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B978-3-437-22107-1.50062-5

10.1016/B978-3-437-22107-1.50062-5

978-3-437-22107-1

Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) kann aus dem aktuellen Serumkreatinin und der Körperlänge geschätzt werden (Schwartz et al. 1987)

Tabelle 1
GFR [ml/Min. × 1,73 m2] = k × L / Serumkreatinin [mg/dl] k = Korrekturfaktor, L = Körperlänge [cm]
Altersgruppe K*
Frühgeborene < 1 Jahr 0,33
reife Neugeborene, Säuglinge < 1 Jahr 0,45
Kinder, 2–12 Jahre 0,55
Jugendliche, 13–18 Jahre
weiblich 0,55
männlich 0,70

*

K = Korrekturfaktor je nach Alter

Blutreinigungsverfahren bei Kindern und Jugendlichen

W. Rascher

Kernaussagen

  • Alle Kinder und Jugendlichen mit chronischer Niereninsuffizienz müssen in einem pädiatrischen Dialyse- und Transplantationszentrum vorgestellt werden.

  • Bei Säuglingen und Kleinkindern sind relativ niedrige Kreatininwerte mit einer deutlich höheren Einschränkung der Nierenfunktion assoziiert als bei Schulkindern oder Erwachsenen.

  • Die Indikation zur akuten Nierenersatztherapie bei Kindern stellt sich bei akutem Nierenversagen, Intoxikationen und angeborenen Stoffwechselstörungen.

  • Verfahren der Dauerdialyse sind Hämodialyse und Peritonealdialyse. Peritonealdialyse sollte nur angeboten werden, wenn in Notfällen auch die Hämodialyse gewährleistet werden kann.

  • Um adäquates Wachstum und Gedeihen während der Dialysetherapie zu gewährleisten, ist eine hohe Kalorien- und besonders auch Eiweißzufuhr nötig, gegebenenfalls insbesondere bei Säuglingen über eine PEG-Sonde.

  • Komplikationen der chronischen Niereninsuffizienz bei Kindern können eine Wachstumsretardierung, renale Osteopathie oder renale Anämie sein. Durch adäquate Überwachung und Ernährung, Einsatz von Vitamin D und Calcitriol sowie rekombinantem Erythropoetin sind diese Probleme zu behandeln.

Vorbemerkungen

Die Nierenersatztherapie bei Kindern und Jugendlichen weist zahlreiche altersabhängige Besonder- heiten auf.
Für den wachsenden und sich entwickelnden Organismus sind die Aufgaben und Ziele einer apparativen Nierenersatztherapie anders gelagert als bei Erwachsenen.
Auch sind die altersspezifischen Probleme bei niereninsuffizienten Neugeborenen anders als bei Jugendlichen in der Pubertät.
Deswegen wird in speziellen pädiatrisch-nephrologischen Zentren neben der Nierenersatztherapie auch die assoziierte entwicklungsspezifische Problematik der Niereninsuffizienz bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert und behandelt.
Um eine adäquate entwicklungsgerechte Betreuung im somatischen und psychosozialen Bereich zu gewährleisten und die gesamte Familie auf die Problematik einer chronischen Nierenersatztherapie des Kinds vorzubereiten, müssen alle Kinder und Jugendlichen mit chronischer Niereninsuffizienz bereits im präterminalen Stadium einem pädiatrischen Dialyse- und Transplantationszentrum vorgestellt werden.
Leider geschieht es immer wieder, dass Kinder und Jugendliche mit chronischer Niereninsuffizienz nicht adäquat in der präterminalen Phase ihrer Krankheit behandelt werden, nicht rechtzeitig auf die unterschiedlichen Dialyseverfahren und die damit verbundene Lebensumstellung der gesamten Familie vorbereitet werden können. Zudem werden nicht selten ältere Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren ohne psychosoziale Betreuung und ohne Absprache mit einem Dialysezentrum für Kinder und Jugendliche in Erwachsenendialyseeinrichtungen behandelt. Dies entspricht nicht dem heutigen medizinischen Standard.
Eine apparative Nierenersatztherapie ist bei allen pädiatrischen Patienten, vom Neugeborenen bis zum Jugendlichen technisch möglich, auch gibt es keine generellen Einschränkungen oder Kontraindikationen gegen eine chronische Dialysebehandlung, da sie nur vorübergehend bis zur Nierentransplantation eingesetzt wird.
Die Indikation zur chronischen Dialysebehandlung ist mit der Anmeldung zur Transplantation verknüpft.
Bei multimorbiden und/oder zerebral beeinträchtigten Kindern wird im Einzelfall entschieden, ob eine Dialysetherapie angezeigt ist, bzw. ob sie überhaupt dem Patienten zugemutet werden kann.

Als Faustregel gilt:

Im Gegensatz zum Erwachsenenalter ist die Nierentransplantation immer das therapeutische Ziel einer jeden Langzeit-Nierenersatztherapie im Kindesund Jugendalter da sie die weitaus größere somatische wie psychosoziale Rehabilitation für die Entwicklung und Lebensqualität bietet.

Die Verbesserung der Dialysetechnik (nächtliche zyklische Peritonealdialyse) erlaubt heute schon bei Neugeborenen und kleinen Säuglingen eine Dauerdialyse bis eine erfolgreiche Nierentransplantation möglich ist. Dies ist jedoch nur machbar, wenn die Familien intensiv mitarbeiten und einen hohen Einsatz leisten. Da die Entscheidungsfindung in komplizierten Fällen nur durch Kenntnisse der medizinischen und sozialen Situation der Familie und nach ausführlicher Information der Eltern über die Therapiemöglichkeiten und -aussichten zu vertreten ist, müssen alle Patienten in einem Kinderdialysezentrum vorgestellt werden und von einem psychosozialen Team beraten werden, auch wenn subjektiv eine chronische Nierenersatztherapie im Einzelfall noch fragwürdig erscheinen mag.

MERKE

Es ist heute ethisch und medizinisch zu vertreten, dass bei Neugeborenen und kleinen Säuglingen mit terminaler Niereninsuffizienz eine Indikation zur chronischen Peritonealdialyse gestellt wird.

Neben der Niereninsuffizienz sind akute Entgiftungen bei lebensbedrohlichen Stoffwechseldekompensationen bei angeborenen Stoffwechselerkrankungen eine Indikation für eine Hämodialyse.

Indikation zur akuten Nierenersatztherapie

Der kurzzeitige Nierenersatz dient der Substitution der exokrinen Nierenfunktion und dem Flüssigkeitsentzug bei Überwässerung, aber auch in zunehmendem Maße der Entgiftung von toxischen Stoffwechselprodukten im Rahmen der Entgleisung bei einer angeborenen Stoffwechselstörung. Die Prognose von Erkrankungen, die zu einem akuten Nierenversagen führen, lässt sich eindeutig durch einen frühen Dialysebeginn verbessern, was exemplarisch am Krankheitsbild des hämolytisch-urämischen Syndroms gezeigt werden konnte.

CAVE

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind wegen der geringeren Muskelmasse niedrige Kreatininwerte mit einer deutlich höheren Einschränkung der Nierenfunktion assoziiert als dies bei Schulkindern oder Erwachsenen der Fall ist.

So bedeutet eine Serumkreatinin-Konzentration von 1,0 mg/dl am Ende des 1. Lebensjahres eine chronische Niereninsuffizienz, die im späteren Leben zur Dialyse führen wird, während dieser Wert bei Erwachsenen normal ist. Entsprechend der Schwartz-Formel lässt sich die glomeruläre Filtrationsrate berechnen (▸ Tab. 1).

Indikationen

Die Indikation für eine akute Nierenersatztherapie ist überwiegend ein akutes Nierenversagen, das auf pädiatrischen Intensivstationen in einer Häufigkeit von 1–6% beobachtet wird. Die Prognose steht und fällt mit der Grunderkrankung und dem rechtzeitigen Beginn einer Dialysetherapie.
Das hämolytisch-urämische Syndrom stellt die häufigste Ursache des Nierenversagens im Kindesalter dar; der Erkrankungsgipfel liegt im frühen Kindesalter.
Bei dieser Krankheit schädigen enterohämorrhagische E. coli (EHEC) durch ihre Toxinproduktion das Endothel (vorwiegend der Glomeruluskapillaren), die Erythrozyten (Fragmento- bzw. Schistozyten) und Thrombozyten, sodass das akute Nierenversagen regelmäßig von einer akuten mikroangiopathischen hämolytischen Anämie und einer Verbrauchsthrombozytopenie begleitet wird.
Bisweilen kann eine schwere Exsikkose bei Gastroenteritis ein hypovolämisches Nierenversagen bei einem Kind auslösen oder aber einen Schock mit einer schweren Infektion (z. B. Meningokokkensepsis).
Ein kardiogener Schock nach herzchirurgischen Eingriffen ist ebenfalls nicht selten Indikation für eine Nierenersatztherapie.
Ein tubulotoxisches akutes Nierenversagen, das mit einer Polyurie einhergehen kann, ist Folge einer unerwünschten Arzneimittelwirkung (z. B. Platintherapie) oder kann im Rahmen einer obstruktiven Uropathie auftreten.
Früh- und Neugeborene sind aufgrund der relativ geringen Durchblutung der Nierenrinde für ein akutes Nierenversagen prädisponiert.
Akzidentelle Intoxikationen bei Kleinkindern oder Intoxikationen in suizidaler Absicht bei Jugendlichen können, wenn es sich um Substanzen mit geringer Eiweißbindung und hoher Plasmakonzentration handelt, mittels extrakorporaler Entgiftung behandelt werden.
Durch das erweiterte Neugeborenen-Screening auf angeborene Stoffwechselkrankheiten mithilfe der Tandem-Massenspektrometrie werden in zunehmendem Maße Stoffwechselstörungen (z. B. Organoazidopathien) diagnostiziert, bevor sie im Rahmen von Stoffwechselentgleisungen zu einer Hirnschädigung führen. Eine Dialysebehandlung vermag bei akuter Stoffwechselentgleisung eine dauerhafte zerebrale Schädigung zu verhindern.

Als Faustregel gilt:

Die Indikation zur Dialyse bei Kindern sollte unmittelbar gestellt werden bei:

  • Anurie bzw. Oligurie von länger als 24 h Dauer bzw. eine Urinausscheidung von < 0,5 ml/kg KG und Stunde

  • Überwässerung mit Lungenödem

  • arterieller Hypertonie oder Ergussbildung

  • konservativ nicht korrigierbarer Hyperkaliämie über 6 mmol/l

  • konservativ nicht korrigierbarer metabolischer Azidose

  • metabolischer Entgleisungen (z. B. bei Organoazidopathien und Hyperammonämien)

  • akzidenteller Vergiftung.

Verfahren

Als Faustregel gilt:

Grundsätzlich sind kontinuierliche Blutreinigungsverfahren wie kontinuierliche Peritonealdialyse und kontinuierliche venovenöse Hämofiltration den diskontinuierlichen Verfahren (intermittierende Hämodialyse, intermittierende Hämofiltration) vorzuziehen.

Bei Frühgeborenen, problematischen Gefäßzugängen, bei Thrombose mit Blutungsneigung, sollte die Peritonealdialyse primär eingesetzt werden. Hierbei wird der Tenckhoff-Katheter chirurgisch in die Bauchhöhle eingelegt.
Bei Hypotonie, Ödemen oder bei intensiver medikamentöser Vasokonstriktion ist der transperitoneale Transport weniger effizient. In diesen Fällen wird bei Ileus und Laparotomie die extrakorporale Hämodialyse oder -filtration die Methode der Wahl.

Beachte:

Dafür stehen auch bei Säuglingen und Kleinkindern, doppellumige Katheter zur Verfügung.

Zur Deckung des Kalorienbedarfs und zur Überwindung des Katabolismus ist bei akutem Nierenversagen eine hochkalorische Energiezufuhr notwendig.

Chronische Dialyse

Im Gegensatz zum kurzfristigen Nierenersatz umfasst die Langzeitdialyse neben dem Ersatz der exokrinen Nierenfunktion auch die Behandlung der gestörten endokrinen Funktion der Nieren sowie die medizinische und psychosoziale Langzeitbetreuung.
Bei einer Häufigkeit der Dialyse von Kindern und Jugendlichen von ca. 1,5 pro 1 Mio. Einwohner/Jahr errechnet sich in Deutschland ein Zuwachs von 100–120 Kindern/Jahr, die einer Dauerdialysetherapie bedürfen. In den letzten 30 Jahren hat sich die Überlebensrate terminaler Niereninsuffizienz von Kindern von 0% bis auf über 95% gesteigert und damit das Ziel der therapeutischen Bemühungen erreicht. Lag früher das Ziel der Behandlung im Überleben eines terminalen niereninsuffizienten Kinds, so ist es heute die komplette somatische wie psychosoziale Rehabilitation.

Dialysebeginn

Die Langzeitdialyse sollte nicht nur mit Unterschreiten einer GFR von 5–10 ml/Min. × 1,73 m2 KOF begonnen werden, vielmehr orientiert man sich mit dem Beginn der Dialyse an Parametern des körperlichen und geistig-psychischen Gedeihens, besonders bei kleineren Kindern. Dabei müssen ein Entwicklungsknick, ein Gewichtsstillstand, ein Abfall des Längenwachstums oder eine Verlangsamung der psychomotorischen Entwicklung genauso zur Indikation des Dialysebeginns beitragen wie das Ausmaß der Urämie.

Verfahren

Während bei Säuglingen und Kleinkindern die Peritonealdialyse die Dialyseform der Wahl ist, ist sie auch bei Schulkindern und Jugendlichen anzustreben, wenn der Wohnort weit vom Kinderdialysezentrum entfernt ist.
Jugendliche, die in Zentrumsnähe wohnen, bevorzugen oft extrakorporale Dialyseverfahren.
Sehr häufig bestimmt auch die familiäre Konstellation die Wahl des Dialyseverfahrens.
Mit Beginn der Dialysebehandlung wird der pädiatrische Patient zur Nierentransplantation angemeldet. Frühzeitige Transplantation vor der Dialyse ist vor allem bei Vorhandensein eines Lebendspenders möglich.
Eine Hämodialyse- oder Hämofiltrationsbehandlung kann heute aufgrund der Verfügbarkeit auch kleiner Dialysatoren und Hämofilter grundsätzlich bei Kindern jeden Alters vorgenommen werden. Voraussetzungen sind gute Gefäßzugänge und ein ausreichend hoher Blutfluss. Der Blutfluss sollte bei 100–200 ml/Min. liegen, bei Kleinkindern ca. bei 75 ml/Min.
Ein Zugang für den extrakorporalen Kreislauf stellt i. d. R. die konventionelle Ciminofistel am Unterarm dar, während bei Säuglingen und Kleinkindern über einen großlumigen Katheter bzw. doppellumigen Katheter in der V. subclavia ein guter Zugang für die chronische Behandlung möglich ist.
Oft ist es schwierig, das Trockengewicht genau festzulegen, da es im Kindesalter durch Wachstumsvorgänge beeinflusst wird. Während der Dialyse wird eine stündliche Gewichtsabnahme von 2–3% des Körpergewichts i. d. R. kreislaufneutral toleriert. Die Überwachung und Betreuung während der Dialyse ist im Kindesalter wesentlich aufwendiger als bei Erwachsenen.

Komplikationen

Häufig vorkommende Komplikationen während der Dialysetherapie sind Blutdruckabfall, Kopfschmerzen, Erbrechen, Wadenkrämpfe.
Diese Komplikationen lassen sich meist durch schonendere Ultrafiltration und Gabe von Kochsalzlösung behandeln.

CAVE

Neben Überwässerung mit Ausbildung einer Hypertonie und Lungenödem ist die Hyperkaliämie ein Risiko bei pädiatrischen Dialysepatienten.

Hämodialyse

Die Hämodialyse (3-mal 4 h/Woche) ist das Standarddialyseverfahren bei Kindern und Jugendlichen, wenn die Peritonealdialyse nicht gewünscht oder möglich ist.

Hämofiltration

Die Hämofiltration ist vor allem bei der Notwendigkeit eines ausgeprägten Wasserentzugs (Überwässerungszustand) einzusetzen. Bei hohem Blutfluss kann eine ausreichende Effektivität in der Entfernung niedermolekularer Substanzen angenommen werden.
Die Hämofiltration spielt vor allem bei der Akutdialyse eine bedeutsame Rolle, da es durch die kontinuierliche Filtration zu einer schonenden Abnahme des Volumens und der harnpflichtigen Substanzen kommt.

Hämodiafiltration

Die Hämodiafiltration, eine Kombination von Hämodialyse und Hämofiltration, erlaubt eine Blutreinigung sowohl über den diffusiven als aber auch über den konvektiven Transport (vgl. auch > Kapitel B 1.1). Sie wird gelegentlich im Kindesund Jugendalter eingesetzt, um in möglichst kurzer Zeit niedrige und mittelmolekulare Substanzen zu eliminieren.

Peritonealdialyse

Die Nutzung des Bauchfells als Dialysemembran mit operativ eingelegtem Tenckhoff-Katheter zu Beginn der 1980er-Jahre hat dazu geführt, dass eine Dauerdialysebehandlung auch bei kleinen Kindern möglich ist.

Als Faustregel gilt:

Für Kinder unter 7 Jahren ist die Peritonealdialyse Methode der Wahl.

Heute wird in der Dauerdialyse nahezu ausschließlich die CCPD (kontinuierliche zyklische Peritonealdialyse) eingesetzt, bei der während der Abend- und Nachtstunden der Dialysat-Austausch mithilfe eines automatisierten und monitorisierten Systems vorgenommen wird. Dies hat zur Folge, dass weniger Diskonnektionen des Systems unter sterilen Bedingungen nötig sind und so die Gefahr einer Peritonitis geringer ist.

Vorteile

Mit der chronischen Peritonealdialyse lassen sich der Hämodialyse vergleichbare Ergebnisse bezüglich Entgiftung und Volumenentzug erreichen.
Vorteil der Peritonealdialyse ist ein geringerer Blutverlust und damit weniger Bluttransfusionen. Dies spielt im Zeitalter der Erythropoetintherapie jedoch keine große Rolle.
Bei der Peritonealdialyse ist die Kaliumrestriktion nicht so streng wie bei der Hämodialyse.
Während einerseits über das Dialysat Eiweiß verloren gehen kann, vor allem bei Peritonitis, werden andererseits 10–20% der Gesamtenergiezufuhr durch die Glukoseaufnahme aus dem Dialysat gedeckt.
Durch einen kontinuierlicheren Volumenentzug mit einer durchschnittlichen Ultrafiltrationsleistung von 25 ml/kg/Tag liegt die Trinkmenge unter Peritonealdialyse höher als unter Hämodialyse.
Bei Kleinkindern mit Uropathien und Nierendysplasie als Grundkrankheiten besteht häufig noch eine Restdiurese und es kommt im Rahmen einer guten Ultrafiltration zu einer negativen Natriumbilanz, die ggf. durch orale Natriumchloridzufuhr ausgeglichen werden muss.

Nachteil

Nachteil der Peritonealdialyse ist die Störung des Körperschemas durch die Einbringung des Katheters in das Abdomen. Gerade deshalb lehnen Jugendliche nicht selten die Peritonealdialyse als Dauerverfahren ab.
Ein Schwimmverbot wird meist problemlos akzeptiert.

Komplikationen

Die praktisch wichtigste Komplikation einer Peritonealdialysebehandlung ist die Peritonitis. Die Peritonitisrate konnte in den letzten Jahren deutlich gesenkt werden und liegt im Mittel deutlich unter einer Peritonitis in 12 Patientenmonaten.
Neben klinischen Symptomen wie Bauchschmerzen und Übelkeit ist die Trübung des Dialysats mit Nachweis von Leukozyten im Dialysat und Erregern (Staphylococcus aureus, bzw. gramnegative Darmkeime) der diagnostische Weg.
Häufigere Dialysatwechsel und die intraperitoneale Behandlung mit Antibiotika und dem Zusatz von Heparin (200 E/l) zum Dialysat führen i. d. R. zur Ausheilung der Peritonitis.
Bei Peritonitisrezidiven mit den gleichen Erregern bzw. bei rezidivierenden Infektionen im Bereich des Hauttunnels, muss der Katheter entfernt werden. Oft muss die Zeit bis zur Reimplantation eines neuen Peritonealkatheters durch eine Hämodialysebehandlung überbrückt werden. Der Nachweis einer Pilzperitonitis führt immer zum Ersatz des Tenckhoff-Katheters.
Infolge einer Peritonitis können die Bauchfellfunktion und damit die Ultrafiltrationsleistung nachlassen. Durch Steigerung der Glukosekonzentration im Dialysat lässt sich in dieser Situation oft nur unbefriedigend die Ultrafiltrationausbeute steigern. Nicht selten wird dann die Funktion des Bauchfells so gestört, dass – zumindest vorübergehend – eine Hämodialysebehandlung erforderlich ist.
Gelegentlich führen Katheter zu Obstruktion und zu einem Austausch des Systems.
Peritonealdialyse sollte nur ein Zentrum anbieten, das auch in der Lage ist, in Notfällen bei allen Kindern Hämodialyse über einen längeren Zeitpunkt ohne Schaden für das Kind zu gewährleisten. So ist es auch bei Versagen der Peritonealdialyse möglich, die Wartezeit der Kinder auf die Nierentransplantation ohne Probleme zu überbrücken.

Besonder- heiten der chronischen Niereninsuffizienz im Kindesalter

Ernährung

Als Faustregel gilt:

Um adäquates Wachstum und Gedeihen während der Dialysetherapie zu gewährleisten, ist eine hohe Kalorienzufuhr besonders auch Eiweißzufuhr nötig.

Unter Hämodialyse ist bei oligurischen bzw. anurischen Patienten häufig bei geringer Trinkmenge (300–500 ml täglich) eine geeignete Kalorienzufuhr mithilfe einer konventionellen Milchnahrung nicht möglich. Deshalb muss im Rahmen einer Ernährungstherapie durch Nahrungszusätze eine adäquate Kalorienzufuhr geleistet werden. Gerade Säuglinge erbrechen schon im präterminalen Stadium der Niereninsuffizienz häufig und nehmen deshalb und aufgrund von Appetitmangel zu wenige Kalorien zu sich. Nur durch hohe Kalorienzufuhr über die Magensonde gelingt das Gedeihen.
Zudem sind bei der Ernährungstherapie zu berücksichtigen Kaliumrestriktion, Elektrolytausgleich, Azidoseausgleich und das Vermeiden einer überdurchschnittlichen Gewichtszunahme infolge einer Salz- und Wasserretention.
Die Nahrung kann oft leichter über eine perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG-Sonde) zugeführt werden, deren Anlage idealerweise vor der Tenckhoff-Anlage erfolgen sollte. Die PEG-Sonde sollte möglichst weit von der Implantationsstelle des Tenckhoff-Katheters liegen. Bei gleichzeitiger Anlage eines Tenckhoff-Katheters und einer PEG sollte die Dialyse mit zeitlicher Latenz begonnen werden. Bei nachträglicher Anlage einer PEG muss die Dialyse einige Tage unterbrochen werden, in seltenen Fällen ist eine vorübergehende Hämodialyse über einen Shaldon-Katheter notwendig. Trotz Sondenernährung muss Nahrung über den Mund gegeben werden, damit Essverhalten und Geschmack erlernt werden.

Wachstumsretardierung

Im Rahmen der Grundkrankheit, der schwierigen Ernährungstherapie und der Niereninsuffizienz kommt es nicht selten schon im Frühstadium der Niereninsuffizienz zur Ausbildung eines renalen Kleinwuchses, der sich in einer Retardierung der Skelettreifung und später einer verzögerten Pubertätsentwicklung äußert.
Oft lässt sich bei frühzeitig begonnener Dialysetherapie mit einer adäquaten oder gesteigerten Kalorienzufuhr und Ausgleich der Azidose ein befriedigendes Wachstum erreichen.
Die Gabe des humanen rekombinanten Wachstumshormons ist bei bestimmten Patienten mit Niereninsuffizienz indiziert und zugelassen und vermag die Endgröße der Patienten zu steigern. Jedoch ist diese Therapie nur sinnvoll, wenn die Ernährungstherapie eine adäquate Kalorienzufuhr gewährleistet.
Durch eine erfolgreiche Nierentransplantation lässt sich die Wachstumsgeschwindigkeit beschleunigen.

Renale Osteopathie

Gerade im Kindesalter wird bei einem wachsenden Organismus oft eine renale Osteopathie beobachtet, die durch eine frühzeitige Behandlung der Phosphatretention mit Phosphatbindern (z. B. Kalziumkarbonat) und Kalziumsubstitution behandelt werden muss.
Die Zufuhr von Vitamin D in einer Dosis von 2.000–5.000 E/Tag in Kombination mit Calcitriol (0,1–2 mg/Tag) verhindert die Ausbildung einer renalen Osteopathie.
Die Steuerung erfolgt durch regelmäßige Analyse von Kalzium, Phosphat, alkalischer Phosphatase und gelegentlich des Parathormons.

Renale Anämie

Die renale Anämie durch Erythropoetinmangel erforderte früher häufig Erythrozytentransfusionen.
Heute wird durch die Verabreichung von rekombinant hergestelltem Erythropoetin eine ausreichende eigene Blutbildung möglich.
Voraussetzung ist eine ausreichende Versorgung mit Eisen.

Literatur

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