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B978-3-437-22107-1.50393-9

10.1016/B978-3-437-22107-1.50393-9

978-3-437-22107-1

Indikationen für die Händedesinfektion (nach WHO).

Tabelle 1
vor Patientenkontakt
vor aseptischenTätigkeiten, z. B. Bereitstellung von Infusionen, Herstellung von Mischinfusionen, Aufziehen von Medikamenten, vor invasiven Maßnahmen, Verbandswechsel etc.
nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material wie Blut, Exkreten, Sekreten
nach Patientenkontakt
nach Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung

Allgemeine Infektionsprophylaxe

Th. Hauer

Kernaussagen

  • Durch die strikte Einhaltung der Standardhygienemaßnahmen lassen sich Übertragungen von mit Blut oder Körperflüssigkeiten assoziierten Infektionen ebenso wie die meisten Kontakt- oder Tröpfcheninfektionen verhüten.

  • Grundsätzlich müssen alle Körperflüssigkeiten als infektiöses Material angesehen werden.

  • Zu den Standardhygienemaßnahmen gehört vor allem die Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt.

  • Spezielle Hygienemaßnahmen sind erforderlich bei aerogen oder durch große respiratorische Tröpfchen übertragenen Infektionen, bei bestimmten Erregern sowie unabhängig vom Erreger bei besonderem Umgebungskontaminationspotenzial.

Übertragungswege

Infektionserreger können auf folgenden Wegen übertragen werden:
  • durch Kontakt,

  • über die Luft,

  • über Vehikel, wie z. B. Nahrung, Wasser, Blut und Blutprodukte sowie

  • über Vektoren, wie z. B. Insekten.

CAVE

In der klinischen Praxis führen Kontaktinfektionen, meist über die Hände, am häufigsten zu Übertragungen.

Die Infektionsübertragung durch die Luft, die sog. aerogene Übertragung ist, außer bei der offenen Lungentuberkulose, von untergeordneter Bedeutung.
Übertragung von Patient zu Patient
Schon durch die strikte Einhaltung der bei allen Patienten anzuwendenden Standardhygienemaßnahmen (s. u.) lassen sich nicht nur Übertragungen von mit Blut oder Körperflüssigkeiten assoziierten Infektionen, sondern auch die meisten Kontakt- oder Tröpfcheninfektionen verhüten.
Übertragung von Patient auf Personal

Als Faustregel gilt:

Beim Personal sind Nadelstichverletzungen die häufigsten Ursachen für parenteralen Blutkontakt. Dabei besteht grundsätzlich das Risiko der Übertragung einer Infektion wie HBV, HCV oder HIV.

Grundsätzlich müssen alle Körperflüssigkeiten als potenziell infektiöses Material angesehen werden. Beim Umgang oder bei möglichem Kontakt mit Blut, Sekreten, Exkreten oder anderen Körperflüssigkeiten müssen ungeachtet dessen, ob ein Patient als infiziert bekannt ist oder nicht, entsprechende Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden, um sich vor direktem Kontakt zu schützen (sog. Standardhygienemaßnahmen, s. u.).

Standardhygienemaßnahmen

Die sog. Standardhygienemaßnahmen müssen bei allen Patienten unabhängig von ihrem Kolonisations- oder Infektionsstatus angewendet werden. Sie reduzieren das Übertragungsrisiko aller, auch das der durch Blut übertragenen nosokomialen Erreger.

MERKE

Zu den Standardhygienemaßnahmen gehören vor allem die Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt sowie der situationsbedingte Einsatz von speziellen Barrieremaßnahmen (Schutzkleidung) und eine sichere Injektions- und Infusionstechnik.

Im Rahmen der Standardhygiene werden indikationsbezogen schon vor einem mikrobiologischen Erregernachweis zu erwartende Übertragungswege berücksichtigt:
  • Diarrhö bei vermuteter infektiologischer Genese – Kontaktisolierung

  • Diarrhö unter Antibiotikatherapie: V. a. C. difficile: Zusätzlich: Hände waschen + desinfizieren

  • Meningitis – respiratorische Isolierung („Droplet Precautions”) für 24 h nach Beginn der antibiotischen Therapie

Händedesinfektion
Mit einer effektiven Händedesinfektion (alkoholisches Händedesinfektionsmittel ohne Duft- und Konservierungsstoffe, mind. 30 Sek; ▸ Tab. 1), die häufig „vergessene” Stellen wie Fingerspitzen, Daumen, Fingerzwischenräume u. Querfalten der Handfläche mit einbezieht, soll die sog. transiente Hautflora eliminiert werden.
  • Bei stark verschmutzten Händen werden diese zunächst mit Wasser und Seife gewaschen und dann desinfiziert.

  • In Arbeitspausen oder nach Arbeitsende auf Hautpflege achten.

  • Einmalhandschuhe sollten bei Kontakt mit Blut oder anderen potenziell infektiösen Körperflüssigkeiten (Amnion-, Perikard-, Peritoneal-, Pleuraflüssigkeit, Liquor und jede andere mit Blut vermengte Körperflüssigkeit) getragen werden.

  • Das Gleiche gilt für Kontakt mit Schleimhäuten und nicht intakter Haut bei allen Patienten.

Sofort nach dem Ausziehen der Handschuhe sollen die Hände desinfiziert oder gewaschen werden.
Eine Wiederverwendung von Einmalhandschuhen nach Desinfektion kann nicht empfohlen werden (Ausnahme: vom Hersteller dafür vorgesehene und geprüfte Produkte).
Schutzkittel
Schutzkittel sollen eine Kontamination der Arbeitskleidung sowie der Haut des Personals mit Blut und Körperflüssigkeiten verhindern. Sie sind nur dann erforderlich, wenn die Bereichskleidung durch direkten Kontakt mit einem infizierten Patienten kontaminiert werden kann. Arztkittel oder Bereichskleidung sind keine Schutzkleidung, da sie zwischen Patientenkontakten nicht gewechselt werden.
Prävention von Stichverletzungen

MERKE

Um Nadelstichverletzungen zu vermeiden, darf man Kanülen niemals in die Kappe zurückstecken, von Hand umbiegen oder gar abbrechen.

Nach dem Gebrauch sollen Spritzen, Kanülen und Skalpelle sowie andere scharfe Gegenstände in durchstichfesten Containern zur Entsorgung gegeben werden. Sicherheitskanülen sind vorzuziehen.
Impfungen
Alle Mitarbeiter mit Patientenkontakt sollten gegen folgende Erkrankungen ausreichend geschützt sein:
  • Hepatitis B

  • Influenza (jährlich).

Bei Tätigkeiten in folgenden Bereichen auch gegen:
  • Hepatitis A (Pädiatrie, Infektionsmedizin, Psychiatrie)

  • Masern, Mumps, Röteln (Pädiatrie, Geburtshilfe)

  • Pertussis (Pädiatrie, Infektionsmedizin)

  • Varizellen (Pädiatrie, Geburtshilfe, Onkologie, Intensivstation).

Spezielle Hygienemaßnahmen

Als Faustregel gilt:

Die medizinische Versorgung des Patienten darf nicht unter zusätzlichen Hygienemaßnahmen leiden oder verzögert werden.

Bei Patienten, die ihre Umgebung kontaminieren, z. B. wegen Durchfall oder weil sie verwirrt sind, besteht schon im Rahmen der Standardhygienemaßnahmen eine Indikation zur Einzelzimmerunterbringung. Dies gilt unabhängig vom Resistenzverhalten vermuteter oder nachgewiesener Erreger.
Beispiele für die Notwendigkeit einer Kontaktisolierung im Einzelzimmer sind:
  • Clostridium-difficile-Infektion (bis 2 Tage nach Sistieren des Durchfalls)

  • Furunkulose mit CA-MRSA (Community Acquired MRSA)

  • Herpes Zoster (generalisiert), bis Läsionen verkrustet.

  • Keratoconjunctivitis epidemica

  • MRE wie MRSA, VRE (vancomycinresistente Enterokokken) und multiresistente gramnegative Erreger): je nach Streupotenzial.

Besiedlung mit multiresistenten Erregern (MRE)
S. aureus, multiresistente gramnegative Erreger (MRGN) oder Enterokokken sind nicht nur in ihrer multiresistenten Variante krankenhaushygienisch bedeutsame Erreger, die durch direkten oder indirekten Kontakt übertragen werden. Die Einzelzimmerunterbringung bei Besiedlung mit MRSA, multiresistenten gramnegativen Erregern und VRE hat nicht an sich eine präventive Funktion wie bei aerogen übertragbaren Erkrankungen (z. B. Lungentuberkulose) sondern dient hier dazu, das Personal an die Beachtung der Standardhygienemaßnahmen zu erinnern („weiche” Indikation). Die „harte” Indikation der Einzelzimmerunterbringung ergibt sich aus der Abschätzung der zu erwartenden Umgebungskontamination (Streupotenzial) durch den Patienten.
Zusätzliche Hygienemaßnahmen sind auch bei Infektionen nötig, die aerogen oder durch große respiratorische Tröpfchen übertragen werden.
Vorsichtsmaßnahmen bei Infektionen durch große respiratorische Tröpfchen – Droplet Precautions
Beispiele sind die meisten
  • viralen Atemwegsinfektionen (RSV, Influenza),

  • Keuchhusten

  • Infektionen mit Meningokokken.

Einzelzimmerunterbringung des Patienten (bereits bei Erkrankungsverdacht).
Das Personal sollte bei nahem Patientenkontakt (< 2 m) eine chirurgische Maske tragen.
Vorsichtsmaßnahmen zur Verhütung von aerogen übertragbaren Infektionen: Beispiel Lungentuberkulose
Patienten mit offener Lungentuberkulose sollten in einem Einzelzimmer nach Möglichkeit mit raumlufttechnischer Anlage und negativem Druck im Vergleich zu den angrenzenden Räumen gepflegt werden.
Das Personal sollte eine Maske, die Partikel unter 5 mm abhält (Schutzstufe FFP 2 oder höher), tragen.
Die Centers for Disease Control (CDC) halten nach Entlassung des Patienten eine Reinigung des Zimmers für ausreichend (CDC 2005).

Literatur

Hände, 2012

AKTION Saubere Hände (2012). Online verfügbar unter http://www.aktionsauberehaende.de/, zuletzt aktualisiert am 28.08.2012, zuletzt geprüft am 11.09.2012.

Guidelines, 2005

Guidelines for preventing the transmission of Mycobacterium tuberculosis in health-care settings, 2005 MMWR 54 RR-17 2005 1 141

Kappstein, 2009

Kappstein Ines Nosokomiale Infektionen. Prävention, Labordiagnostik, antimikrobielle Therapie; 122 Tabellen 4. Aufl. 2009 Thieme Stuttgart;, New York, NY

Rüden and Schulze-Röbbecke, 2007

Rüden Henning Schulze-Röbbecke Roland Medizinische Kleidung aus krankenhaushygienischer Sicht Krankenhaushygiene up2date 2 2 2007 97 112

Schulze-Röbbecke, 2009

Schulze-Röbbecke Roland Standardmaßnahmen zur Prävention der Übertragung nosokomialer Infektionen – Standardhygiene, Basishygiene Krankenh.hyg. up2date 4 03 2009 193 207 zuletzt geprüft am 13.08.2012

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