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B978-3-437-22107-1.50181-3

10.1016/B978-3-437-22107-1.50181-3

978-3-437-22107-1

Ernährungsempfehlungen für Stomapatienten.

Tabelle 1
Empfehlung
generell
  • fettarme Zubereitung

  • nicht salzarm

  • kleine Zwischenmahlzeiten

  • ausreichende Flüssigkeitsmenge

eindickende Backwaren aus Vollkornmehl
Wirkung
  • Kartoffel-Karotten-Gemüse

  • Reis

  • Bananen

Gemüse
  • Karotten

  • Zucchini

  • Kohlrabi

  • Blumenkohl

  • Broccoli

  • Spinat

säurearmes Obst
  • Apfel

  • Bananen

  • Aprikosen

  • Honigmelonen

  • Erdbeeren

  • Himbeeren

geruchs-/blähungs- Preiselbeeren
hemmend
  • Heidelbeeren

  • Naturjoghurt

  • Petersilie

Vermeidung
abführend
  • Sauerkraut

  • hochprozentige alkoholische Getränke

  • Kaffee in großen Mengen

  • Zitrussäfte

  • Hülsenfrüchte

  • scharf gewürzte Speisen

geruchserzeugend
  • Eier

  • Zwiebeln

  • Knoblauch

  • Fisch

  • Spargel

  • herzhafte Käsesorten

blähend
  • Hülsenfrüchte

  • Kohl

  • Weißkraut

  • Lauch

  • Bohnen

  • Eier

  • Weißbier

  • Apfelsaft

  • Zwiebeln

  • kohlensäurehaltige Getränke

stopfend
  • Schokolade

  • Bananen

  • Weißbrot

  • Kartoffeln

  • Nudeln

  • Magerquark

  • Rotwein

  • Coca-Cola

  • Schwarztee

  • Kräutertee

Medikamentöse Maßnahmen bei Stomapatienten (aus Leiss 2005).

Tabelle 2
Prinzip Medikament Beispiel
Reduktion der Magensekretion Protonenpumpenhemmer Pantozol 40 mg/Tag
Reduktion der Pankreas- und Gallesekretion Somatostatinanaloga Octreotid 3 × 100 μg s.c.
Eindickung des Speisebreis Adsorbenzien
  • Smektit 3–4 × 3 g/Tag

  • Siliziumdioxid 1–2 Tabl./Tag

  • Kaolin 4 × 1 Esslöffel/Tag

Verlangsamung der Motilität
  • Loperamid 8–12 mg/Tag

  • Tinctura opii 3–4 × 10–15 Tropfen/Tag

Vermeidung des Gallensäureverlusts Cholylsarcosin 2 g/Mahlzeit
Stimulation der Mukosageneration
  • Glutamin

  • Immunonutrition mit speziellen Nährlösungen

Betreuung und Ernährung des Patienten mit Enterostoma

F.W. Pelster

D. Palmes

Kernaussagen:

  • Insbesondere Dünndarmstomata führen zu einer Störung des Wasser- und Elektrolythaushalts und zu unzureichender Resorption von Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen und damit zu erheblichen Mangelerscheinungen.

  • Beim Ileostoma kommt es zu einer Verringerung des Urinvolumens aufgrund erhöhter fäkaler Verluste. Hieraus resultiert ein erhöhtes Risiko für Urolithiasis und Nierenschädigungen.

  • Erhöhte Darmmotilität und verringerte Dünndarmresorptionszeiten sowie der Verlust an resorbierender Mukosa können ein Kurzdarmsyndrom hervorrufen.

  • Eine spezifische Stomadiät gibt es nicht, jedoch sollten einige grundsätzliche Maßnahmen zur Stuhlregulierung beachtet werden.

  • Bei manifestem Kurzdarmsyndrom ist die längerfristige parenterale Ernährung über zentralvenöse Katheter angezeigt.

Vorbemerkungen

Als Faustregel gilt:

Die Anlage eines Enterostomas bringt nicht nur den Verlust der natürlichen Stuhlkontinenz mit sich, sondern führt in Abhängigkeit von der Länge der verbleibenden resorbierenden Mukosa zu erheblichen metabolischen Veränderungen.

  • Kolostomata, z. B. nach Rektumexstirpation oder Diskontinuitätsresektion nach komplizierter Sigmadivertikulitis, führen in der Regel selten zu metabolischen Problemen.

    • Während hohe Kolostomaanlagen mit breiiger Stuhlkonsistenz und gegebenenfalls mit einem erhöhten Flüssigkeitsverlust einhergehen können,

    • führen distale Kolostomata eher zu normaler Eindickung des Stuhls und in manchen Fällen sogar zu Koprostaseproblemen.

  • Dünndarmstomata können im Gegensatz dazu bei den Patienten häufiger zu schwerwiegenden Problemen führen. Störung des gesamten Wasser- und Elektrolythaushalts sowie unzureichende Resorption von Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen führen zu erheblichen Mangelerscheinungen.

    Die häufigsten Indikationen zur Anlage eines Dünndarmstomas sind Operationen, bei denen der gesamte Dickdarm entfernt wird wie z. B. bei der Colitis ulcerosa oder der familiären adenomatösen Polyposis coli bzw. als temporäre Anlage zur Protektion einer distalen Anastomose oder anderen Darmnaht.

Auswirkungen des Dünndarmstomas

Flüssigkeitshaushalt
  • Nach Ileostomaanlage verliert der Patient initial durch den fäkalen Verlust mehr als 2.000 ml Chymus. Nach einer Adaptationszeit von ca. 4 Wochen kommt es zur Regulation der Stuhlmenge auf 1.000 ml/Tag.

  • Dieser erhöhte Flüssigkeitsverlust wird mit einem um ca. ▸ verminderten Urinvolumen von ca. 1.100 ml ausgeglichen. In Abhängigkeit von der Flüssigkeitszufuhr kann das Urinvolumen gesteigert werden, nicht jedoch die fäkale Exkretion.

Als Faustregel gilt:

Wenn das Stuhlvolumen 4 Wochen nach Ileostomaanlage die Menge von 1.000 ml übersteigt, liegen Hinweise auf eine verminderte intestinale (Rest-)funktion vor.

In Abhängigkeit von der Menge des Flüssigkeitsverlusts haben Patienten eine bis zu vierfach gesteigerte Prävalenz der Urolithiasis von 7–18% im Vergleich zur Normalbevölkerung (Nightingale 2003).
Nierenfunktion
Auch das Risiko der Nierenschädigung infolge der hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverluste ist erhöht mit der Folge
  • einer metabolischen Azidose bei Bikarbonat- und Elektrolytverlust,

  • einem Abfall der glomerulären Filtrationsrate und

  • der Entwicklung eines sekundären Hyperaldosteronismus.

Die Inzidenz des akuten Nierenversagens nach Ileostomaanlage wird mit 3–5% angegeben (Christl u. Scheppach 1997).
Sonstige metabolische Auswirkungen
In Abhängigkeit von der Länge des verbleibenden terminalen Ileums können Gallensäureverlust als Folge eines gesteigerten Stuhlvolumens sowie Vitamin-B12-Mangel mit konsekutiver Anämie auftreten.

Kurzdarmsyndrom

Nach Dünndarmstoma-Anlage tritt häufig eine erhöhte Darmmotilität auf mit Beschleunigung der intestinalen Passage. Diese verkürzte Dünndarmresorptionszeit kann in Kombination mit dem Verlust an resorbierender Darmmukosa zum sog. Kurzdarmsyndrom führen (Misiakos et al. 2007).
So werden z. B. nach Anlage eines protektiven Loop-Ileostomas etwa 20% des distalen Dünndarms ausgeschaltet, insbesondere das terminale Ileum (Stern et al. 1999). Eine ähnliche Situation kann bei Morbus-Crohn-Patienten eintreten, die durch eine Dünndarmresektion oder durch ein protektives Stoma z. T. erhebliche Einbußen der intestinalen Resorptionsstrecke hinnehmen müssen.

Therapie

Ernährungsempfehlungen

Als Faustregel gilt:

Die Mehrheit aller Stomaträger braucht keine spezifische Substitutionstherapie.

Eine spezifische „Stomadiät” gibt es somit nicht. Folgende Aspekte sollten zur Stuhlregulierung beachtet werden (Tab. 1):
  • Bevorzugt sollten Lebensmittel mit eindickender Wirkung verzehrt werden, z. B.

    • Backwaren aus Vollkornmehl,

    • Kartoffeln,

    • Karotten,

    • Reis,

    • Bananen etc.

  • Zur Vermeidung von Obstipation, Flatulenz und Hautreizungen im Stomabereich nicht verzehrt werden sollten

    • langfaserige Fleischsorten,

    • säurereiche Obstsorten wie z. B. Zitrusfrüchte sowie

    • Spargel,

    • Pilze,

    • Nüsse,

    • Tomaten mit Schale und

    • Getreideschrot.

  • Generell sollten die Mahlzeiten fettarm und salzreich zubereitet werden.

  • Es werden kleinere Zwischenmahlzeiten und eine ausreichende Flüssigkeitsmenge empfohlen.

Medikamentöse Therapie

Hyperproduktive Stomata mit Stuhlvolumina von mehr als 1 l/Tag bzw. Mangelerscheinungen können zusätzlich medikamentös therapiert werden.
  • Antidiarrhoika wie z. B. Loperamid oder Tinctura opii eignen sich zur Verlängerung der intestinalen Resorptionszeit, sind im Langzeitverlauf jedoch häufig mit einem Wirkungsverlust assoziiert.

  • Eine Stuhleindickung kann durch Ballaststoffpräparate wie z. B. Mucofalk® erfolgen.

Wenn bei Stomapatienten der katabole Ernährungszustand infolge einer Malabsorption z. B. bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen bestehen bleibt, können die fehlenden Nährstoffe durch Trinknahrung mit hohem Eiweißgehalt und Ballaststoffanteil oder durch voll resorbierbare Peptidnahrungen substituiert werden (Tab. 2; Lochs et al. 2006).
Nur bei wenigen Stomaträgern sind langdauernde Vitamin-B12-Zufuhr sowie die Substitution von fettlöslichen Vitaminen und Spurenelementen (z. B. Zink) notwendig.

Kurzdarmsyndrom

  • Bei manifestem Kurzdarmsyndrom ist die längerfristige parenterale Ernährung über zentralvenöse Kathetersysteme (z. B. Groshong-Katheter) erforderlich, um eine Verbesserung der Lebensqualität und gegebenenfalls berufliche Rehabilitation zu ermöglichen.

  • In einigen Studien konnte durch die Gabe von Glutamin auch eine deutliche Zottenregeneration erreicht werden mit Reduktion der notwendigen parenteralen Zusatzernährung (Ziegler et al. 2003).

  • In ausgewählten Fällen bleiben auch operative Maßnahmen wie z. B. anisoperistaltische Segmente oder als Ultima ratio die Dünndarmtransplantation zur Therapie des Kurzdarmsyndroms (Leiss 2005, Ruiz et al. 2007).

Literatur

Christl and Scheppach, 1997

S.U. Christl W Scheppach Metabolic consequences of total colectomy Scand J Gastroenterol Suppl 222 1997 20 24

Leiss, 2005

O Leiss Clinical management of patients with short bowel syndrome Z Gastroenterol 43 7 2005 661 675

Lochs et al., 2006

H Lochs C Dejong F Hammerqvist X Hebuterne M Leon-Sanz ESPEN Guidelines on Enteral Nutrition: Gastroenterology Clin Nutr 25 2 2006 260 274

Misiakos et al., 2007

E.P. Misiakos A Macheras T Kapetanakis T Liakakos Short bowel syndrome: current medical and surgical trends J Clin Gastroenterol 41 1 2007 5 18

Nightingale, 2003

J.M. Nightingale Hepatobiliary, renal and bone complications of intestinal failure Best Pract Res Clin Gastroenterol 17 6 2003 907 929

Ruiz et al., 2007

P Ruiz T Kato A Tzakis Current status of transplantation of the small intestine Transplantation 15 83 1 2007 1 6

Stern et al., 1999

J Stern M Bruwer F.X. Huber C Decker-Baumann Stoma physiology Chirurg 70 6 1999 627 634

Ziegler et al., 2003

T.R. Ziegler M.E. Evans C Fernandez-Estivariz D.P. Jones Trophic and cytoprotective nutrition for intestinal adaptation, mucosal repair, and barrier function Annu Rev Nutr 23 2003 229 261

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