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B978-3-437-22107-1.50077-7

10.1016/B978-3-437-22107-1.50077-7

978-3-437-22107-1

Relative biologische Aktivität (bezogen auf Etidronat), Struktur, zugelassene Indikation und Dosierung verschiedener Bisphosphonate.

Tabelle 1
Substanz R1 R2 Relative Potenz Indikation Dosierung
Etidronat CH3 OH 1 Osteoporose, M. Paget, heterotope Kalzifikation
  • 400 mg/Tag p.o. Tage 1–14,

  • dann 76 Tage Kalzium

Clodronat Cl Cl 10 TIH, Knochenmetastasen oral1
  • 1.600–3.200 mg/Tag

  • 520–1.040 mg/Tag

oder
intravenös1
  • 1.500 mg bzw.

  • 2–10 × 300 mg i.v.

Tiludronat H 10 M. Paget 400 mg/Tag p.o.
Pamidronat CH2–CH2–NH2 OH 100 M. Paget, TIH, Knochenmetastasen (15–)90 mg i.v.
Alendronat CH2–CH2–CH2–NH2 OH 1.000 Osteoporose, M. Paget
  • 10 mg/Tag p.o. oder

  • 70 mg/Woche p.o.2 oder

  • 30 mg/Tag p.o.3

Risedronat OH 5.000 Osteoporose, M. Paget
  • 5 mg/Tag p.o. oder

  • 30 mg/Woche p.o.2 oder

  • 30 mg/Tag p.o.3

Ibandronat OH 10.000 TIH, Knochenmetastasen 2–6 mg i.v. (6 mg für Knochenmetastasen) bzw. 50 mg/Tag für Knochenmetastasen
Zoledronat OH 20.000 TIH, Knochenmetastasen 4 mg i.v.

1

abhängig vom eingesetzten Präparat;

2

zur Behandlung der Osteoporose;

3

zur Behandlung des M. Paget

Therapie der tumorinduzierten Hyperkalzämie: Dosierungsrichtlinien in Abhängigkeit vom initialen Serumkalziumspiegel.

Tabelle 2
Substanz Dosierung und Applikation
Clodronat
  • 300 mg/Tag über 5–7 Tage

  • oder

  • 1.500 mg als einmalige Infusion über 2 Std.

Pamidronat 15–90 mg1, Infusionsgeschwindigkeit 15 mg/Std.
Kalziumspiegel 2,6–3,0 mmol/l 3,0–3,5 mmol/l 3,5–4,0 mmol/l > 4,0 mmol/l
Dosis 15–30 mg 30–60 mg 60–90 mg 90 mg
Ibandronat 2–4 mg i.v.1
Kalziumspiegel 2,6–3,0 mmol/l 3,0–3,5 mmol/l > 3,5 mmol/l
Dosis 2 mg 4 mg 6 mg
Zoledronat 4–8 mg i.v.
  • 4 mg für Primärbehandlung,

  • 8 mg für rezidivierte oder refraktäre Hyperkalzämie

1

in Abhängigkeit vom Kalziumspiegel

Bisphosphonate

P. Schmid

K. Possinger

Kernaussagen

  • Hauptindikationen sind primäre und sekundäre Osteoporose, Tumor-assoziierte Knochenveränderungen, die tumorinduzierte Hyperkalzämie und die Ostitis deformans.

  • Bisphosphonate können oral oder parenteral verabreicht werden.

  • Bei der Behandlung der Osteoporose werden Bisphosphonate überwiegend oral eingesetzt.

  • Eine intravenöse Bisphosphonattherapie ist Standard bei der tumorinduzierten Hyperkalzämie, wobei die Dosierung an den Schweregrad der Hyperkalzämie angepasst werden sollte.

  • Bei Patienten mit tumorinduzierten Knochenveränderungen führt eine langfristige orale oder intravenöse Bisphosphonatbehandlung zu einer klaren Senkung skelettaler Komplikationen.

  • Eine intravenöse Therapie führt zu einem rascheren Wirkungseintritt und kommt v. a. bei rascher Progression oder Beschwerden zum Einsatz, während sich nach Stabilisierung oder bei geringen Beschwerden eine orale Bisphosphonatgabe anbietet.

Grundlagen der Bisphosphonattherapie

Pharmakologie der Bisphosphonate

Die Bisphosphonate sind Analoga des anorganischen Pyrophosphats.
  • Sie weisen eine hohe Affinität zur Mineralsubstanz des Knochens auf und

  • können die antiresorptive Aktivität von Osteoklasten effektiv hemmen.

  • Bisphosphonate binden bevorzugt an Stellen erhöhten Knochenumbaus, insbesondere im Bereich der Resorptionslakunen zwischen Osteoklasten und der arrodierten Knochenoberfläche. Diese Anreicherung ist Grundlage der direkten Hemmung der Osteoklasten.

  • Bisphosphonate führen letztendlich zu einer positiven Kalziumbilanz und einer Zunahme des Knochenmineralgehaltes.

Die intrazelluären Effekte der Bisphosphonate scheinen nicht Osteoklasten-spezifisch zu sein, sondern sind theoretisch auch in anderen Zellen möglich. Die physiologisch weitgehend selektive Wirkung auf Osteoklasten resultiert vor allem aus der lokal extrem hohen Konzentration und langen Halbwertszeit, sowie aus der relativ hohen Endozytosekapazität von Osteoklasten. Die hohe Bindungsfähigkeit zum Knochengewebe beruht vor allem auf der Fähigkeit, Komplexe mit zweiwertigen Kationen wie Ca2+ einzugehen.

Chemische Struktur

Das Grundgerüst der Bisphosphonate sind zwei Phosphatgruppen, die über eine Phosphoetherbindung an ein zentrales Kohlenstoffatom gebunden sind (P–C–P-Struktur). Dieser Aufbau macht Bisphosphonate wesentlich stabiler gegenüber der Hydrolyse oder einer enzymatischen Spaltung als Pyrophosphat, das einem schnellen Abbau im Körper unterliegt (s. Tab. 1).
Die einzelnen Bisphosphonate unterscheiden sich durch zwei Seitenketten.
  • Die R1-Seitenkette, die bei der Mehrzahl der gängigen Bisphosphonate aus einer Hydroxylgruppe besteht, bestimmt die Affinität zu Festphasen-Kalziumphosphat an der Knochenoberfläche.

  • Die R2-Seitenkette ist hingegen ausschlaggebend für die antiresorptive Aktivität. Durch den Einbau einer primären Aminogruppe kann gegenüber einer reinen Alkyl-Seitenkette die antiresorptive Aktivität deutlich gesteigert werden.

  • Die derzeit wirksamsten Verbindungen weisen heterozyklische Seitenketten auf.

Verbreichung der Bisphosphonate

Bisphosphonate können oral oder parenteral verabreicht werden (Tab. 1).
  • Allerdings ist die Bioverfügbarkeit nach oraler Applikation relativ gering. Nur etwa 1–5% der verabreichten Bisphosphonatdosis wird resorbiert. Dennoch können auch mit diesen vergleichsweise geringen Mengen zufriedenstellende Therapieergebnisse erzielt werden.

  • Für einen raschen Wirkungseintritt sollte jedoch eine parenterale Verabreichung bevorzugt werden.

Da die Bisphosphonate mit zweiwertigen Kationen Komplexe bilden können, wird die Resorption durch eine begleitende Nahrungsaufnahme oder kalziumhaltige Getränke wie Milch zusätzlich eingeschränkt.
  • Aus diesem Grund sollten Bisphosphonate immer mindestens eine Stunde vor oder 2 Stunden nach Nahrungsaufnahme eingenommen werden.

Nach parenteraler Verabreichung werden Bisphosphonate rasch an kalziumhaltige Gewebe gebunden. Nicht im Knochen gebundene Bisphosphonate werden unverändert über die Nieren ausgeschieden. Die Metabolisierung der Bisphosphonate ist vernachlässigbar gering. Die im Organismus retinierte Menge ist von der verabreichten Gesamtdosis, nicht von der Infusionsgeschwindigkeit abhängig.
Die Halbwertszeit von Bisphosphonaten kann im Knochen bei bis zu 10 Jahren liegen. Dennoch verlieren die Bisphosphonate im Knochen rasch ihre therapeutische Wirkung, da sie im Verlauf der kontinuierlich ablaufenden Umbauvorgänge im Knochen von der Oberfläche in das Knocheninnere verlagert werden. Für die Wirkung ist jedoch die Oberflächenbindung am Knochen mit der Möglichkeit der Ablösung und nachfolgenden zellulären Aufnahme in die Osteoklasten entscheidend. Aus diesem Grund ist eine Intervalltherapie in kurzen Abständen notwendig.

Nebenwirkungen

Als Faustregel gilt:

Bisphosphonate sind im Allgemeinen sehr gut verträglich. Nebenwirkungen treten relativ selten auf und sind dann in der Regel nur gering ausgeprägt.

Die geringe Nebenwirkungsrate lässt sich vor allem auf die rasche Aufnahme in das Knochengewebe und somit relativ kurze Verweildauer in der Zirkulation, sowie auf das Fehlen toxischer Metaboliten zurückführen. Das Nebenwirkungsprofil unterscheidet sich etwas bei Verabreichung als Infusion bzw. in Tablettenform.

Gastrointestinale Nebenwirkungen

Gastrointestinale Nebenwirkungen stehen vor allem bei oraler Verabreichung im Vordergrund. Bei oraler Therapie treten dosisabhängig bei 2–10% der Patienten gastrointestinale Nebenwirkungen auf wie
  • Übelkeit,

  • Diarrhö,

  • Dyspepsie oder

  • epigastrische Schmerzen.

    • Sie können die Durchführbarkeit der oralen Behandlung einschränken oder gar, wie bei den meisten Aminobisphosphonaten, unmöglich machen.

CAVE:

! Neuere Verbindungen, wie die meisten Aminobisphosphonate, können gelegentlich zu schweren ulzerierenden Ösophagitiden führen und sind deshalb, mit Ausnahme von Ibandronat, nicht für die orale Therapie geeignet.

Hypokalzämien

Da Bisphosphonate mit Kalzium Komplexe bilden können, kann es gelegentlich zu einer passageren Hypokalzämie kommen, die aber in der Regel asymptomatisch bleibt und wenn notwendig durch exogene Kalziumgaben leicht beherrschbar ist.

CAVE:

! Allerdings können unter gleichzeitiger Therapie mit Aminoglykosiden schwere, klinisch relevante Hypokalzämien auftreten, sodass diese Therapiekombination nur mit äußerster Zurückhaltung eingesetzt werden sollte.

Nephrotoxizität

Bei intravenöser Applikation größerer Bisphosphonatmengen ist Vorsicht geboten, da es in einzelnen Fällen unter schneller Infusion von hohen Dosen insbesondere bei gleichzeitig vorliegendem Volumenmangel zur Ausbildung eines akuten Nierenversagens gekommen ist. Ursache hierfür könnte die Bildung von unlöslichen Komplexen sein, die in der Niere zurückgehalten werden.
Die Nephrotoxizität kann deutlich verringert werden, wenn die Bisphosphonate langsam und in einem großen Flüssigkeitsvolumen appliziert werden. Bei den stärkeren Bisphosphonaten, die in geringeren Mengen eingesetzt werden, scheint eine schwächere Verdünnung und zum Teil eine wesentlich kürzere Applikationszeit bis hin zur Bolusgabe auszureichen.

Akut-Phase-Reaktion

Nach Infusion von Aminobisphosphonaten tritt bei etwa 10–20% der Patienten ein vorübergehender akuter Temperaturanstieg von 1–2 °C, begleitet von grippeähnlichen Beschwerden wie Kopf-, Glieder-, Knochen- oder Gelenkschmerzen auf.
  • Diese Akut-Phase-Reaktion, die mit einem Abfall der Lymphozytenzahlen im peripheren Blut und einem Anstieg des C-reaktiven Proteins einhergehen kann, tritt insbesondere 12–24 Std. nach der ersten Bisphosphonatgabe auf und bildet sich innerhalb von 3 Tagen spontan zurück, selbst wenn die Behandlung fortgesetzt wird.

  • Bedingt werden diese Beschwerden durch eine Freisetzung von Zytokinen.

  • Bei Bedarf kann eine symptomorientierte Behandlung mit nicht-steroidalen Antiphlogistika durchgeführt werden.

Kiefer-Osteonekrosen

Mehrere Gruppen haben ein gehäuftes Auftreten von Kiefer-Osteonekrosen unter einer Bisphosphonattherapie beschrieben. Die Inzidenz dieser Veränderung ist derzeit unklar. Betroffen sind möglicherweise bis zu 0,1–1% aller Patienten. Bisher sind weder der genaue Entstehungsmechanismus, noch die Frage, ob ein kausaler Zusammenhang mit der Bisphosphonattherapie besteht, eindeutig geklärt. Vieles deutet auf ein multifakorielles Geschehen hin. Als Risikofaktoren werden
  • eine mechanische Schädigung (z. B. durch dentale Eingriffe),

  • lokale Infektionen (z. B. Parodontose),

  • eine Beeinträchtigung der lokalen Perfusion (z. B. durch Bestrahlung von Kopf oder Nacken sowie Gefäßerkrankungen) und

  • eine Chemo-, Steroid-, Bisphosphonat- oder andere Tumortherapie angesehen.

  • Nikotin- und Alkoholabusus scheinen ebenfalls prädisponierend zu sein.

Als Faustregel gilt:

  • Da die genauen Zusammenhänge unklar sind, ist es wichtig, die Patienten über diese mögliche Nebenwirkung aufzuklären und für Symptome wie z. B. lokale Schmerzen oder ein Schweregefühl im Kiefer zu sensibilisieren.

  • Planbare Eingriffe im Kieferbereich sollten möglichst vor Initiierung einer Bisphosphonattherapie erfolgen.

Andererseits gibt es keine klaren Hinweise, dass vor Eingriffen im Kieferbereich eine Unterbrechung einer laufenden Bisphosphonattherapie notwendig ist. Eine wesentliche prophylaktische Maßnahme ist die Gewährleistung einer möglichst guten Zahnhygiene.
Therapie
Bei Auftreten einer Kiefer-Osteonekrosen wird in der Regel eine konservative Vorgehensweise empfohlen.
  • Die wichtigste therapeutische Maßnahme ist eine intensive Wundpflege u. U. begleitet durch eine antibiotische Therapie.

  • Operative Eingriffe sollten hingegen möglichst zurückhaltend erfolgen z. B. zur Abtragung von Sequestern oder bei Auftreten von Komplikationen.

Grundsätzlich kann bei Auftreten einer Kiefer-Osteonekrose die laufende Bisphosphonattherapie fortgesetzt werden. Die Entscheidung sollte jedoch auf einer individuellen Basis unter Abwägung des möglichen Nutzens und der Risiken erfolgen.

Anwendungsbereiche der Bisphosphonate

Haupteinsatzbereiche der Bisphosphonate sind
  • die Therapie der primären und sekundären Osteoporose,

  • die Behandlung tumorassoziierter Knochenveränderungen und

  • die Behandlung der tumorinduzierten Hyperkalzämie.

Daneben finden Bisphosphonate u. a. bei der Ostitis deformans (M. Paget) und zur Verhinderung ektoper Ossifikationen Anwendung.
Die Behandlungsindikationen Osteoporose und Ostitis deformans werden in den jeweiligen Kapiteln ausgeführt (s. Kapitel O 17 und O 18). Dementsprechend liegt der Schwerpunkt im Folgenden auf der Behandlung tumorassoziierter Knochenveränderungen und der tumorinduzierten Hyperkalzämie.

Tumorinduzierte Hyperkalzämie

Die Hyperkalzämie ist eine der häufigsten tumorinduzierten Stoffwechsel-Komplikationen. Sie kann Folge einer ausgedehnten ossären Metastasierung oder einer paraneoplastischen Produktion Knochenstoffwechsel-aktivierender Mediatoren sein. Durch parakrine oder humorale Sekretion Osteoklasten-stimulierender Faktoren kommt es dabei zu einer vermehrten Kalziumfreisetzung aus dem Knochen und zu einer verminderten renalen Kalziumausscheidung.
Während noch vor wenigen Jahren bei bis zu einem Drittel aller Tumorpatienten mindestens eine hyperkalzämische Episode im Verlauf der Erkrankung auftrat, ist die Inzidenz in den letzten Jahren deutlich gesunken. Dies ist vor allem auf den konsequenten Einsatz von Bisphosphonaten zur Behandlung tumorinduzierter Knochenveränderungen zurückzuführen.
Die Bisphosphonate stellen derzeit die Behandlungsform der ersten Wahl bei der tumorinduzierten Hyperkalzämie dar (Evidenzgrad I, Empfehlungsgrad A), während andere Substanzen wie z. B. Calcitonin nur noch selten zum Einsatz kommen. Aufgrund ihrer besseren Wirksamkeit werden bevorzugt Aminobisphosphonate wie z. B. Pamidronat, Ibandronat oder Zoledronat eingesetzt.
  • Sie führen bei etwa 70–90% der Patienten zu einer Normalisierung der Serumkalziumwerte.

  • Zudem weisen sie einen, im Vergleich zu den älteren Präparaten Etidronat oder Clodronat, rascheren Wirkungseintritt und ein längeres Anhalten des Therapieeffekts auf.

Dosierung

Mehrere Studien zeigen eine deutliche Dosis-Wirkungs-Beziehung bei Einsatz von Aminobisphosphonaten. Aus diesem Grund ist eine Anpassung der Bisphosphonatdosierung an den Schweregrad der Hyperkalzämie sinnvoll (Tab. 2).

Tumorinduzierte Knochenveränderungen

Maligne Tumoren können entweder durch lokal-invasives Wachstum oder durch systemische, knochenresorbierende Produkte über eine Verschiebung des physiologischen Gleichgewichts zwischen An- und Abbau von Knochensubstanz zu einer Knochenzerstörung führen. Den Osteoklasten kommt dabei vor allem in der Frühphase der Knochenmetastasierung eine entscheidende Rolle zu.
  • In Abhängigkeit vom Ausmaß der knochenresorbierenden oder knochenbildenden Aktivität entstehen osteolytische, osteoblastische oder gemischte Metastasen.

  • Verschiedene Tumorentitäten zeigen dabei bevorzugte Erscheinungsformen.

    • Während z. B. Bronchial- oder Nierenzellkarzinome überwiegend osteolytische Metastasen hervorrufen,

    • werden beim Prostatakarzinom typischerweise osteoblastische Veränderungen beobachtet.

    • Mammakarzinome hingegen führen häufig zu gemischten Metastasen.

Knochenmetastasen bleiben häufig lange unbemerkt, da sie in der Regel erst Beschwerden machen, wenn der Knochen unter dem Einfluss der im Knochenmark wachsenden Tumorzellen im stärkeren Ausmaß umgebaut wird.
Im Vergleich zu Metastasen in anderen Organen wie z. B. der Leber oder dem Gehirn gehen Knochenmetastasen mit einer deutlich besseren Prognose einher. Allerdings können sie über eine lange Zeit den Erkrankungsverlauf und die Lebensqualität der betroffenen Patienten prägen.

Beeinflussung von Knochenschmerzen

Als Faustregel gilt:

Im Vordergrund der Beschwerden durch Knochenmetastasen stehen vor allem Schmerzen in den befallenen Knochenbereichen, die häufig auch der erste Hinweis auf das Vorliegen von Knochenmetastasen sind.

Über die Hälfte der betroffenen Patienten hat bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung von Knochenmetastasen Schmerzen.
Zahlreiche Phase-II- und -III-Studien, sowie mehrere Metaanalysen belegen, dass eine orale oder intravenöse Behandlung mit Bisphosphonaten bei Patienten mit tumorinduzierten Knochenveränderungen zu einer Verringerung von Schmerzen führen kann. Die Reduktion der Knochenschmerzen kann bereits wenige Tage nach Beginn der Behandlung eintreten und bei Fortführung der Therapie Monate bis Jahre anhalten.
  • Ein direkter Vergleich zwischen der analgetischen Potenz der unterschiedlichen Bisphosphonate liegt derzeit nicht vor.

  • Allerdings scheint eine Dosis-Wirkungs-Beziehung für die einzelnen Bisphosphonate zu bestehen.

  • Die Höhe der notwendigen Bisphosphonatdosis scheint dabei von der Ausdehnung der Erkrankung im Skelettsystem und von der proliferativen Aktivität des Tumorgeschehens abhängig zu sein.

Die analgetische Wirkung der Bisphosphonate ist von der Verabreichungsform abhängig. Bei intravenöser Therapie kommt es zu einem vergleichsweise rascheren Wirkungseintritt und zu einem ausgeprägteren Effekt. Aus diesem Grund wird hinsichtlich der Schmerzkontrolle bei symptomatischen Patienten die intravenöse gegenüber der oralen Applikation bevorzugt.

Beeinflussung der tumorinduzierten Knochenveränderungen

Bei Patienten mit tumorinduzierten Knochenveränderungen wird der Nutzen einer Bisphosphonatbehandlung in der Regel über die Senkung der Häufigkeit von so genannten Knochenereignissen definiert. Dazu zählen
  • pathologische Frakturen,

  • spinale Kompressionssyndrome,

  • hyperkalzämische Episoden sowie

  • die Notwendigkeit der Durchführung lokaler radiotherapeutischer oder chirurgischer Therapiemaßnahmen.

Der Nutzen der Bisphosphonate ist vor allem bei Patienten mit Mammakarzinomen und Multiplen Myelomen belegt (Evidenzgrad I, Empfehlungsgrad A). In zahlreichen Studien konnte dabei gezeigt werden, dass Bisphosphonate zu einer signifikanten Prävention von Knochenkomplikationen und zu einer Verzögerung des Tumorfortschreitens im Skelettsystem führen. Damit lässt sich bei nur minimalen Nebenwirkungen der Bisphosphonattherapie die allgemeine Lebensqualität der Patienten/Patientinnen erheblich verbessern. Mit Ausnahme von Untergruppen spiegelt sich dies jedoch bei beiden Entitäten nicht im Gesamtüberleben wider.

Mammakarzinom

  • Bei Patientinnen mit metastasiertem Mammakarzinom und Knochenbeteiligung kann durch eine Bisphosphonattherapie die Häufigkeit von Knochenereignissen um etwa ein Viertel reduziert werden. Zudem wird die Zeit bis zum Auftreten der ersten Komplikationen im Knochensystem signifikant verlängert.

Als Faustregel gilt:

Aus diesem Grund sollten alle Patienten mit Knochenmetastasen eine kontinuierliche orale oder eine intermittierende intravenöse Bisphosphonatbehandlung erhalten, so lange sich Knochenmanifestationen nachweisen lassen.

  • Der prophylaktische Einsatz von Bisphosphonaten bei fehlendem Nachweis einer Knochenmetastasierung geht bei allgemein metastasierten Karzinomen mit keinem klaren Nutzen einher und ist dementsprechend nicht indiziert.

  • In der adjuvanten Behandlungssituation ist der Stellenwert der Bisphosphonate derzeit nicht abschließend geklärt. Die bisherigen Ergebnisse sind zum Teil widersprüchlich.

    • Zwei Studien belegten, dass eine adjuvante Bisphosphonattherapie zumindest während der Behandlungsphase zu einer Senkung der Inzidenz von Knochenmetastasen führen kann, die sich auch in einer Mortalitätsreduktion ausdrückt.

    • Hingegen zeigte eine andere Studie keinen Effekt auf die Häufigkeit von Knochenmetastasen und überraschenderweise zusätzlich ein signifikant vermehrtes Auftreten nicht-skelettaler Metastasen in der Bisphosphonatgruppe, die mit einer Verkürzung des krankheitsfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens einherging.

      Die Mechanismen der möglichen negativen Effekte der Bisphosphonate sind unklar. Letztendlich ist der Stellenwert der adjuvanten Bisphosphonattherapie beim Mammakarzinom nicht abschließend geklärt.

Multiples Myelom

Auch bei Patienten mit multiplem Myelom lässt sich durch Einsatz von Bisphosphonaten das Eintreten von Knochenereignissen verhindern.
  • Insbesondere die Häufigkeit vertebraler Frakturen kann um etwa 40% gesenkt.

  • Ähnlich wie beim Mammakarzinom ist auch beim Multiplen Myelom der Nutzen eines frühzeitigen Einsatzes von Bisphosphonaten bei Fehlen von Knochenmanifestationen nicht klar bewiesen und dementsprechend außerhalb klinischer Studien nicht indiziert.

Sonstige maligne Erkrankungen

Während für das Mammakarzinom und das Multiple Myelom umfangreiche Ergebnisse vorliegen, die den Nutzen einer Bisphosphonattherapie dokumentieren, ist die Datenlage für andere maligne Erkrankungen weniger ergiebig. Die Ergebnisse zweier randomisierter Studien mit dem Aminophosphonat Zoledronat belegen jedoch auch bei Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom bzw. anderen soliden Tumoren die Wirksamkeit einer Bisphosphonattherapie.

Als Faustregel gilt:

Dementsprechend sollten alle Patienten mit tumorinduzierten Knochenveränderungen eine Bisphosphonatbehandlung erhalten.

  • Bei rascher Progression und/oder ausgeprägten Beschwerden bietet sich aufgrund des rascheren Wirkungseintritts vor allem eine intravenöse Therapie an.

  • Nach Stabilisierung bzw. bei langsamer Progression und/oder bei geringen Beschwerden kann eine orale Bisphosphonatgabe in Betracht gezogen werden.

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