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B978-3-437-22142-2.50097-5

10.1016/B978-3-437-22142-2.50097-5

978-3-437-22142-2

Campylobacter-Infektionen

I.B. Autenrieth

M. Buhl

Kernaussagen

  • Campylobacter-Spezies stellen weltweit zusammen mit Salmonellen die häufigste Ursache der akuten bakteriellen Enteritis dar.

  • Der Nachweis erfolgt aus dem Stuhl mittels Kultur und ggf. Antigen-Schnelltest.

  • Eine symptomatische Therapie ist normalerweise ausreichend.

  • Mittel der 1. Wahl bei Indikation zur Antibiotika-Therapie sind Makrolide.

  • Therapieunterstützend kann bei Immundefizienz die Gabe von Immunglobulinen sein.

Vorbemerkung

Die Campylobacteriose ist eine weltweit verbreitete Zoonose. Campylobacter-Spezies sind Kommensalen des Gastrointestinaltrakts bei Nutz- und Haustieren. Die Inzidenz in Deutschland bewegt sich mit 77 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner für 2013 auf konstantem Niveau der letzten Jahre, jedoch mit leicht zunehmender Tendenz. Die Inzidenz liegt seit 2005 über der von Salmonellosen. Somit bleibt Campylobacter der häufigste gemeldete Erreger bakterieller lebensmittelbedingter Erkrankungen.
Infektionsquellen sind Milch- und Fleischprodukte sowie kontaminiertes Wasser. Die Infektionsdosis ist mit ∼500 Bakterien sehr gering.
Häufigste Spezies mit enteritischem Verlauf ist C. jejuni. Seltener sind C. coli und C. lari.
Häufigste Spezies mit systemischem Verlauf ist C. fetus subsp. fetus.
Nach kurzer Inkubationszeit von 2–5 d kann eine anfangs wässrige, später oft blutige Enterokolitis mit schmerzhaften Bauchkrämpfen und Fieber auftreten; asymptomatische Infektionen sind häufig.

Symptome

Häufige Symptome sind
  • Diarrhö (86%),

  • Bauchschmerzen (78%),

  • Fieber (53%),

  • Myalgien (40%),

  • Kopfschmerzen (35%),

  • Übelkeit, Erbrechen (34%) und

  • Blut im Stuhl (11%).

Ferner treten extraintestinale Komplikationen wie Abszesse, z. B. der Haut, reaktive Arthritis (< 1%), Reiter-Syndrom, Uveitis, Erythema nodosum oder selten (∼< 1‰) ein GBS (DuPont 2014) auf (▸ Immunvermittelte Polyneuritiden P 11 – 5.1).
Systemische oder chronische Verläufe treten bei immundefizienten Patienten, z. B. bei AIDS oder Agammaglobulinämie, bei Säuglingen – v. a. C. fetus subsp. fetus – und alten Personen auf.

Diagnostische Voraussetzungen

Der Erregernachweis gelingt mittels Stuhlkultur unter mikroaerophilen Bedingungen auf Spezialnährmedien.
Die Antigen-Schnelltests besitzen eine akzeptable Sensitivität und Spezifität, ersetzen die Kultur – mit Antibiogramm! – jedoch nicht. Bei systemischen Infektionsverläufen ist eine Blutkultur angezeigt, ggf. PCR aus Gewebsläsionen.
Der Antikörpernachweis (Immunoblot, ELISA) ist heute durch kommerzielle Tests möglich, jedoch nur bei postinfektiösen Begleiterkrankungen oder bei V. a. auf eine persistierende Infektion indiziert.

CAVE

  • !

    Ein Antibiogramm ist aufgrund der zunehmenden Resistenzentwicklung erforderlich.

Therapie

In der Regel ist eine symptomatische Therapie mit Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution ausreichend.

Als Faustregeln gelten:

Eine Antibiotikatherapie ist indiziert bei

  • hohem Fieber,

  • blutiger Diarrhö,

  • Diarrhö > 1 Wo.,

  • schweren systemischen Verläufen oder

  • besonders infektanfälligen oder immundefizienten Patienten, z. B. Säuglinge oder alte Menschen.

Antibiotikatherapie

Makrolide sind Mittel der 1. Wahl:
  • Erythromycin

    • Erwachsene 4 × 500 mg/d

    • Kinder 30–50 mg/kg KG/d

  • Clarithromycin 2 × 250 mg/d

  • Azithromycin 1 × 500 mg/d

Therapiedauer: Meist 5–7 d, ggf. mehrere Wo.
Resistenzrate gegen Erythromycin: C. jejuni 1–10%, C. coli bis zu 25–50% (Versalovic 2011)

Alternativen

  • Chinolone, z. B. Ciprofloxacin: Erwachsene 2 × 500 mg/d über 7 d; Resistenzrate ca. 10–40%

  • Doxycyclin 2 × 100 mg/d; Resistenzrate bis zu 40%

  • Carbapeneme, z. B. Imipenem: Erwachsene 3 × 0,5–1 g/d, Kinder 50 mg/kg KG/d; Resistenzrate ca. 1%

  • Aminoglykoside, Gentamicin: 3–5 mg/kg KG/d; Resistenzrate ca. 1%

Cephalosporine der 1. und 2. Generation sind unwirksam, solche der 3. Generation haben sich als therapeutisch nicht effektiv erwiesen (Ge et al. 2013).

CAVE

  • !

    Bei Patienten, die die Infektion im Ausland akquiriert haben, ist mit resistenten Stämmen zu rechnen.

Weitere Therapieoptionen

Bei immundefizienten Patienten (z. B. bei Hypogammaglobulinämie) oder bei multiresistenten Stämmen kann die i. v. Gabe von Immunglobulinen, besonders von IgM-angereicherten Präparaten, die Antibiotikatherapie wirksam unterstützen (Borleffs et al. 1993, Hammarstrom et al. 1993, Heaton et al. 1993). Allerdings gibt es neben Fallberichten keine klinischen Studien, die eine Wirkung bei Campylobacteriose belegen.
Dauer der Ansteckungsfähigkeit: Bei nicht antibiotisch behandelten Patienten 2–4 Wo.
Langzeitausscheidungen sind bei immunsupprimierten Patienten möglich, Dauerausscheider sind nicht bekannt.

MERKE

  • !

    Nach §6 IfSG ist die akute infektiöse Gastroenteritis meldepflichtig (durch den behandelnden Arzt), wenn „zwei oder mehr gleichartige Erkrankungen auftreten, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird”.

  • !

    Nach §7 IfSG ist der Nachweis darmpathogener Campylobacter-Spezies meldepflichtig (durch das Labor).

Prophylaxe

Hygienemaßnahmen und Abkochen von Nahrungsmitteln sind i. d. R. völlig ausreichend. Ein Impfstoff existiert nicht.

CAVE

  • !

    Die prophylaktische Antibiotikagabe verbietet sich angesichts der weltweit steigenden Resistenzrate von Campylobacter.

LITERATUR

Borleffs et al., 1993

JC Borleffs JF Schellekens E Brouwer M Rozenberg-Arska Use of an immunoglobulin M containing preparation for treatment of two hypogammaglobulinemic patients with persistent Campylobacter jejuni infection Eur J Clin Microbiol Infect Dis 12 10 1993 772 775

DuPont, 2014

HL DuPont Acute infectious diarrhea in immunocompetent adults N Engl J Med 370 16 2014 1532 1540

Ge et al., 2013

B Ge F Wang M Sjolund-Karlsson PF McDermott Antimicrobial resistance in campy-lobacter: susceptibility testing methods and resistance trends J Microbiol Methods 95 1 2013 57 67

Hammarstrom et al., 1993

V Hammarstrom CI Smith L Hammarstrom Oral immunoglobulin treatment in Campy-lobacter jejuni enteritis Lancet 341 8851 1993 1036

Heaton, 1993

P Heaton Oral immunoglobulin treatment in Campylobacter jejuni enteritis Lancet 341 8851 1993 1036

Versalovic, 2011

J Versalovic American Society for M: Manual of clinical microbiology 2011 ASM Press Washington, DC

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