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B978-3-437-22107-1.50425-8

10.1016/B978-3-437-22107-1.50425-8

978-3-437-22107-1

Adenoviren

R. Roos

Kernaussagen

  • Adenoviren sind gegen Umwelteinflüsse extrem resistent und durch Desinfektion schwer zu eliminieren. Nicht alle Typen sind humanpathogen.

  • Adenoviren lösen Atemwegsinfektionen aus, Pneumonien sind selten. Hoch ansteckend ist die durch Adenoviren ausgelöste Keratokonjunktivitis. Bei Kleinkindern ist die Adenovirus-Gastroenteritis häufig.

  • Der Antigennachweis im Stuhl ist nur bei Gastroenteritis von Bedeutung, der Antikörpernachweis hat keine klinische Bedeutung.

  • Die Therapie ist symptomatisch.

Es sind insgesamt 51 Adenovirus-Serotypen bekannt, von denen nicht alle humanpathogen sind. Sie sind gegen Umwelteinflüsse außerordentlich resistent und deswegen durch Desinfektion schwer zu eliminieren. Die Übertragung erfolgt über Tröpfchen oder fäkal-oral, über Hände oder medizinische Geräte, z. B. Tonometer zur Messung des Augendrucks. Die höchste Inzidenz von Adenovirus-Infektionen findet sich im Säuglings- und Kleinkindesalter. Die Inkubationszeit beträgt 5–7 (2–10) Tage.

Respiratorische Adenovirus-Infektionen gehen meist mit Fieber, Konjunktivitis, Pharyngitis, Tonsillitis, Husten, Heiserkeit und Schnupfen mit Lymphknotenschwellungen einher. Seltener sind Pneumonien, die eine obstruktive Symptomatik verursachen und zu persistierenden Schäden wie Bronchiektasen führen können.

CAVE

Bei immunsupprimierten Patienten kann die Pneumonie hämorrhagisch verlaufen und es können andere Organbeteiligungen wie Meningoenzephalitis, Karditis, Nephritis, Hepatitis und Pankreatitis auftreten.

Eine hohe Kontagiosität weist die epidemische Keratokonjunktivitis durch Adenoviren (Typen 8, 19, 37) auf. Diese Form führt u. U. zu bleibenden Hornhauttrübungen.

Gastroenteritiden durch Adenoviren sind bei Kleinkindern häufig, initial wird nicht selten ein Infektkrampf (Fieberkrampf) ausgelöst. Bei Neugeborenen sind foudroyante Verläufe mit disseminierter Infektion und Schock beschrieben. Fetale Infektionen mit Hydrops fetalis sind sehr selten.

Diagnostische Voraussetzungen

  • Blutbildveränderungen – oft Leukozytose – bei einer Adenovirusinfektion sind uncharakterstisch.

  • Das CRP kann erhöht sein, was eine Abgrenzung von bakteriellen Infektionen erschwert.

  • Bedeutung hat der Antigennachweis nur im Stuhl z. B. bei Gastroenteritis.

  • Eine multiplextypspezifische PCR ist für wissenschaftliche und epidemiologische Untersuchungen verfügbar.

  • Antikörper gegen Adenoviren können durch die KBR oder ELISA nachgewiesen werden, haben klinisch-diagnostisch aber keine Bedeutung.

Differenzialdiagnostisch kommen alle durch Respirationsviren ausgelösten Erkrankungen infrage. Die klinische Symptomatik einer respiratorischen Adenovirusinfektion kann einer Tonsillitis durch Streptokokken der Gruppe A ähneln.

Therapie

  • Die Therapie ist symptomatisch, z. B. bei Pneumonie Gabe von Sauerstoff, Bronchodilatatoren unter pulsoyxmetrischer Kontrolle bzw. orale Rehydratation bei Gastroenteritis.

  • Bei schwersten systemischen Verläufen oder hämorrhagischer Pneumonie gibt es Therapieversuche mit Ribavirin. Bei der epidemischen Keratokonjunktivitis kann Cidofovir 1% lokal eingesetzt werden.

Eine Prophylaxe durch Impfung ist nicht verfügbar. Strenge Hygienemaßnahmen – Handschuhe bei Pflege z. B. eines Kindes mit Gastroenteritis – werden empfohlen.

Kasuistik

Anamnese

Ein Säugling von 9 Monaten erkrankt akut an Fieber und Konjunktivitis. Am folgenden Tag persistiert das Fieber, der Rachen ist gerötet, die Tonsillen sind mit grau-weißlichen Belägen behaftet. Das Kind trinkt schlecht und verweigert jegliche Nahrung. Wenige Stunden später kommt es zu häufigen wässrigen Stühlen. Wegen Dehydratation und Trinkverweigerung erfolgt die stationäre Aufnahme.

Befunde

Das Kind hat gegenüber einer Messung von 1 Woche vor der Erkrankung 400 g Körpergewicht verloren.
Im Blutbild sind die Leukozyten nicht vermehrt (7,4/nl), das Natrium ist auf 148 mmol/l erhöht, auch das Gesamteiweiß ist erhöht. Im Stuhl ist der Adenovirusnachweis positiv.

Therapie

Die Therapie erfolgt zur Rehydratation anfangs mit einer Kochsalzlösung später einer drittelosmolaren Lösung mit 5% Glukose. Nach einem Tag gelingt der Nahrungsaufbau mit Karotte/Kartoffel und laktosereduzierter Milch. Die Stühle normalisieren sich nach ca. einer Woche. Das Kind entfiebert und ist wieder in gutem Allgemeinzustand.

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