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B978-3-437-24950-1.00034-2

10.1016/B978-3-437-24950-1.00034-2

978-3-437-24950-1

Akute Gastritis

W. Fischbach

  • 34.1

    Vorbemerkungen298

  • 34.2

    Diagnostik299

  • 34.3

    Therapie299

Kernaussagen

  • Gastritis, akuteDie akute Gastritis ist selbstlimitierend, ein Übergang in eine chronische Gastritis oder eine Magenerkrankung erfolgt nicht. Eine Ausnahme ist die Infektion mit Helicobacter pylori, die zu einer chronisch aktiven Gastritis führt.

  • In den meisten Fällen sind allgemeine therapeutische Maßnahmen wie kurzzeitige Nahrungskarenz, Bettruhe, Wärme und ggf. Wasser- und Elektrolytsubstitution ausreichend.

  • Bei einer durch Acetylsalicylsäure oder NSAR ausgelösten akuten Gastritis reicht i. d. R. das Absetzen des Analgetikums aus, um die Beschwerden zum Abklingen zu bringen.

  • H2-Blocker oder Protonenpumpenhemmer sind primär bei einer akuten Gastritis nicht indiziert.

  • Symptomlindernd können im Einzelfall Antazida, Schleimhautprotektiva, Prokinetika und Probiotika sein.

Vorbemerkungen

Kaum ein „Krankheitsbild“ ist diffuser und schwieriger zu definieren als die akute Gastritis. Eine allgemein gültige Definition existiert nicht:
  • Einerseits wird unter Gastritis eine endoskopische oder histologische Diagnose verstanden,

  • andererseits wird unter der klinischen Diagnose einer Gastritis mehr oder weniger unkritisch jede Form einer „Magenverstimmung“ zusammengefasst.

Klinisches Bild
Die akute Symptomatik umfasst
  • diffuse Oberbauchbeschwerden,

  • Inappetenz,

  • Übelkeit und

  • Erbrechen.

Meist verschwinden die Symptome spontan mit oder ohne vorübergehende Nahrungskarenz.
Ursachen
  • Gastritis, akuteUrsachenEine akute Gastritis kann Folge einer Nahrungsmittelvergiftung etwa durch Staphylokokkentoxine sein,

  • sich aber auch als Begleitreaktion bei einem viralen oder bakteriellen Infekt manifestieren.

  • Exogene Noxen wie Alkohol oder Medikamente (Acetylsalicylsäure [ASS], nichtsteroidale Antirheumatika, Alendronat u. a.) können ebenfalls gastrale Schleimhautläsionen wie petechiale Blutungen oder Erosionen induzieren und mit akuten Beschwerden einhergehen.

  • Eine Sonderform stellt die postoperative Gastritis dar, wobei hier Stressfaktoren eine Rolle spielen können und ein Volumenmangelschock einen fließenden Übergang zu ischämischen Läsionen wie Erosionen oder Ulzera schafft.

  • Schließlich ist noch auf die akute Gastritis in der Folge einer Säure- oder Laugeningestion hinzuweisen, die z. B. in suizidaler Absicht zugeführt werden. Sie können schwere Entzündungen der Speiseröhre und des Magens bis hin zu Stenosen und Perforationen verursachen.

  • !

    Engmaschige klinische und endoskopische Kontrollen zur Früherkennung solcher Komplikationen sind unerlässlich.

Verlauf

Als Faustregel gilt

Gastritis, akuteVerlaufDie akute Gastritis ist selbstlimitierend, das heißt es erfolgt kein Übergang in eine chronische Gastritis oder eine Magenerkrankung.

Dies gilt jedoch nicht für die akute Infektion mit Helicobacter pylori, die meist in eine chronisch aktive Gastritis übergeht.
  • Die akute Phase dieser Infektion ist gekennzeichnet durch

    • eine granulozytäre Infiltration,

    • eine überschießende Säure- und Pepsinsekretion mit nachfolgender Hypochlorhydrie sowie klinisch durch

    • Oberbauchschmerzen,

    • Übelkeit und

    • Mundgeruch.

  • Der Übergang in die chronisch aktive Phase geht mit einer Einwanderung von Lymphozyten und Plasmazellen einher.

    Die Symptome verschwinden oder ändern ihren Charakter im Sinne eines dyspeptischen Beschwerdebilds (Kap. 35).

Diagnostik

Gastritis, akuteDiagnostikStreng genommen kann die Diagnose einer akuten Gastritis nur endoskopisch-bioptisch gestellt werden. Allerdings wird wegen der meist nur kurzen und selbstlimitierenden Symptomatik eine Endoskopie i. d. R. nicht erfolgen.
Auf der Basis des Beschwerdebilds kann eine akute Gastritis nur vermutet werden.

Therapie

Allgemeine Maßnahmen
  • Gastritis, akuteTherapieBei exogenen Noxen müssen diese weggelassen werden.

  • Eine ein- bis zweitägige Nahrungskarenz mit sukzessivem Kostaufbau,

  • Bettruhe,

  • Wärme und

  • bei begleitendem Durchfall eine Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution erleichtern die akute Symptomatik bis zu deren spontanem Abklingen.

Als Faustregel gilt

In den meisten Fällen reichen diese allgemeinen Maßnahmen aus.

Medikamentöse Therapie
Gastritis, akuteTherapie, medikamentöseMedikamente wie ASS oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) rufen bei vielen Personen Magenprobleme unter dem Bild einer akuten Gastritis hervor. Für diese Fälle hat sich der Begriff der ASS-/NSAR-Gastropathie etabliert. Etwa 50% der NSAR-Konsumenten, die wegen gastritischer Beschwerden endoskopiert werden, weisen indessen einen unauffälligen Befund auf.
  • Im Fall einer ASS-/NSAR-Gastropathie bewirken ein Absetzen oder der Wechsel auf ein anderes Analgetikum wie Paracetamol, Novaminsulfon oder Tramadol oft Beschwerdefreiheit.

  • !

    Die Gabe eines H2-Blockers oder eines Protonenpumpenhemmers ist primär bei einer akuten Gastritis nicht indiziert.

    • Diese Substanzen sollten Patienten mit positiver Ulkusanamnese oder endoskopisch nachgewiesenen Mukosaläsionen vorbehalten bleiben.

    • Im Einzelfall wird man sie aber auch Patienten mit akuter Gastritis nicht vorenthalten, insbesondere wenn eine hartnäckige Symptomatik besteht, die auf allgemeine Maßnahmen nicht anspricht.

Antazida und Schleimhautprotektiva
Häufig greift der Patient mit gastritischen Beschwerden nach einem Antazidum unter der Vorstellung, dass ihm die Säure zu schaffen macht. Dies kann bei Nüchternschmerz oder Sodbrennen bzw. saurem Aufstoßen durchaus der Fall sein.
  • Rasch, dafür aber kurz wirksame Antazida enthalten Natriumbikarbonat (Bullrich-Salz).

  • Länger wirksame Antazida enthalten Kalziumkarbonat (Solugastril) oder Magnesium-Aluminiumhydroxid (Maaloxan®, Riopan®, Talzid®).

Neben der Säureneutralisation und vorübergehenden Pepsininaktivierung kommt bei der Wirkung der Antazida möglicherweise auch der Gallensäurebindung und der Prostaglandinstimulierung eine gewisse Bedeutung zu.
Auch der Einsatz von Schleimhautprotektiva wie Sucralfat (Ulcogant®, 4 × 1 g) kann individuell hilfreich sein.
Prokinetika
Prokinetika können eine vorübergehende Hypomotilität des Antrums oder eine gestörte duodeno-antrale Koordination mildern.
  • Metoclopromid oder Domperidon normalisieren die gestörte Motorik und wirken antiemetisch.

  • Auch das Phytotherapeutikum Iberogast® hat eine gewisse prokinetische Wirkung.

  • Gehen die akuten Oberbauchbeschwerden mit Durchfällen einher, ist der Einsatz von Loperamid zu erwägen.

  • Erfolgt – aus unterschiedlichen Gründen – eine antibiotische Therapie, kann die simultane Gabe eines Probiotikums (z.B. E.-coli-Präparate oder Bifidobakterien) sinnvoll sein.

H.-pylori-Eradikationstherapie
Erfahrungen über eine Eradikationstherapie bei der akuten H.-pylori-Gastritis liegen praktisch nicht vor, da das Krankheitsbild fast immer erst im Stadium der chronischen Gastritis diagnostiziert wird. Insofern eröffnet sich auch keine praktische Therapieoption.

Literatur

Malfertheiner and Vieth, 2008

P. Malfertheiner M. Vieth Gastritis und Gastropathie J.F. Riemann W. Fischbach P.R. Galle J. Mössner Gastroenterologie. Das Referenzwerk für Klinik und Praxis. I 2008 Georg Thieme Verlag Stuttgart, New York 515 524

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