit, aber in jedem Alter möglich. Prävalenz zunehmend (26.8.2).
Ätiologie
  • Endogene Disposition: trockene Haut, Barrierestörung, abnorme Entzündungsneigung

  • Exogene Faktoren: Allergene (Nahrungsmittel, bakt. Antigene, Inhalationsallergene), Inf., irritierende Substanzen (Textilien, z. B. Wolle), Klima, psychische Faktoren

KlinikChron. trockene, lichenifizierte (xerotische) Haut, im akuten Stadium nässende Ekzeme, multiple Exkoriationen (meist Juckreiz). Prädilektionsstellen: Hals, Gesicht, Beugeseiten, bei Sgl., KK auch Streckseiten der Arme. Weißer Dermografismus. Gedoppelte Unterlidfalte, lateral fehlende Augenbrauen, halonierte Augen. Gleichzeitig/alternierend allergische Rhinokonjunktivitis o. Asthma bronchiale.
DifferenzialdiagnoseDyshidrotisches Ekzem, nummuläre Dermatitis, Kontaktdermatitis.
TherapieIndividuell, symptomorientiert, stadiengerecht: 1. rückfettende Basispflege, 2. antientzündliche, antibakt. Ther. (bes. bei akutem Schub), 3. Ther. Juckreiz, 4. Coping-Hilfen, 5. Auslöser meiden. Initial offensive Ther. bei sich ankündigendem Schub!
  • Mehrmals/d Pflege mit wirkstofffreien Basispräparaten (z. B. Asche Basis®, Dermatop Basis® Creme/Fett-/Salbe), ggf. mit 10 % Borretschöl. Cremes trocknen eher aus, Salben: wirken okklusiv, feuchtigkeitserhaltend, verstärken aber u. U. Juckreiz. Baden mit Ölen (z. B. Linola® Fett N Ölbad, Neuroderm® Mandelölbad), wenn verträglich. Bei ¼ d. F. ausreichend

  • Chron. Ekzem: zusätzlich hydrophobe Triclosan-Creme 1–3 % (z. B. NRF 11.122 Infect.®) zur Reduktion der Staph.-aureus-Besiedlung (Fusidinsäure zurückhaltend, da Resistenzentwicklung möglich), komb. mit zinkhaltigen Externa (z. B. Pantederm® N Hexal Salbe, Zinksalbe-CT®). Im Winter Fettgehalt der Basispflege erhöhen. Harnstoff erst ab 5. Lj.

  • Akut nässendes Ekzem (akuter Schub): feucht-wässrige Umschläge mit kühlenden Externa (z. B. Lotio alba aquosa), tanninhaltigen Gerbstoffen (z. B. Tannosynt®), Schwarztee o. Kochsalz. Baden mit Kaliumpermanganat. Topische Antiseptika. Bei generalisierter Manifestation orale Antibiose für mindestens 1–2 Wo. (Staph.-aureus-wirksam, z. B. Cefaclor®)

  • Subakutes Stadium (nach 2–3 d): zusätzlich topische Steroide für 2–3 Wo. (Wirkstärken I–II, z. B. Dermatop®), 1 ×/d abends (absteigende Dosierung), nicht intertriginös, möglichst nicht im Gesicht. Kontraindiziert bei florider Inf. der Haut im akuten Stadium

  • Topische Calcineurin-Inhibitoren Tacrolimus (Protopic®), Pimecrolimus (Elidel®): antiinflammatorische Wirkung wie Steroide der Wirkstärken I–II (verursacht keine Hautatrophien). Bei sorgfältiger Abwägung ab 2. Lj., wenn Steroide über 2 Wo. ohne Erfolg. Begleitender Lichtschutz notwendig. Cave: nur kurzfristig (bei langfristiger Anwendung kanzerogene Wirkung nicht ausgeschlossen!)

  • Juckreiz: feuchte, kühle Umschläge auf zuvor eingecremter Haut, ggf. mit Menthol. Oral: ab vollendetem 2. Lj. Cetirizin (z. B. Cetirizin Stada® Saft); ältere Antihistaminika (z. B. Fenistil®) nicht regelmäßig, da sedierend. Kratzstopptechniken (nachts Neurodermitis-Overall, Baumwollhandschuhe)

  • Baumwollkleidung (keine Wolle, Etiketten heraustrennen), ggf. silberbeschichtete Spezialunterwäsche (Padycare®)

  • Allergenkarenz: Diät nur bei gesicherter Nahrungsmittelallergie. Überprüfung der klin. Relevanz durch oralen Provokationstest in allergolog. Zentrum. Bei Sgl. u. KK zunächst nur für 6 Mon. (in diesem Alter noch Toleranzausbildung möglich, 16.3.6)

  • Licht-, Fotosol-Ther.: nicht bei Kindern/Jgl. (Schädigung elastischer Hautfasern, Kanzerogenität)

  • Klimather.: Nordsee, Hochgebirge, Totes Meer

  • Coping: Schulung (AG Dermatologische Prävention: 16.16)

Naturheilkundliche Therapieempfehlung16.15.6.
Komplikationen
  • Impetigo contagiosa: frühzeitige antibiotische Ther. (26.5.1)

  • Varizellen: prophylaktische Indikationsimpfung, postexpositionelle Inkubationsimpfung bzw. Immunglobuline (16.8.4); Aciclovir (16.8.4)

  • Eczema herpeticatum: frühzeitige Ther. mit Aciclovir (s. o.)

ProphylaxeMuttermilchernährung mind. 4 Mon. Möglichst keine Katzenhaltung, Hunde wahrscheinlich unproblematisch. Verzicht auf Rauchen bereits ab Grav. Frühzeitige unspez. Immunstimulation kann vor Entwicklung atopischer Erkr. schützen: Aufwachsen auf Bauernhof, Kindertagesstätte in ersten 2 Lj., höhere Anzahl älterer Geschwister (16.6.9).

Mollusca contagiosa

SynonymDellwarzen. Mollusca contagiosaDellwarzen
DefinitionStreng epidermotrope Virusinf., Übertragung durch Schmierinf. IKZ 2–8 Wo.; häufig bei Kindern u. Jgl., bei Neurodermitis u. Immundefizienz.
KlinikRundliche, zentral gedellte, perlartige, hautfarbene o. rötlich-gelbe papulöse Effloreszenzen, gelegentlich gestielt o. sehr groß, auch in großer Zahl: Eczema molluscatum. Prädilektion: Gesicht, Hals, Stamm (periaxillär, -genital, -anal), Extremitäten.
DifferenzialdiagnoseVerruca vulgaris, Verruca plantaris (4.4.1).
TherapieBei KK o. ungünstiger Lokalisation: Remission abwarten (Wo. bis Mon.). Bei älteren Kindern mit Aktivitäten (Sport, Schwimmen) wg. Übertragungsgefahr: Exprimieren mit Eihautpinzette o. Kürettage nach topischer Anästhesie mit Lidocain-Creme bzw. -Pflaster (z. B. EMLA®). Evtl. Versuch mit Kaliumhydroxid-Lsg. (InfectoDell®).
Naturheilkundliche Therapieempfehlung16.15.6.

Erkrankungen des Urogenitalbereichs

Vorbemerkung

PhimoseKindUrogenitalerkrankungenHarnwegsinfektionbeim KindHWI (13.3.2) sind das häufigste Krankheitsbild des Urogenitalbereichs bei Kindern, gefolgt von Phimose (13.7.1).

Hydrozele

SynonymWasserbruchWasserbruch. Hydrocele testis, beim Kind
DefinitionFlüssigkeitsansammlung im Skrotalfach nach „Abstieg“ des Hodens vom Bauchraum in Skrotum durch unvollständigen Verschluss des Proc. vaginalis peritonei (Abb. 13.9). Falls Darmschlingen hinzutreten: indir. Leistenbruch.
KlinikPalpatorisch prall-elastischer Befund, manchmal ausdrückbar (kommunizierende Hydrozele), schmerzlos.
DiagnostikDiaphanoskopie pos. (heute geringere Bedeutung). Sono.
DifferenzialdiagnoseHämato-, Variko-, Spermatozele; Epididymitis (schmerzhaft); indir. Leistenbruch (Inkarzerationsgefahr!); Hodentumor, -torsion (16.9.3).
TherapieMeist spontane Rückbildung, ggf. OP-Ind. (ab 3. Lj.).

Varikozele

VarikozeleDefinitionKrampfaderartige Erweiterung des venösen Plexus pampiniformis (Krampfaderbruch); 80 % linksseitig (Abb. 13.9); v. a. präpubertäres bis frühes Erw.-Alter.
ÄtiologieBlutabfluss li V. spermatica über Umweg der V. renalis (re: Abfluss direkt in V. cava).
KlinikIm Stehen prall gefüllte Venen betroffener Skrotalhälfte. Missempfindungen, gelegentlich Schmerzen; u. U. Hodenhypotrophie.
DiagnostikInspektion, Palpation (Pulsation bei Hustenstoß). Sono; ggf. Spermiogramm.
DifferenzialdiagnoseSympt. Varikozele bei Abflussbehinderung V. spermatica (z. B. durch Nierentumor).
TherapieNicht immer behandlungsbedürftig. OP, um Störungen der Spermatogenese zu verhindern.

Hodentorsion

DefinitionHoden(erkrankungen)TorsionHodendrehung um Gefäßstiel (Abb. 13.9) infolge plötzlicher Kremasterkontraktion bei anlagebedingt unzureichend in seinen Hüllen fixiertem Hoden. Bei art. Verlegung ischämischer Infarkt, bei venöser Verlegung hämorrhagische Infarzierung. Prädilektionsalter 1. Lj. sowie (Prä-)Pubertät.
KlinikAkutes Skrotum: plötzlich (häufig nachts) einsetzende heftige Schmerzen, bis in die Leiste ziehend; skrotale Schwellung u. Rötung; Übelkeit, Erbrechen, beim KK Bauchschmerz u. Nabelkoliken.
DiagnostikInspektion u. Palpation: typ. Klin. (s. o.). Häufig hochstehender u. quer liegender Hoden. Schmerzverstärkung durch Anheben (Prehn-ZeichenPrehn-Zeichen neg.; DD Epididymitis). Keine Dysurie, kein Fieber. Sono.
TherapieSofortige Klinikeinweisung (telefonisch ankündigen) zur operativen Detorquierung binnen 4–6 h nach Symptombeginn, später o. im Anschluss Orchidopexie (auch kontralateraler Hoden).
PrognoseIn 60 % Hodenerhaltung (je früher Detorquierung, desto besser); sek. Hodenatrophie in 20–70 %.

Epididymitis

DefinitionNebenhodenentzündung (Abb. 13.9). Meist kanalikulär fortgeleitete Inf. bei HWI, selten hämato-/Epididymitisbeim Kindlymphogen (Tbc bei abwehrgeschwächten Kindern); gelegentlich bei Mumpsorchitis.
KlinikZunehmende Schmerzen entlang Samenstrang, bis zur Leistenregion ausstrahlend. Nebenhodenschwellung, Skrotalhautrötung. Meist besteht HWI.
Diagnostik
  • Nebenhoden induriert, schmerzhaft tastbar, bei ausgeprägtem Befund nicht vom Hoden abgrenzbar. Schmerzen nehmen i. d. R. beim Anheben des Skrotums ab (Prehn-ZeichenPrehn-Zeichen pos.; DD Hodentorsion)

  • Schmerzhafte Nierenlager? Blasenhochstand?

  • Sono. Urinstatus inkl. Kultur u. Antibiogramm

DifferenzialdiagnoseAkut: Hodentorsion 16.10.4, inkarzerierte Skrotalhernie. Chron.: Hydro-, Variko-, Spermatozele, Skrotalhernie; selten (Neben-)Hodentumor.
Therapie
  • Bei ausgeprägtem Befund, unsicherer DD bzgl. Hodentorsion sofortige Klinikeinweisung

  • Antibiose. Antiphlogistika, Bettruhe für einige d

  • Nach Abklingen akuter Sympt. Abklärung infektionsbegünstigender, bes. obstruierender Harntraktveränderungen

KomplikationenChronifizierung, Urosepsis, Infertilität.

Hodenhochstand

DefinitionNicht im Skrotum tastbarer Hoden infolge hormonell/anatomisch bedingter Verzögerung des embryonalen „Hoden(erkrankungen)HochstandAbstiegs“ durch Leistenkanal: 20 % der früh-, 4 % der reifgeborenen Knaben; noch bei 1 % nach dem 3. LM (physiolog. Hochstand). 2 % aller Knaben haben am Ende des 1. Lj. PendelhodenPendelhoden: Durch Retraktion des M. cremaster temporäre Verlagerung (Normvariante). LeistenhodenLeistenhoden: inguinale Hodenlage. GleithodenGleithoden: vor Leistenring liegend, unter Spannung in Skrotum verschiebbar. BauchhodenBauchhoden: dauerhaft kein Hoden tastbar (KryptorchismusKryptorchismus). Fehlende Anlage: kein Testosteronanstieg nach HCG-Test (AnorchieAnorchie).
DiagnostikVorsichtige Palpation u. Repositionsversuch durch leichten Druck auf innere Fossa iliaca in Richtung Peniswurzel. Unters. im Schneidersitz o. im Stehen mit warmen Händen in entspannter Atmosphäre. Sono.
Therapie durch FAAusbleibender Deszensus bis 6. LM. Kons. Therapieversuch:
  • HCG i. m. (z. B. Predalon®) bzw. LHRH intranasal (z. B. Kryptocur®). Erfolg in ca. 20 %. NW: in 1–3 % passagere Penis- u. Hodenvergrößerung, Pubesbehaarung, aggressives Verhalten

  • Falls erfolglos: operative Orchidolyse u. Orchidopexie bis Ende 1. Lj.

KomplikationenBei bds. Hochstand Fertilität ↓ (Temperaturempfindlichkeit Hodengewebe). Malignitätsrisiko ↑.

Hypospadie

DefinitionEntwicklungshemmung vorderer Harnröhre mit proximal verlagerter ventraler Mündung: 75 % distal (glandulär, koronar, Hypospadiesubkoronar); 25 % proximal (penil, skrotal, perineal). Ätiol. unklar. In 20 % 2. Familienmitglied betroffen. Assoziiert: Leistenhernie 7 %, Hodenhochstand 5 %, Nieren-, Harnwegsanomalien.
DiagnostikOrientierende Sono Nieren u. Harnwege; FA-ÜW → Kinderchirurgie, Urologie zur weiteren Diagn.
TherapieAbsolute OP-Ind. bei proximaler Hypospadie, relative bei distaler Hypospadie ohne Meatusstenose o. Schaftkrümmung. Verschiedenste OP-Verfahren (je nach Befund). Nur an ausgewiesenen Zentren mit entsprechender Erfahrung. Ziel: funktionelle u. kosmetische Rekonstruktion. Günstigster Zeitpunkt: ½–1. Lj. (2. Lj. ungünstig) bis spätestens Schulalter. Stat. Ther.-Dauer (bei komplikationslosem Verlauf): 10 d. Ausführliche Elternberatung.

Psychosomatische Krankheitsbilder

Allgemeines

Psychosomatische Erkrankungen/Störungenbeim KindKindpsychosomatische StörungenCharakteristisch im Kindesalter:
  • Diffuses, häufig wechselndes Beschwerdebild: z. B. Bauch-, Kopfschmerzen, Appetit-, Schlaf-, Verdauungsstörungen

  • Zeitliche o. situative Bindung der Beschwerden: vor/in der Schule, vor/nach unangenehmen Situationen, Besserung am Wochenende o. in Ferien

  • Suggestive Beeinflussbarkeit durch Zureden, Placebo

  • Belastende psychosoziale Situation: konflikthafte Familienkonstellation, Trennung/Verlust Eltern, Schulprobleme u. a.

  • Auffälligkeiten im psychischen u. sozialen Verhalten: depressiver Rückzug, soziale Anpassungs- u. Kontaktschwierigkeiten, Lernstörungen

Hausärztlicher Algorithmus

  • Bei entsprechenden Hinweisen frühzeitig psychosomatischen Aspekt ansprechen. Ist organische Abklärung abgeschlossen, sind Eltern u. Kind meist weniger zugänglich, neigen zum Bagatellisieren u. Ausblenden.

  • Begriffe „psychosomatisch“, „psychisch bedingt“ sorgfältig erläutern. Manche Eltern denken dabei zunächst an simulierte Beschwerden o. an eine geistige Beeinträchtigung.

  • Möglichst von Praxis aus festen Vorstellungstermin bei weiterbehandelnder Einrichtung (Erziehungsberatungsstelle, Kinder- u. Jugendpsychiater, psycholog. Praxis, schulpsycholog. Dienst) vereinbaren, da bei Eltern oft Schwellenangst.

Enuresis (nocturna)

DefinitionNächtliches Einnässen nach 5. Lj. (> 2 ×/Mon.). Enuresis nocturna15 % aller Kinder, ♂/♀ ≈ 2 : 1. Mit 7 J. Einnässennoch 10 %, Erw. noch ≤ 2 %. Prim.: trockene Perioden (max. wenige Wo.). Sek.: nach ½ J. wieder auftretendes regelmäßiges Einnässen.

Auffällige Gleichgültigkeit betroffener Kinder bzgl. Sympt. verbirgt oft erheblichen Leidensdruck (Minderwertigkeitsgefühle, affektive Unausgeglichenheit, sozialer Rückzug, depressive Verstimmung).

Ätiologie
  • Monosympt. Enuresis: 1. Ungleichgewicht zwischen Blasenkapazität u. nächtlicher Urinproduktion (relativer ADH-Mangel). 2. Aufwachstörung bei fehlender Wahrnehmung voller Blase im Schlaf

  • Nicht monosympt. Enuresis mit zusätzlicher Tagessymptomatik, meist komb. mit Blasendysfunktion: organische Faktoren (Detrusorhyperaktivität, Sphinkter-Detrusor-Dyskoordination), rezid. HWI. Selten: anatomische Anomalien, polyurische Nierenerkr., neurogene Erkr.

  • Zu früher Beginn Sauberkeitstraining (bes. entwicklungsretardierte Kinder). Ungeduldige, rigide o. inkonsequente Sauberkeitserziehung

  • Sek. Enuresis: situative Belastungen, z. B. familiäre Beziehungsstörung, Vernachlässigung, Geburt Geschwisterkind, Elterntrennung, Kindergarten-, Schul-, Wohnortwechsel, schulische Überforderung

Bei längerer Symptomdauer evtl. Fixierung. Vom Symptom ausgehende psychische Belastungen nehmen zunehmend Stelle ursprünglich auslösender Ursachen ein. Eltern leiden mit!

Diagnostik
  • Erfragen von Trink-, Miktionsverhalten (Hinweise auf Dysurie, Haltemanöver?), Flüssigkeitsmengen, Miktionen (tagsüber < 4- o. > 7 ×?), Stuhlgewohnheiten, Obstipation? Ernährung? Tiefer Schlaf, schwere Erweckbarkeit?

  • Blasentagebuch (Miktionsprotokoll): 16.16. Bestimmung Harnausscheidung, Blasenkapazität (altersgerecht?)

  • Beginn, Modus Sauberkeitstraining?

  • Orientierende körperl. u. neurolog. Unters. einschl. Urinstatus (HWI?), Sono (Blasenwandhypertrophie? Nierenfehlbildung? Restharnbestimmung), ggf. FA-ÜW zur weiteren Diagn.

TherapieNach Ausschluss organischer Ursachen:
  • Resignation, Schuldgefühle, Schuldzuweisungen bei Kind u. Eltern auflösen. Information über Therapiemöglichkeiten u. Selbstheilungsquote → Zuversicht ↑, Kooperation ↑

  • Keine willkürliche Trinkmengeneinschränkung, aber 75 % der Tagesmenge vor 17:00 Uhr. Vor dem Schlafengehen immer Toilettengang. Nachtlicht auf Toilette, ggf. Fußschemel bei kleineren Kindern zum sicheren, entspannten Sitzen, Lob, pos. Rückmeldung

Trotz hoher Spontanremissionsrate (15 %/J.) frühzeitige Ther. zur Vermeidung von sek. psychischen Störungen.

  • Je nach Verhältnis Harnausscheidung/Blasenkapazität u./o. Präferenz/Möglichkeit der Familie entweder Desmopressin- o. Alarm-Ther. bzw. beides:

    • Desmopressin 120–360 μg (z. B. Minirin®) als Schmelztbl. 1 h vor dem Schlafengehen u. vor letzter Miktion für 2–6 Wo., u. U. bis 3 Mon. NW: selten Hyponatriämie bzw. Wasserintox. (Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen)

    • Alarm-Ther. mit Sensor (z. B. Uriphon®): bei Feuchtigkeit akustisches Signal zum Wecken des Kindes. Für 2–3 Mon., bis Kind 14 d hintereinander trocken. Wirkungsweise u. Handhabung sorgfältig mit Kind u. Eltern besprechen, damit Gerät als Hilfe, nicht als Strafe/Kontrolle empfunden wird. Erfordert hohe Einsatzbereitschaft! NW: Störung Schlafarchitektur

  • Dranginkontinenz: Anticholinergikum Propiverin (z. B. Mictonetten®) → Blasenaktivität ↓. NW: Mundtrockenheit

  • Nur noch in spez. Fällen trizyklisches Antidepressivum Imipramin durch Experten. NW: kardiotoxisch

Elternselbsthilfe, Leitlinie: 16.16.
Naturheilkundliche Therapieempfehlung16.15.6.

Enkopresis

DefinitionEinkoten bzw. Beschmutzen der Unterwäsche mit Kot mind. 1 ×/Wo. über Einkotenmind. 3 Mon. nach 4. Lj. bei sonst Enkopresisaltersgerechter Entwicklung. Meist tagsüber, selten nachts. Prim.: Kind war noch nie über mehrere Wo. sauber. Sek.: regelmäßiges Einkoten nach bereits gelungener Sauberkeitserziehung mit mind. 6 Mon. symptomfreiem Intervall.
Ätiologie
  • Chron. Obstipation (ÜberlaufenkopresisÜberlaufenkopresis)

  • Aggressive o. regressive Ausdrucksform psychischer Problematik

  • Zu früh begonnene, zwanghaft rigide Sauberkeitserziehung

  • Ängstliche, gefühlskarge Mütter mit extremen Sauberkeitsbedürfnissen

  • Beziehungsarme, überprotektiv-einengende o. leistungsbetont-überfordernde Familienatmosphäre; emotionale Deprivation

KlinikFast ausschließlich tagsüber. Kinder entwickeln ggü. Sympt. fast völlige Ignoranz, meiden Toilettengang, neigen zu Verstecken schmutziger Wäsche. Häufig gewohnheitsmäßige Zurückhaltung der Entleerung (sek. Obstipation), z. T. mit paradoxen dünnen Stühlen (Überlaufenkopresis). Psychisch oft empfindsame, stille u. aggressiv gehemmte Kinder mit fehlender o. protrahiert verlaufender Trotzphase. Bes. ältere Kinder leiden erheblich unter diskriminierenden Folgen. Bei längerem Verlauf u. gewohnheitsmäßiger Stuhlretention Symptomfixierung: unsichere Wahrnehmung Entleerungsdrang, unkontrollierte Stuhlentleerung durch nachdrängende Kotmassen; längerfristige Folge: Entwicklung eines sek. Megakolons. Megakolon
Diagnostik
  • Behutsame körperl., neurolog. u. psychosoziale Unters., Abdomen-Sono, ggf. digitale/manometrische Analreflexprüfung; stuhlgefüllte Ampulle typisch für Überlaufenkopresis

  • Psychosoziale (Fremd- u. Eigen-) Anamnese: Familienkonstellation?

DifferenzialdiagnoseObstipation mit Überlaufenkopresis (8.1.10).
Therapie
  • Bei bestehender Obstipation initiale Darmentleerung, anschließend Ernährungsumstellung, befristet orale Laxanzien (16.5.5)

  • Allg. Maßnahmen: Regelmäßige Toilettengänge nach Mahlzeiten vereinbaren u. durch Belohnung/Lob bekräftigen; angenehme Toilettensituation herstellen (Fußbänkchen, Lesestoff, Musik), Verlauf u. Erfolg dokumentieren

  • Bei Therapieresistenz ÜW → Kinder-/Jugendpsychologie zur Bearbeitung von familiären Strukturen (Ängste der Eltern) u. kindlichen Persönlichkeitsproblemen (Scham, Schuldgefühle). Spielther., Selbstbehauptungstraining, Familienther.

Hyperkinetisches Syndrom

SynonymeAufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung., ADS, ADHS, Hyperkinetisches SyndromAufmerksamkeitsdefizit-/HyperaktivitätsstörungZappelphilipp-SyZappelphilipp-SyndromADHS.
DefinitionMögliche fehlerhafte Informationsverarbeitung zw. Frontalhirn u. Basalganglien durch Neurotransmitterstoffwechselstörung (v. a. Dopamin).
Klinik
  • Hyperaktivität: motorische Unruhe, ständiges zielloses Bewegungsbedürfnis

  • Aufmerksamkeitsstörung: leichte Ablenkbarkeit, Ausdauer ↓, Konzentration ↓

  • Impulsivität: affektive Kontrolle ↓, impulsives Verhalten ↑, deutliche Teilleistungsschwächen, Stimmungsschwankungen

Soziale Anpassungsstörung, Hyperaggressivität meist Folge der Leitsymptomatik.

Diagnostik
  • Schwangerschafts-, Geburts-, frühkindliche, Familien- u. Sozialanamnese (typ. Kontaktstörungen, z. B. im Kindergarten zu Gleichaltrigen aufgrund starken Konzentrationsmangels)

  • Ausschluss organischer Erkr.: SD-Fehlfunktion? NW antikonvulsive Ther.?

  • FA-ÜW: testpsycholog. (Teilleistungsschwächen?), neurolog. Unters. Leitlinien u. Fragebögen: 16.16

Therapie
  • Information von Eltern, Schule o. Kindergarten über kindliche Schwierigkeiten. Ziel: Änderung erzieherischer Erwartungen zur kindlichen Entlastung. Dabei verdeutlichen, dass es sich weder um Folge von Erziehungsmängeln noch um Krankheit handelt, sondern um Normvariante im Temperament

  • Ordnungs-, Strukturkonzepte für Kind (Modifikation Lernumgebung): überschaubare Arbeitseinheiten, wenig Ablenkung. Im Klassenzimmer in 1. Reihe sitzen

  • ÜW → Kinder-/Jugendpsychologie zum heilpädagogischen o. verhaltensther. Training der Selbstkontrolle, der sozialen Anpassungsfähigkeit u. zur Förderung bei Teilleistungsschwächen durch psychomotorische Übungsbehandlung, ggf. Lese-Rechtschreib-Training

  • Psychostimulanzien nur nach sorgfältiger Indikationsstellung u. als BtM-Verordnung durch FA f. Kinder- u. Jugendmedizin, Psychiater/Neurologen:

    • MethylphenidatMethylphenidat (z. B. Ritalin®, Medikinet®); cave: Wachstumsstörungen, Appetitlosigkeit, RR-Veränderungen, Anorexie. Wird möglicherweise zu oft verordnet

    • Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Atomoxetin (z. B. Strattera®); cave: suizidale Verhaltensweisen.

    • Nur bei nicht ausreichender Wirksamkeit zentral stimulierendes Sympathomimetikum Dexamfetamin (z. B. Attentin®); cave: Abhängigkeitspotenzial, Herzerkr.

  • Selbsthilfegruppen: 16.16

Naturheilkundliche Therapieempfehlung16.15.6.

Behutsame Wortwahl im Gespräch mit Eltern wie Betroffenen, um Stigmatisierung zu vermeiden!

Schulphobie

DefinitionAngststörung bei SK, meist i. R. einer Trennungsproblematik bzgl. prim. Bezugsperson; im SchulphobieGegensatz zu anderen schulbezogenen Angststörungen gute schulische Leistungen, keine Beziehungsprobleme mit Lehrern, Mitschülern.
KlinikHäufig körperl. Beschwerden bei anstehendem morgendlichem Schulbesuch: Blässe, Schwitzen, Übelkeit, Kopfschmerzen. Cave: orthostatische Dysregulation, Kollaps. Typischerweise Symptomfreiheit am Nachmittag, am Wochenende, in Schulferien.
Differenzialdiagnose
  • Schulangst: begründete Angst vor Schule (Mitschüler, Lehrer, bestimmte Fächer). Hohes Aggressionsniveau, SchulangstLeistungsdruck spielen entscheidende Rolle; Jungen > Mädchen betroffen; häufig psychosozial bedingte Lernstörung o. Teilleistungsschwäche

  • Schulschwänzen: kein Angst-, sondern Motivationsproblem; häufig Mangel an elterlicher Aufsicht, Schulschwänzengelegentlich auch Vernachlässigung; Kinder erfahren meist wenig fördernde elterliche Anregung; u. U. Beginn dissozialer Entwicklung

  • Depression, Psychose

TherapieÜW → Kinder-/Jugendpsychologie zur problemorientierten Psychother. 5 Eckpflichten (nach Lösche u. Klosinski):
  • Baldige Wiederaufnahme des Schulbesuchs

  • Fokussierung emotionaler Bedingungen

  • Stärkung der Elternposition

  • Klare Absprache mit Schule

  • Kein Schulwechsel o. Hausunterricht

Bei jüngeren Kindern, in leichten Fällen eher amb., bei älteren Kindern/Jgl. eher stat. Ther. Cave: Schulbefreiende Atteste unbedingt vermeiden.
PrognoseAbhängig vom Alter bei Störungsbeginn, Phobie-Schweregrad, Eltern-Kooperation. < 11 J. Therapieerfolg bei amb. Behandlung 90 %. Im Vergleich zu häufigerer Schulangst Chronifizierungsgefahr.

Wichtig für die Prognose: rechtzeitige Abgrenzung von anderen Ursachen der Schulverweigerung!

Kindesmisshandlung u. Pädophilie

DefinitionAlle Formen von KindMisshandlungMisshandlung (Kinder)Vernachlässigung (materieller wie emotionaler), psychischer, physischer Gewalt gegen Kinder u. Sexueller Missbrauchsexuellen Missbrauchs. In D gilt seit 2000 grundsätzlich jede Körperstrafe unabhängig von ihrer Härte gesetzlich als Misshandlung.
Überwiegend sind Eltern u. nahestehende Personen (aller gesellschaftlichen Schichten, beiderlei Geschlechts) Misshandelnde. In D polizeiliche Erfassung von ca. 3.000 Misshandlungen/J. u. 14.000 Fällen sexuellen Missbrauchs von Kindern/J., hohe Dunkelziffer. Bei Kindeswohlgefährdung (z. B. wiederholte Misshandlungen): Ärzte zur Info an Jugendamt verpflichtet, keine Entbindung durch ärztl. Schweigepflicht.
PädophiliePädophilie: SexualpräferenzstörungSexualpräferenzstörungenPädophilie für Kinder bis Pubertät. Differenzierung zwischen reiner Präferenz (Gedankenebene) u. kriminellem Verhalten (sexuelle Übergriffe). Unterscheidung Tätertypologie bzgl. sexuellen Kindesmissbrauchs: Sog. Ersatzobjekttäter vs. sadistische Gewalttäter.
Verdachtskriterien
  • Multiple Hämatome verschiedener Abheilungsphasen (cave: Stirnbeulen, Unterschenkelhämatome bei KK i. d. R. durch normales Hinfallen)

  • Hautabschürfungen, Verbrennungen (z. B. punktförmige Verbrennungen durch Zigaretten, „Eintauch“-Verbrennungen), ausgerissene Haare

  • Schmerzhafte Schwellungen, periostale Schwellungen, Frakturen

  • SHT o. subdurales Hämatom, Retinaeinblutungen (SchütteltraumaSchütteltrauma)

  • Verletzungen, infektiöse Erkr. im Genital- u. Analbereich

  • Zerrissenes Oberlippenfrenulum

Typisches Elternverhalten
  • Wiederholtes Aufsuchen verschiedener Ärzte

  • Inadäquate, wechselnde, keine Erklärungen für Verletzungen

  • In Anbetracht des kindlichen Zustands verspätetes Aufsuchen des Arztes

Jeden Verdacht auf Kindesmisshandlung genau dokumentieren u. abklären (Dokumentationsbögen: 16.16). Eltern direkt ansprechen, nicht vorverurteilen (cave Verweigerung Zusammenarbeit). Ursachenabklärung, Kindeswohlsicherung: ÜW → pädiatrisches Zentrum (Skelett-Szinti, MRT, Augenhintergrund). Nachfragen, ob Kind in Klinik angekommen! Falls nicht: Info an Jugendamt. Missbrauch innerhalb der Familie/im nahen Umfeld: Kind aus Täterumfeld nehmen.

Fehlbildungssyndrome

Trisomie 21

SynonymDown-Sy. Down-SyndromFehlbildungssyndromeTrisomie 21

Häufigste Chromosomenanomalie, 1 : 700 Lebendgeborene.

ÄtiologieMeist freie Trisomie 21 (95 %), Mosaik mit normalen Zellen (2 %), Translokationstrisomie (3 %). Risiko freier Trisomie 21 steigt mit Alter der Mutter (1 % mit 35 J., 3 % mit 40 J.). Bei balancierter Translokation eines Elternteils Wiederholungsrisiko 25 %.
Klinik
  • Fazies: flaches Gesicht. Mongoloide Lidachsenstellung. Makroglossie. Epikanthus. Tief liegende Nasenwurzel. Kleine, im oberen Teil abgewinkelte Ohrmuschel

  • Sinnesorgane: helle Iris mit kleinen weißen Flecken (Brushfield-Spots). Kolobome, Strabismus, Nystagmus, Glaukom; Fehlbildungen, Prädisposition zum Hörverlust

  • Skelettsystem: Kleinwuchs. Brachyzephalus. Kurze, plumpe Hände (Tatzenhände). Vierfingerfurche; kurze Mittelphalanx V. Finger. Abstand 1. u. 2. Zehe ↑ (Sandalenfurche). Gelenkbeweglichkeit ↑, atlantoaxiale Instabilität

  • Innere Organe: Herzfehler (50 %, meist Septumdefekte, AV-Kanal). GIT-Stenosen/-Atresien. Hernien. Obstipationsneigung. Infektanfälligkeit ↑, Malignomrisiko ↑ (Leukämien). M: Hypogonadismus, infertil; F: meist fertil

  • Neurologie/Psychologie: im NG-, KK-Alter Muskelhypotonie; IQ < 50; fehlendes abstraktes Denken; Nachahmungstrieb; einfache Arbeiten in Haushalt/geschützten Werkstätten möglich; Kinder meist heiter, froh, anschmiegsam, selten aggressiv; tapsiger Gang

DiagnostikChromosomenanalyse.
TherapieOperative Korrektur innerer Fehlbildungen, KG, Frühförderung, Beratung u. Unterstützung der Eltern (Selbsthilfegruppen, Elternvereinigungen: 16.16).
PrognoseAbhängig von Schwere innerer Fehlbildungen u. Immunschwäche. Inzidenz für Leukämie, M. Alzheimer ↑. Ca. 10 % erreichen 60. Lj.

Weitere Fehlbildungssyndrome

Fetales Alkoholsy. (FAS), Alkoholsyndrom, fetalesKlinefelter-Sy.Fetales Alkoholsyndrom, Turner-Sy.: Klinefelter-SyndromTab. 16.14. Turner-Syndrom
Hilfe/Selbsthilfe: 16.16.

Tumoren im Kindesalter

BedeutungIn D Tumorim KindesalterKindTumorenca. 2.000 kindl. Krebsneuerkr./J.; Leukämien u. maligne Lymphome: 50 %, ZNS-Tumoren: 20 %. Heilungschance inzwischen durchschnittlich > 75 %. Bei jedem Verdacht FA-ÜW/spezialisierte Zentren.
Klinik
  • Allgemeinsympt.: Abgeschlagenheit, Spielunlust, Appetitlosigkeit, Gewicht ↓, subfebrile Temperaturen o. chron. Fieber, Nachtschweiß, Schmerzen. Häufig AZ gut (selbst bei prim. bereits multiplen Metastasen).

  • Intrakranielle Tumoren:

    • Prim.: Kopfschmerzen, manchmal (fokaler) Krampfanfall als Erstsymptom

    • Fortgeschritten: Hirndrucksympt., neurolog. Ausfälle, motorische Sympt. (Gang-, Standunsicherheit), Ataxie, Nystagmus (v. a. infratentorielle Tumoren); Verhaltensauffälligkeiten, Leistungsknick, Störungen endokrin-metab. Funktionen (z. B. Diab. insip., Wachstumsstörungen)

  • Tumoren Kopf-/Halsregion: Sympt. oft wie bei chron. Entzündungen (Otitis, Rhinitis, Konjunktivitis). Nasale Sprache bei nasaler Obstruktion (mit/ohne Epistaxis), Hörverlust bei Kompression Tuba auditiva, Protrusio bulbi bei Orbitabefall, HN-Ausfälle bei Schädelbasisbeteiligung. Doppelbilder als Strabismusfolge (Nn. III, IV, VI), Ptose (VII), Hyperästhesie (V). Hals-Lk ↑, sichtbare Schwellungen Gesicht/Hals

  • Mediastinaltumoren: Sympt. zu Erkr.-Beginn evtl. sehr diskret. Trockener, anstoßender Husten, rezid. Bronchitis, Pneumonie, Schluckbeschwerden bei Ös.-Kompression, Dyspnoe bei Tracheakompression o. Pleuraerguss. Bei großen Tumoren akut bedrohliche Atemstörungen (hochgradiger Stridor, Zyanose, Einflussstauung z. B. der V. cava sup., Herzverdrängung)

  • Intraabdom. Tumoren: Entdeckung oft zufällig, z. B. als indolente Resistenz o. sichtbare Schwellung beim Baden/Ankleiden. Sympt.: intermittierende (kolikartige) Bauchschmerzen, später Fieber, Erbrechen, Gewicht ↓

  • Knochentumoren: meist an Extremitäten (Osteosarkom, Ewing-SarkomEwing-Sarkom). Schmerzen uncharakt., intermittierend, nicht eindeutig belastungsabhängig. Tumorbedingte Schwellung (hart, überwärmt, unverschieblich), Funktionsbeeinträchtigung Extremität bedingen Arztbesuch. Oft wird Bagatelltrauma für Beschwerden verantwortlich gemacht. Rötung u. Überwärmung: Cave: Fehldiagnose Osteomyelitis

TherapieStat. Strahlen-/Chemother., meist in Komb., fast immer kurativ.
Infektionsprophylaxe:
  • Konsequente Mund-, Schleimhautpflege: Spülung (3–4 ×/d) mit desinfizierenden u. alkalisierenden Lsg. (orale Antiseptika), Schleimhautläsionen mit Adstringenzien (z. B. Pyoktanin 0,5 %) pinseln. Bei Thrombopenie keine Zahnbürste verwenden, stattdessen gurgeln z. B. mit Chlorhexamed®-Lsg.

  • Impflücken schließen (cave Lebendimpfstoffe bei Immunsuppression; mit behandelnden Spezialisten klären, Impferfolg überprüfen)

  • Varizellenkontakt: passive Immunisierung mit Varizellen-Hyperimmunglobulin binnen 24 h (max. 72–96 h, z. B. Varicellon® 0,2 ml/kg KG i. m. o. Varitect® 1 ml/kg KG i. v.)

  • Bei V. a. Inf. eines immunsupprimierten Kindes sofortige Klinikeinweisung

Prinzipien der Schmerztherapie: (27.1.2).
  • Möglichst kausal, spezifisch

  • Individuell, ausreichend dosieren

  • Regelmäßige Gabe gemäß Wirkdauer, nicht „bei Bedarf“

  • Oral vor parenteral

  • Stufenweiser Ther.-Aufbau (WHO):

    • Peripher wirkende Analgetika (z. B. Metamizol, Paracetamol)

    • Zentral schwach wirkende Analgetika (z. B. Codein, Tramadol)

    • Zentral stark wirkende Analgetika (z. B. Opiate: Morphin) mit/ohne Adjuvanzien (16.15.1)

  • Weitere Möglichkeiten zur Tumorschmerzther. (20.4.7)

Die häufigsten Tumoren im Kindesalter
  • Leukämie: akute lymphatische Leukämie (ALLLeukämiebeim Kind) ist mit 80 % häufigste Leukämie im Kindesalter (Prädilektionsalter 1–6 J.), gefolgt von akuter myeloischer Leukämie (AML) mit 15 %. Klin.: Fieber, Blässe, Müdigkeit, Gewicht ↓, Nasen-, Zahnfleischbluten, Lk ↑, Hepatosplenomegalie. 5-JÜR nach heutigen Ther.-Protokollen: ALL 90 %, AML 50 % (19.4.1)

  • M. Hodgkin (Lymphogranulomatose): Hodgkin-Lymphombeim Kindvon Lk ausgehende Lymphogranulomatose beim Kindneoplastische Erkr. mit typ. einkernigen Hodgkin-Zellen u. mehrkernigen Sternberg-Riesenzellen; zunächst Ausbreitung in Lk, Milz; danach weiterer Organbefall (Lunge, Leber, KM, Knochen). 5-JÜR 95 % (19.4.3)

  • Maligne Non-Hodgkin-Lymphome: bei Kindern fast ausschließl. hoch maligne Lymphome mit Neigung zu leukämischer Non-Hodgkin-Lymphombeim KindGeneralisierung. Entscheidend für Ther. u. Prognose ist Klassifikation als B- o. Non-B-Lymphom. Prim. abdom. Lymphom ist mit großer Wahrscheinlichkeit B-Zell-Lymphom, prim. mediastinales eher T-Zell-Lymphom. 5-JÜR 85 % (19.4.3)

  • Wilms-Tumor (Nephroblastom): hoch maligne renale Mischgeschwulst mit häufiger pulmonaler FiliarisierungNephroblastom. Vorkommen ab 1.–5.Wilms-Tumor Lj., gelegentlich schon im NG-Alter. Klin.: Bauchschmerzen, Erbrechen, Fieber, Hypertonie, Mikrohämaturie; oft sichtbarer, großer, relativ harter Tumor. Makrohämaturie u. U. Zeichen für Tumoreinbruch in Nierenbeckenkelchsystem. Ähnliche Sympt. bei Weichteilsarkomen (z. B. Rhabdomyosarkom Blase), Neuroblastomen. 5-JÜR 90 %

  • Neuroblastom: maligner Tumor des autonomen Nervensystems, v. a. Sgl., KK. Primärtumor entlang NeuroblastomGrenzstrang u. im Nebennierenbereich, Metastasen v. a. KM, Knochen; seltener Lk, Leber, ZNS, Haut. 5-JÜR 85 %

  • Osteosarkom: maligner Knochentumor mit Produktion Osteoid/unreifer Knochen. Osteosarkom, beim KindPrädilektionsalter: 2. Lebensjahrzehnt; v. a. Metaphysen langer Röhrenknochen. Frühe Metastasierung (meist Lungen). 5-JÜR 65 %

  • Ewing-Sarkom: klein- u. rundzelliger Knochentumor (geht wahrscheinlich vom bindegewebigen KM-Grundgerüst Ewing-Sarkomaus). Prädilektionsalter: 10–15 J.; v. a. Diaphysen langer Röhrenknochen, aber auch flache Knochen (Becken, Skapula, Wirbel, Rippen). Metastasierung: Lungen, Skelettsystem. 5-JÜR 65 %

Pädiatrische Arzneitherapie

Orale Gabe (Tr., Saft, Tbl.) Pharmakotherapieim Kindesaltervorziehen. Wichtige Medikamente (Paracetamol, Diazepam, Kortison)KindArzneitherapie für Notfall auch als Zäpfchen bzw. Rektiole; i. m. Inj. unnötig (Resorption unsicher, zusätzliche Ängste). Compliance korreliert mit Anzahl der ED/d (1/2/3/4 ED/d ≈ 73/70/52/42 % Compliance). Wenige ED/d daher vorziehen.
Dos. richtet sich nach KG (Tab. 16.15). Praxis: Altersgruppenorientierung hilfreich (Tab. 16.16).

Analgetika/Antipyretika

Analgetikabeim KindSchmerzreaktion Sgl., KK: Unruhe, Wimmern, Antipyretikabeim KindStöhnen, Blässe, Schonhaltung, Nahrungsverweigerung, Abwehr.
Bei Kopf-, Bauchaffektionen: Analgesie zurückhaltend, um Diagnose nicht zu erschweren. Antipyrese: 16.5.1. Schmerz-, Fiebermedikation Tab. 16.17. Stufenplan Tab. 16.18.

Sekretolytika

In der Praxis zu großzügig verordnet! Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist Voraussetzung Sekretolytika beim Kindfür Wirksamkeit. Anwendung Tab. 16.19.

Antitussiva

Nur bei quälendem Reizhusten indiziert; Anwendung Tab. 16.20. Cave: Wird i. d. R. Antitussiva, beim Kindlänger eingenommen u. wiederverwendet. Nicht mit Sekretolytika kombinieren.

Rhinologika

Zurückhaltend u. für längstens 10 d, bei Sgl. längstens 5 d verordnen (Schleimhautaustrocknung, Zilienschädigung). Anwendung RhinitisRhinologika (Kinder)bes. z. N., bei Sgl. vor den Mahlzeiten (Tab. 16.21). Cave: adrenerge Reaktion.

Sedativa

NurSedativabeim Kind bei definierter Ind. (Tab. 16.22). Das beste Sedativum ist eine vertraute Person.

Naturheilkundliche Therapieempfehlung

DefinitionNaturheilkundliche Methoden u. Medikamente werden vielfach von Pat./Eltern erbeten; HA kann diesen NaturheilverfahrenKinderWunsch nicht außer Acht lassen: abwägen, in welchen Fällen Einsatz hilfreich u. verantwortbar ist. Prinzipien 33.2.8.
ErbrechenNaturheilverfahrenErbrechen beim Kind
Phytotherapie: Iberogast® Tinktur (Iberis amara, Angelikawurzel, Kamillenblüten, Carum carvi, Mariendistelfrüchte, Melissenblätter, Pfefferminzblätter, Chelidonium majus, Süßholzwurzel). Dos.: ED 3–5/6–12/≥ 12. Lj.: 10/15/20 Tr. 3 ×/d
Homöopathie:
  • Nux vomica D6 Glob.: belegte Zunge, 1 h postprandial Völlegefühl u. Magendruck, Reizbarkeit, Verlangen nach Genussmitteln

  • Ipecacuanha D6 Glob.: Speichelfluss, Übelkeit, starker Brechreiz, Erbrechen bessert sich nicht, Zunge nicht belegt, Unverträglichkeit von Fett, Obst, Eis, Kolikschmerz

Diarrhö
Phytotherapie: Diarrhoesan® Saft (Apfelpektine, Kamillenblüten-Fluidextr.). Ind.: nicht bakt. bedingte leichte Diarrhöen. Dos.: Kinder 2–3 J.: anfangs 10 ml, anschließend stdl. 5 ml, TD max. 60 ml. 4–5 J.: anfangs 20 ml, anschließend stdl. 10 ml, TD max. 80 ml. Ab 6 J./Erw.: anfangs 30 ml, anschließend stdl. 15 ml, TD max. 120 ml
Homöopathie: Okoubasan D2 Tbl. (Okoubaka aubrevillei e cort. Ramorum sicc). Ind.:Lebensmittelunverträglichkeit mit Diarrhöen
Obstipation
Phytotherapie: Quellstoffe wie Flohsamen (Psyllii semen), Leinsamen (cave: auf reichlich Flüssigkeitszufuhr achten, Einnahmeabstand zu anderen Medikamenten mind. 30–60 Min.). Ind.: habituelle Obstipation, Analfissuren, Hämorrhoiden, nach rektal-analen Eingriffen, in graviditate, Colon irritabile
Homöopathie:
  • Opium D6 Tbl. 3 × 1: atonische Obstipation, z. B. postop., Bettlägerigkeit

  • Nux vomica D6 Tbl. 3 × 1: spastische Obstipation, Gefühl unvollständiger Entleerung

Chron. funktionelle Bauchschmerzen (Reizdarmsyndrom)
Phytotherapie: Iberogast® Tinktur (s. o.)
Probiotika:Lactobacillus GG: InfectoDiarrstop®, E. coli Stamm Nissle 1917: Mutaflor® Susp.
RhinitisNaturheilverfahrenRhinitis beim Kind
Phytotherapie:
  • Komb. aus hypertoner Meersalzlsg., Aloe vera, Eukalyptusöl: Rinupret® Pflege-Nasenspray. Ind.: Reinigung/Spülung, bei Entzündung, verstopfter Nase u./o. Schnupfen

  • Komb. Enzianwurzel, Schlüsselblume, Gartensauerampferkraut, Holunderblüten, Eisenkraut, z. B. Sinupret® Saft/überzogene Tbl./Tr.; Ind.: akute/chron. NNH-Entzündungen. Dos.: überzogene Tbl.: 6–11 J.: 3 × 1/d, ab 12 J.: 3 × 2/d. Saft: 2–5 J.: 3 × 2,1 ml/d, 6–11 J.: 3 × 3,5 ml/d, ab 12 J.: 3 × 7,0 ml/d. Tr.: 2–5 J.: 3 × 15/d, 6–11 J.: 3 × 25/d, ab 12 J. 3 × 50/d. Dos.: Kps.: 2–12 J: 3 × 1/d

  • Cineol, z. B. Soledum® Kps. 100 mg/Kapseln junior, 200 mg, -Hustensaft, -Hustentr. Ind.: akute/chron. NNH-/Atemwegsinf. Dos.: 2–12 J 3 × 1 Kaps. (junior)/d. Saft/Tr.: Sgl., KK: 3–4 × ¼ TL (1,25 ml)/d bzw. 3–4 × 6 Tr./d.; 3–6 J.: 3–4 × ½ TL (2,5 ml)/d bzw. 3–4 × 11 Tr./d; 6–12 J.: 3–4 × 1 TL (5 ml)/d bzw. 3–4 × 22 Tr./d; ≥ 12 J.: 3 × 2 TL (10 ml)/d bzw. 3–4 × 33 Tr./d

  • Ätherische Öle, z. B.:

    • Babix® Inhalat N Tr. (Eukalyptus-, Fichtennadelöl). Ind.: Erkr. d. Atemwege

    • Stas® Erkältungssalbe mild (Eukalyptus- u. Kiefernnadelöl). Ind.: wie Babix®. Cave Kratschmer-Reflex, s. u.)

Homöopathie: Silicea comp® Wala Glo., Sambucus D6 DHU® Glo. (Säuglingsschnupfen), Agropyron comp® Wala Glo (zäher Schnupfen, verstopfte Nase). Wala® Nasenbalsam für Kinder, Arum Nasentr. 5 Nr. 220 Nestmann®, Euphorbium comp. Nasentr. SN® Dosierspray; Sinusyx® Tr. (Dos.: KK ≤ 6. Lj.: alle ½–1 h, höchstens 12 ×/d, je 2–5 Tr., Kinder 6–12 Lj.: jeweils 3–6 Tr., ≥ 12. Lj.: jeweils 5–10 Tr.), Luffeel comp. Heel® Tbl. (Dos.: 3 × 1 Tbl. unter Zunge legen).
Otitis media, SeromukotympanonNaturheilverfahrenOtitis media beim Kind
Homöopathie: Otovowen® Tr./VoWen®T-Tbl. (Aconitum napellus, Capsicum, Chamomilla, Echinacea purpurea, Hydrargyrum cyanatum, Hydrastis, Jodum, Natrium tetraboracicum, Sambucus nigra, Sanguinaria canadensis). Ind.: Otitis media, Schwerhörigkeit infolge Rachenverschleimung, Stockschnupfen, Ohrensausen. Dos.:
  • Otovowen®: bei akuten Zuständen alle ½–1 h, höchstens 12 ×/d, bei chron. Verlauf 1–3 ×/d.: Erw. 12–15 Tr., Kinder 6–12 J. 5–10 Tr., KK bis 6. Lj. 4–7 Tr., Sgl. bis 1. Lj. 2–4 Tr.

  • VoWen®: bei akuten Zuständen alle ½–1 h, Erw. max. 6 ×/d je 1 Tbl., Kinder 6–12 J.: 4 × 1 Tbl., 1–6 J. 3 × 1 Tbl.

SinusitisNaturheilverfahrenSinusitis beim Kind
Phytotherapie: Sinupret® (s. Rhinitis).
Homöopathie: Sinusitis Hevert® Tbl. (Dos.: Sgl., KK < 3 Lj.: 4 × 1 Tbl., ab 3. Lj.: alle ½–1 h 2 Tbl.)
KeuchhustenNaturheilverfahrenKeuchhusten beim KindHomöopathie: Pertudoron® 1 (Atropa belladonna, Chinarinde ethanol. Decoctum, Dactylopius coccus, Drosera, Ipecacuanha, Mephitis putorius, Veratrum album) u. Pertudoron® 2 Tr. (Cuprum aceticum). Ind.: Keuchhusten, Krampfhusten, spastische Bronchitis. Dos.: Pertudoron® 1 im akuten Stadium mit Pertudoron® 2 im stdl. Wechsel: Sgl. 3 Tr., Kinder 5 Tr.
Pharyngitis, Laryngitis, Tracheitis und BronchitisNaturheilverfahrenBronchitis beim Kind
Phytotherapie: bei leichten Beschwerden Phytotherapie möglich, wichtig Unterscheidung bzgl. Ind.: antitussiv, expektorativ/sekretolytisch, spasmolytisch.
  • Antitussiv:

    • Eibischwurzel (Althaeae radix), z. B. Phytohustil® Sirup; Ind.: Schleimhautreizung Mund-/Rachenraum u. verbundener trockener Reizhusten. Dos.: Erw./Jgl. 6 ×/d 10 ml, Kinder 6–12 J. 5 ×/d 5 ml, 3–6 J. 4 ×/d 4 ml, 1–3 J. 4 ×/d 3 ml. Sirup bei Bedarf häufiger einnehmen. Vor dem Schlucken Sirup möglichst lange im Mund-/Rachenraum halten

    • Isländisch Moos, z. B. Isla-Mint®-, Isla-Moos®-Pastillen. Ind.: Hustenreiz, Heiserkeit, starke Beanspruchung der Stimmbänder, trockene Atemluft während Heizperiode, eingeschränkte Nasenatmung. Dos.: ab 4. Lj. mehrmals tägl. 1–2 Past.

  • Expektorativ, sekretolytisch:

    • Efeublätterpräparate (Hedera helix), z. B. Hedelix®, Sinuc®, Prospan®, für Kinder geeignete Darreichung. Ind.: Erkältungskrankheiten, supportiv bei chron. entzündliche Atemwegserkr.

    • Thymiankrautpräparate, z. B. Bronchipret® Saft, Soledum® Hustensaft (s. o.) Ind.: Erkältungskrankheiten bei zähflüssigem Schleim, akute Bronchitis

    • Zusätzlich antiphlogistisch u. immunmodulierend: Pelargonium reniforme/sidoides: Umckaloabo® Flüssigkeit, –20 mg Ftbl., -Saft für Kinder, Sirup. Ind.: akute Bronchitis. Dos.: Tr.: Kinder > 12 J.: 3 ×/d 30 Tr., 6–12 J.: 3 ×/d 20 Tr., KK 1–5 J.: 3 ×/d 10 Tr.; Saft: Kinder 7–12 J.: 3 ×/d 5 ml, KK 1–6 J.: 3 ×/d 2,5 ml

Komb. Phytotherapie u. Homöopathie:
  • Bronchospasmolytisch: Monapax® Saft, -Tr. (Drosera, Hedera helix, China D1, Coccus cacti D1, Cupr. sulf. D4, Ipecacuanha D4, Hyoscyamus D4). Ind.: Saft: Husten jeder Ursache, auch Keuchhusten, Bronchialkatarrh. Tr.: Husten; Dos.: Tr.: Sgl.: 3–12 Mon. 1–12 Tr., Kinder 1–6 J. 2–18 Tr., 6–12 J. 3–24 Tr., > 12. Lj. 5–30 Tr. Saft: Sgl. 6–12 Mon. 3 ×/d ½ TL (2,5 ml), Kinder 1–3 J. 4 ×/d ½ TL (2,5 ml), 3–7 J. 3 ×/d 1 TL (5 ml), 7–14 J. 3 ×/d 2 TL (10 ml), > 14. Lj.: 4×/d 2 TL., Erw. 4 ×/d 1 EL (15 ml)

Ätherische Öle (Campher, Menthol, [Pfeffer-]Minzöl etc.) können – äußerlich im Gesicht (Nasenbereich) o. Brust/Rücken aufgetragen – zu gefährlichem Glottiskrampf o. Bronchospasmus führen (Kratschmer-Kratschmer-ReflexReflex)!

Homöopathie:
  • Bei Pharyngitis: Tonsillopas® SL Tr./Tbl.; Meditonsin® Mischung; Lymphdiaral® Halstbl.; Tonsiotren® H Tbl.

  • Bei Bronchitis: Bronchalis Heel® Tbl. (u. a. Belladonna, Ipecachuanha, Lobelia inflata); Bronchiselect® Tr.

Milchschorfbabybene®Gel (Glyzerin, Polyglyceryl-5 Oleate, Macadamiaöl, Jojobaöl, Olivenöl, Steinsamenwurzel, NaturheilverfahrenMilchschorfCalendula, Dunaliella, Maris Aqua): 1–2 Hübe auf Kopfhaut ca. 1 Min. sanft einmassieren, mit Wasser aufemulgieren, abspülen, abtrocknen.
Ekzem
  • Topisch bei allen Ekzemformen unterstützend vorsichtiger TherapieversuchNaturheilverfahrenEkzem beim Kind:

    • Dulcamaraextrakt (Cefabene® Salbe). Dos.: 3–5 ×/d auf betroffenes Hautareal dünn auftragen, sanft einreiben

    • Ekzevowen® derma Creme (Centella asiat., Mahonia aquif., Viola tricolor). Ind.: juckende Ekzeme, Pruritus vulvae et ani. Dos.: Salbe 1–3 ×/d auf juckende Stellen auftragen

    • Cardiospermum Urtinktur: Halicar® Salbe/Creme. Ind.: Entzündungen der Haut mit Juckreiz. Dos.: 3 ×/d dünn auftragen, leicht einmassieren. Kein Kontakt mit Augen, Schleimhäuten, tiefen offenen Wunden

    • Jojoba-Öl (Simmondsia chinensis): MedEctoin® Creme (Syxyl®). Dos.: mehrmals tägl. dünn auftragen, vollständig verreiben

    • Nachtkerzensamenöl: Linola® Gamma Creme: 2–3 ×/d o. nach Bedarf auf betroffene Hautareale auftragen

NeurodermitisPhytotherapie: Nachtkerzensamenöl (z. B. Epogam®/–1.000 mg Flüssigkeit zum Einnehmen in Weichkaps.). Dos.: < 12 Lj. 2 × 2–4 Kps, > 12. Lj. 2 × 4–6 Kps.
Topisch: Rp. Nachtkerzenöl 20,0 ad 100,0 NRF 11,122 Infectopharm m.f.ungt.
WarzenHomöopathieNaturheilverfahrenWarzen: Dulcamara Similiaplex Pascoe®.
Erregungs- und Spannungszustände, ADHS, EnuresisNaturheilverfahrenADHSNaturheilverfahrenEnuresis beim Kind
Phytotherapie: Melisse, z. B. Sedinfant® Lsg. Ind.: nervös bedingte Einschlafstörungen, funktionell bedingte GIT-Störungen. Dos.: Kinder 1–2 J.: 2 × 2 ml/d; 3–6 J.: 2–3 × 3 ml/d; 7–11 J.: 2–3 × 5 ml/d; > 12 J.: 2–3 × 6 ml/d.
Homöopathie: Zappelin® N Streukügelchen. Ind.: Angst-, Erregungs-, Spannungszustände, Hyperaktivität, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, Pavor nocturnus, Enuresis, neurovegetative Störungen bei Kindern u. Erw.

Internetadressen

Allgemein
Ernährung im KindesalterKindErnährungErnährungMuttermilchErnährungKinder
Prophylaxe, Impfungen, Impfstoffe, InfektionserkrankungenKinderkrankheiten, infektiöseInfektion(skrankheit)enbeim Kind
AtemwegserkrankungenKindAtemwegserkrankungenAtemwegserkrankungenbeim Kind
Magen-, DarmerkrankungenGastroenteritisbeim Kind
  • Ges. für pädiat. Gastroenterologie u. Ernährung: www.gpge.de

  • Dt. Zöliakie-Ges. (Glutenunverträglichkeit): www.dzg-online.de

  • Europ. Soc. for Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition: www.espghan.org

HauterkrankungenHauterkrankungen beim Kind
HarnwegserkrankungenEnuresis nocturnaEnuresis nocturna: www.blasentagebuch.de, www.initiative-trockene-nacht.de; ICCS: International Children’s Continence Society: www.i-c-c-s.org
TumorerkrankungenTumorim KindesalterKindTumoren
Plötzlicher SäuglingstodGes. von Kinderkliniken zur Prävention des Säuglingstodes u. zur Erforschung des Schlafes: www.schlafumgebung.de
FehlbildungssyndromeFehlbildungssyndrome Selbsthilfegruppen für die verschiedenen Syndrome: www.trisomie21.de; www.fasd-beratung.de; www.klinefelter.de; www.turner-syndrom.de.
Aufmerksamkeitsdefizit-(Hyperaktivitäts-)Syndrom (ADS, ADHS)Zentrales ADHS-Netz: www.zentrales-adhs-netz.de, www.info-adhs.deHyperkinetisches SyndromAufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
KindesmisshandlungDt. Ges. gegen Kindesmisshandlung u. -vernachlässigung (DGgKV): www.kindesmisshandlung.deKindMisshandlungMisshandlung (Kinder)
Leitlinien

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